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Karlseisfeld-Forschungen der K. K. geographischen Gesellschaft. I. Theil. , Die topographische Aufnahme des Karlseisfeldes in den Jahren 1899 und 1900
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- KARLSEISFELD-FORSCHUNGEN
- DER
- K. K. GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT
- I. THEIL :
- DIE TOPOGRAPHISCHE AUFNAHME DES KARLSEISFELDES IN DEN JAHREN 1899 UND 1900
- VON
- ARTHUR FREIHERRN VON HÜBL
- K. UND K. OBERST
- UND LEITER DER TECHNISCHEN GRUPPE IM K. UND K. MILITÀR-GEOGRAPHISCHEN INSTITUTE
- MIT 2 KARTEN, 2 TAFELN UND 2 ABBILDUNGEN IM TEXTE
- ABHANDLUNGEN
- DER K. K. GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT IN WIEN
- III. BAND, 1901, N° 1
- WIEN 1901
- R. LECHNER
- (WILH. MÜLLER)
- K. U. K. HOF- U. UNIVFRSITATS - BUCHH ANDLUNG
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- Druck von ADOLF HOLZHAUSEN in Wien
- K. UND K. HOF- UND UNIVERSITÂTS-BUCHDRUCKER
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- Seite
- Vorwort......................................................................5
- I. Die Wahl der Aufnahmsmethode............................................7
- II. Die Arbeiten am Karlseisfelde 1899 und igoo..............................11
- a) Basierung der Aufnahme........................................... . . 11
- b) Wahl der Camerastationen...............................................14
- c) Ausführung der Aufnahme................................................16
- III. Construction und Ausführung der Karte......................................19
- Die Zeichnung der Karte...................................................22
- Schlussbemerkungen........................................................24
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- VORWORT
- Am 26. September 1840 hat Friedrich Simony das Karlseisfeld zum erstenmale besucht.
- Seit dieser Zeit hat sich an dem genannten Gletscher keine Yerânderung vollzogen, über die wir nicht unterrichtet wâren, denn seither stand das kleine Eisfeld unter der stândigen Aufsicht Simony’s. Diese wâhrte genau ein halbes Jahrhundert: am 27. September 1890 machte Simony seine letzte photographische Aufnahme des Gletschers.
- Ueber keinen anderen Gletscher der Alpen besitzen wir eine so lange, wissenschaftlich gleichwertige Beobachtungsreihe. Allerdings reichen bei einigen Gletschern die Nachrichten bis ins 16. Jahrhundert zurück, aber das sind nur einzelne Stichproben, die sich nicht zu einer fortlaufenden Reihe gesellen.
- Es wâre der Gletscherforschung gegenüber nicht zu verantworten ge-wesen, hâtte man die stetige Beobachtung des Karlseisfeldes mit dem Tode Simony’s ein Ende finden lassen. Im Gegentheile: die so verdienstlichen Arbeiten Simony’s durften nicht nur mit Recht eine Fortsetzung, sondern auch eine gewisse Erweiterung beanspruchen. Zu den in Wort und Bild niedergelegten Forschungen Simony’s mufite sich die topographische Aufnahme gesellen, denn die stets fortschreitende Wissenschaft kann der Rarte nicht mehr entbehren, wo es sich um die Auswertung der râumlichen Schwankungen der Gletscher handelt.
- Simony hat eine solche nicht geliefert; er war nicht Geodât, sondern Geograph. Die sein Erbe antraten, waren verpflichtet, auch hiefür zu sorgen.
- Schon im Jahre i8g6 — noch bei Lebzeiten Simony’s und im Ein-vernehmen mit ihm — hatte die K. K. Geographische Gesellschaft eine topographische Aufnahme des Karlseisfeldes veranlasst, die durch den K. u. K. Obersten Maximilian Groller v. Mildensee ausgeführt, und deren Ergebnisse in dem 40. Bande der «Mittheilungen» (1897) verôffentlicht worden sind.
- Eine derartige Aufnahme mufô aber der Natur der Sache nach in kürzeren Zeitrâumen — etwa von fünf zu fünf Jahren — wiederholt oder zumindest überprüft werden, soll die darauf verwendete Mühe und Arbeit für die Wissenschaft wirklich fruchtbringend angelegt sein.
- In unserem Falle machte sich dieses Bedürfnis früher geltend, theils wegen des starken Rückzuges des Gletschers, theils weil man seither erkannt hat, dass die von Oberst v. Groller angewendete Aufnahmsmethode
- (Gedr. 30. IV. 1901)
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- den Ansprüchen der Gletscherforschung nicht in allem und jedem so gerecht zu werden vermag wie das gegenwârtig zu so hoher Vervollkommnung gelangte photogrammetrische Verfahren.
- Der vormalige Prâsident und nunmehrige Ehrenprâsident der K. K. Geo-graphischen Gesellschaft, Se. Excellenz FML Christian Reichsritter v. Steeb, hat sich daher ein bleibendes Verdienst um die Wissenschaft erworben, als er in der Ausschussitzung vom 14. Mârz 1899 beantragte, im Laufe des Sommers eine photogrammetrische Neuaufnahme des Karlseisfeldes ausführen zu lassen. FML y. Steeb hat dieses Unternehmen, nachdem seine Durchführung vom Ausschusse einstimmig beschlossen worden war, auch in so hervorragender Weise gefôrdert, wie er allein es zufolge seiner Stellung als Commandant des K. u. ,K. Militâr-Geographischen Institutes zu thun ver-mochte. Ohne seine Fürsprache und Unterstützung wàre diese photogrammetrische Aufnahme wohl kaum zustande gekommen.
- Es wâre dies aber auch nicht môglich gewesen, wenn sich nicht Herr K. u. K. Oberst Arthur Freiherr v. Hübl, der den photogrammetrischen Dienst bei der Militârmappierung eingerichtet hat, für die Sache interessiert und in uneigennützigster Weise bereit erklârt hâtte, seine Kraft, Kenntnis und Erfahrung in den Dienst der Gletscherforschung zu stellen. Die Arbeit konnte daher in die berufensten Hânde gelegt werden.
- Herr K. u. K. Official Friedrich Pichler, Leiter der Photographie-Abtheilung im K. u. K. Militâr-Geographischen Institute, hat sich gleichfalls in opferwilliger Weise an dem Unternehmen betheiligt, indem er Herrn Oberst Freiherrn v. Hübl sowohl bei der Feld- als auch bei der Haus-arbeit unterstützte.
- Dank gebührt endlich auch der Section Austria des Deutschen und Oesterreichischen A lpenvereins, die das Unternehmen durch Gewâhrung freier Unterkunft in der Simony-Hütte fôrderte.
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- Das Karlseisfeld - Werk wird aus drei Theilen bestehen.
- Der vorliegende erste Theil von Herrn Oberst Freiherrn v. Hübl umfasst die Aufnahmsarbeiten und die darauf beruhende Karte des Karlseisfeldes.
- Der zweite Theil wird die Geschichte des Karlseisfeldes behandeln, und der dritte dessen heutige Beschaffenheit.
- Indem ich die Ausarbeitung dieser beiden Theile, die erst spâter er-scheinen kônnen, übernommen habe, entspreche ich einem letztwilligen Wunsche meines unvergesslichen Lehrers Friedrich Simony. Der Be-gründer der physikalischen Géographie in Oesterreich hat mir zu diesem Zwecke seinen gesammten wissenschaftlichen Nachlass als Vermâchtnis über-weisen lassen7 und ich werde mich bestreben; die Forschungen an den Dach-steingletschern auch weiterhin in seinem Sinne fortzusetzen.
- Wien, im April 1901
- Âugust P. Bôhm
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- die topographische aufnahme
- DES KARLSEISFELDES
- I. DIE WAHL DER AUFNAHMSMETHODE
- Die ausgedehnten Eisfelder, die die Hochregion unserer Gebirgszüge bedecken, setzen der topographischen Aufnahme mit Messtisch und Tachy-meter wegen ihrer eigenthümlichen Formen, der wechselnden Beschaffenheit ihrer Oberflâche, der theilweisen Ungangbarkeit und den wegen der hohen Lage meist ungünstigen meteorologischen Verhâltnissen eine Reihe von Schwierigkeiten entgegen, die nur durch einen relativ grossen Aufwand an Zeit und Mühe zu überwinden sind.
- Wâhrend nâmlich die Formen eines erdigen Terrains fast nur durch die Wirkung des abfliefienden Wassers bestimmt werden und sich daher durch einen einfachen gesetzmafiigen Bau auszeichnen, zeigt das Gletscher-und Morânengebiet eine eigenthümliche, scheinbar regellose Gliederung. Durch Ftindernisse im Gletscherbett entstehen Stauungen in der sich langsam thal-wârts bewegenden Eismasse, wodurch den sonst herrschenden Gesetzen wider-sprechende Formen zustande kommen. Noch gesetzloser und aufierst com-pliciert ist das Formendetail der am Rande liegenden, durch Ansammlung und Anstauung von Gerôllen entstandenen Morânen.
