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Der Galvanismus in seiner technischen Anwendung seit dem Jahre 1840, oder Galvanoplastik
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- Der 7ke87
- Galvanismus
- in
- feiner technischen Anwendung
- seit
- dem Jahre 1810
- oder
- Galvanoplastik, mit besonderer Berücksichtigung der Kunst, auf galvanischem Wege Typen und Metallplatten zum Abdrucke darzustellen, Erzeugung galvanischer Kupferstiche, Aetzung ver-mittels Galvanismus, und Vergoldung, Versilberung, Verpla-tinung ?c. auf nassem und galvanischem Wege,
- für
- Natur- und Kunstfreunde, wie auch zum technischen Gebrauche
- dargestellt
- von
- Dr. 932. Snobloch.
- «rlangen, bei Ferdinand Ente. 1842.
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- M.
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- Nur Eins ist was zu nennen:
- Das rechte Ma as der Kräfte kennen!
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- 3 s A s
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- Seiner Hochwohlgeboren
- dem Herrn
- Karl Will. Gottlob Kastner, Doctor der Medicin und Philosophie, K. B. Spofrath, ordentl. öffentl. Professor der Physik und Chemie in Erlangen, ordentl. auswart. Mit: gliede der K. Akademie der Wissenschaften zu München, Adjunkt der Kai-ferl. Leopold. Akademie der Naturforscher, und vieler gelehrten Gesell-schaften und technischer Vereine ordentlichem, correspondirendem unb Chrenmitgliede 2c.
- Ihm,
- der mit der Jahre Weisheit die Kraft der Jugend einend raslos wirft für Wissenschaft und Leben,
- widmet diese Schrift
- als schwachen Beweis feiner ausgezeichneten Hochach= tung, innigsten Liebe und tiefsten Verehrung
- * 2
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- ♦ u o a a o a
- Das letzte Decennium des vorigen Jahrhunderts hat die Wissenschaft mit einer Entdeckung bereichert, die in der organischen wie anorganischen Natur einen so allgemeinen und mächtigen Einfluß ausübt, daß es nur wenige Processe in der Auszenwelt gibt, von benen sich mit Bestimmtheit be-haupten läßt, ber Galvanismus fei hier ganz und gar unbetheiligt, und eine bem wirklichen Agens völlig frembe Potenz. Er ist ein wirksames, vielleicht das wirksamste Werkzeug in ber Hand ber thätigen Natur, sowohl da, wo biefe im Busammensetzen, Bilden und Schaffen begriffen ist, als auch da, wo sie zerlegt, entstaltet, zerstört. Galvani’s Entdeckung brachte auf das Gebiet ber Forschung eine Reg-samkeit, wie sie nur bei großen Erscheinungen gewöhnlich ist; sie vereinigte die geistvollsten Köpfe zur gemeinschaftlichen Untersuchung, und noch liegen uns aus jener Zeit Versuche
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- vor, die den Ernst beweisen, und den wissenschaftlichen Ci-fer, mit denen man die neuentdeckte Kraft sowohl hinsicht= lic ihrer Natur und Entstehung, als auc ihrer Wirkung zu studiren suchte, lleberraschend, ja erstaunlich ist die letztere; gleich im Anfange versprach sie auszerordentliche Resultate, und wie herrlich und treu hat sie Wort gehalten! Seitdem Humphry Davy mit der Volt a’schen Säule Dryde jer= legte, die man bis dahin für Elemente nahm, feit jener Zeit ist die Wissenschaft der Chemie — so zu fagen —• eine neue geworden, und ihre Umgestaltung mussten alle die Zweige des Wissens und Könnens erfahren, die mit derselben ver-wandt, oder von ihr abhängig sind. Waren auch einige mehr ober minder deutlich ausgesprochenen Hoffnungen allzu sanguinisch, und mag es als entschiedene Thatsache gelten, daß der Galvanismus bie Duelle des Lebens nicht ist, so bleibt doch fo viel gewiß, daß es feine Täuschung war, wenn man ihn auf dasselbe sic in mannichfaltigster Beziehung dachte. Die Neuzeit, beren vorzüglichstes Verdienst barin be= steht, bie Wissenschaft für das Leben auszubeuten, unb in Künste unb Gewerbe eine rationelle Praxis einzuführen, hat dieß unumstößzlic dargethan; denn Spencer, Jacobi, ». Kobell, Elkington unb ». Ruolz haben uns ben Galvanismus auf eine Art benützen gelehrt, durch welche neue Industriezweige geschaffen, ältere mit wesentlichem Vor-theile umgestaltet, unb gar manche Entdeckungen unb Ver-besserungen in Aussicht gestellt werben, von betten man vor einem Jahrzehnt noch feine Ahnung hatte.
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- Wenn ich es nun versuchte, das, was in den letzten Jahren in dieser Beziehung geschehen ist, so zu bearbeiten, daß meine Schrift sowohl denjenigen angenehm sei, die sic bloß über die neueren Fortschritte der Industrie belehren wol-len, als auc nutzlic für die, welche bei ihren Geschäften Anwendung von den in Rede stehenden Entdeckungen zu machen gedenken, so ist dies ein Bestreben, welches an und für sic gewiß feiner Entschuldigung bedarf; ob es mir aber wirklich geglückt ist, diese Aufgabe zur allseitigen Bufrieden= heit zu lösen, bleibt eine Frage, beren Entscheidung mir nicht zusteht. Recht gerne nehme ic an, daß eine geübtere Feder weit mehr geleistet hätte, und bin mir wohl bewußt, wie wenig diese Schrift aller Mängel entbehrt; allein ic wollte eben feen Versuch machen, unb bitte, bie Arbeit auch nur als meinen „ersten Versuch" hinzunehmen, ber wenigstens ben guten Willen zeigen wirb, welcher mich be-feelt, ber Wissenschast unb bem Leben nach Kräften zu bienen.
- Bei ber Darstellung selbst habe ich, Weitschweifigkeit zu vermeiden, bie Kenntnis ber gewöhnlicheren physikalischen unb chemischen Begriffe vorausgesetzt, im Anhange iedoch auch biefe noch, fo weit es hier geschehen konnte, erklärt, um selbst bem mit ber Physik unb Chemie weniger Vertrau-ten es zu ermöglichen, nicht nur ein gewisses Verfahren einzuhalten, fonbern auch bie Gründe dieses Verfahrens fen= nen zu lernen, unb selbstdenkend Abänderungen, Verein-fachungen u. bgl. zu treffen, je nachdem es bie einzelnen
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- Arbeiten gestatten oder gar nothwendig machen. Es ist so-wohl im Interesse des Gewerbfleißszes, als auch der Wissen-schaft zu wünschen, daß der Gebrauch der galvanischen Säule sic möglichst ausbreite, und in den meisten Werkstätten nicht ungekannt sei; denn wieviel man durch den Galvanismus vermag, wird sic erst bei einer recht allgemeinen Benutzung dieser Potenz zeigen.
- Wenn ic andrer Seits auch rein wissenichaftichen Bemerkungen, wozu namentlich die „Briefliche Mita theilung des Herrn Hofrath Kastner" gehört, in meiner Schrift Raum gönnte, so geschah dies in der Vor-aussetzung, daß diese Bogen vielleicht doch Manchen zu Hand kommen, denen die Nachweisung des Busammenhangs, in dem das Neue mit dem schon früher Vorhandenen steht, und überhaupt eine mehr wissenschaftliche Auffassung des Ganzen nicht unerwünscht ist, und die daher gerne auch bei solchen Sätzen verweilen werben, bie sich gerabe nicht auf mecha= nische Handgriffe beziehen, sondern mehr ber Geschichte ober Cpeculation angehören. Ic wollte weber ausschließzlic für bie Einen, noch ausschließzlic für bie Andern arbeiten, son-dern Allen fo viel bieten, als zu eines Jeden Befriedigung nothwendig ist. Sollte es mir gelungen fein, diese Aufgabe richtig zu löfen, fo wäre ber Zweck, den ic mir vorgesetzt, vollkommen erreicht.
- Eben als ic mit bem Niederschreiben biefer Beilen be-schäftigt war, fenbete mir ber Herr Verleger dieses Schrift-chens eine Broschüre zu mit bem Titel: bie galvanische Ver-
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- goldung, Versilberung, Verkupferung u. s. w. (Bericht an den Dresdener Gewerbeverein :c.) von Dr. Alexander Petzhold. Die Versuche, welche der Herr Verfasser des angeführten Werkes beschreibt, würde ic in meine Schrift aufgenommen haben, wenn mir dieselben früher wären be-kannt geworden. Hier werde ic nur noch die Versuche in Betreff der Verkupferung, und deren Resultate, beisetzen, weil eine größere Kupfermenge Bei denselben niedergeschlagen wurde, als bei den Seite 64 angeführten. Seite 8 :. des Berichtes von Dr. Petzhold heisst es:
- Die Flüssigkeit, aus welcher das Kupfer abgeschieden werden sollte, bestand aus 1 Gramm Kyankupfer und 100 Stammen Wasser, dem so lange Kyankalium hinzugesetzt wurde, bis das Kyankupfer sic vollständig aufgelöst hatte. Die Versuche würben mit geschliffenen, mit polirten, oder bloß mit durch Säure unb Sanb gereinigten Metallplatten angestellt, beten Seitenlänge 1,4 Pariser Zoll betrug.
- Diese Platten würben auf den mit bem Zinkpole in Verbindung stehenden, an feinem untern Ende zu diesem Behuf passend umgebogenen Kupferdrath gelegt, während man ben vom Kupferpole kommenden an feinem Ende eben so gebogenen Kupferdrath so darüber brachte, daß ein kleines Kupferblech von 1 Duadratzol Grösze mit ber zu ver-kupfernden Metallplatte parallel darüber in ber Entfernung von 0,3 Pariser Bott zu stehen kam. Es würben zu Ver-kupferung 6 Plattenpaare verwendet, (in Form von Eylin-dern; siehe bie Nullinsche Batterie Seite 68).
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- 6 o E s 0 —
- Dauer der Ein- Temperatur der zu zer-
- tauchung setzenden Flüssigkeit Gewichtszunahme
- 4 Minuten 300 N. 0,003
- 4 — —• 0,006
- 4 — — 0,005
- 4 - 36° R. 0,007
- 4 2. Geschliffene Stahlplatte. 0,007
- 4 --- 350 N. 0,007
- 4 - — 0,008
- 4 — - 0,008
- 4 — — 0,007
- 4 - 500 9. 0,013
- 4 — — 7,013
- 4 -- — 0,015
- 4 — — 0,014
- 4 — 600 9. 0,020
- 4 — — 0,020
- 4 — — 0,020
- 4 — -- 0,020
- 4 •— 3. Polirte Binfplatte. 0,020
- 4 - 320 N. 0,008
- 4 — --- 0,007
- 4 — — 0,008
- 4 — 0,007
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- Dauer der Ein- Temperatur der zu zer-
- tauchung setzenden Flüssigkeit Gewichtszunahme
- 4 Minuten 350 N. 0,008
- 4 — — 0,007
- 4— 500 N. 0,013
- 4— — 0,013
- 4 — — 0,013
- 4 — 600 N. 0,020
- 4 — ---- 0,020
- 4 - 0,020.
- Wendet man reine Kupferdräthe und ein reines Kupfer-blech zum Einhängen in die Flüssigkeit an, so bildet sic an denselben während des Verkupferns der eingelegten Gegen-stände Kyankupfer, das sic wieder auflist und die Flüs sigkeit immer nahe gesättigt erhält. (Vergleiche Seite 36 und 37).
- Sodann füge ic noch bei, daß in der neuesten Nummer der „Münchner Jahrbücher für bildende Künste" (zweiten Jahrgangs erstes Heft, Seite 77) sich eine Abhandlung von Herrn Dr. Rudolph Marggraff findet: „Heber die neuesten Fortschritte der galvanoplastischen Kupferstichkunst"; dem ein galvanoplastischer Kupferstic nach einer Schwan= thaler’schen, von Stors gestochenen Zeichnung, hergestellt von dem Professor Sam. Amsler in München, (dasselbe Blatt, auf welches schon die Allg. Augsburger Zeit. Jahrg. 1842 Beil, zu Nr. 54 aufmerksam macht), beigegeben ist. Diese Fortschritte bestehen darin, daß der v. Kobell’sche
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- galvanographische Apparat (Seite 40 u. f.) und dessen Fät-lungsflüssigkeit (Seite 41) auch bei tiefen galvanoplastischen Arbeiten gebraucht, und das Anhaften ter neugebildeten Platte an ter eingelegten dadurc am besten, und auf eine für tie Driginalplatte völlig unschädliche Art vermieden wird, daß man tiefe vor dem Einlegen in ter Manier versilbert, wie Seite 46 angegeben ist.
- Diese Angaben glaubte ic ter Vollständigkeit meiner Schrift wegen noch aufnehmen zu müssen, und bitte, diesel-ben als Ergänzung des Seite 64 und Seite 24 u. f. Be-merkten anzusehen.
- Mögen tiefe Blätter das Ihrige dazu beitragen, fleiszige und geschickte Hände zur allgemeinem Einführung des schon Bekannten, und zu immer weiterm Fortschreiten in den Enf-deckungen selbst anzuregen, und möge es dem deutschen Ge-werbfleißze, unb ter Wissenschaftlichkeit her Deutschen gelin-gen, auc in biefem Zweige des Wissens und Könnens ben Grad ber Vervollkommnung zu erreichen, welcher ihren Ernst und ihre Ausdauer schon in so vielen Beziehungen gefrönt hat!
- Erlangen im Juni 1842.
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- Man versteht unter Galvanoplastit die Kunst, ver-mittels der galvanischen Elektricität ober chemischen Polarisa-tion, wie es nac der Heuern und richtiger Ansicht heißen muß, Metalle ans ihren Salzlösungen regulinisc zu präcipi= tiren, und diesem cohärenten Niederschlage eine bestimmte Form zu geben. Um bie Priorität biefer Entdeckung streiten sic ber Engländer Spencer und ber Deutsche Jacobi, letzte-rer dermalen in f. f. russischen Diensten, weshalb er denn anc in feiner Petersburger Schrift: „Die Galvanoplastik, ober das Verfahren, cohärentes Kupfer in Platten ober auch sonst gegebenen Formen, unmittelbar aus Kupferauflösungen, auf galvanischen Wege zu produciren. St. Petersburg, Eg= gerS u. Comp. (in Commission bei F. A. Herbig in Berlin) 1840.“ auf ber dritten Seite ber Vorrede behauptet, „bie Galvanoplastik gehöre Rußland ausschließlic an, sie habe hier ihren Ursprung und ihre Ausbildung gewonnen." Ohne mich auf eine Erörterung barüber einlassen zu wollen, ob denn Alles bem Auslande zu vindiciren fei, was deutsches Talent ausserhalb beS vaterländischen Bodens Neues schafft, und angenommen selbst, daß Jacobi vor Spencer galva-noplastische Versuche in bem heutigen Sinne beS Wortes an-
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- gestellt habe, — was jedoch noc) sehr zu bezweifeln ist, — so glaube ic doc nicht, daß man in Deutschland dieser Kunst so ferne gestanden, nm sie ganz und gar gleichsam als russi-sches Geschenk hinnehmen, und jeglichem Antheil an ihrer Her-vorrufung und endlicher Verwirklichung entsagen zu müssen; Ruszland wird auc nie auf dem wissenschaftlichen Felde die Ehre behaupten können, welche ihm der Deutsche Jacobi mit so großer Bereitwilligkeit beilegt. Die galvanoplastischen Elementarversuche sind vielmehr in Deutschland schon länger als ein Vierteljahrhundert bekannt, denn schon im Jahre 1800 stellten Ritter und Sylvester die Ansicht auf, daß die Fällung eines Metalls aus feinen resp. Lösungen durch ein anderes Metall der Wirkung der Eleftricität zuzuschreiben sei; Buchholz trat 1800 dieser Ansicht bei, und Herr Hof-rath Kastner hat in der ersten Auflage seines Grundrisses der Experimentalphysik, die 1810 zu Heidelberg erschien, gestützt auf Beobachtungen des Sylvester de Sacy die metalli-sche Fällung des Silbers, Blei’s und der meisten übrigen (Erz-) Metalle durch Zink am Platin, also auf galvani= schem Wege, in Form eines eigenen Paragraphen aufgenom= men. (Band II. §. 117. pag. 496). In der zweiten 1821 zu Heidelberg erschienenen Auflage desselben Lehrbuchs (Band II. p. 30) heißzt es in der Bemerkung 1 zum 117ten Paragra-phen wörtlich: „Legt man eine Silbermünze in eine sän-erliche Kupferauflösung, und berührt sie darauf mit einem Binkstreifen, so erscheint sie binnen kurzem auf allen Seiten überkupfert;" zugleich wird am angeführten Orte darauf hingewiesen, daß die elektrischen Gegensätze der Metalle nach Maßgabe der verschiedenen Mengen des Niederschlags, den je 2 Metalle in derselben Zeit bewirken, zu ermitteln fei, mit-hin auf tiefem Wege leicht und sicher die Stellung jedes ein-zelnen Erzmetalls in ter Spannungsreihe bestimmt werden könne. Späterhin handelt derselbe Autor noc von solchen Fällungen unter andern in feinem „Archiv für tie gesamte
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- Naturlehre Band I. pag. 460 (Nürnberg 1824), wie auch in der zweiten Auflage feiner „ Grundzüge der Physik und Chemie" Band II. pag. 355 (Nürnberg 1833), und überhaupt geschieht fast in allen neuern Lehrbüchern der Physik und Che-mie von diesem Processe Erwähnung. Auch pflegt Herr Hof-rath Kastner schon feit einer langen Reihe von Jahren in feinen Vorträgen über Physik und Chemie die Ueberfnpfe = rung eines Platintiegels auf galvanischem Wege als Vor-lesungsversuc zu bringen, und in feinen Versuchen über Dar-stellung fester Metallvegetationen auf nassem Wege ist Herr Professor Wac schon im Jahre 1830 den eigentlichen galva-noplastischen Arbeiten so nahe gewesen, daß es wirklich Ver-wunderung erregt, nicht schon damals mit her Kunst genau bekannt worden zu fein, welche in der neuesten Zeit fo gro-ses Aufsehen verursacht. Professor Wac (Jahrbuch der Che-mie und Physik von Schweiger Band XXVIII. D. R.) be-biente sic schon damals zu feinen Versuchen zweier Glascy-linder, von denen der etwas weitere mit einem Glasboden versehen, ber engere an beiden Enden offen war; biefen über-spannte er an einem Ende mit Thierblase, stellte eine Zink-stange hinein, bie er mit angesäuertem Wasser umgoß, und hing ihn fo in ben weitern Eylinder, ber mit einer Auflösung von schwefelsaurem Kupfer (Kupfervitriol ober blauer Vitriol) angefüllt war. Mit ber Zinkstange hatte er einen schwach ver-silberten Kupferdrath verbunden, ben er nun in bie Auflösung des schwefelsauren Kupfers leitete, und fo biefen Drath mit einer krystallinisc glänzenden Kupferrinbe sic über-ziehen sah, auf bereu Oberfläche Warzen, Knospen und ähnliche Formen entstanden, zwischen welchen auch drath= unb haarförmiges Kupfer hervorwuchs. Auf ähnlichem Wege sah er dicke, knotige Keulen, zuweilen mit zweigartigen Auswüchsen sich bilden, unb bemerkt aus-drücklich, daß selbst ein dünner Beschlag noch fest gewe-fen fei; auch beobachtete er schon bie Messingbildung auf 1%
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- diesem Wege, indem er auf dem Drathe unter gewissen Bee dingungen Krystalle von gelblicher Farbe sich bilden sah. Leider scheint er feine Aufmerksamkeit nicht der Beschaffenheit dieser Kupferrinden an der dem Drathe anliegenden Seite zu-gewendet zu haben; allein die Gesetze, nach denen hier ge-wirkt wird, ja selbst der Apparat, mit dem die Versuche an-gestellt wurden, sind dieselben, die wir bei den wirklich gal-vanoplastischen Arbeiten wieder finden. Daß bei solchen durch Wort und Schrift doch allgemein verbreiteten Thatsachen Herr Professor Jacobi dennoch sogar den Ursprung der Galva-noplastik nach Ruszland versetzt, scheint mir doc zu viel für sic in Anspruch genommen zu fein; denn was will man denn sonst wohl als den Anfang der Galvanoplastik bezeichnen, wenn nicht die galvanische Fällung der Metalle überhaupt, und beson-ders die eben beschriebene Erzeugung von Metalrinden und Me-tallkeulen im Kreise der galvanischen Kette, wie auch jene cohä-reuten Kupferüberzüge der Münze ober des Platintiegels, die nur einer Verstärkung , — etwa durch längeres Belassen in der Kette, — bedurften, um alsdann abgelöst zu werden, und vollkommene galvanoplastische Produkte darzustellen? Unläug-bare Wahrheit bleibt es, daß die Elemente der Galvano-plastik schon längst in der deutschen Literatur vorhanden wa-ren, bevor Professor 3acobi zuerst in Dorpat und bann in Petersburg sich ausführlicher mit diesen Arbeiten beschäftigte. Dieses schliesst jedoch die Anerkennung des Verdienstes, das er sich um bie Ausbildung biefer Kunst erworben, nicht aus, obgleich es eben fo gewiß bleibt, daß Spencer gleich-zeitig mit ihm, wenn nicht schon vor ihm, diesen Proceß mit gleich ausgezeichnetem Erfolge genauer studirte. Diese bei-
- den Männer sind es, welche zuerst darauf geleitet wurben, ber Fällung ber Metalle durch Galvanismus ihre volle Auf-merksamfeit zuzuwenden, unb sie waren fo glücklich, zu entde-den, daß man diesen Proceß vortheilhaft im Dienste ber In-dustrie verwenden tonne; hierin besteht ihr Verdienst; sie
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- brachten in das Gebiet der Technik, was vordem nur der reinen Wissenschaft angehörte, und führten somit in’s Leben ein, was bisher, und zwar nur in feiner einfachsten Gestalt, in Hörsälen und Laboratorien vorhanden war. — Jacobi hat fein Verfahren zuerst der t. Akademie der Wissenschaften in Petersburg mitgetheilt, fein Bericht wurde durch die Presse schnell veröffentlicht, und ging bald auch in ausländische Bei-tungen und technische Journale aber; im Jahre 1840 gab er in feiner oben citirten Petersburger Schrift eine ausführliche Darstellung seines Verfahrens, welcher noch manche andere sehr wortreiche Erklärungen beigefügt sind. Bekannt ist die Mimnificenz, mit welcher der Kaiser von Rußzland die Entde-ckung Jacobis belohnte, — Nicht so glücklic in dieser Hin-sicht war Spencer. Seine Versuche sind beschrieben in Dingler’s polytechnischem Journale, Band LXXV., S. 34 u. f. f., in welches der betreffende Aufsatz aus dem Mechanics Magazine, einer Broschüre, die Herr Spencer fürzlic unter den Auspicien der polytechnischen Gesellschaft zu Liverpool erscheinen lies, übergegangen ist. Er war, — wie auc die Redaction des angeführten Journales bemerkt, — ur-sprünglic zum Vortrage vor der Versammlung der British Association in Liverpool bestimmt, bei welcher der Verfasser jedoch nicht zu Wort kommen konnte. Die Redaction des Mechanics Magazine nimmt hierdurch Anlaß, einen schar-fen Tadel gegen diese Versammlung auszusprechen, und be-nutzt ferner tiefe Gelegenheit, um Herrn Spencer die Priorität vor Herrn Jacobi zu sichern. In ter Folge meiner Abhandlung werbe ich auf tiefen Aufsatz im po-lytechnischen Journale, ta mir taS Original nicht gegenwär-tig ist, wie auch auf teS Herrn Jacobi peterSburger Schrift zum öftern mich beziehen.
- Den naturgesetzlichen Hergang ter galvanoplastischen Er-scheinungen erklärt Jacobi im ersten Parapraphen seines an* geführten Werkes nach ter bisher gewöhnlichen Hypothese für
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- die Wirkungen der galvanischen Kette. Eine Bint - und Ku-pferplatte in eine verdünnte Säure — etwa verdünnte Schwe-felsäure — gebracht, und dann innerhalb oder auszerhalb der Flüssigkeit, sei es durch unmittelbaren Contact oder durch einen Leitungsdrath, in Verbindung gesetzt, entwickeln eine besondere Kraft, Galvanismus genannt, welche unter an-dern merkwürdigen Eigenschaften auch das Vermögen besitzt, sehr viele chemische Verbindungen zu zerlegen. Im angeführ-ten Falle treten der Wasserstoff und Sauerstof des Wassers auseinander; ersterer wird von Kupfer frei, letzterer orydirt den Zink, welches Dryd sich nun mit der Schwefelsäure zu Binfsulphat (schwefelsaurem Zink oder weiszem Vitriol) vereint. Diese Hypothese, welche sich auf das Vorhandensein eines elektrischen Fluidums (oder zweier elektrischer Fluida) grün-det, und bereu Annahme zur Erklärung aller derjenigen Er-scheinungen, welche die Physik zu den elektrischen zählt, sehr practisc ist, scheint mir jedoch zur Erklärung der galvanopla-stischen Processe, als vorzugsweise chemischer Actionen, nicht zu passen; die vortrefflichen Beobachtungen Faraday’s haben vielmehr gezeigt, wie wenig Grund vorhanden ist, eine Circulation der Elektricität durch bie Volta’sche Kette anzu-nehmen. Es handelt sich nach den grogzen Entdeckungen die-ses ausgezeichneten Beobachters immer von temporär po= laren Gegensätzen der Molecule, fo daß alfo bei ben sogenannten elektrischen Strömungen nicht etwa ein eigenes sogenanntes elektrisches Fluidum von Theilchen zu Theilchen übergeht, sondern ber an einer gewissen Stelle durch ben Chemismus erregte polare Gegensatz in ben zunächst liegen= ben Moleculen Bipolarität hervorruft, diese Theilchen auf ihre unmittelbare Umgebung dieselbe Wirkung ausüben, unb fo z. B. bei ber Volta’schen Säule bie polare Aufregung von Atom zu Atom sic fortpflanzt, bis dahin, wo bie Kette sich schließt. Kommen Binf unb Säure (etwa Salzsäure) mit einander in Contait, fo wirb nach Farady das Molecul
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- a der Salzsäure, welches den Zink unmittelbar be-rührt, als erste und noth= wendige Folge dieses Bu-sammentreffens bipolar; an der dem Zink zuge-kehrten Seite entwickelt sich Chloraffinität, und das Chloratom des Sän-remoleculs bildet daselbst
- B
- den Ehlorpol, da es in Folge des fliifsigen Aggregatszustan-des an keiner Bewegung gehemmt ist. Das Hydrogenium (Wasserstoff) der Salzsäure erhält nun dadurch die entgegen-gesetzte Polarität, es wird zinkpolar, und ruft nun in dem ihm zunächst liegenden Säuremolecul b an der es berührenden Seite wieder Chlorpolarität hervor; das Chlor dieses Mole-culs wird daher chlorpolar (chloropol), und bestimmt das mit ihm chemisch verbundene Hydrogen zur Binkpolarität, und so pflanzt sich durch Induction die bipolare Erregung der Säuremolecule fort, bis endlich die Erregung == 0 wird. Dieser Zustand muß aber endlich eintreten, da sic die Pola-risationsstärke mit der Entfernung von der Polarisationsquelle mindert. Auf gleiche Weise kann man sic ein Binkmolecul aus 2 Zinkatomen zusammengesetzt denken, und die bipolare Erregung wie durch die Säure so auch durch den Zink hin-durch sich vorstellen. Die Binkpolarität ist nun das, was
- die andere Ansicht positive Eleftricität, die Chlorpo= farität das, was jene negative Eleftricität nennt; der bequemeren Bezeichnung wegen werbe ich bei nachstehen-der Betrachtung die für die ältere Benennung üblichen Bei-chen — und —• beibehalten. —
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- bringt man in eine Säure 3. B. Salzsäure eine Kupfer-und eine Zinkplatte, und ver-bindet diese Platten durch einen Drath, wie es nebenstehende Fi-gur zeigt, so hat man eine ein-fache Voltalsche Kette; ihre Wirksamkeit ist durch die Beich= nung veranschaulicht. Durch den Contact der Säure und des Binks findet die oben erläuterte polare Vertheilung statt; das Chlor des Säuremoleculs a ver-bindet sic mit den zinkpolaren (oder positiv elektrischen) Atome des Binkmoleculs A, das ihm
- unmittelbaren Berührung
- geboten ist; das zinkpolare Hydrogen des Säuremoleculs a verbindet sic mit dem Chlor des Moleculs b zu einem neuen Molecul Säure, eben so das Hydrogen des Moleculs b mit dem Chlor des Moleculs c; das zinkpolare (oder positive) Hy-drogen des Moleculs c aber, welches dem chlorpolaren Coder negativen) Atome des Kupfermoleculs A zunächst liegt, kann sich feiner Natur nach mit dem Kupfer nicht vereinigen, und wird daher in Gasform am Kupfer frei; die polare Induc-tion geht aber durch die Kupferplatte, den Leitungsdrath L und die Binkplatte fo fort, wie es in der Zeichnung angedeutet ist. Da nun dem Binkpol des Säuremoleculs c Chlorpolari-tät von dem Kupfer entgegengesetzt ist, fo findet auch von hier aus eine Induction in demselben Sinne statt, und der polare Gegensatz wirb dadurch um fo mehr verstärkt, als natür-lich von allen denkbaren Punkten ber von Säure angegeben nen Metallplatten dieselben Wirkungen unb Rückwirkungen durch bie Säure hindurch sich erstrecken, unb dadurch eine durch zahllose Inductionen unb Rückängzerungen ber Atome
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- C.