- Die Ermittlung des Gletscher- und Moranenreliefs fordert daher die Bestimmung eines dichten Punktnetzes, was mit Rücksicht auf die hier herrschenden Arbeitsverhâltnisse oft mehr als eine blofie Zeitfrage bedeutet.
- Die Witterungsverhàltnisse in der Gletscherregion beschrànken die Thâtig-keit des Geodâten auf nur wenige Wochen des Hochsommers, und infolge der fliefôenden Bewegung des Gletschers kônnen die im Eise gesetzten Signale schon oft nach kurzer Zeit eine deutlich wahrnehmbare Yerschiebung zeigen; auch zàhlt der lange Aufenthalt in den Schutzhütten und die Handhabung der Instrumente auf der nasskalten Eisflâche keineswegs zu den Annehmlich-keiten, und die im Hochgebirge allgemein übliche hohe Entlohnung der Handlanger verursacht namhafte Kosten.
- Der Oberflâche des Eises fehlen weiters Details, die genug deutlich und charakteristisch wâren, um natürliche Marken bei der geometrischen Punkt-bestimmung mit dem Messtisch zu bilden. Allerdings zeigt die Oberflâche meist eine reiche Fülle von Details, denn der Gletscher ist mit Sprüngen, Spalten, Rillen, Wasserrissen, einzelnen Steinen u. dgl. übersâet, die aber so
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- Arthur Freiherr von Hübl
- wenig eigenartig sind, dass sie von einem zweiten Standpunkte nicht wieder erkannt werden kônnen. Die in den Vertiefungen des aperen Gletschers meist vorhandenen Schneereste würden zwar wegen ihrer deutlichen, scharfen Umgrenzung recht brauchbare, natürliche Marken abgeben, sind aber sehr unverlâsslich, da sie vielleicht schon am nâchsten Tage ihre Gestalt vôllig verândert haben oder auch gânzlich verschwunden sind. Eine Aufnahme mit dem Messtisch fordert daher das Aufstellen einer grofien Zahl künstlicher Signale, deren Beschaffung in diesen, hoch über der Waldgrenze gelegenen Gebieten mit grofien Schwierigkeiten verbunden ist.
- Die tachymetrische Méthode ist zwar viel brauchbarer, sie versagt aber an den steilen Eishângen ebenso wie an der ungangbaren Felsumrahmung; gewisse spaltenreiche Gletschertheile fordern zeitraubende Vorsichtsmafiregeln bei ihrer Begehung durch den Figuranten, und oft ist es gar nicht môglich, Spalten, deren Situation zu bestimmen wâre, mit der Latte zu erreichen.
- Bei beiden Aufnahmsverfahren müssen zahlreiche Stationen auf dem Gletscher selbst gewâhlt werden, der sich fur eine sichere Aufstellung der Instrumente nur schlecht eignet, denn die Stativfüfie sinken langsam in das Eis, und die Orientierung des Messtisches oder Fernrohres geht verloren.
- Aile diese Verhâltnisse drângen zur Anwendung der Photogrammetrie, eines Verfahrens, das in dem vorliegenden Falle noch eine Reihe weiterer Vortheile bietet.
- Die Feldarbeit der Photogrammetrie beschrânkt sich auf die photogra-phische Aufnahme des Gelandes von passend gewâhlten Standpunkten und gestattet die voile Ausnützung einzelner, vom Wetter begünstigter Tage.
- Sie braucht weiter keinerlei künstliche Punktmarkierung, und die Camera-stationen kônnen, wenn nôthig, auch auf dem Gletscher gewâhlt werden, da die richtige Stellung des Apparates nur wâhrend des Augenblickes der Exposition erforderlich ist.
- Dass die Photogrammetrie — der doch das Princip der Messtischaufnahme zugrunde liegt — der Punktsignale am Eisfelde entbehren kann, erklârt sich durch die Leichtigkeit, mit der Details auf photographischen Bildern identi-ficiert werden kônnen. Wâhrend es nâmlich ganz ausgeschlossen ist, ein von einem Standpunkte in der Natur gesehenes Detail, z. B. einen bestimmten Punkt eines Spaltensystems, von einem zweiten Standpunkte wieder zu erkennen, was nothwendig wâre, um diesen Punkt durch Rayonnieren und Schneiden am Messtische festzulegen, unterliegt das Erkennen solcher identer Punkte auf den von diesen Standpunkten aufgenommenen Photographien gewôhnlich gar keinem Anstande. Von einem Bilde zum andern blickend, wechseln wir gleichsam den Standpunkt, erkennen dann bald das gleiche Spaltensystem, vermôgen weiters den Verlauf der einzelnen Spalten in beiden Ansichten zu verfolgen, und irgend ein ganz unbedeutendes Detail einer derselben wird als identischer Punkt gewâhlt. Durch Rayonnieren und Schneiden wird dann seine Horizontalprojection und Hôhenlage ermittelt.
- In dieser Weise lassen sich auf den aperen Theilen des Gletschers nicht nur eine fast beliebige Zahl von Hôhencoten zur Ermittlung seines Reliefs
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- Die topographische Aufnahme des Karlseisfeldes in den Jahren 1899 und 1900
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- gewinnen, es kann au ch der Verlauf aller grôfieren Spalten, Gletscherbâche, Schuttstreifen, Structurlinien etc. festgelegt werden.
- In besonders schwierigen Fâllen, das ist bei Bildern von weit auseinander-liegenden oder sehr verschieden hochliegenden Standpunkten, kann die Punkt-identificierung durch Zuhilfenahme der Kernstrahlen wesentlich erleichtert werden, ein Vorgang, der spâter, wegen seiner Wichtigkeit bei der photo-grammetrischen Gletscheraufnahme, noch besprochen werden soll.
- Auf den von Firnschnee gleichmâfîig bedeckten Flâchen fehlt allerdings auch der Photogrammetrie die Môglichkeit einer derartigen Punktbestimmung, und um sie auch hier verwendbar zu machen, müssen in irgend einer Weise künstliche Merkmale geschaffen werden.
- Das Aufstellen von Stangen mit kreuzweise befestigten Brettchen oder Fahnen ist ganz unzureichend, da solche Signale bei etwas grôfierer Ent-fernung in den Bildern nicht mehr aufzufinden sind. Selbst schwarze Signal-scheiben von etwa 1 m Durchmesser würden sich auf 1 km Entfernung in der Grôfie eines grôberen Nadelstiftes abbilden und wâren daher in den Bildern von den stets vorhandenen Staubpunkten kaum zu unterscheiden. Von solchen umstândlichen und zeitraubenden Hilfsmitteln darf die Photogrammetrie keinen Gebrauch machen, denn ihre Vorzüge gehen damit ganz verloren, und ihre Anwendung wâre nicht mehr gerechtfertigt.
- Doch braucht die Photogrammetrie auch im Gebiete des Firnschnees, vorausgesetzt, dass fur ihre Anwendung sonst günstige Verhâltnisse vor-handen sind, noch nicht die Concurrenz mit dem Tachymeter zu scheuen, denn wir verfügen über ein hôchst einfaches Mittel — das Treten von Fufisteigen — um auf den monotonen Schneeflâchen künstliche Marken hervorzubringen, die allerdings nur bei diesem Verfahren brauchbar sind. Bei schrâger Sonnenbeleuchtung sind die Fufôsteige in den Bildern als con-tinuierliche Linien noch auf 1—2 km Entfernung gut erkennbar, und mit Hilfe der schon oben erwâhnten Kernstrahlen lassen sich in ihrem Zuge eine beliebige Zahl von identen Punkten ermitteln und ihrer Lage und Hôhe nach bestimmen.
- In den photographischen Bildern finden wir aber auch noch weiteres Materiale fur die Ermittlung des Gletscherreliefs. Die Contourlinien der wellenfôrmig gestalteten, sanft gebôschten Formen kônnen, gestützt auf die perspectivischen Eigenthümlichkeiten der Bilder, in Abstânde gleicher Hôhe getheilt werden, wodurch ein wertvoller Behelf fur die Führung von Niveau-linien gewonnen werden kann.
- Bei einer Gletscheraufnahme, die der wissenschaftlichen Forschung dienen soll, ist das photographische Bild nicht nur Mittel fur die Construction des Planes, es kommt ihm auch als perspectivische Ansicht ein ganz besonderer Wert zu. Aus diesen Ansichten ist jede im Laufe der Zeit eintretende Verânderung der Structurverhâltnisse erkennbar, und aus einer in den Bildern wahrnehmbaren Verânderung der Contour- und Grenzlinie kann leicht auf die Verschiebung der Eismassen geschlossen werden.