- verstärkte allseitige polare Aufregung gegeben ist. Von dem Bink (oder feinem Vertreter) gehen die Inductionslinien aus, können aber so wenig als j. B. die magnetisch polaren Strahlen von Eisenfeilspähnen am Magnete eine parallele Richtung ein-halten, sondern divergiren wie diese nach dem Gesetze der Ab-stogung gleichnamiger Pole. Daniell hat durch einen sehr sinnreichen Versuch tiefen Satz zur grössten Evidenz nachge-wiesen. Er erzielt eine Kette von her relativ größten Wirksamkeit, als er eine Zinkkugel in eine mit Säure gefüllte kupferne Hohlkugel hing, bei welcher Form alle divergente Strahlen das Kupfer treffen.
- Diesen allgemeinen Betrachtungen, und zum Theil aus ihnen hervorgehend, schlieszen sic nun tie folgenden specielleren Sätze an. Die Wirksamkeit her galvanischen Kette hängt ab:
- 1) von her Grösze her angewandten Metallplatten; denn jemehr Inductionsreihen vom Zink zum Kupfer gleichzei-tig ausgehen, desto großer tie Wirkung;
- 2) von her Natur der erregenden Flüssigkeit, tem Varome-ter= und Thermometerstande. Es sind nämlich nicht bloß tie Säuern als Erregungsflüssigkeiten (Elektrolyte, Zink-olyte) anwendbar, sondern auch tie Salze, in denen tie Base das Radical, tie Säure ten Säurer ter Säuren vertritt; ganz nach demselben Gesetze deplacirt nun in her Kette das positive Metall tie Base, in fo ferne die Salze im fluffigen Zustande sich befinden, welcher letztere uner-läßliche Bedingung ist, ta nur im flüssigen Aggregatszu-stande tie Salzmolecule nach der Polarität ihrer Atome sich lagern fönnen. Daß tie Verschiedenheit ter Salzlö= sungen direct, und tie Luftbeschaffenheit hauptsächlic bloß indirect auf tie Wirksamkeit ter Kette influirt, ist durch das Experiment schon längst außer Zweifel gesetzt;
- 3) von ter Natur ter angewandten Metalle. Nicht bloß Bink und Kupfer sind ter galvanischen Erregung fähig, sondern überhaupt alle Metalle, und außer ihnen noch
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- der Kohlenstof in der Gestalt der Holzkohle und das er-hitzte Silbersulfuret (Graham), auch Phosphorsilber. Je nac dem Grade, in welchem die Metalle pofttiv che-misch polar (nach der ältern Ansicht: positiv elektrisch) ober negativ chemisch polar (negativ elektrisch) zu werden vermögen, eignen sie sic als besonders wirksam für die galvanische Kette. In Kasuer’s Grundzügen der Physik und Chemie (2. Aufl. Nürnberg 1832) findet man in Bd. I. S. 263 unter ber Benennung „elektro-chemische Spannungsreihe" alle damals bekannten Grundstoffe nac ber Art und ber Stärke geordnet, mit welcher bei gegen-seitiger Berührung eines auf das andere elektrisch erre= gend wirkt. Des allgemein wissenschaftlichen Interessens wegen führe ic biefe Reihe vollständig hier an, wenn auch für gegenwärtige Abhandlung schon bie Aufzählung her Metalle hinreichend wäre:
- — E. Drygen, Schwefel, Alzot, Fluor, Brom, Jod, Phosphor, Selen, Arsen, Chrom, Molybdän, Scheel, Bor, Carbon, Stib, Tellur, Tantal, Titan, Silicin, Dsmin, Hydrogen.
- Gold, 3rib, Rhod, Platin, Pallad, Merkur, Silber, Kupfer, Uran, Wismuth, Zinn, Blei, Cerer, Kobalt, Nickel, Eisen, Cadmin, Zink, Mangan.
- Birkon, Alumin, Ottrin, Beryllin, Magnin, Ealcin, Strontin, Baryn, Lithin, Natrin, Kalin + E.
- Es wirb am angeführten Orte bemerkt, daß bie Reihe ber Elemente vom Gold bis Mangan inclus. hinsichtlich ihres elektro = chemischen Verhaltens in fo hohem Grade verschieden feien, daß man sie mit eben fo vielem Rechte zu ber fogenannten elektro = negativen ober Sauerstoff-Reihe, als zur elektro - positiven ober Kalium - Reihe zäh= len kann. Die von Jacobi angegebene Reihe
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- — Slatin, Gold, Silber, Duecksilber, Kupfer, Blei, Zinn, Eisen, Zink +
- genügt für die technische Ausübung der Galvanopla-stik. Auch Metalllegirungen, wie z. B. Messing und Amalgame, wie Binkamalgam, sind anwendbar. Beson= ders zu beachten ist das Binkamalgam, das ungleich besser wirkt, als der Bint selbst. Der Grund hiefür ist un-streitig der flüssige Aggregatszustand des Merkur, wel-cher den Binkatomen gestattet, leicht die ihrer Polarität entsprechende Lage anzunehmen;
- 4) von der Länge und Dicke, zum Theil auch von der Na-tur der Leitung; der Widerstand, den die leitende Ver-bindung der galvanischen Wirksamkeit entgegengesetzt, ver-hält sich gerade wie die Länge, und umgekehrt wie der Duerschnitt des Drathes ober Streifens (Jacobi);
- 5) von der Entfernung, in welcher sic die Platten in der Flüssigkeit befinden; je weiter sie von einander abstehen, desto geringer die Wirksamkeit, welche Erscheinung sic ans der Vermehrung der chemischen Vertheilungen, die in diesem Falle eintritt, erklären läßt;
- 6) von der Menge der Plattenpaare, die man zu einer (zu-sammengesetten Volta’schen) Kette verbindet. Es lassen sic nämlich eine beliebige Anzahl von Plattenpaaren durch Leitungsdräthe combiniren, wodurch der Erperimen-tator in den Stand gesetzt ist, die galvanische Wirksam-keit resp. deren Stärke aufs mannichfaltigste zu modifi-ciren. Hat man z. B. in 8 Zellen in jeder eine ein-zöllige Kupfer- und eine eben so große Zinkplatte, und man verbindet zuerst sowohl die acht Kupferplatten, als auch die acht Bildplatten unter sich, und schließt bann bie Kette, so ist bie Wirkung dieselbe, als wenn man Ein Plattenpaar aber 8 Duadrat - Zolle groß, wirten ließe, weniger dem Verluste, ber nach 5 bei Anwendung ber Verbindungsdräthe nicht zu vermeiden ist. Es leuchtet
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- ein, daß man auc je 2 und 2 ober 4 und 4 Kupfer-und Binkplatten vereinigen könnte, und alsdann 4 ober 2 Ketten erzielte, beren Wirksamkeit ber entsprechenden An= zahl von Plattenpaaren proportional wäre.
- Der Schließzungsdrath (Verbindungs ,= Leitungsdrath) ber galvanischen Kette erhält nun durch eine wirkende Batte-rie noch besondere Kräfte, von denen jedoch hier nicht ausführ-lic bie Rede fein kann. Ic will nur erwähnen, daß es biefe Kräfte sind, auf welchen hauptsächlic bie groszen elektro’-mag-netischen Entdeckungen beruhen, bereit Resultate gegenwärtig Deutschland und Europa, ja bie ganze civilisirte Welt mit bem lebhaftesten Interesse entgegen sieht. Indessen barf ic bie hiebei statt findende Erwärmung und Magnetifirung des Schlieszungsdrathes darum nicht ganz unberührt lassen, weil sich aus biefen leitht wahrzunehmenden Zuständen des Drathes auf bie Grösze ber Wirksamkeit ber Kette schließzen läßszt. Je stärker ber galvanische Strom, also je größer bie Anzahl pola= rer Ketten im Schießznngsdrathe, desto größer bie Erhitzung, welche derselbe zeigt, bie aber je nach ber Natur ber als Schließ-ungsdräthe benützten Metalle graduell verschieden ist. Harris
- hat hierüber Versuche angestellt, und bei sonst gleichen Be-dingungen gefunden, wenn man einen Leitungsdrath anwenbet
- von Silber bie Erhitzung = 6, ben Widerstand == 1
- n Kupfer „ == 6 „ » — 1
- » Gold » = 9 „ » 11/2
- » Binf ,, » = 18 „ » —• 3
- » Platin „ » = 30 „ ») 5
- » Eisen „ ») = 30 „ » 5
- » Binn „ » = 36 „ » — 6
- » Blei „ » = 72 „ » 12
- » Messing „ ») = 18 „ 29 — 3.
- Jacobi beschreibt eine Vorrichtung, vermittelst welcher
- man an ber Temperatur eines dünnen Platindrathes, bie sich selbst bis zur Glühhitze desselben steigern kann, die Stärke
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- des galvanischen Stromes (nach der ältern Ansicht) erkennt. Auffallender jedoch zeigt diese Stärke der Multiplicator an der Abweichung der Magnetnadel, und noc einfacher die von Jacobi Seite 34 und 35 seiner Petersburger Schrift beschrie-bene und abgebildete Bussole, die sich vom Multiplicator das durch unterscheidet, daß die Schließzungsdräthe nicht verlängert, sondern unmittelbar unter die Nadel geführt sind, und so deren in Graden zu bemessenden Ablenkungen bewirken. Die Gesetze, nach welchen diese Ablenkungen (vom magneti-schen Meridian, in dem sich die Nadel vorher befinden muß), erfolgen, gehören in die Lehre von dem Elektromagnetismus, die Gründe aber, welche dieselben veranlassen, sind zur Zeit noch nicht gehörig erforscht, beruhen aber wahrscheinlich gleich-falls auf einer Umänderung des polaren Zustandes der Mo-lecule. —
- In Vorstehendem ist die ganze Theorie der Galvanoplastik enthalten. Man denke sic etwa einen viereckigen Kasten von Glas, Porzellan ober Töpfererde, von ausgepichtem Holze ie., der in feiner Mitte durch eine poröse Wand von Thon, nach Jacobi, einfacher aber von Gyps, nach Spencer, in 2 Zellen getheilt wird; eine solche Scheidewand, obgleich sie das Busan-mentreten verschiedener in die Zellen zu bringender Flüssigkei-ten verhindert, gestattet dennoch den Durchgang der chemisch-polaren Induction (ober elektrischen Strömung), und trennt somit die Kette nicht. Bringt man nun in bie Eine Zelle Binf und eine verdünnte Säure, in bie andere eine Kupfer-platte und eine Lösung von schwefelsaurem Kupfer, und ver-bindet bann bie Zink = und Kupferplatte durch einen Leitungs= drath, so sind alle festen und flüssigen Elemente einer galvani-schen Kette gegeben, und es findet nun eine Wirkung nach den oben angeführten Gesetzen statt. Das aus her Salzlö-sang regulinisch präcipitirte Kupfer setzt sich, zumal unter ge-wissen Bedingungen, wovon nachher bie Rede fein soll, in cohärenter Masse an das bargebotene negative Metall an,
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- füllt dessen Form ganz genau aus, und giebt auf diese Art ein treues Bild in umgekehrter Gestalt von irgend einer dargebo-tenen Figur. Auf diese Art lassen sic massive Kupferplatten, so wie die verschiedensten Druckformen (etwa für Kattun= und Tapetendrucker) darstellen, Facsimiles erzengen von Madaillen, Münzen, Siegeln, Stempeln, Petschaften; ferner Matern und Matrizen für Schriftgieszer, vertieft und erhaben gezeichnete Plat-ten für Kupferdrucker, geätzte Platten, Abdrücke von Gyps= und Thonmodellen, von kleinern Büsten, Bildsäulen und sonstigen Formen; man ist durch dieses Verfahren in den Stand gesetzt, sogenannte galvanische Kupferstiche darzustellen, Metalle falt zu löthen und plattiren, fo wie zu vergolden, verplatiniren versilbern u. s. w.
- Die galvanischen Apparate sind im Allgemeinen zweier-lei Art; entweder befinden sic die zwei Bellen, von denen
- die das positive Metall und die Säure enthaltende Erres gungszelle, die andere, in welcher das negative Metall ober dessen Vertreter unb die auszufällende Salzlösung sic befindet, bie Wirkungszelle heisst, neben einander, wie in dem
- vorhin beschriebenen unb hier abgebilde= ten Apparate, ober sie sind über ein-ander unb bestehen in diesem Falle häu-
- fig aus 2 Glascylindern, von denen ber Eine, zur Erregungs-zelle bestimmte, an beiben Enden offen ist, an Einem dersel= ben aber mit Pergament ober Thierblase überspannt, ober, falls bie Deffnung nicht allzuweit fein sollte, auc mit einem Gypsboden versehen wird. Diese Belle mit bem positiven Me-falle und ber Säure ober Salzlösung [gewöhnlich bebient man sic zu solchen Lösungen des Natriumchlorids (= Na Ch2 — H2 0, Kochsalz), des Natronsulphats (=Na 0 S03, Glauber-salz) ober des Ammonchlorids (=A2 Hs Ch2, Saliniab] wird
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- in die Wirkungszelle gehängt, entweder vermittelst eines Drath-geflechtes, das man an die Seitenwandung der Erregungs= zelle anbringt, und dann am Rande der Wirkungszelle befe= stigt, oder vermittelst eines eigenen Statives, (S.d. Abbild.)