- Aus photographischen Ansichten, die nach einer Reihe von Jahren von denselben Standpunkten aufgenommen werden, kann somit die Verânde-
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- rung jeder grôfieren Spalte, jedes Gletscherbaches, der Grenzen des Eis-feldes, der Gletscherzungen, der Uferlinien von etwa vorhandenen Seen etc. nicht nur mit Leichtigkeit constatiert, sie kann auch ziffermâfiig verfolgt werden.
- Die Genauigkeit des photogrammetrischen Verfahrens lâsst si ch dem je-weiligen Zwecke der Aufnahme anpassen und ist auch ohne besonders zeit-raubende Complicationen leicht soweit zu steigern, dass sie der Arbeit mit dem Messtisch und Tachymeter ebenbürtig wird. Eine genügend lange Objectivbrennweite und eine rationelle Construction der Caméra im Vereine mit einem — bezüglich Zahl und Entfernung der Standpunkte — passend gewâhlten Arbeitsmodus bilden die Mittel, um in dieser Beziehung den jeweilig gestellten Anforderungen zu entsprechen.
- Die Photogrammetrie ist somit bei der Aufnahme von Gletschern, besonders wenn diese die Grundlage fur das Studium seiner Verânderungen bilden soll, jedem anderen Verfahren weit überlegen. S. Finsterwalder hat schon vor Jahren die Bedeutung der Photogrammetrie für diesen Zweck erkannt, und gegenwartig wâre es ein grober Fehler, wenn man Gletscheraufnahmen ohne Zuhilfenahme der Caméra ausführen wollte.
- Der Umstand, dass man nach dem Exponieren der photographischen Platten das Gelânde ohne jedes sichtbare Résultat ver lâsst, vermag anfanglich wohl zu beunruhigen, doch zeigt die Auswertung der Bilder, die dann in aller Ruhe erfolgen kann, dass diese meist ein viel wertvolleres Materiale abgeben als das am Messtisch erzielte Punktnetz mit den doch nur flüchtig eingezeichneten Formen.
- Der photogrammetrischen Terrainaufnahme wird oft die langwierige Zimmerarbeit vorgeworfen. Bei Gletscheraufnahmen kommt dieser Umstand gewiss nicht in Betracht; hier muss unbedingt eine thunlichste Abkürzung der Arbeit an Ort und Stelle angestrebt werden, und wer jemals stundenlang auf dem mit wâsserigem Schnee bedeckten Eis — einem erstarrenden Winde ausgesetzt — ein Instrument zu handhaben hatte, wird dieser Thâtigkeit gewiss eine zwei- bis dreimal so lang wâhrende Zimmerarbeit vorziehen.
- Ein empfindlicher Mangel der Photogrammetrie sind dagegen ihre oft unvollkommenen Resultate, sobald man mit einer nur geringen Zahl von Sta-tionen das Auslangen finden will.
- In einem reicher gegliederten Terrainabschnitt sind dann Lücken in der Construction unvermeidlich, die mit Hilfe eines anderen geodâtischen Verfahrens geschlossen werden müssen. Doch ist dieser Vorgang gewiss zweck-mâfôiger, als wenn man — nur der Selbstândigkeit der Photogrammetrie zu-liebe — weitere Camerastationen eingeschaltet hatte, aus deren Bildern einige wenige Detailpunkte resultieren, die man mit weit geringerer Mühe durch ein directes Verfahren erhalten hatte. Auch bei der Gletscheraufnahme soll die Photogrammetrie nicht immer selbstândig auftreten wollen, das tachy-metrische Verfahren soll sie, wenn nôthig, unterstützen, denn dann erst kommen ihre Vorzüge ganz zur Geltung.
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- Die topographische Aufnahme des Karlseisfeldes in den Jahren 1899 und 1900 II
- Die unausgesetzte Verânderung gewisser Details auf der Gletscherober-flàche lâsst einen eigenthümlichen Vorgang bei der photogrammetrischen Aufnahme zweckmâfiig erscheinen. Ein Schneefall wâhrend der Nacht ver-wandelt das Eisfeld in eine monotone Flâche, und das Randgebirge erscheint mit weiôen Flecken und Streifen übersâet; in den nâchsten sonnenhellen Tagen schmilzt dann langsam die Schneedecke, anfanglich zahlreiche Reste in den flachen Vertiefungen zurücklassend, die Eisspalten und Lôcher werden wieder allmâhlich sichtbar, das abfliefiende Wasser bildet Rinnsale, und die Schnee-flecke auf den Felsen und Morânen werden immer spârlicher. Die Schnee-schmelze erstreckt sich auf immer hôhere Theile des Gletschers, bis. ein er-neuerter Wettersturz eintritt und das Spiel sich wiederholt.
- Sollen die Details der Gletscheroberflâche als natürliche Marken der Photogrammetrie dienen, so müssen die Aufnahmen von den verschiedenen Standpunkten rasch hintereinander erfolgen, weil den in Zwischenrâumen von mehreren Tagen hergestellten Bildern die nôthige Uebereinstimmung fehlen würde.
- Man theilt daher das ganze Aufnahmsgebiet in mehrere Abschnitte, die einzeln von je drei Stationen erledigt werden. Sind diese leicht zugânglich, so kônnen sie in etwa 3 Stunden absolviert sein, besonders wenn man die nôthigen Winkelmessungen erst spâter nachtrâgt.
- Die photogrammetrischen Standpunkte werden thunlichst auf der Fels-umrahmung und so hoch gewâhlt, dass sie einen vollen Ausblick auf den Gletscher und seine Randbegrenzung gewâhren. Die günstigste Beleuchtung bietet das schrâge auffallende Sonnenlicht wâhrend der Morgen- und Nach-mittagsstunden, bei welchem aile Details der Eisflâche besonders prâgnant hervortreten. Da die spâtere Ausarbeitung des Planes durch photographische Bilder, welche das Gletscherrelief und das Formendetail der Felsumrahmung klar und charakteristisch erkennen lassen, wesentlich unterstützt wird, so ist es zweckmâfîig, Ansichten bei v'erschiedener Beleuchtung mit Hilfe eines Stereoskopapparates anzufertigen. Solche Bilder gewâhren einen ungleich besseren Einblick in die Formengliederung als gewôhnliche Photographien in selbst grofien Formaten.
- IL DIE ARBEITEN AM KARLSEISFELDE 1899 UND 1900
- a) Basierung der Aufnahme
- Als geodâtische Grundlage fur die Aufnahme des Eisfeldes waren die bei der Catastervermessung ermittelten Abstânde und Hôhen der Punkte: Dachstein, Hoher und Niederer Gjaidstein in Aussicht genommen.
- Da jedoch auf dem Niederen Gjaidstein keine Markierung mehr vor-handen war, so wurde beschlossen, von den beiden erstgenannten Punkten einen dritten bei der Simonyhütte zu bestimmen, seine Hôhe und Lage durch Winkelmessungen nach den Pyramiden des Plassens und Krippen-
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- Arthur Freiherr von Hübl
- s teins zu controlieren und auf dieses Dreieck von etwa 2 km Seitenlângen die Arbeit zu basieren.
- Als Fixpunkt bei der Simonyhütte wurde das einen Flaggenstock tragende Steinmandel ôstlich von der Hütte gewâhlt.
- Die Erfahrung bei der photogrammetrischen Aufnahme früherer Jahre hat gelehrt, dass bei den fast immer ungünstigen Witterungsverhâltnissen im Hochgebirge jeder günstige klare Tag zunâchst der Photographie gewidmet werden muss und aile anderen Arbeiten erst spâter, eventuell bei minder gutem Wetter nachzutragen sind. So wurde auch hier wâhrend der schônen Tage photographiert, wobei von jeder Camerastation die Winkel nach den anderen Stationssignalen und Fixpunkten beobachtet wurden, um das Mate-riale für die Bestimmung der Standpunkte zu gewinnen. Es entstand dadurch ein vielfach verbundenes Dreiecksnetz, in dem nur noch die Lage des Fix-punktes bei der Simonyhütte festzulegen war. Das schlechte Wetter am Schlusse der Arbeitsperiode machte aber die zu diesem Zwecke nôthigen Winkelmessungen vom und zum Dachstein unmôglich. Es musste daher ver-sucht werden, den Fixpunkt bei der Simonyhütte durch Rückwârtseinschneiden, unter Benützung mehrerer, ausserhalb des Arbeitsgebietes gelegener Punkte zu ermitteln.
- Hiezu blieb durch drei Tage der Theodolit bei der Simonyhütte auf-gestellt, um in dem hin- und herwogenden Wolkenmeer eine freie Sicht nach einem der Signale zu erhaschen. So gelang es, die Winkel nach dem Hohen Gjaidstein, Krippenstein und Plassen mehrmals zu messen und die Dreiecke des Standpunktnetzes zu schliefien, die Dachstein-Pyramide blieb stets verhüllt.
- Die Aufnahme des Eisfeldes war somit auf die beiden Catasterpunkte Dachstein und Hoher Gjaidstein und den pothenotisch zu bestimmenden Punkt bei der Simonyhütte basiert. Berücksichtigt man überdies, dass an Stelle der Gjaidstein-Pyramide, nur eine tür die Situation, nicht aber für die Hôhe mafigebende Markierung vorgefunden wurde, und dass weiters für die Hôhe dieses Punktes und des Dachsteins verschiedene, ziemlich differierende Angaben existieren, so schien wohl die Aufnahme eines sicheren Fundamentes zu entbehren. Die spâter ausgeführte Rechnung ergab aber trotzdem ein recht befriedigendes Résultat.
- Für die erwâhnten Punkte sind folgende Angaben vorhanden:
- Mi li târmappierung 1874..........
- Cataster-Reambulierung 1875.......
- Aufnahme des Karlseisfeldes durch den K. u. Kl. Obersten v. Groller 1896
- ( Dachstein 2996 m \ Hoher Gjaidstein 2786 m
- j Dachstein 2992*1 m \ Hoher Gjaidstein 2791*2 m
- Dachstein 2994*5 m Hoher Gjaidstein 2786 m
- Hôhenunterschied 210 m Hôhenunterschied 200*9 m Hôhenunterschied 208 5 m
- Der Hôhenunterschied dieser Punkte wurde direct vom Hohen Gjaidstein und indirect von fast sâmmtlichen Camerastationen erhalten und ,be-trâgt im Mittel 200*5 m, daher an der Richtigkeit der Daten des Catasters kaum gezweifelt werden kann. Die Differenz von 0*4 m erklârt sich durch den
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- Die topographische Aufnahme des Karlseisfeldes in den Jahren 1899 und 1900
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- Umstand, dass, wie schon erwâhnt, die Pyramide am hohen Gjaidstein nicht mehr besteht, diesen vom Cataster g-emessenen Punkten eine unter-irdische Markierung fehlt und der von Gesteinstrümmern bedeckte Gipfel eine verschiedene Auffassung über die Lage des natürlichen Bodens zulâsst.
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- Fig. I.
- Die Lage des bei der Simonyhütte gelegenen dritten Basispunktes wurde rechnerisch ermittelt und seine Hôhe mit 2207*7 m gefunden.
- Auf Grund der so geschaffenen Basis: Dachstein, Hoher Gjaidstein und Simonyhütte ergaben sich dann die Abstande und Hohen der Camera-stationen.
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- Arthur Freiherr von Hiibl
- Wegen der âufierst ungünstigen Witterungsverhâltnisse im Jahre 1899 konnte die Aufnahme des Eisfeldes nicht ganz abgeschlossen werden, und da die wâhrend des Winters ausgeführte Construction einige Lücken zeigte und es über-dies wünschenswert war, eine Anzabl für die spâtere Forschung wichtiger Marken geodâtisch festzulegen, so wurde im Jahre 1900 der Gletscher nochmals besucht.
- Bei günstigem Wetter wurden auch die Elemente für die Lage des Punktes bei der Simonyhütte nochmals erhoben und auch die Dachstein-Pyramide in die Messungen einbezogen. Die Rechnung bestâtigte die Richtigkeit der oben angegebenen Hôhe dieses Punktes, forderte jedoch eine Verschiebung seiner Lage um etwa 2 m gegen Westen. Diese ist zwar (bei Berücksichtigung des Kartenmafistabes 1 : 10000) ohne Bedeutung für die Grundrissconstruction, sie übte aber einen Einfluss auf das Hôhennetz, das aus zum Theile sehr steilen Visuren — aus Winkeln bis zu 200 — abgeleitet ist. Die Hôhe fast sâmmtlicher Camerastationen musste daher um 0*2—07 m vergrôfiert werden.1)
- Die Hôhe des Punktes bei der Simonyhütte, die, wie erwahnt, aus den Hôhen der Catasterpunkte Dachstein, Hoher Gjaidstein, Krippenstein und Plassen abgeleitet wurde, ist mit einem mittleren Fehler von rfc 0*5 m behaftet, wâhrend die vom Ausgangsdreieck abgeleiteten Hôhen der Camerastationen nur den mittleren Fehler + 0*07 m aufweisen." Diese Zahl bildet eigentlich den Mafistab für die Genauigkeit des Standpunktnetzes, da es in dem vorliegenden Falle ziemlich gleichgiltig ist, ob die absolute Hôhe aller Coten um etwa 1 m zu hoch oder zu nieder angegeben wird.
- Eine einwandfreie Bestimmung der absoluten Hôhen ware überhaupt nur dur ch den Anschluss an die Linie des Prâcisionsnivellements, beziehungs-weise an die neue Triangulierung I. Ordnung môglich.
- Dem vorstehenden Skelete (Fig. 1) sind die Abstânde und Hôhen der triangulierten Punkte zu entnehmen; die Abstânde beziehen sich auf Meilen-linien des Catastral-Coordinatensystem Gusterberg bei Kremsmünster:
- b) Wahl der Camerastationen
- Das Karlseisfeld (Fig. 2) gliedert sich in zwei Theile, die als geson-derte Aufnahmsgebiete anzusehen sind. Der untere Abschnitt reicht etwa bis zur Schichtenlinie 2500 m, ist wâhrend des Hochsommers meist schnee-frei und wird von der nôrdlichen Felsumrahmung vollkommen eingesehen. Zahlreiche Sprünge, Risse, Lôcher, deutliche Spuren horizontaler Schichtung, die Gerinne von Wasserlâufen, Reste von Neuschnee, verstreut liegende
- *) Im XIX. Bande der «Mittheilungen des K. u. K. Militâr-Geographischen Institutes 1899» wurde als Beispiel für die Genauigkeit der photogrammetrischen Hôhenmessung die aus den Bildern von zehn Standpunkten ermittelte Hôhe des Dachsteins angeführt, wo-bei fast durchaus zu kleine Werte gefunden wurden. Der Hôbenrechnung lagen nâmlich damais noch die uncorrigierten Hôhen zugrunde. Als mittlerer Wert aus den zehn Messungen resultierte für die Dachsteinhôhe 2991*9 m statt 2992*1 m, und der mittlere Fehler er-gab sich mit 0*57 m. Berücksichtigt man die Correcturen der Stationshôhen, so erhâlt man für die Hôhe des Dachsteins den richtigen Wert 2992*1 m, und der mittlere Fehler wird auf 0*49 m verringert.
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- Die topographische Aufnahme des Karlseisfeldes in den Jahren 1899 und 1900
- Steine u. s. w. liefern ein auch auf grôfiere Entfernungen deutlich sichtbares, reiches Detail für die photogrammetrische Punktbestimmung.
- Der obéré Gletscherabschnitt zeigt sanfter gebôschte Hânge, die von einzelnen breiten Mulden und Rücken unterbrochen werden. Eine stândige
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- Fig. 2.
- Schneedecke verleiht ihm ein monotones, wenig gegliedertes Ausseben. Dieser Theil ist daher für eine photogrammetrische Aufnahme viel weniger günstig, doch bieten die in seinem südôstlichen Gebiete noch vorhandenen Eisspalten und aperen Stellen die Môglichkeit zur Bestimmung eines ziemlich dichten Punkt-netzes, und nur der westliche und südwestliche Theil forderte vor der Aufnahme eine passende Vorbereitung und auch die Mitwirkung des Tachymeters.
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- Für die Aufnahme des unteren Gletscherabschnittes wurden die Camera-stationen I, II und III gewàhlt; sie bilden eine etwa 700 m lange Basis zur Bestimmung der hôchsten, 2000 m entfernt liegenden Punkte. Der obéré Gletscher sollte. von den Punkten X, XI und XII aufgenommen werden. Diese sechs Standpunkte wâren eigentlich ausreichend gewesen, um das Relief des Eisfeldes und den grôfiten Theil der Felsumrahmung festzulegen, und nur das nôrdlich gelegene Morânengebiet forderte die weiteren Stationen IV und V. Für das tiefliegende Taubenkar, das als altes Gletscherbett in die Aufnahme einbezogen werden sollte, wurden die Standpunkte VI, VII und IX gewâhlt. Die Station «Schôberl« endlich (Standpunkt VIII) sollte ein charakteristisches Bild des Gletscherreliefs liefern und wegen der nach allen Seiten freien Sicht als controlierender Punkt für das ganze Aufnahmsgebiet Verwendung finden.