- das jedenfalls eine bequemere Behandlung zuläßzt. Diese Wir-kungszelle ist eine gewöhnliche Glasschaale, oder ein Glascy-linder mit Glasboden, und enthält, — wie schon oben be-merft, — die Lösung des schwefelsauren Kupfers, und das negative Metall, das die abzubildende Form darbietet. Die Apparate der lesztern Art lassen sich, je nachdem es die ver-schiedenen Zwecke erfordern, auf mannichfache Weise abändern. In dem Archiv für Natur, Kunst, Wissenschaft und Leben (Februar 1842) S. 13 ist ein sehr einfacher und zweckmäßzi-ger Apparat tiefer Art beschrieben. Die Wirkungszelle ist ein viereckter Kasten aus starkem, nicht porösem Holz, 5 Zoll hoch, nach oben zu erweitert, ter schon beim Verzinken in ten Fu-gen ausgepicht, nachher aber gänzlich mit einer 21/2 Linien tiefen Wachsmasse ausgegossen wird, wozu man das in Apo-ken gebräuchliche gelbe Gerat verwenden kann. Als Erregungs=
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- zelle dient ein hölzerner viereckter Rahmen mit 11/2 Boll hohen Wänden, der unten mit Pergament überzogen wird, das man vorher anfeuchtet. Das »pergament muß so groß sein, daß es um ben äußzern Rand des Rahmens gelegt, und oben be-festigt werben kann. Bur bessern Haltbarkeit schiebt man von unten einen zweiten, nicht zu willig übergreifenden Rahmen über ben erften. Man erhält so einen Kasten, her auf ber Flüssigkeit bei einigem Spielraum schwimmt. Um bie unmit-telbare Berührung der Metallplatte mit dem Pergamente zu meiden, littet man ein paar Glasstäbe in ben Rahmen ein, unb verhindert ein Bauschen des Pergaments nac unten da-durch, daß man Bindfäden kreuzweis unter beut Rahmen hin-zieht, unb oberhalb desselben befestigt. — Es ist nun nicht ge= rabe nothwendig, sic einer massiven Metallplatte zu bedienen, unb tiefer Umstand erleichtert sehr bie galvanoplastischen Ar-beiten. Ic habe früher schon angegeben, daß auch das Car-bon neben sämtlichen Metallen ber chemischen 'Polarität fähig ist, unb von diesem Vermögen des Kohlenstoffs wirb in ber Galvanoplastik sehr vortheilhafte Anwendung gemacht. Man nimmt nämlich von ben zu fertigenden Gegenständen Abdrücke in Wachs, Wallrath, Hausenblasengallerte, Stearin, Eolopho= nium, Gyps und dgl., bestreicht diese Formen vermittelst ei-nes zarten Pinsels ober reiner Baumwolle mit fein geschlemm-tem @raphit, wodurch dieselben einen kohligen Ueberjug erhalten, unb setzt sie so ber galvanischen Wirkung aus. Nach ben oben angegebenen Gesetzen findet uun eine Zerlegung des schwefel-sauren Kupfers (blauen Vitriols) in ber Art statt, daß bie Säure frei wirb, das Metall aber in zusammenhängen-ber Masse so genau auf tie dargebotene negative Form sic anlegt, daß ber hiedurch entstehende Ueberjug alle Erhöhun-gen unb Vertiefungen bis auf bie allerfeinsten Striche unb Ritzen ber Form wieber gibt, unb also das treueste Gegen-stick zu dieser bilbet. War das Modell ein Basrelief, so ist das galvanische Erzeugnis das correspondirende Hautrelief, von
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- dem auf demselbem Wege nunmehr das ganz gleiche Basrelief dargestellt werden kann, und umgekehrt. Anstatt des geschlemm-ten Graphits kann man sich auch der Metallpulver selbst be-dienen; man erhält 5. B. Kupferpulver in der größten Ver-theilung, also möglichst fein, wenn man eine Auflösung des salpetersauren Kupfers vermittelst Eisens ausfällt. Den Me-tallpulvern ist indessen der geschlemmte Graphit, feiner größern Feinheit und bessern Anhaftung wegen, immer vorzuziehen. Man muß aber in allen diesen Fällen besonders darauf ach-ten, die leitende Verbindung (den Metalldrath ober Metalls streifen) mit der nun leitend gemachten Oberfläche des Mo-dells auch in wirkliche Berührung zu bringen; es geschieht dieses am besten, wenn man das Modell mit einem Metall-streifen umgibt, und an diesen nun bie leitende Verbindung befestigt. Allein viele Versuche haben mich überzeugt, baß Herr Dr. Böttger mit allem Rechte in Nr. 10 des III. Jahrganges vom Frankfurter Gewerbsfreunde behauptet, bie auf diesem Wege erhaltenen Sepien feien fast nie so vollkom-men, als bie mit einem Metallmodell erzengten; sie sind fast immer mehr ober weniger unrein, unb nur feiten mit bem Original vollkommen übereinstimmend.
- Herr Spencer gibt an, Gyps-, Holz = oder Thonfor-men dadurch für ben elektrischen Strom leitend zu machen, baß er sie mit einer Auflösung von salpetersaurem Silberoryd überstreicht, und sie bann Phosphordämpfen aussetzt, bie er dadurch erhält, baß er ein kleines Stückchen Phosphor in ein Gefäß legt, in welchem sich Alkohol befindet, diesen erhitzt, unb in bie hiedurch entstandenen Dämpfe bie mit Silberauf-lösung überstrichenen Gyps=, Hol3 = oder Thonformen hält, wodurch sich auf ber Oberfläche eine bünne, silberweißze Schichte Phosphorsilber ablagert, durch welches biefe Formen eben fo leitenb werben, als dieses bei Anwendung von Graphit, ben man unter schmelzenden Stearin mischt, ober bei Abklatschungen
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- von Elichirmetall *) der Fall ist. In Erdmann’s Jour-mal für praktische Chemie (Jahrgang 1841, Heft VI.) bestä-tiget Herr Elsner den guten Erfolg dieses Verfahrens, und gibt zugleich eine neue Methode an, größere Abgüsse leitend zu machen. Er rührt nämlich den gebrannten und fein pul-verisirten Gyps statt mit Wasser, wie es gewöhnlich geschieht, mit sauren und filtrirten Molken au, und macht dann den Abguß; getrocknet wird derselbe mit einer salpetersauren Sil-berauflösung überstrichen, und so der Einwirkung des Son-nenlichts ausgesetzt; hierdurch wird der Abguß durc sic re-ducirendes Silber mit einem braunen Meberzuge auf feiner Oberfläche bedeckt, auf den sich das metallische Silber eben fo gut und fest anlegt, als wäre der Abguß mit Phosphor-silber überzogen. — Um sic gute Stearinabdrücke zu ver-schaffen, hat man, — am besten in trocknen, reinen Por-cellangefäszen, — den Stearin bei gelinder Wärme zu schmel-zen, und alsdann auf die vorher etwas erwärmte, mit einem Rande von Pappe ober Papier versehene Münze zu gießen, wobei darauf zu achten ist, daß die Temperatur des flüssigen Stearins nicht allzu hoc fei, weil in tiefem Falle derselbe leicht abfliest, und nach dem Erkalten sic nur schwer von tem Metalle trennt. Auf ähnliche Art kann man Abdrücke in antern bildsamen, schmelzbaren Massen erhalten; die Dicke, welche man denselben gibt, richtet sic natürlich nac ter Größe des abzudrückenden Modells.
- Als eine für ten Abdruck von Modellen ic. vorzüglich geeignete Metallmischung empfiehlt Herr Dr. Böttger im
- *) Als eine zum Clichiren (Abklatschen) vorzüglich geeignete Le-girung werten empfohlen: 3 Theile Blei, 2 Theile Zinn und 5 Theile Wismut ; sie schmilzt bei 91,66° C., wirb aber, am besten auf Pappe, bis zur teigartigen Consistenz erkalten lassen, bevor man sie in die Form gießzt, oder Abdrücke in sie macht.
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- erwähnten Blatte eine aus 8 Gewichtstheilen Wismuth, 8 Thei-len Blei und 3 Theilen Sinn bestehende Legierung, die bei
- 860 R. schmilzt, und obgleich sie zum Schmelzen eine um 8 Grade höhere Temperatur erfordert, als das Rose’sche Metallge-misch, (2 Theile Wismuth, 1 Theil Bini und 1 Sheil Blei, schmilzt bei 93,750), doch vor tiefem den Vorzug verdient, weil beim Erkalten das krystallinische Gefüge ter Masse weit feinkörniger hervortritt, als bei feuern. Die Spirituslampe reicht hin, tie Legierung in einem dünnen Schmelzlöffel in Flug zu bringen, in dem man sie einige Zeit erhält, und bann in eine vollkommen trockene, etwa aus Pappe gefertigte Kap-sel gießzt, fe nach den gröszeri oder geringem Erhöhungen und Vertiefungen des abzuklatschenden Gegenstandes in 3 ober mehr Linien dicker Lage. Hat man nun tie Mischung mittels eines Heinen, zuvor etwas erwärmten Eisendrathes fo lange umgerührt, bis sie, auf ber Oberfläche blasen = und möglichst orydfrei, eine gleichförmig tiefe breiartige Masse bittet, fo bringt man das Abzuklatschende noch vorhergegangener mäßzi-ger Erwärmung schnell darauf, unb drückt es mittels eines unten mit einem breiten flachen Korke versehenen Stempels ober Stabes fo lange in bie Legirung ein, bis dieselbe ziem-lic erkaltet ist, um das Anhaften ber geschmolzenen Masse an dem abgeklatschten Modell, das bei früherm Herausneh= men unvermeidlich ist, zu verhindern. Diese Angaben habe ic vollkommen bewährt gefunden; indessen läszt sich derselbe Zweck in vielen Fällen auf weit einfacherem Wege erreichen. Meine Abdrücke von Medaillen, Münzen unb überhaupt von solchen Ge-genständen, die eine mäßzige Pressung ertragen, mache ic in Blei, unb zwar nicht im geschmolzenen Zustande, was Herr Dr. Böttger mit Recht verwirft, sondern im festen. Eine Medaille zwischen zwei sechs bis acht Linien dicke Blei-platten gebracht, bie man auf ber Oberfläche vom Oryd befreit, unb etwas polirt hat, nnd einer mäszig starken Pres-sung ansgesetzt, drückt sich, ohne das .Original im mindesten
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- zu beschädigen, auf beiden Seiten vollkommen scharf ab, und das auf diese Bleiformen sich präcipitirende Kupfer läßt sich, zumal wenn man das Blei etwas erwärmt, so leicht weg-nehmen, daß bei einiger Vorsicht man dieselbe Form vielmals gebrauchen kann. Den von Herrn Dr. Böttger empfohlenen Gebrauch ganz dünn gewalzter Bleiblättchen habe ic bei vielen Versuchen nicht sehr lohnend gefunden, noch weit weniger aber die anderwärts gerühmte Anwendung von Stan-niol, welche mir nie gewünschte Resultate lieferte. Eine zum Abformen geeignete Legirung ist auc das Schriftmetall; der Herr Schriftgieszereibesitzer Junge dahier hat auf meinen Rath die Galvanoplastik bereits in feine Werkstätte eingeführt, und vervielfältigt mittelst der sehr einfachen und leicht zu be= handelnden Vorrichtung, die ic oben beschrieben und abgebil= det habe, feine sämmtlichen Matrizen, als Vignetten und Let-tern, mit wesentlichem Vortheil. Die in die galvanische Kette gebrachten ursprünglichen Formen lassen das präcipitirte Ku-pfer so leicht abnehmen, daß weber sie selbst, noc auc die sehr scharf ausgeprägten und unmittelbar als Gusformen an-wendbaren Matrizen auc nur im Geringsten beschädigt wer-den. So wie man auf biefem Wege einzelne Matrizen ge= winnt, fo lassen sich auc durch dasselbe Verfahren ganze Ste-reotypplatten bilden, wenn man anstatt bet einzelnen Lettern einen ganzen Schriftsatz unmittelbar in bie Kette bringt. Die hiedurch erhaltenen Matrizen bieten den Vortheil, daß sie sich nicht nur auf gewöhnliche Weise mit Letternmetal sehr scharf ausgieszen lassen, sondern daß sie auch, selbst wieder in bie galvanische Kette an bie Stelle des negativen Metalles ge= bracht, die einzelnen Lettern ober ganzen Stereotypplatten mit äußzerster Genauigkeit im gefällten Kupfer wieber geben. Die Galvanoplastik, in so ferne sie sic mit Erzeugung von Typen beschäftigt, bie zum Abdrucke bestimmt sind, alfo mit Verviel-fältigung von Lettern, Vignetten, in Hols geschnittener ober auf Platten geätzter Figuren ober Zeichnungen :c., führt den
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- Namen G alv anotypie; es wird in der Folge noc mehr hievon die Rede sein.
- Metalle, an welchen das Kupfer sehr innig haftet, wie z. B. Kupfer, Messing, Bronze, Silber 2c. muß man zuvor mit einem lleberzuge von sehr fein geschlemmtem Graphit oder von Wachs versehen, falls man aus ihnen geformte Gebilde copiren will. Den Graphitüberzug erhält man einfach durch Bestreichen des Modells mit Graphit mittels eines Pinsels, ober durch Anreiben desselben mit feiner Baumwolle; man kann ben Graphit vorher mit Wasser zu einem dicken Brei anrühren, ober, falls man ihn trocken auftragen will, ben Vin-sel etwas mit Del befeuchten, was besonders bann zu beob-achten ist, wenn man bie Oberfläche eines Nichtleiters durch einen Graphitüberzug leitend machen will. Den Wachsüber-zug bringt man auf bie Münze, Medaille 2c., indem man das geschmolzene Wachs auf das zuvor erhitzte Modell gießt, und dieses nun schnell trocknet; es bleibt in diesem Falle eine Wachsschicht zurück, welche zu dünn ist, um das Metall zu isoliren, und doch stark genug, um ein inniges Anhaften des Kupferpräcipitats an ber Form zu verhindern. Die Ober-fläche ber erhaltenen Copie ist in diesem Falle mit etwas Wachs verunreinigt, das sich aber leicht mit Terpentinöl weg-nehmen läßt. — Man kann sich, wie schon bei der Vervielfälti-gung von Typen erwähnt, bie Formen auch unmittelbar durch Galvanoplastik von bett Modellen selbst verschaffen, indem man 3. B. von einer erhabenen Medaille sich galvanoplastisc ein vertieftes Exemplar, und von diesem wieder durch einen zweiten Proceß, ein erhabenes Bild darstellt, welches hinsicht-lich des Gepräges mit dem ersten identisch ist. Da man aus ökonomischen Gründen barauf sehen muß, daß sich nicht un-nöthiger Weise Kupfer präcipitirt, so thut man wohl, bie Stellen ber Form, welche vom Kupfer frei bleiben sollen, wie auch bie leitende Verbindung, (ben Platin = ober Kupferdrath, ben Kupferstreifen,) fo weit sie in bie Kupferisolution taucht.