- Auf den gewâhlten Punkten wurden Stangensignale mit roth ange-strichenen Brettchen errichtet.
- Die dauernde Bezeichnung dieser Punkte erfolgte erst nach der photo-graphischen Aufnahme durch mit rother Oelfarbe hergestellte Marken, über denen ein solides Steinmandel errichtet wurde.
- c) Ausführung der Aufnahme
- Für die photographische Aufnahme wurde der im K. u. K. Militâr-Geographischen Institut in Verwendung stehende, vom Verfasser construierte Apparat für Polygonaufnahmen mit einem Objectiv von 245 mm Brennweite benützt.1) Als Winkelmessinstrument diente ein kleiner Theodolit mit Minuten-ablesung, der sich auf das Camerastativ aufsetzen lâsst.
- Zur Verwendung kamen orthochromatische Eosinsilberplatten von Perutz, die sich in jeder Beziehung vorzüglich bewâhrt haben. Die exponiertén Platten wurden in die leeren Schachteln verpackt und erst nach der Rückkehr in Wien entwickelt.
- Da jedoch die gegebenen Verhâltnisse — blendend h elle Flâchen neben dunklen, oft im Schatten liegenden Felsmassen — ziemlich hohe Anforderungen an die Photographie stellen, da es weiters fraglich erschien, ob auch die Details der Eisflâche im photographischen Bilde genügend deutlich erscheinen und auch die Eigenthümlichkeiten der Platten nicht bekannt waren, so erschien es geboten, einige der zuerst exponierten Platten an Ort und Stelle zu entwickeln. Dieser Vorgang ist stets empfehlenswert, weil er auch von der vôlligen Lichtdichtigkeit der Caméra Ueberzeugung verschafft, die beim Transport immerhin gelitten haben kônnte, und nur die Mitnahme von zwei Tassen nebst etwas Entwickler und Fixiernatron erforderlich macht.
- Die Probeentwicklung fiel in jeder Beziehung zufriedenstellend aus; die Négative waren in photographischer Hinsicht tadellos, und das reiche, scharf gezeichnete Detail auf der Gletscherflâche beseitigte zum grôfiten Theile die stets vorhandenen Zweifel über die Ausführbarkeit der Arbeit.
- x) Mittheilungen des K. und K. Militàr-Geographischen Institutes, Band XIX, 1899.
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- Die photographischen Aufnahmen erfolgten stets in den Morgenstunden bei klarer Sonnenbeleuchtung, nur der Standpunkt VIII wurde an einem Nachmittag absolviert, um von den vormittags im Schatten liegenden Fels-wânden auch sonnenbeleucbtete Bilder zu erhalten. Der Aufenthalt im Auf-nahmsgebiete erstreckte si ch im Jahre 1899 auf 20 Tage, und die Arbeit wurde durch die gute Unterkunft in der sehr günstig gelegenen Simony-hütte wesentlich erleichtert.
- Die Witterung war derart ungünstig, dass ein directes Aufnahmsver-fahren wâhrend dieser Zeit kaum über die ersten Anfânge gediehen ware. Heftige Gewitter mit anschliefienden tagelang wâhrenden Regen und Schnee-stürmen, dann wieder trübes Wetter mit Nebel und tiefziehenden Wolken beschrânkten die Môglichkeit der Arbeit auf nur wenige Tage.
- Trotz dieser Ungunst des Wetters wurde doch ein sehr zufriedenstellendes Résultat erzielt.
- Die photogrammetrische Gletscheraufnahme fordert wegeri ihrer Eigen-thümlichkeiten eine Summe von Erfahrungen, die erst bei Ausführung der Construction erworben werden kônnen. Ob sich in den Bildern thatsâchlich die kleinen Gletscherdetails identificieren lassen, besonders aber ob von der bisher noch nicht benützten Markierung durch Fufisteige ein brauchbares Résultat zu erwarten ist, waren Fragen, die zur Zeit der Aufnahme noch zweifel-haft waren, umsomehr als bei den von S. Finsterwalder ausgeführten Aufnahmen die Photogrammetrie nur neben einer ausgedehnten Benützung des Tachymeters zur Anwendung kam.
- Diese Zweifel im Vereine mit der deprimierenden Wirkung des fast un-ausgesetzt schlechten Wetters haben das Vertrauen zu der Arbeit derart untergraben, dass diese schliefilich nicht mehr als definitive Aufnahme, sondera nur als grôfierer Versuch betrachtet wurde. Die Construction ergab dann ein über ailes Erwarten günstiges Résultat und zeigte, wie leicht es gewesen ware, die Aufnahmen noch im ersten Jahre, entweder auf photo-grammetrischem Weg.e oder durch Benützung des Tachymeters zu vollenden.
- Der Verlauf der Arbeit ist aus nachstehendem Tagebuchauszug zu ent-nehmen:
- 8. August. Ankunft in der Simonyhütte. Allgemeine Recognoscierung des Aufnahms-
- gebietes behufs Feststellung eines Arbeitsplanes.
- 9. August. Trübes, regnerisches Wetter. Ueberprüfung der Instrumente. Um für die
- Photogrammetrie einzelne, zweifellos sichere Marken am Gletscher zu ge-winnen, wird der Versuch gemacht, schwar^e, lj2 m breite Stoffstreifen am Eis zu befestigen, was jedoch in keiner Beziehung zu einem zufriedenstellen-den Résultat führt (die spâtere Erfa’nrung lehrte, dass am aperen Gletscher jedes Punktsignal überflüssig ist).
- 10. August. Dichter Nebel und Regen. Die Handlanger beschafïen von der Ochsenwiesalm
- Signalstangen.
- 11. August. Tadellos schônes, klares Wetter. Photographische Aufnahme von den Stand-
- punkten I, II und III. Zwischen je zwei dieser Punkte wird noch ein Ca-merastand eingeschaltet, um die spâtere Identificierung der Gletscherdetails zu erleichtern.
- 12. August. Ununterbrochener Regen. Probeplatten entwickelt. Die Handlanger beschafïen
- Signalstangen.
- Abhandlungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien, III. 1901, Nr. 1
- (Gedr. 30. IV. 1901)
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- 15. August.
- 16. August.
- 17. August.
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- 13. August. Vormittag Nebel ; Nachmittag tritt vôllige Ausheiterung ein, die photo-
- graphischen Aufnahmen vom Standpunkt VIII (Schôberl) werden durch-geführt.
- 14. August. Schônes, klares Wetter. Erledigung der Standpunkte IV und V. Ein heftiger
- Wind macht die Theodolitbeobachtungen so schwierig und unsic’ner, dass ihre Wiederholung wünschenswert ist.
- Der ganze Gletscher in Wolken gehüllt, spâter Regen.
- Schônes, klares Wetter, daher die Standpunkte im Taubenkar absolviert werden sollen. Um 10 Uhr, nach der Erledigung des Punktes VI beginnt es wieder zu regnen.
- Ziemlich klares Wetter, theilweise bewôlkt, spâter tiefziehende Wolken, die den oberen Gletscher decken. Erledigung der Standpunkte VII und IX.. Nach-mittags werden am oberen Firnfeld eine Anzahl Stangensignale mitschwarzen Fahnen gesetzt, um in den Feldern einige Punkte für die allgemeine Orien-tierung zu gewinnen. (Wie sich spâter zeigte, war auch diese Vorsichts-mafiregel überflüssig.)
- 22. August. Regen mit wiederholten Schneefâllen und heftigen Stürmen. Das Eisfeld und die Felsumrahmung sind mit Neuschnee bedeckt.
- 23. und 24. August. Trübes, regnerisches Wetter. Von den Punkten I, II, III, IV und V werden die Winkelmessungen durchgeführt.
- 25. August. Früh 4 Uhr vollkommen klar, und es kann endlich die Aufnahme des oberen
- Gletschers in Aussicht genommen werden. Bald -beginnt aber wieder das Nebeltreiben von Westen und macht die Hoffnungen auf günstiges Wetter âufîerst fraglich. Da sich jedoch gegen 6 Uhr ein ziemlich heftiger Wind erhebt, wird doch aufgebrochen, und thatsâchlich herrschte zwischen 8 und 12 Uhr klares Wetter und konnten die Stationen X, XI und XII erledigt werden. Beim Eisstein angekommen, zeigten sich aile am 17. August ge-stellten Signale umgefallen und wegen der Schneedecke nicht mehr auffind-bar. Um in der eintônig weifîen Flâche eine Markierung zu schaffen, wird das Personale in verschiedenen Richtungen gegen den Kleinen Gjaidstein abgesendet, wodurch ohne Zeitverlust mehrere Fufisteigzüge entstehen, die der photogrammetrischen Punktbestimmung dienen sollten. Zunâchst wurde die Station am Kleinen Gjaidstein absolviert, dann der Hohe Gjaidstein be-stiegen und schliefilich wieder zum Eisstein zurückgekehrt und auch dieser Punkt — obwohl schon bei minderem Wetter — erledigt. Nachmittags ist der obéré Gletscher wieder in Wolken gehüllt. Bei der Simonyhütte werden zum Zwecke der Bestimmung dieses Punktes Theodolitmessungen gegen die oben angegebenen Catasterpunkte versucht.
- 26. und 27. August. Trüb, Nebel, zeitweise Regen. F'ortsetzung dieser Winkelmessungen.
- Der Dachstein bleibt in Wolken gehüllt.
- 28. August. Gleich ungünstiges Wetter. Die Arbeit wird abgebrochen und der Rückweg nach Hallstatt angetreten.
- Nach eingezogenen Erkundigungen trat auch in den nâchsten Tagen keine voile Ausheiterung ein.
- Bei der Vollendung der Arbeit im Jahre 1900 kam lediglich das tachy-metrische Yerfahren zur Anwendung. Ein westlich von der Linie Dachstein—VIII, gelegener etwa 400 m breiter Streifen des Eisfeldes, für den die Photogrammetrie keine Punkte lieferte, war mit Hôhencoten zu dotieren, im Taubenkar waren die von Friedrich Simony herrührenden Gletscher-marken, dann die dem früheren Hochstande des Gletschers entsprechenden Morànen aufzunehmen, auf der Gletscherzunge sollten die von K. u. K. Oberst v. Groller gelegten schwimmenden Mark en in die Karte eingetragen
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- werden, und endlich sollte die Felsumrahmung in einzelnen von den Camera-stationen nicht eingesehenen Theilen ergânzt werden.
- Als Instrumente wurden der bei den photogrammetrischen Aufnahmen des K u. K. Militâr-Geographischen Institutes eingeführte kleine Theodolit und die bei der Militarmappierung gebrâuchliche 4 m lange Distanzlatte benützt. Für die Punktbestimmung am Eisfelde waren aufîer dem photogrammetrischen Standpunkte XII noch drei Instrumentenstânde am Gletscher nôthig. Vom Standpunkt II wurden die schwimmenden Marken, von VII die Details im Taubenkar bestimmt, und ein westlich von VIII gelegener Standpunkt diente zur Ermittlung einiger Punkte im Wildkar.
- Die Latte wurde stets in beiden Fernrohrlagen abgelesen, und die Vertical- sowie Horizontalwinkel notiert; gleichzeitig wurden Terrainskizzen und Stereoskopaufnahmen hergestellt, die das nothwendige Hilfsmateriale für die Zeichnung der Karte liefern sollten. Da der Lattentrâger oft zu Umwegen gezwungen war, konnten pro Stunde nur etwa 6 Punkte bestimmt werden; die ganze Arbeit war bei recht günstigem Wetter in 6 Tagen, darunter 2 Regentage, beendet.
- III. CONSTRUCTION UND AUSFÜHRUNG DER KARTE
- Als Mafistab für die Karte wurde 1 cm — 100 m gewâhlt, bei welchem noch aile belangreichen Details leicht unterzubringen sind, und der in jeder Beziehung, besonders aber bei der Rechnung der Hôhen bequem ist.
- Aus Tafel IV ist das bei der Aufnahme gewonnene, der Karte als Grundlage dienende Netz der Detailpunkte ersichtlich, Tafel III zeigt die ausgeführte Karte.
- Für die jeweilige Form des Gletscherreliefs bilden nur die bei der Ver-messungsarbeit gewonnenen Punkte verlâssliche Marken, daher es mit Rück-sicht auf den Zweck der Aufnahme gerathen erschien, aile diese Punkte deut-lich darzustellen und auch die Art, wie sie erhalten wurden, zum Ausdruck zu bringen. Auf diesem Blatt wurden auch aile für die Gletscherbeobachtung wichtigen Markierungen eingetragen und die Grenze des Gletscher-Hochstandes im Jahre 1855 eingezeichnet; es enthâlt daher das gesammte, für eine spâtere Nachmessung nothwendige Materiale.
- Die Darstellung dieser Details in der Karte würde die Uebersichtlich-keit in hohem Grade geschâdigt und die Klarheit des Bildes beeintrâchtigt haben.
- Die Karte ist gegen Süden orientiert, wofür der Umstand mafigebend war, dass fast aile Besucher das Karlseisfeld von der Simonyhütte aus betrachten, und dass es auch von hier aus am besten eingesehen wird. Nur bei der Betrachtung von Norden ist die Formengliederung des Eisfeldes deut-lich zu erkennen und eine Orientierung über das ganze Gebiet leicht môglich. Jede geodâtische Arbeit, jede wissenschaftliche Studie wird man von hier aus beginnen, und hier liegt auch das den meisten Verânderungen unterworfene Gletscherende.
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- Für die photogrammetrische Lage- und Hôhenbestimmung der Detail-punkte dienten lediglich Copien auf Celloidinpapier, wobei die Deformation, die jedes Papierbild zeigt, in der vom Verfasser1) angegebenen Weise berück-sichtigt wurde.
- Das Aufsuchen identer Punkte am Gletscher bot keinerlei Schwierig-keiten, denn die Orientierung in dem Gewirre von Spalten, Wasserrissen, Structurlinien etc. gieng viel leichter vor sich, als anfanglich erwartet wurde. Die weit überwiegende Zahl der Detailpunkte wurde durch drei Rayone bestimmt. Die Tafel II zeigt die auf einem Bild des Standpunktes I mit den Bildern der anderen Stationen identificierten Punkte, die, um einen Vergleich mit dem Punktnetz der Karte zu ermôglicben, in gleicber Weise wie dieses beschrieben wurden. Wird das Bild in der Richtung I—Dachstein etwa 250 mm von I entfernt aufgestellt, so entspricht es der Aussicht auf den Gletscher, und es gelingt dann leicht, die in der Karte eingezeichneten Details im Bilde zu erkennen. Wie ersichtlich, wâre es leicht gewesen, das Punktnetz noch weiter zu verdichten.
- In einzelnen Fâllen mussten jedoch —- wie schon eingangs erwâhnt wurde — die Kernstrahlen zuhilfe genommen werden, um das Identificieren von Punkten zu ermôglichen. Aus der Tafel I ist - die Zweckmâtëigkeit dieses, bei Gletscheraufnahmen oft unentbehrlichen Vorganges zu ersehen. Der Hohe Gjaidstein (Standpunkt X) liegt gegen den Nachbarstandpunkt XI ziemlich hoch, daher eine Identificierung von Details auf der welligen Gletscheroberflâche in den Bildern dieser beiden Stationen keineswegs leicht war. Man wird beim Vergleiche dieser Bilder — die durch Federzeich-nungen in Zweidrittelgrôfîe ersetzt wurden — mit Ausnahme des Eis-steines E, der beiden Felskôpfe K und der Spalte S kaum im Stande sein, weitere idente Objecte aufzufinden. Ermittelt man jedoch die Kernpunkte, das ist die perspectivische Abbildung der gegnerischen Standpunkte, sowie die Schnittlinie ZZ, in der sich die beiden Bildebenen schneiden, so müssen von beliebig gezogenen Kernstrahlen 1, 2, 3, 4 etc. gleiche Objecte ge-schnitten werden, und es ist leicht, in diesen Linien idente Punkte auf-zusuçhen.
- Die Strahlen 1 und 2 gehen durch die schon erwahnten leicht zu iden-tificierenden Objecte E und S und liefern uns den Beweis für die Richtig-keit der Construction. Durch solche Punkte wird auch das Ziehen der Strahlen wesentlich erleichtert, wenn die Kernpunkte weit aufierhalb der Bilder fallen oder der Schnittlinie ZZ eine ungünstige Lage zukommt. Die Kernstrahlen 3—14 zeigen, dass die schneefreien Gletschertheile A und B, sowie die Spaltensysteme C gleiche Objecte sein müssen, und man vermag jetzt anstandslos die Punkte a, b, c . . . als ident zu erkennen, was ohne Zuhilfenahme dieses Kunstgriffes ganz unmôglich gewesen wâre. Das gleiche Verfahren wird auch zur Punktbestimmung auf den im Schnee getretenen Fufiwegen benützt. Wâre F ein Theil eines solchen Fufisteiges, so müssen die von den gleichnamigen Kernstrahlen getroffenen Punkte a, y .. . ident
- I) Mittheilungen des K. u. K. Militâr-Geographischen Institutes, Bd, XIX S. 109.