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- mit Isolatoren, als Wachs, Siegellack 2. zu überdecken. 3c bediene mich gewöhnlic des Wachses, das ic schmelze, und dann theilweise, — so wie ic es brauche, — in frisches Was-ser gieße; es wird hierdurc sehr bildsam, legt sich innig an das Metall an, und läszt sic wieder leicht und vollständig ab= nehmen, was für die Reinerhaltung der Metalle sehr wün-schenswerth ist.
- Um Formen für Bisten, Bildsäulen, überhaupt Rundfi-guren zu erhalten, kennt man bis jetzt zweierlei Wege; ent= weder man überstreicht das Modell, in so ferne es aus einem leicht zerstörbaren Stoffe, als: Wachs, Siegellack, Stearin, Schwefel, Thon, Gyps 2c. besteht, mit fein geschlemmtem Graphit, oder belegt dasselbe geschickt mit sehr feinen Metall-folien, als z. B. Gold, Silber, Platin 2c., und bringt es dann in der galvanischen Kette in die Wirkungszelle; man er-hält auf diese Art eine hohle Form, in der man das Modell (durch Ausschmelzen ober auf sonstige Art) vorsichtig zerstört und herausnimmt; in biefer Kupferform läßt man nun durch einen zweiten Proceß die erhabene Figur sich bilden, und zer-stört bann vorsichtig bie Form. Sinb sämmtliche Operationen vollständig gelungen, so hat man jetzt das ursprüngliche Wachs-, Gyps = 2c. Gebilde in reinem Kupfer, freilich nur mit Ver-lust des angewandten Modells. Jacobi hat auf diesem Wege nach feiner Angabe einen zwar nicht ganz fehlerfreien, aber doch ziemlich guten Abguß (falten Guß) von einer in Wachs bosfirten und vielfach untergearbeiteten Büste en haut relief erhalten. Sollte man sich eines Gypsmodells bedienen wol= len, fo muß man nach Jacobi’s Angabe dasselbe zuvor in einer heißzen Mischung von Stearin unb Wachs, wie sie zur Lichtfabrikation bient, fo lange tränken, als noch Luftblasen aufsteigen; ber Gyps wird dadurch viel härter, fo daß er auf längere Zeit ber Nässe zu widerstehen vermag, und bie Büge des Modells verlieren bei biefer Behandlung nichts an ihrer Schärfe. — Die zweite Methode, ganze Figuren galvano-
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- plastisc) zu erzeugen, besteht darin, daß man sic die Form in Wachs, dem man etwas Colophonium beisetzen kann, vom Modell abdrückt, und mit aller Vorsicht stückweise zusammen-setzt. Auc kann man, — wie auch Herr Dr. Böttger im Frankfurter Gewerbsfreunde bemerkt, — das Modell zuerst mit einer dünnen Bleifolie überziehen, wobei man Sorge zu nehmen hat, daß sich alle Züge scharf im Metalle abprägen, und dann erst das Wachs darauf bringen. Bei tiefem Ver-fahren erhält man eine zusammengesetzte Form, die man bei sorgfältiger Behandlung öfter gebrauchen kann, und ohne Ber-störung des Modells zu gewinnen ist; allein ihre Erzeugung selbst hat sehr große Schwierigkeiten, unb erfortert bei vies lem Geschick unermüdliche Geduld unb Aufmerksamkeit.
- Derjenige Zweig, woran bie Galvanoplastik vielleicht die reichhaltigsten Blüthen für bie Eultur bringen wirb, ist bie Anwendung tiefer Kunst auf bie Herstellung und Vervielfäl-tigung von Typen für den Abdruck. Diesen Satz habe ic ber schönen Abhandlung entnommen, welche Herr Professor 3. Felsing, Kupferstecher in Darmstadt, unter ber Ueber= schrist „lieber galvanoplastische Nachbildung gestochener Kupfer-platten" in ber Beilage zur Augsburger allgemeinen Zeitung vom 19. November 1841 (Nr. 323) abdrucken ließsz. Es ist in tiefem Aufsatze darauf hingewiesen, daß, seitdem bie Vor-liebe ber Kunstverständigen, ja ber Gebildeten aller Classen für gut gelungene Kupferstiche allgemein geworben, bie Bahl ber Abdrücke einer gestochenen Kupferplatte häufig nicht mehr dem Bedürfnisse genügte, unb man deswegen genöthigt war, ein härteres Metall, ben Stahl, zur Bearbeitung zu wählen, ber eine zehnmal größere Zahl von Abdrücken gibt, als das Kupfer. Allein auc abgesehen von ben ungleich größern Schwie-rigkeiten, mit welchen ber Künstler hiebei zu kämpfen hat, ent-behren bie Stahlstiche durchgehends jener lieblichen Bartheit, welche ben Kupferstic dem Auge fo angenehm macht. Die Geschichte ber Chalkographie zeigt uns, sagt Herr Professor
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- Felsing, daß ohne das Material des Kupfers die höchsten Werke dieser Kuns eben so wenig erschienen seien, als ohne den weißzen Marmor die Plastik je den Höhepunkt ihrer Ausbil-dung erreicht haben würde. Ratten auc härtere Materiale der Zerstörung länger getrotzt, fährt er fort, so war doch die zarte Bildsamkeit tiefer Stoffe allein günstig, um den Eindruck der künstlerischen Schöpferkraft aufzunehmen, und um tiefen Künsten ihre eigenthümlichen Schönheiten zu verleihen. Lei-ter aber mußzte tie Schönheit ter Abdrücke öfter schon sehr abnehmen, bevor tie verlangte Anzahl abgezogen fein konnte. Da erfant das 19. Jahrhundert tie Galvanoplastik zur Hilfe ter Kunst, wie das 15. tie Buchdruckerkuns zum Heil ter Wissenschaft. Durch sie ist es möglich geworben, eine vom Künstler frei gearbeitete Platte, nachdem man wenige Abdrücke von ihr gemacht, um ihr alle Rauhigkeiten und Härten möge lichst zu benehmen, als Urtypus zu einer beliebigen Anzahl vollkommen gleicher Nachbildungen zu benützen, ohne sie selbst dadurc auch nur im mindesten zu beschädigen.
- Man erhält bei tiefem Verfahren zuerst ein galvanoplasti-sches Basrelief aller in tie Platten eingestochener Linien, wel-che wieder als Patrize für ten zweiten Niederschlag bient, ber nun mit mikrometischer Genauigkeit alle tie feinsten Ritzchen enthält, welche sich in her ersten Platte befinden. Abdrücke hievon auf Papier sind denen ber ursprünglichen Platte voll-kommen gleich, intern verschiedene Abdrücke von einer und der-selben Platte häufig mehr von einander abweichen, als ter Unterschied zwischen ten Abdrücken ber ersten unb ber galva-nischen Platte beträgt. Dies bezeugt Herr Felsing vor-zugsweise ber Nachbildung einer von ihm gestochenen Kupfer-platte, welche Herr Dr. Rud. Böttger in Frankfurt a. M. dargestellt hat. Der Abdruck biefer galvanoplastischen Nach= bildung ist seitdem im Kunsthandel erschienen, unb hebt als sehr gelungene Probe allen Zweifel, her über bie allge= meine Anwendung ber Galvanoplastik auf biefen Industrie-
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- zweig noc bestehen könnte. Das Bildniß stellt Christum mit dem Kreuze dar, in halber Figur, nac Daniel Erespi, und ist (wie auc die Schrift: Attritus est propter scelera nostra. Galvanoplastische Nachbildung von Professor Dr. Rud. Böttger) einem gewöhnlichen Kupferstiche so voll-kommen gleich, daß selbst Künstler von Fac die Identität zugestehen muffen. Als Nachtrag zu dem Aufsatze von Herrn gelfing in der allgemeinen Zeitung gibt Herr Dr. Böttger in demselben Blatte das Verfahren an, nach welchem er tiefe gravirte Kupferplatte galvanisch copirte. Sie war 121/2 Boll rh. lang, 91/2 Zoll breit, wurte zuvor mit Olivenöl einge= rieben, wieter abgepust, unt tann als negative Elek-trote in ten Apparat eingesetzt. Als positive Elektrode tiente Binkamalgam, unt als erregende Flüssigkeit, englische Schwe-felsäure, tie mit Wasser in tem Verhältnisse von 1 zu 10 ge-mischt war. Die Originalplatte blieb 4 Zoll rhein. von ter Thierblase des Apparats entfernt, alle 24 Stunden wurte tie amalgamirte Binkplatte gereinigt oter nac Bedürfnis durch eine neue ersetzt, tie Kupfervitriollösung aber dadurch ziem-lic gesättigt erhalten, daß alle zwei Tage fo viel pulverisirter Kupfervitriol hinzukam, als tie Auflösung in ter Siedhitze aufnahm. Nach tem Erkalten wurte tie Lösung filtrirt unt in ten Apparat zurückgegossen. Nach zehn Tagen war ter Kupferniederschlag eine gute halbe Linie stark, unt ließ sich, nach Abfeilen ter Ränder, durch ein dünnes Hornspatel mit leichter Mühe von ter Originalplatte trennen, ohne daß eine von beiten Platten auch nur im mindesten beschädigt wurte. Nachdem das so erhaltene Hautrelief mit Aetzkalilauge gerei= nigt, mit Olivenöl eingerieben, unt vermittelst einer Bürste unt Flieszpapier vorsichtig geputzt werten war, wurte es als negative Elektrode ter galvanischen Strömung ausgesetzt, unt lieferte bei angegebener vorsichtiger Behandlung nac vierzehn Tagen ein Basrelief, das ter gestochenen Platte vollkommen glich, unt zum Abdrucke verwentet wurte.
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- Indessen muß man allerdings zugestehen, daß durch die Art, in welcher die Platte gestochen, und deren sonstige Be-arbeitung vor dem Einsetzen in den galvanischen Apparat, wes sentlich der Erfolg bedingt ist. Ein Versuch, von dem Kup-ferstecher Herr I. A. Knoblauch, beschrieben in Erdmanns Journal für practische Chemie, (Jahrg. 1841. Heft 6) mit der leberschrift: Ueber die Vervielfältigung vertieft gravirter Kupferplatten auf galvanischem Wege, weist deutlich und scharf die Misstände nach, welche ein Niszlingen der Arbeit zur Folge haben müssen. Ein Hautrelief, das in fünf Tag stark genug sic gebildet hatte, nm von der gravirten Platte abgenommen zu werden, trennte sic von tiefer an den meisten Stellen
- nur durch sorgfältiges Biegen und Prellen, an Einer Stelle jedoch, die eine dunkle Waldpartie darstellte, war durchaus feine Trennung möglich. Der Künstler, ter tie Platte an-fertigte, erinnerte sich, daß jene Waldpartie zu dunkel geätzt war, und er deshalb mit dem Polirstahl sie habe überarbeiten müssen. Dadurch wurden aber tie Linien zugedrückt, und er-
- hielten nun nebenstehende Figur.
- Da sic nun tiefe überwölbten Gänge vollkommen mit Kupfer
- anfüllen, so ist in tiefem Falle ein Anhängen ter Platten un
- vermeidlich. Geätzte Linien, tie nicht mit dem Polirstahl über-
- fahren sind, haben im Suerschnitt nebenstehende Form. Eben fo leicht, als ein solches Anhängen
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- bei geätzten Platten statt finden kann, ist es auch möglich bei gestochenen; tenn es ist unvermeidlich, — heißt es in
- tem citirten Aufsatze, — daß eine Linie an ihrem Ende tie
- Form erhält, wie sie nebenste-hende Figur, ein Längendurch= schnitt, zeigt, wodurch natürlich
- sogleich ein Aneinanderhängen ter Platten entsteht. Daß in-dessen tiefer lebelstand vermieten werten kann, zeigt tie Platte
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- des Herrn Prof. Felsing. Aber allerdings sehr erwäh-nungswerth ist der Umstand, daß die besten Platten, was gerade bei größern eher möglich ist, als bei kleinern, hie und da schiefrige Stellen haben, d. h. sie sind rissig, und enthal-ten kleine Poren, die sich nach dem Innern der Platte ver-Kingern, und nicht immer als gerade, sondern auc sehr oft als schräg laufende Canäle in die Platte hineingehen. Da sich nun auch in diese höchst feinen Eanäle das Kupfer ansetzt, so kann es gar leidet geschehen, daß man sich hiedurch die kost-barsten Platten vernichtet. Bum Glücke gehört tiefer tebel-stand doch jedenfalls nur zu ten seltensten Fällen, wäre aber auch selbst bann nicht zu beseitigen, wenn man ansatt des Gravirens bie galvanische Metzmethode anwendete, von welcher in einem später Abschnitte bie Rede fein wird. Leber-haupt eignet sic biefe am besten zur Herstellung von solchen gezeichneten Kupferplatten, welche auf galvanischem Wege ver-vielfältig werben sollen.
- Der Apparat, in bem der beschriebene Versuch angestellt wurde, ist sehr zweckmäszig, unb bie Angabe feiner Construc-tion daher nicht ohne Interesse; nur wirb freilich viel Kupfer unnöthiger Weise niedergeschlagen, was bie Arbeit etwa§ ver-theuert. Er besteht nämlich auS einem hölzernen, wasserdicht ausgepichten Kasten ohne Deckel, unb aus einem hölzernen, mit Henkeln versehenen Rahmen, der 11/2 Zoll kleiner, als ber Kasten, unb auf einer Seitenfläche in ter Höhe von 1/2 Boll so mit Messingdrath befpannt ist, daß dieses Drath= gitter eine förmliche Art Rost bildet, welcher in zwei Mes-singdrathösen endigt. Den dritten Theil des Apparats bildet gleichfalls ein hölzerner Rahmen, 31/2 Boll hoch, in ber übri-gen Grösze bem ersten gleich; dieser wirb mit Thierblase so befpannt, daß er einen Kasten bildet, dessen Boden auS Blase, dessen Wände aus Holz bestehen, bie man zum Schutze noch mit Blase überziehen kann. In diesem Kasten werben, 1/4 Boll von bem Boden entfernt, Bindfaden netzförmig ausgespannt.
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- um die Binkplatte zu tragen, und ausserdem ist auc dieser Rahmen mit Henkeln versehen. Beim Gebrauche wird nun der hölzerne Kasten mit einer concentrirten Auflösung von Kupfervitriol gefüllt, der rostförmige Rahmen eingesetzt, und auf den Rost die negative Elektrode fo gelegt, daß die abzu-bildende Seite nach oben kommt; nun hängt man auch den zweiten, mit Blase bespannten, Rahmen ein, bringt die mit Desen (etwa von Messingdrath) versehene Binkplatte auf die Faden, und verbindet nun die beiden Elektroden durch Ku-pferdrath, worauf man noch mit Schwefelsäure angesänertes Was-ser in die Erregungszelle (hier der mit Blase überspannte Rah= men) zu gießzen hat. Natürlic wird nun aber das negative Metall allseitig vom Kupfer umgeben, und auch am Roste muß sich Kupfer präcipitiren, was einen öftern Zusatz von Kupfervitriol nöthig macht. Herr Knoblauch reinigte feine gestochene Kupferplatte mit Terpentinöl und Weingeist, und spülte, um vollkommen metallische Oberflächen zu erhalten, die-selbe noc mit verdünnter Salpetersäure ab. —
- Auc Holzschnitte lassen sich durch Galvanoplastit leich-ter, schärfer und treuer vervielfältigen, als man es bisher durch die gewöhnliche Methode des Elichirens vermochte. Da der Holzschnitt nur eine ziemlich beschränkte Anzahl von Ab-drücken gestattet, fo nahm man von demselben einen Abguß in Gyps, goß denselben sodann mit einem leichtflüssigen Me-talle, oder mit Legirungen aus, und erhielt nun das soge-nannte Gliche, das man zum Abdrucke unter der Presse ver= wendete. Da aber schon das Gyps mir in den seltensten Fällen den Holzschnitt vollständig ausfült, und selbst wieder nur äusserst feiten von dem Metalle in allen feinen Vertie= fungen vollständig ausgefüllt wird, fo ist klar, daß man auf diesem Wege kein mit dem Original vollkommen übereinstim-mendes Modell erhalten konnte.
- Diesen lebelstand befeitigt die Galvanoplastik; denn Herr Spencer in Liverpool hat dieselbe fo anzuwenden gewußzt.
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- daß man durch sein (patentisirtes) Verfahren Copien von Holz= schnitten höchst treu dem Originale erhalten kann. Zu diesem Zweck löst man ein Stückchen Phosphor in starkem, am be-sten absoluten Alkohol auf, indem man diesen Grundstoff mit dem Alkohol in ein Arzneiglas bringt, das man mit einem Korke verschließt, einige Minuten in heißzes Wasser stellt, und von Seit zu Zeit umschüttelt. Hierauf bringt man in eine flache Schaale oder auf einen Teller eine schwache Auflösung von salpetersaurem Silberoryd, und taucht einige Sekunden lang die Oberfläche des Holzschnitts in dieselbe; dadurc zieht sic die Flüssigkeit in das Holz, und dieß wird somit getränkt mit salpetersaurem Silberoryd. Man gießt nun etwas auf-gelösten Phosphor in ein Schälchen oder Uhrglas; über diese Dämpfe hält man die getrantte Oberfläche des Holzschnittes, wodurch sic das salpetersaure Silber in Phosphorsilber ver-wandelt, welches ein Leiter ist, und nun in die Kette ge= bracht, kann der so überkleidete Holzschnitt die Stelle des ne-gativen Metalles vertreten (Vergl. S. 17). Anstatt des Alkohol ist auch Aether anwendbar, und die Silberauflösung kann durch eine Auflösung von Chlorgold oder Chlorplatin er-setzt werden.
- Auf gleiche Weise hat man in Zukunft Stempel zu gro= szen Anfangsbuchstaben, Vignetten 2c. bloß in hartes Holz auszuschneiden, von dem man sic durch Galvanoplastik fu-pferne Matrizen bildet, die man nun mit Letternmetall aus-gießen ober galvanisch mit Kupfer füllen kann.
- Das Feld ber Galvanoplastik ist indessen nicht auf bloße Hervorbringung von Copien beschränkt, eS ist vielmehr ber Geschicklichkeit beS Künstlers eingeräumt, Gebilde beliebiger Art unmittelbar zu erzengen, in fo ferne er nur im Stande ist, bie Form in Wachs, Stearin :c. einzugraben. Schon ber erste galvanoplastische Versuch Spencer’s war ein solcher selbstbildender (Dingler’s polytechn. Journal Bd. LXXV. S. 36). Spencer wurde durch einen £ropfen Siegellack,
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- der ihm zufällig auf eine Kupferplatte fiel, die er als Sa-thode“)**) gebrauchen wollte, darauf aufmerksam gemacht, daß man durch Isolatoren die Präcipitation des Kupfers am ne= gativen Metalle verhindern könne, und überzog deshalb absicht-lic eine Kupferplatte mit einer von Faraday angegebenen Mischung von Wachs, Harz und Indisch = ober Ealcutta-Roth. Nachdem bie Masse erstarrt war, gravirte er bie An=
- *) Elektrolyt, Elektrode, Anode, Kathode, Io-nen, Anion, Kation sind Benennungen, welche größ-tentheils erst von Faraday in bie Wissenschaft eingeführt wurden. Elektrolyt nennt er in der galvanischen Kette bie zerlegt werdende Flüssigkeit, und denkt sich durch dieselbe den elektrischen Strom von Sonnenaufgang nach Son-nenniedergang; bie östliche Fläche des Elektrolyts, zu welcher nach feiner Vorstellung der Strom eintritt, nennt er bie Anode (von övc hinauf, und ö5og der Weg; Weg von Sonnenaufgang), bie westliche Fläche, an wel-cher ber Strom wieder austritt, Kathode (von xdro niederwärts, und ddos ber Weg; Weg zum Sonnenun-tergang); bie Elektroden sind bie das Elektrolyt berüh-renben Metalle, unb zwar berührt bie positive Elek, trode bie Anode, bie negative Elektrode bie Ka-thode des Elektrolyts. Man sieht hieraus, daß sich an ber Anode bie negativen, an ber Kathode bie positiven Bestand-theile beS Elektrolyts entwickeln. Diese Bestandtheile sind bie Jonen, (von eiut, Part, luv gehen, bewegen); der (nach ber altern Ansicht) positiv - elektrische Bestandtheil heisst Kation, (von xcto unb Zui, das Hinaufgehende, weil er sich zur Kathode bewegt), ber elektro: negative Anion (von &vo und elut, das Hinabgehende) weil er ber Anode zugeht.
- ♦*) In vielen Schriften ist Kathode in diesem Sinne ge-braucht; man sieht aber aus Anmerkung *), daß dies un-richtig ist, unb daß es vielmehr „negative Elektrode" heiszen mus. —
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- fangsbuchstaben seines Namens hinein, brachte die Platte nun in die galvanische Kette, und hatte die Freude zu sehen, wie auf ben vom Ueberzng befreiten Stellen derselben sich das Kupfer präcipitirte, und also die Form ber Buchstaben annahm. Freilich lösten sic in feinen ersten derartigen Versuchen die Kupferge-bilde von ber Platte ab, als er tiefe erhitzte, um bett iteber-zug abzuschmelzen; allein er wurde bald darauf geleitet, daß man tiefem llebelstande begegnen könne, wenn man die schon gravirte Platte fo lange in verdünnte Salpetersäure legt, bis die bloßgelegten Kupferstellen schwac geätzt werten, was man an ter alsdann eintretenden Gasentwickelung erkennt. Nac solcher Vorbereitung verbindet sic das präcipitirte Ku-pfer sehr innig mit bem dargebotenen, unb löst sich bei Erwär-mung ber Platte nicht wieber von derselben ab. Beim Gra-viren dieser Formen ist barauf zu sehen, daß die Wandungen, welche bie gravirten Punkte, Linien unb Flächen begrenzen, in ihrer ganzen Höhe gleichweit von einander abstehen; bie Lösung dieser Aufgabe hat allerdings ihre Schwierigkeiten, ist jedoch, zumal wenn man sich eigens hiezu geformter Grabsti-chel bedient, nicht unmöglich. Spencer suchte ein Zement ober einen Aletzgrund zu finden, worauf sich in ber erforder-lichen Tiefe graviren läßt, ohne daß sic bie Ränder aufstau-chen, und welcher ber Platte zugleich so fest anhängt, daß er sic auch an ben kleinsten isolirten Punkten erhält. Als eine hiezu sehr taugliche unb sonst mit feinen Nachtheilen verbun-bene Masse empfiehlt er eine Mischung von Wachs, Kreide, Harz, etwas Gummi unb Gyps. Eine andere zum Gra-viren zwar mehr geeignete unb fogar in hohem Grade Politur fähige von Jungfernwachs, Harz unb Bleiweiß ist darum nicht zu gebrauchen, weil das kohlensaure Blei zersetzt wird, etwas regulinisches Blei zwischen das bargebotene unb präcipitirte Kupfer sich lagert, unb dadurc ein inniges Anhaften des Ge-bildes an ber Platte verhindert. —
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- Ic habe ebenfalls versucht, größere Buchstaben auf Plat-ten zu präcipitiren, und endlic sehr einfach meinen Zweck er-reicht. Ic zeichnete nämlich die gewünschten Buchstaben (oder Biffern), wozu ic lateinische Schrift wählte, mehrmals in be-liebiger Größe, zog sie alsdann auf Pappe auf, und schnitt sie eract aus; hierauf klebte ic sie mit Mehlkleister auf die Ku-pferplatte, wobei ic darauf achtete, daß sie in gerader Linie und in die gehörige Entfernung von einander zu stehen kamen, und goß sodann eine Mischung von 3 Theilen Wachs und 1 Theil Colophonium auf die vorher mit einem Rande von Pappe versehene Platte. Nach dem Erkalten der Masse legte ic die Platte in Wasser, welches die umgossenen Buchstaben von Pappe nach und nac erweichte, so daß sie sic leicht heraus-nehmen ließen, und so das Kupfer nac und nach entblößten. Sollen die Buchstaben in Kupfer sehr erhaben werden, so flehe ic mehrere in Pappe geschnittene Formen auf einander, und verfaßte nac angegebener Art.
- Auf die Auflösung des schwefelsauren Kupferoryds, als einen Hauptbestandtheil der galvanischen Kette, ist nun gleich= falls sehr Bedacht zu nehmen. Chemische Reinheit dieser Auf-lösung wird nicht erfordert, weshalb man sic des gewöhnlichen Fluß- oder Brunnenwassers dazu bedienen kann; auch ist es nicht von störendem Einflusse, wenn mit dem Kupfersalz noch andere Salze, wie z. B. Binksulphat, Ammoncarbonat 2c. in verschiedenen Mengen gemischt sind; doch versteht es sic von selbst, daß man Verunreinigungen auffallender Art vermeiden muß. Es ist gut, wenn die Auflösung nahe, doch nicht vollständig gesättigt ist, weil im letzten Falle der Krystalli= sationsmagnetismus (Siehe Kastner’s Grundzüge der Phy-fit und Chemie 23b. I. S. 41, 48, 50, 56, 73. Bd. II. S. 320) ber chemischen Polarisation (elektrischen Strömung) entgegen gewirkt. Wasser von ungefähr 660 C löst am schnell-sten bie erforderliche Menge Kupfervitriol auf. Da aber durch die immerwährende Präcipitation bie Auflösung jeden Augen-
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- blick schwächer wird, so mus man stets Krystalle in derselben erhalten, und zwar am zweckmäszigsten an dem Spiegel der Auflösung, weil diese da am leichtesten, und somit am ge-schicktesten ist, zur weitern Lösung der Krystalle. Besser noch ist es, wenn man durch Pulverisirung des Salzes für Ver-vielfältigung der Fläche, und damit für leichtere Löslichkeit sorgt. Zu diesem Zwecke Cann man Krystalle von schwefel-saurem Kupferoryd ober pulverisirtes Kupfervitriol in reinen Leinwandsäckchen in bie Auflösung hängen, ober dieses Salz auf Heinen Gestellen ober in durchbrochenen Gefäßzen mit ber Oberfläche ber Flüssigkeit in Berührung bringen. Ic habe mich indessen bei meinen Versuchen oft überzeugt, daß es voll-kommen genügt, wenn man auf dem Boden ber Wirkungs= zelle fortwährend blauen Vitriol erhält, einerlei, ob in Krystall-ober in Pulverform. Ic rühre von Zeit zu Zeit bie Flüssig-keit um, schütze bie ganze Vorrichtung möglichst gegen Verun-reinigung, und habe fo noch immer erwünschte Resultate erhalten. Wird bie Auflösung allzuverdünnt, fo präcipitirt das Kupfer schwarz, und gewöhnlich nicht mehr in cohärenter Masse, fonbern in einzelnen Krystallen, bie haufenweise über einander liegen, unb sic abfpülen lassen.
- Je nachdem mel)r ober weniger Kupfer ausgefällt wird, muß natürlich mehr ober weniger Schwefelsäure aus bem Salze frei werben, welche bei alljugroszer Anhäufung nachtheilig auf bie Operation wirkt. Diejenigen, welche bie Säure aus ber Lösung befeitigt wünschen, bedienen sic gewöhnlich ber reinen Thonerde, welche sie ber Kupferlösung zusetzen, um bie frei werdende Säure zu binden; es bildet sic schwefelsaures Alu-minoryd, — eine Art Alaun. Statt Thonerde zuzusetzen, kann man auch Kupferoryd in Säckchen von reiner Leinwand in bie Auflösung hängen; bie freie Schwefelsäure eint sich mit tiefem Dryde zu schwefelsaurem Kupferoryd (blauer Vitriol), das sodann vom Wasser aufgelöst ter fernem galvanischen Bersetzung unterliegt.