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- sein *) Das Punktnetz am südôstlichen Theile des Firnfeldes wurde, wie aus Tafel IV ersichtlich, lediglich in dieser Weise ermittelt.
- Eine Contrôle für die richtige Identificierung liefert die Hôhenrechnung, da aus beiden Bildern ein gleiches Résultat nur erzielt werden kann, wenn die Bildpunkte thatsâcblich dem gleichen Object in der Natur entsprechen.1 2)
- Aile grôfieren Spalten und Wasserlâufe am Gletscher, aile Gipfelpunkte, grôfieren Rinnen und Verschneidungen der Felsumrahmung, dann die Grenzen des Eisfeldes sind durch photogrammetrische Punktbestimmung festgelegt. Nur am westlichen und südwestlichen Theile des Gletschers fehlte wegen der gleichmâfiigen Firnschneedecke, und da hier das Treten von Fufiwegen unterlassen wurde, jede Môglichkeit der photogrammetrischen Punktbestimmung, weshalb diese Partien nachtrâglich tachymetrisch aufgenommen werden mussten. (Tafel IV.)
- Auf der Gletscherzunge, am Eisjoch und im Taubenkar wurde ein eng-maschiges Punktnetz angestrebt, um selbst kleine Verânderungen am unteren Gletscherrande leicht und sicher constatieren zu kônnen.
- Die Zahl der am Gletscher ermittelten Detailpunkte betrâgt, inclusive der 65 tachymetrisch bestimmten, etwa 440, auf die Fels- und Morânenum-rahmung sammt dem Taubenkar entfallen 280 Punkte.
- Die Contouren des Sees im Taubenkar wurden mit Hilfe der bekannten Quadratnetzmethode aus einem Bilde vom Standpunkte V ermittelt, wobei ein Bild von VI erganzend und controlierend mitwirkte.
- Nachdem die Situation der Detailpunkte bestimmt war, erfolgte die Er-mittlung ihrer Hôhe, und zwar für jeden Punkt aus mindestens zwei ver-schiedenen Bildern. Zu diesem Zwecke wurden die Ordinaten im Bilde und — in der Horizontalprojection — der senkrechte Abstand des Punktes von einer durch den Standpunkt zur Bildtrace gezogenen Parallèle gemessen. Aus diesen Daten wurde unter Berücksichtigung des der jeweiligen Copie eigenthümlichen Papierschwundes — mit Hilfe einer vierstelligen Logarithmen-tafel — die Hôhe gerechnet.
- 1) Wenn man die Absicht liât, von der Identificierung mittels Kernstrahlen Gebrauch zu machen, so empfiehlt es sich, schon bei der photographischen Aufnahme für günstige Constructionsverhàltnisse zu sorgen. Bei der im K. u. K. Militâr-Geographischen Institut eingeführten Caméra für Polygonaufnahmen ist dies leicht môglich, wenn man die beiden Panoramen auf die gegnerischen Standpunkte orientiert, weil dann die Bildebenen parallel oder unter einem Winkel von 450 und go° gegen einander stehen.
- 2) Die Annahme, dass die Lage eines Punktes richtig sein müsse, wenn die Hôhen-rechnungen gleiche Werte ergeben, darf jedoch nicht als stets zutreffend angesehen werden; denn der Einfluss einer fehlerhaften Punktlage auf die Uebereinstimmung der Hôhenzahlen macht sich in sehr verschiedenem Mafie geltend. Liegt der Punkt z. B. nahe dem Horizont beider Bilder, so bietet diese Uebereinstimmung gar kein Critérium für seine richtige Lage. Im allgemeinen wird die Hôhendifferenz infolge eines Fehlers in der Punktlage umso grôfier sein, je unterschiedlicher der Punkt gegen die Camerastânde liegt. Bei grofien Unterschieden in der Hôhenlage der Stationen und verschiedener Entfernung des Punktes, bei positiven ne en negativen und dabei thunlichst grofien Hôhenwinkeln stôrt schon ein kleiner Punkt-fehler die Uebereinstimmung der Hôhenrechnung, wâhrend unter anderen Verhâltnissen auch relativ grofie Fehler nicht zu erkennen sind.
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- In der Tafel IV sind die Hôhen der photogrammetrisch bestimmten Punkte mit Hinweglassung der beiden ersten Ziffern bescbrieben, da diese leicht aus der Lage des Punktes zwischen den Niveaucurven entnommen werden kônnen.
- Bei Gletscherpunkten wurden nur ausnahmsweise Differenzen über 2 m zwischen beiden Messungen als zulàssig betrachtet. Bei grôfôeren Differenzen wurde zunâchst die Identitât des Punktes in beiden Bildern überprüft, dann die Messung der Ordinaten und Horizontaldistanzen sorgfâltig wiederholt und die Rechnung nochmals durchgeführt. Fast immer war ein kleiner Fehler bei der Ordinatenmessung die Ursache der unzulâssigen Differenz. War jedoch auch bei der Nachmessung keine Uebereinstimmung zu erzielen, so wurde der Punkt ausgeschieden und ein anderes in seiner Nàhe gelegenes Detail als Ersatzpunkt gewâhlt.
- Bei Punkten an den Felshângen wurden Differenzen bis zu 3 m toleriert.
- Das arithmetische Mittel beider Zahlen wurde als richtiger Hôhenwert angenommen.
- Die Differenzen zwischen den bei den einzelnen Messungen erhaltenen Zahlen und ihrem Mittelwert konnen als wahre Fehler betrachtet werden und lassen auf die Genauigkeit der ermittelten Daten schliefien.
- Bei der Bestimmung der 375 Gletschercoten — aus 750 Messungen — wurden nachstehende Fehler beobachtet:
- 3oo F ehler zwischen O'O- -0*2 m
- 204 » » 0*2- -0-4 »
- 106 » » 0’4- -o'6 »
- 80 » » o'6— -o-8 »
- 46 » » o’8- -1*0 »
- 14 » » ro - - 1*2 »
- Der mittlere Fehler einer Hôhenmessung betrâgt daher ± ± 0*62 m,
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- und da jeder Punkt zweimal bestimmt wurde, so ist der mittlere Fehler eines photogrammetrisch bestimmten Gletscherpunktes nicht grôfier als 0*62
- ± ,7= = ± 0*44 m. Mehr als die Hâlfte aller Hôhencoten wird daher nur V 2
- Fehler unter 0*5 m aufweisen, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass Fehler über i*5 m vorhanden sind.
- Die Entfernung der gemessenen Punkte von den Standpunkten betrâgt im Durchschnitte 1 km, daher der obige Hôhenfehler einem mittleren Winkel-fehler von 1 Jj2' entspricht.
- Die Zeichnung der Karte
- Um fur eine spâtere Nachmessung des Gletschers eine richtig dimensio-nierte Grundlage zu besitzen, wurde die Zeichnung der Karte nicht auf dem
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- Constructionsblatt, sondern auf einer photographischen Graphitcopiez) aus-geführt.
- In das Punktnetz wurde zunâchst die Situation aller grôfieren Spalten, Wasserrisse, Schneeflecken etc. eingezeichnet, wobei ihre Lage und Rich-tung, falls sie nicht durch Detailpunkte gegeben war, durch Hilfsrayone ermittelt wurde. Sodann wurden die grofien Formen des Eisfeldes, ihren Bôschungsverhâltnissen entsprechend, mit einem Bleistiftwischer eingetragen und auf Grund der Hôhencoten der ungefâbre Zug der Niveaucurven eingezeichnet. Unter fortwâhrendem Vergleiche der Bilder, besonders der vor-handenen Stereoskopaufnahmen, wurden dann die Schummerung und die Form der Horizontallinien gegeneinander abgestimmt und die Detailformen einge-schaltet. Die Führung der Niveaucurven wurde hiebei durch Theilung der aus den Bildern zu entnehmenden Profillinien mehrfach unterstützt.
- Die endgiltig festgestellte Abschattierung der Formen wurde schliefîlich mit blauer Farbe überarbeitet und aile charakteristischen Structurverhaltnisse der Gletscheroberflâche mit der Feder eingezeichnet.
- Ein Vergleich des beiliegenden Bildes (Tafel II) mit der Karte zeigt, wie leicht und sicher solche Linien in das Punktnetz übertragen werden kônnen. Sie lassen sich nach der Photographie viel bequemer und auch richtiger einzeichnen als nach der Natur, denn im Bilde erscheinen diese Details generalisiert, das Unbedeutende ist wegen seiner Kleinheit ver-schwunden, und nur das Wesentliche ist erkennbar und auf eine kleine Flâche übersichtlich zusammengedrangt.