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- Sehr viel zu einer schönen, cohärenten Präcipitations= masse trägt der Stärkegrad und die Gleichförmigkeit der che-mischen Polarisation (des elektrischen Stromes) bei; von der letztern überzeugt man sic am untrüglichsten vermittelst einer guten Bussole. Wirkt die Kette zu stark, was man daran erkennt, daß das Kupfer sehr schnell, und nicht sowohl in co-härenter Masse, als vielmehr in krystallinischen Haufen präci-pitirt, so muß man die Säure oder Salzlösung in der Erreg= ungszelle verdünnen, ober man muß die Erregungszelle von ber negativen Elektrode weiter entfernen, ober ben Gypsboden (die Gypswand), in so ferne man einen solchen gegossen hat, verdicken, ober man verlängert ben Leitungsdrath, verkleinert bie Zinkplatte 2c.; wirft sie zu schwach, — und dies zeigt eine allzulangsame Präcipitation, — so muß man umgekehrt verfah= ren, nur darf man bie Erregungszelle nicht zu sehr ber negati-ven Elektrode nähern, fonbern soll dieselben immer wenigstens eine Linie von einander entfernt halten. Wenn bie Präcipitation unter ben günstigsten Umständen vor sich geht, so erhält ber Niederschlag eine prachtvolle hochrothe Farbe, bie Niemanden entgeht, ber sie einmal gesehen hat; leider verschwindet biefe Farbe in dem hohen Grade ihrer Schönheit, wenn man das Kupfer eine Zeit lang ber Luft aussetzt. Beim Gebrauche ber doppelten Bird’schen 33atterie erhielt ich einstens kry-stallinisches Kupfer auszeichnet schön, fast durch bie ganze Masse des Gypsbodens ber Keinem Wirkungszelle eingesprengt, wie ich es seitdem nie wieder gesehen habe; es kann kaum einen herrlichern Anblick geben, als biefe prachtvoll hochrothen krystallinischen Kupfergebilde, in schönen weißzen Gyps einge-sprengt, gewähren. — Erkenut man an ber Bussole ober sonstigen Zeichen, daß bie Kette in ihrer Wirksamkeit nachläßzt, so muß man für Verstärkung sorgen; überhaupt ist es noth-wendig, täglich wenigstens Ein Mal bie Zinkplatte ordentlich zu reinigen, ber erregenden Flüssigkeit in ber Erregungszelle Säure ober Salz, je nachdem sie verdünnte Säure ober
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- Salzlösung ist, so wie auch Wasser zuzusetzen, und der Bint-platte, falls sie bald aufgelöst fein sollte, eine andere zu sub-stituiren. Denn indem die Schwefelsäure mit dem oxidirten Zink sich zu schwefelsauren Binforyd (weiszen Vitriol) verbin-det, wird die Platte natürlic immer schwächer, und löst sich zuletzt ganz auf; dadurc wird aber zugleich die erregende Flüssigkeit immer mehr von dem neu entstehenden Salze gesättigt, so daß dieses am Ende frystallisirt, wenn man nicht durch Zusatz von Wasser eine gehörige Verdünnung herbeiführt und unterhält. Der bei diesem Processe als Nebenproduft sic bildende Binkvitriol kann durch Krystallisation erhalten, und zum medicinischen ober technischen Gebrauche verwendet wer-werden. — Will man sehr dicke Kupferplatten bilden, so daß also der Prozeß lange unterhalten werden muß, so kann es wohl zuweilen rathsam erscheinen, die beiden Flüssigkeiten, wie auch die sie trennende Zwischenwand mit netten zu vertauschen; denn auc letztere, woraus sie auc immer bestehen mag, wird durc die Länge der Zeit doc von beiben Flüssigkeiten durch-drungen, und leistet in diesem Zustande nicht mehr gute Dienste. — Man hat durch Rechnung, wie auc durch den Versuch, das ungefähre Verhältnis gefunden, in welchem bie Menge des präcipitirten Kupfers zur Menge des verbrauch= ten blauen Vitriols und zu ber des aufgelösten Binks steht; es läßt sic so bestimmen: Bur Ausscheidung eines Theiles Kupfer werden vier Theile Kupfervitriol verwendet, bei der Zersetzung von einem Theile Kupfervitriol aber 0,6 Theile Zink aufgelöst, ober zur Bildung einer 10 Loth schweren Kupferplatte sind 1 Pfund 8 Loth blatten Vitriols erforderlich, und 24 Loth Zink, welcher letztere alS basisches Dryd im wei-szen Vitriol sich wieder findet. Nac jedem Zusatze von Säure ober Salz muß man bie Flüssigkeit umrühren, damit eine ge-hörige Vertheilung statt findet; wer eS vorziehen sollte, kann auch jedesmal bie gebrauchte Flüssigkeit vermittels beS Hebers wegnehmen, und nette zusetzen. Jacobi hat zusammengesetztere
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- Apparate beschrieben, in denen das Gefäß für die Kupferauf-Lösung mit einer Ablaßzröhre von Kautschuk, mit einem durch-löcherten Blei= ober Kupferkästchen, — dem Vorrathsbe= hälter, — für das Kupfersalz, und endlich mit einer beson-dern Röhre, dem sogenannten Stülprohr, versehen ist (siehe die Galvanoplastik von Jacobi S. 45); allein da solche Ap= parate verhältnißzmäßzig thener sind, ohne die Manipulation wesentlich zu erleichtern, fo läßt sich von ihrer Einführung fein großer Nutzen erwarten. — Da es nicht selten vorkommt, daß am Boden der Erregungszelle, zumal wenn derselbe aus Thierblase ober Pergament besteht, sich Kupferkrystalle ansetzen, welche sich zwar in ber Regel leicht hinwegnehmen lassen, oft aber auch fo innig anhaften, daß ber Boden beim Reinigen zerreißzt, fo legt man bie Binfplatte nie unmittelbar auf ben Boden ber Erregungszelle, fonbern bringt eine gebogene Glasröhre ober auch nur eine Glasscheibe zwischen ben Bo-ben und das Metall, wodurch jene Kupferpräcipitation an ber Thierblase ober bem Pergamente vermieden wird. Auch pflegt man zuweilen in einiger Entfernung über bem Boden ber Er= regungszelle Bindfäden parallel neben einander, ober kreuzweise übereinander fo auszuspannen, baß bie platte auf bie hiedurch angebeutete Ebene zu liegen kommt; bieß läßt sich besonders bann leicht ausführen, wenn bie Erregungszelle aus einem hölzernen Gefäßze besteht. — Den Leitungsdrath ober Streifen kann man an bie Metalle anlöthen; um indessen die. Bahl ber Metalle in ber galvanischen Kette nicht zu ver-mehren, weil durch eine solche Vermehrung ber proceß noth= wendiger Weise modificirt werben muß, fo pflege ich bie Kupferstreifen, deren ir mich gewöhnlich als leitende Verbin-dung bediene, mit Kupfernägeln an bie Metalle anzuna-geln. — Ein sehr schönes Verfahren, sich eine ziemlich gesät-tigte Kupferauflösung zu verschaffen und zu erhalten, hat Prof= fesfor Jacobi im 8. Paragraphen feiner Galvanoplastik be-schrieben. Wenn man nämlich die Leitungsdräthe eines gal=
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- vanischen Apparats mit Kupferplatten versteht, und diese in ein Gefäß mit verdünnter Schwefelsäure, besser jedoch mit aufgelegten Kupfersulphats hängt, so löst sic das mit dem negativen Pole (der Kupferplatte des Apparats) verbun-dene Kupfer auf, und präcipitirt an dem mit dem positiven Pole verbundenen, und zwar in fast gleichen Mengen, so baß die Auflösung stets dieselbe Sättigung behält. Auf diese Art ist also die eigentliche Wirkungszelle gänzlich von dem erregenden Apparate getrennt; sie fann jede beliebige Gestalt und Größe haben, wodurch der Vortheil erreicht ist, auch große und sehr verschieden gestaltete Modelle galvanoplastisc nachbilden zu tonnen, was bei den oben beschriebenen Appara= ten nicht leicht zu erreichen gewesen wäre. Man erspart hie-bei die poröse Scheidewand, und kürzt noch die Operation etwas ab, intern sich täglich eine Platte von 1/5 — 1/6 Boll Dicke erzeugt. Es bleibt noch zu bemerken, daß tie sich auflösende Platte gewöhnlic mit einem braunrothen ober schwärz-lichen Pulver sich bedeckt, welches das niedergeschlagene Ku-pfer brüchig matht, wenn es auf bie negative Elektrode nie-derfällt. Man verhütet dieß, indem man zwischen beibe Nat-ten Leinwand ausspannt, Flanell ober ähnliche Stoffe.
- Das auf galvanischem Wege erhaltene Kupfer ist zwar an und für sich spröder, als das durch Schmelzung darge-stellte Garkupfer, fann jedoch durch blühen weich und bieg-samt gemacht werden. Man hat biS jetzt bie Bedingungen noch nicht aufgefunden, unter beiten eS vielleicht möglich wäre, das schwefelsaure Kupferoryd durch ein anbereS Erzmetallsalz vollkommen und in jeder Hinsicht zu ersetzen; eS wäre ein unberechenbarer Gewinn für bie Industrie, wenn auch das Eisen auf ähnliche Weise, wie baS Kupfer, den Gesetzen ber Galvanoplastik unterworfen wäre; leider hat man sich bis jetzt noch nicht davon überzeugen können, ob und in wieferne die-feS ber Fall ist. Wohl aber ist eS geglückt, Messing auf galvanischem Wege darzustellen, nac Biot unter ber Be-
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- dingung, daß man die Auflösung des Kupfer - und Binksul-phats beständig neutral hält.
- Mit glänzendem Erfolge hat man die Galvanoplastik mit der Daguerreotypie zu vereinigen gesucht, und beson-ders hat Herr Professor Steinheil in München auch in dieser Beziehung sehr schöne Versuche angestellt. Die gazette de france vom 5. März 1841 enthält einen auf diese Dpe= ration bezüglichen Artikel, dessen deutsche Mebersetzung in Dingler’s polytechnischem Journal im 2. Aprilheft S. 155 (1841) gegeben ist. Es wird darin angezeigt, daß Herr Fizeau ein Daguerreptyp in eine Auflösung von Kupfervi-triol brachte, und auf die Zeichnung der Platte mittels des Leitungsdrathes einer Säule das Metall sich fallen liest. Auf diese Weise erhält man eine gravirte Platte, von welcher man 30 bis 40 sehr schöne Abdrücke des ursprünglichen Bildes abziehen kann. Herr Arago legte der französischen Akademie im Namen des Herrn Fizeau einen solchen auf Papier ge= machten Abdruck einer Ansicht des Pontneuf vor, der höchst genau und übereinstimmend mit der Platte war, welche durch die Operation nicht im Geringsten gelitten hatte.
- Als ein Meisterstück der Galwanoplastit ist uns der Schild des Herakles versprochen, den Herr Schwanthaler gegen-wärtig nach Hesiods Dichtung modellirt, und der auf einer runden, 3 Schuhe im Durchmesser haltenden Fläche gegen an-derthalbhundert Menschen und Thierfiguren zeigen wird. Herr Professor Dr. Steinheil hat es unternommen, dieses Werk poetischer Plastik nach feiner Vollendung galvanoplastisc zu vervielfältigen. —
- Bevor ic diesen Theil meiner Abhandlung schließe, fei mir noch die Bemerkung erlaubt, daß ich mich vorsätzlich nur auf das Wesentlichste und Wichtigste beschränkt habe. Auch bei den galvanoplastischen Arbeiten gilt der bewährte Erfahrungssatz: „Hebung macht den Meister "i; wer sich damit befaßt, wirb bei gehöriger Aufmerksamkeit selbst auf Verbesserungen und
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- Erleichterungen der Operationen kommen, welche die Erfah-rung weit gründlicher lehrt, als Beschreibungen. Absichtlich habe ic nicht besonders erwähnt, daß man 3. B. einzelne Stellen, die schon stark genug geworben sind, mit Isolatoren, etwa Wachs, Siegellack :c. bedeckt, um ferneres Ansetzen des Kupfers zu verhindern, ober daß man Vegetationen ober Wülste am Rande abbricht ober abfeilt, wenn sie zu stark werben, eben fo Erhabenheiten auf Platten, die ziemlich eben bleiben sollen 2c. Diese und viele ähnliche Bemerkungen ent-gehen einem aufmerksamen Beobachter nicht, vielmehr sind sie ihm oft Veranlassung, noch tiefer in die Natur ber Sache ein-zudringen, unb ba Nutzen zu schöpfen, wo ihm anfänglich Hin-dernisse entgegengestellt 311 fein schienen.
- Galvanographie
- hat Herr Professor v. Sobell in München die von ihm ent-deckte unb ausgebildete Kunst genannt, in Tuschmanier gemalte Bilder auf galvanischem Wege fo in Kupfer vertieft zu copi-ren, daß sie nun durch druckbare Platten vervielfältigt wer-den können. Sein Verfahren und dessen Resultate hat er ber königl. Akademie ber Wissenschaften in München in ber Sitzung am 14. März 1840 mitgetheilt. In den Münchner Gelehrten Anzeigen (Nr. 88 und 89) erschien zuerst sein Bericht, unb ging hierauf, in die in = und ausländische Literatur über. In ber literarisch = artistischen Anstalt ber Cotta’schen Buchhand-lung ist in diesem Jahre ein Werk von dem scharfsinnigen Entdecker biefer schönen Kunst erschienen: „die Galvanogra-phie, eine Methode, gemalte Tuschbilder durch galvanische Ku-pferplatten im Druck zu vervielfältigen“, welches eine eben fo einfache als klare Darstellung des ganzen Verfahrens enthält, unb um fo mehr denjenigen, welche sich ganz besonders mit diesem Theile ber Bildungen durch Galvanismus zu be-
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- schäftigen gedenken, zur Anschaffung zu empfehlen ist, als der Abhandlung zugleich Abbildungen des galvanischen Apparats, und Abdrücke von acht galvanographischen Platten auf 7 Ta-feln beigegeben sind. Man ersieht aus diesen Abdrücken die Bedeutsamkeit der Kunst, welche jeden, der geschickt genug ist, irgend ein Gemälde anzufertigen, auch in den Stand setzt, sic mit unbedeutenden Kosten in sehr kurzer Zeit die Platten zum Abdrucke hievon selbst anzufertigen. Der Vollständigkeit meiner Schrift wegen werde ic das Wesentlichste des Verfah= rens hier mittheilen, wobei ic das angeführte Werk des Herrn ». Kobell zu Grunde fege.
- Veranlassung zu der Entdeckung tiefer Kunst gab dem Herrn ». Sobell tie Bemerkung, daß das galvanische Ku-pfer auch über leitende Flächen hinaus auf nichtleitende sic präcipitirt, und tiefe vorzüglich tann genau copirt, wenn ihre Oberfläche nicht allzuglatt ist. Strichzeichnungen, auf eine Silberplatte mit eingetieftem Terpentinöl und Eisenoxyd aufgetragen, gab tie präcipitirte Kupferplatte treu wieder, letztere ließ sich nach Abfeilen ter Ränder leicht vom Drigi-nal abnehmen, und war zäh und fest genug, um abgedruckt werten zu können.