- Die Felsen der Umrandung wurden zuerst in ihren grofien Formen mit Bleistift skizziert, dann mit der Feder überzeichnet, wobei aile grôfieren Details, wie Spalten, Risse, Rinnen etc., aufgenommen wurden.
- Wenn auch bei der Zeichnung der Terrainform das photographische Bild die Wirklichkeit nicht ganz zu ersetzen vermag, so führt doch der Vergleich der von verschiedenen Standpunkten gewonnenen Ansichten leichter und sicherer zur Erkenntnis der wahren Formen, als es die Combination der flüch-tigen Eindrücke ermôglicht, die wir beim Begehen der Gegend gewinnen.
- Unbeirrt von Wind und Wetter kônnen die photographischen Ansichten studiert werden, um den Zusammenhang und die Charakteristik der Formen zu erfassen. Dabei wird auch eine im Detail richtige Darstellung des Boden-reliefs ermôglicht, denn die Charakteristik der durchschnittlich etwa 450 ge-bôschten Formationen bleibt dieselbe, man mag sie aus der Vogelperspective oder von einem seitlich gelegenen Standpunkt betrachten. Die Zeichnung soll eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den Photographien zeigen und wenn auch einzelne Theile der Hange zusammengedrangt, andere verbreitert erscheinen, so muss doch der Gesammtausdruck — die malerische Wirkung dem Anblick der natürlichen Felsenlandschaft entsprechen.
- I) Derartige mit Gummi elasticum wegwischbare Copien finden im K. u. K. Militâr-Geographischen Institut für âhnliche Zwecke vielfach Verwendung. Sie werden durch Druck von einem photolithographisch hergestellten, mit Graphitpulver eingestaubten Stein er-halten und bilden eine richtig dimensionierte, sehr bequeme Unterlage für die Ausführung der Reinzeichnung.
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- Am Gletscher wurden die Horizontalcurven in Abstânden von 25 m an-geordnet, sie erscheinen, wie die Karte zeigt, dicht genug, um das Relief klarzustellen, und diesem Zwecke haben sie eigentlich nur zu dienen. Ihre Form und Lage kann bei Aufnahmen wie die vorliegende, niemals ganz richtig sein, und sie sind weniger als Linien gleicher Hôhe, sondera hauptsâchlich als Formlinien zu betrachten.
- Im Felsengebiet wurden die 50 m-Curven ausgezogen, und nur in den Hacher gebôschten Theilen und im alten Gletschergebiete, z. B. im Tauben-kar, sind 25 m-Linien eingezeichnet.
- Die Vervielfaltigung der Karte geschah auf photolithographischem Wege, wobei die Originaltreue der Zeichnung jedenfalls besser gewahrt bleibt als bei einer Reproduction durch Metall- oder Steinstich, die eine manuelle Uebertragung — eine Umzeichnung — durch eine mit der Aufnahme nicht vertraute Person erfordern.
- Etwaige Bedenken gegen die Dimensionsrichtigkeit einer photographischen Reproduction sind bei dem gegenwârtigen Stande dieser Technik keineswegs mehr berechtigt.
- Schlussbemerkungen
- Die durchgeführte Aufnahme des Karlseisfeldes, deren Résultat die vorliegende Karte ist, soll die Môglichkeit bieten, spâtere Verânderungen des Gletschers — betreffend seine Oberflâchenbeschaffenheit und sein Relief — in thunlichst einfacher Weise verfolgen zu kônnen. Zu diesem Zwecke wird lediglich die photogrammetrische Aufnahme von 6 Standpunkten und, im Falle der Gletscher ins Taubenkar vorstofien sollte, von g Standpunkten nôthig sein.
- Die Standpunkte sind nach der Karte leicht auffindbar und durch Stein-mandeln bezeichnet, unter denen der Instrumentenstand mit rother Oelfarbe markiert ist. Da das oben mitgetheilte Abstânde- und Hôhenskelet aile nôthigen Daten über die Lage der Camerastationen enthâlt, so kônnen bei einer Nachmessung diese Erhebungen entfallen, und die photogrammetrische Aufnahme ist leicht in einigen Tagen ausführbar, wobei allerdings gutes, klares Wetter vorausgesetzt wird.
- Aus den so erhaltenen Bildern wird jede Verânderung der Gletscher-grenzen, der Spaltensysteme und Wasserlàufe leicht zu ermitteln sein. Man wird hiebei Verschiebungen um einige Meter constatieren kônnen, nicht nur, weil die photogrammetrische Méthode diesen Grad der Constructionsgenauig-keit zulâsst, sondera weil auch jede solche Verschiebung viel auffallender in den Bildern als in der Karte zur Geltung gelangt.
- Ein einfacher Vergleich der Bilder mit den bei der jetzigen Aufnahme hergestellten wird dann mehr Aufschlüsse geben als umstândliche und zeit-raubende Messungen, die erforderlich wâren, um die Gletscher verânderungen an Hand der Karte in der Natur zu constatieren.
- Dabei ist die Môglichkeit vorhanden, auch die jetzigen Aufnahmen spâter noch zu ergânzen, Punkte zu bestimmen und nachzutragen, die nach Jahren vielleicht aus irgend einem Grande das Interesse wachrufen.
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- Die topographische Aufnahme des Karls-Eisfeldes in den Jahren 1899 und 1900
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- Für die zahlenmâfiig festzustellenden Verânderungen des Reliefs bildet die éventuelle Verânderung der Hohencôten die nothwendigen Anhaltspunkte, und da sich der Aufbau und Rückgang des Gletschers ziemlich gleichmâfiig auf ein ausgedehntes Gebiet erstreckt und aus den photographischen Bildern die jeweilige Gestalt der Eismassen ersichtlich ist, so wird man schon aus einigen Hôhenbestimmungen auf die Aenderung des ganzen Gletscherreliefs schlieôen kônnen.
- Um das bei der Aufnahme gewonnene Grundmateriale, das ist die photographischen Bilder, für einen spâteren Gebrauch sicherzustellen, wurde je ein Exemplar derselben der K. K. Geographischen Gesellschaft und dem K. K. Naturhistorischen Hofmuseum (Geologisch-Palàontologische Abtheilung) übergeben und ein drittes im Archiv des K. u. K. Militâr-Geographischen Instituts deponiert.
- Abhandlungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien, III. 1901, Nr. x
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- (Gedr. 30. IV. 1901)
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- von HÜbl: Karls-Eisfeld
- Tafel I
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- Standpunkt XI, B-Bild
- Horizoni
- Druck des k. und k. militâr-geographischen Institutes.
- Abhandlungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien, III. 1901, Nr. 1
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- VOn HÜbl : Karls-Eisfeld
- Tafel II
- Abhandlungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien, III. 1901, Nr. 1
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- Tafel M.
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- XX/XX/fl/
- Simonyhütte
- 2202 1
- 1:10.000
- I-h-h 111 t-H-
- 200 300
- 400
- H—
- 500 —t—
- 600 700
- 800
- -t—
- 1000 m
- H
- Sehiehtenliôhe 23 m
- Photo lithographie und Druck des k. und k. militâr-geographischen Institutes.
- Abhandlungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien. IH, 1901 Nr.I
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- Ilfe' i
- Tafel IV.
- PUNKT-NETZ
- zur
- Karte des Karls-Eisfeldes.
- Zeichen-Erklàrung :
- ^DackoUuv
- /tS 2992'
- A Basis-Punkte -0- Camera-Stationen
- Tachymeter-Stationen © Photogrammetrisch t + + Tachymetrisch ; ___- Fufisteig-Markierung
- trigonometrisch
- bestimmt
- bestimmte Punkte
- Marken im Taubenkaar:
- a, Sirnony-Camera-Stand 1885
- ~b Simony-Marke is.Tvin.
- 1848
- c Simony-Marke @) f. s d Simony-Marke F®
- & Simony-Marke *
- f Âlteste Aufnahmsdaube ci ElBenwenger-Camera-Stand 1867 Jv Groller-Marke D
- Marken an der Stirnmorane :
- i Simony-Marke ©
- 7(y Simony-Marke 1883 F. + S
- Die rothen Ziffern auf der Gletscher-Zunge zeigen den Stand der 1896 vom k. und k. Oberst von Groller gelegten „schwimmenden Nummer-Marken“ im August 1900.
- Grenze des Gletschers wâhrend seines Hochstandes 1855.
- Bei den Hbhenzahlen der Detailpunkte sind die beiden ersten Ziffern weggelassen.
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- Sehiehtenhôhe 23 m
- Photolithographie und Druek des k. und k. militâr-geographisehen Institute
- Abhandiungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien. HI, *901 Nr.I
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