- Der galvanische Apparat des Herrn v. Kobell besteht aus einem runden Gefäße von gut gebranntem Thon, mit ebe= nem Boden, das anderthalb Fuß im Durchmesser, unb eine 5 — 6 Zoll hohe Wandung hat, tie auf ter innern Seite mit einem Gemische von Wachs und Asphalt überzogen ist. Es tient als Wirkungszelle, und kann natürlich durch Behälter von Glas, Porzellan, Hols ober Metalle ersetzt werben, wenn man tie ter letztern Art mit einem haltbaren Firnis überzieht, unb hölzerne Gefäße gut verkittet unb auspicht. Die Erregungs= zelle bilbet ein mit Pergament überspanntes Tamburin mit Holzfassung, das auf trei Füszen von 1 — 11/2 Zoll Höhe ruht, unb 2 Zoll hohe Wände hat; ober statt dessen ein an beiten Enden offener Glascylinder, ter an Einem Ende mit
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- Pergantent, oder mit zwei übereinander gespannten Ochsen-blasen überzogen wird. Diese Zelle muß wenigstens so groß sein, als die anzufertigende Platte, und wird entweder vermittels Dräthe in die Wirkungszelle eingehängt, oder auf einem mit Wachs isolirten Dreifusze heineingestellt. Die aus-zufällende Auflösung des Kupfervitriols nennt Herr v. Kobell die Fällungsflüssigkeit. Da er bemerkte, daß das prä= cipitirte Kupfer zuweilen spröder wird, und sich auch eher Knopfe und Vegetationen ansetzen, wenn man die Auflösung durch Zusatz von Kupfervitriolkrystallen gesättigt erhält, so gießt er die durch Ausscheidung deS Kupfers verdünnte Flüs-sigkeit nac einigen Tagen ab, und setzt eine neue gefättigte zu; und um eine möglichs gleich leitende Flüssigkeit zu erhal-ten, setzt er dem aufgelösten Kupfervitriol Auflösungen solcher Salze zu, die bei fo schwachen galvanischen Kräften, wie die hier angewendeten, noch nicht zersetzt werden. Glaubersalz, Binkvitriol, Kalialaun und Salpeter, nicht aber Chloride, find anwendbar, und als vorzüglich geeignet werden empfohlen eine Mischung von 2 Masztheilen Kupfervitriol, im Wasser bis Zur Sättigung aufgelöst, mit 1 Masztheile Kupfervitriol auf-gelöst in einer Glaubersalz= oder Binkvitriolauflöfung. Es ist hiebei anzuführen, daß Wasser, welches mit einem Salze gefättigt ist, d. h. von dem nämlichen Salze nichts mehr auflösen kann, dessen ungeachtet fähig bleibt, ein anderes Salz aufzulösen, und zwar in der Regel in derselben Menge, welche eS auflöst, wenn eS vorher auch nicht mit einem an-dern Salze schon gefättigt ist. Auf diefe Art wird vorzüglich schönes und geschmeidiges Kupfer erzielt. Als Erregung8= flüssigkeit dient Wasser, daS nur mit dem ungefähr zwei-hundertsten Theile seines Gewichtes mit englischer Schwefel-fäure gemischt ist. (Auf 1 Pfund Wasser %/ — 1/1 Loth engl. Schwefelsäure). In dieselbe wird als positive Elektrode eine Platte von gewalztem Bink, eine Linie dick, auf einen 4 Linien dicken Glasstab gelegt, der zu einem Dreiecke oder
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- Vierecke gebogen ist, und die Binkplatte von der Membran des Tamburins trennt. Ein Kupferblech, ringsum 1—11/2 Boll gröszer als die gemalte Platte, und zur Unterlage von dieser bestimmt, wird als negative Elektrode in die Wir-kungszelle gelegt. Diese Platte endet in einem oder zwei rechtwinkelig aufwärts gebogenen Streifen, welche, wenn die Kette geschlossen werden soll, vermittelst einer Klammerschraube, mit einem oder zwei Kupfer = oder Bleistreifen, 1/2 Linie dick, 1 — 11/2Zoll breit, und 6 — 7 Boll lang, verbunden werden. Letzterer Streifen, oder beide, falls man zwei anwendet, gehen von einer runden Kupfer = oder Bleiplatte anS, die nur halb fo groß, als die Binkplatte ist, und auf diese zu liegen kommt. Alle 24 Stunden wird das Tamburin herausgenommen, die Erregungsflüssigkeit durch eine neue ersetzt, die Binkplatte mit-telst einer Bürste gereinigt, oder falls sie zu dünn geworden, mit einer neuen vertauscht. Sollte die Bleiplatte roth an-gelaufen fein, fo ist dieß ein Zeichen, daß Kupfervitriol durch die Membran gedrungen ist, und an tiefer Platte zersetzt wurde; in tiefem Falle, wie auch, wenn sich an tie Mem-brau in ter Wirkungszelle viele Kupferknöpfchen ansetzen, muß dieselbe durch eine neue ersetzt werden.
- Das Bild wirb auf eine feinpolirte silberplattirte Ku-pferplatte auf tie Silberseite terfelben in ter Art aufgetra-gen, daß man zunächst tie Beichnung, vermittelst eines Holz= stiftes u. dgl., auf dieselbe durchpaust, intern man taS Pa-pier auf ter Rückseite mit schwarzer Delfarbe bestreicht, und tiefe mit Baumwolle fo lange einreibt, bis tie Fläche nicht mehr schmutzt. Da, wie tie Erfahrung gezeigt hat, eine mit glatter Oberfläche auftrocknende Farbe zu tiefem Zwecke nicht tauglich ist, fo fönnen tie meisten Delfarben nur dann unmittelbar angewendet werten, wenn man bloß Strichzeich-nungen herzustellen gedenkt; zum Malen eines Tuschbildes aber muß man tiefen Farben durch Aufstauben von Graphit, Silber = oder Eisenpulver, vermittelst eines Siebes von fei-
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- nem Erepp, vor der Plattenbildung ein Korn geben. Gra-phit und Silber verdienen den Vorzug; sie haften um so bes-ser, je fetter die Farbe. — Weit zweckmäsziger jedoch hat Herr ». Sobell Eisenoxyd und die meisten Ockerfarben ge= funden, so wie Kaszlerbraun, Kohle, Evaks, Rebenschwarz und gebrannten Tusch, nac Art der Delfarben abgerieben mit einer Masse von in Terpentinöl aufgelöstem Wachse, nebst einem Busatze von Dammarfirniß, wovon nur fo viel genommen wird, daß die Farbe auf Glas matt auftrocknet, aber doc in Wasser ober Kupfervitriollösung noch haftet. Denn es ist durchaus nothwendig, daß bie zu diesem Zwecke zu verwen-benben Farben sowohl bem Metalle gut anhaften, als auc in ben Salzlösungen, bereu Einwirkung sie ausgesetzt werden, unauflöslic sind. Auch Graphit, Silber - und Eisenpulver, letzteres unter bem Namen „ferrum alkoholisatum" in Apo-theken käuflich, können auf biefe Art behandelt werben. — Das Bild wirb nun mit einer ber genannten Farben, bie mit etwas Harz ober aufgelöstes Wachs enthaltendem Terpentin-öl weiter behandelt werden, in Tuschmanier gemalt, fo daß also bie blanken Stellen ber Platte, auf bie gemalt wirb, ben höchsten Lichtern entsprechen. Die Schattenstellen werben je nach ihrer Tiefe höher aufgetragen, unb sollen größere Par-thieen in tiefen Schatten gestellt werben, fo übermalt man bie betreffenden Stellen des schon fertigen Bildes mit einer fetten Delfarbe (Terra di Siena ist dazu sehr geeignet), streut feines Graphitpulver barauf, unb klopft eS wieber ab. Die Oberfläche bekommt dadurch ein sammtartiges Ansehen, und ist in biefem Zustande, wie schon bemerkt, am zweckmäßigsten präparirt. Denn das auf galvanischem Wege niedergeschlagene Kupfer besteht aus einem Aggregate von unendlich kleinen Krystallen; Krystalle aber, bie gezwungen werben sich auszu-scheiden, legen sich viel leichter an rauhe, als ganz glatte slä-chen an, zumal wenn biefe nicht leitend sind. Es ist indes-sen nicht nothwendig, bie Farben sehr stark aufzutragen, im
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- Gegentheile gelingt die Copie weit besser, je zarter und gleich-mäßiger das Gemälde ist.
- Hat ein auf diese Art gefertigten Bild viele Lichter oder schwach gedeckte Stellen, so kann die Platte ohne weitere Vorbereitung in den galvanischen Apparat gebraut werden; sind aber viele tiefe Schattenparthieen vorhanden, also die Farben stärker aufgetragen, so muß man dieselben vorher noch auf eine andere Art leitend machen, und zwar um so mehr, als die Copie um so vollkommner wird, je schneller die Platte überwächst. Man erreicht tiefen Zweck am einfachsten, wenn man trocknen, feingesiebten, gut abfärbenden Graphit mit einem Päuschchen von weichem, rauhen Leder auf Papier anreibt, und dann auf das gehörig getrocknete Bild fanft andrückt. Sehr tiefe Schatten müssen erst nac tiefer Operation auf oben angegebene Art ferner behandelt werten. Herr ». Kobell hat versucht, durch einen Silberüberzug die Farben leitend zu machen, intern er tie gefertigte Platte in weiten, flachen Gefäßzen in eine Auflösung von salpetersaurem, ameisensaurem oder essigsaurem Sylberoryd brachte, und dann tiefe Salze am Sonnenlichte sich zersetzen ließ; allein ter Erfolg hat sei-nen Erwartungen nicht entsprochen. Dagegen bedürfen Bilder, tie ganz in Graphit von feinerem oter gröberem Korn gemalt sind, gar feiner befoutern Vorbereitung mehr.
- Gehörig zubereitete Bilder werben nun in dem vorher beschriebenen Apparate, ten man vortheilhaft schon eine halbe Stunde zuvor in Wirksamkeit setzt, auf tie Kupferplatte in ter Wirkungszelle gelegt, und zwar mit ter Vorsicht, taß an dem Gemälde feine Luftblasen haften. Man kann deshalb die Platte einigemale in tie Kupfersalzlösung tauchen, oder tie Blasen vorsichtig mit einem zarten Pinsel wegnehmen, oder auch tie Platte vorher auf ter bemalten Seite von Wasser-dämpfen bestreichen lassen. Die Ränder ter Kupferplatte iso-lirt man auf beiten Seiten mit Wachs, um das Ansetzen von Wülsten zu verhüten, unt bricht tie Kupferknöpfe, welche sic
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- bei längerem Gebrauche dennoch am Wachse ansetzen sollten, von Beit zu Zeit ab. Nac Verlauf von höchstens 48 Etun-den ist ein richtig behandeltes Bild allenthalben mit Kupfer überzogen; sollten nach Verlauf von 2—3 Tagen aber ein-zelne Stellen dennoch nicht belegt sein, so hat man dieselben mit etwas Terpentinöl zu bestreichen, und vermittelst eines Pinsels mit Silberpulver zu bedecken; die fehlerhafte Stelle wird dadurch verbessert, und überwächst nun leicht mit Kupfer. Kleine Wärzchen ober Unebenheiten, die sic am dritten ober vierten Tage auf der Oberfläche bilden, werben vorsichtig ab-gefeilt, nachdem man bie Platte aus bem Apparate genommen und getrocknet hatte. Kleinere Platten können schon nach 4 — 5, größere erst nach 6 — 8 Tagen abgenommen werben, indem man dieselben getrocknet zwischen zwei Brettchen in ben Schranbenstock spannt, und bie Ränder fo lange abfeilt, bis sic auf der Rückseite ber verwachsenen Platte ein dünnes galvanisch gebildetes Kupferblec ablöst. Das fernere Tren-nen ber erzeugten Platte, das meistens sehr leicht erfolgt, bewirft man am besten durch ein dünnes Hornspatel. Man kann sich einfad) vor bem Abnehmen von ber Dicke ber Platte Überjeugen, wenn man gleichzeitig mit bem Bilde noch ein sehr fein versilbertes Kupferblec in ben Apparat bringt, und an diesem bie Stärfe ber Schichte untersucht; findet man aber dennoc bie erhaltene Platte zu schwach, fo wirb dieselbe auf ber Bildseite mit heiszem Wachse gedeckt, dieses kreuzweise mit Bleistreifen überführt, die man auf bie Rückseite hin biegt, um sie mit bem metallischen Rande in Berührung zu bringen, und das Ganze fo nochmals in ben Apparat gebracht. — Eine gehörig starke Platte wirb von ber ihr angehängten Farbe gereinigt, inbem man sie vermittelst Baumwolle mit Schwe-feläther answascht, und sie dann weiter mit feinem Pulver gebranntem Hirschhorn oder ungelöschtem Kalke putzt. Sie ist nun zum Drucke auf einer Kupferdruckpresse fertig, und wirb von Seite des Druckers ganz fo behandelt, wie Platten in aqua - tinta Manier.
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- Solche galvanographische Platten können nun natürlich ebenso wie die geätzten Platten, vermittelst des Schabers, Polirstahls, Grabstichels, und der Radirnadel erforderlichen Falles corrigirt werden; allein Herr v. Kobell hat ein Ver-fahren gelehrt, das eben so sehr ein glänzendes Bengniß von dem Scharfsinne des Entdeckers, als eine wichtige Bereicher-ung für die Kunst selbst ist. Er empfiehlt nämlich, von dem erhaltenen Basrelief galvanisch sich ein Hautrelief zu bilden; um aber hiebei alles Anhaften beider Platten gänzlich zu verhüten, die als negative Elektrode zu gebrauchende auf eine höchst einfache Art zu versilbern ober verplatiniren. Diese Art besteht darin, daß man in einer concentrirten Auf-lösung von Kochsalz dadurch Chlorsilber auflöst, daß man der-selben salpetersaures Silberoryd in hinreichender Menge zu-setzt, ben erhaltenen Niederschlag mit ber Flüssigkeit schüttelt, und bann sich absetzen läßt; sodann bringt man in biefe Auf-lösung das — wie angegeben — gereinigte Basrelief, welches nun binnen 10 —15 Minuten mit einer unendlich dünnen Silberschichte überzogen wird, und, abgespült und getrocknet, hierauf mit weichem Veber gerieben, wieder vollkommenen Ku-pferglanz zeigt. Den Platinüberzug erhält man nach zwei Stunden, wenn man einer Kochsalzlösung einige Tropfen nen-trales Chlorplatin (ungefähr 1/4 Loth dieser Lösung auf 1 Pfund concentrirter Kochsalzlösung) zusetzt. Völlig werden bie über-zogenen Platten gereinigt, indem man sie 5— 10 Minuten in verdünnte Salzsäure legt, und sie bann mit warmem Wasser abspült; laufen sie babei gelblich an, fo bringt man sie noch-mals in bie Säure, und hierauf in kaltes Wasser.
- Bei diesem Verfahren kann bie Copie um fo weniger verändert werden, als hiebei nicht sowohl eine neue Schichte eines Metalles hinzugefügt wird, als vielmehr ein Ersetzen des in ber Flüssigkeit an ber Oberfläche aufgelöst werdenden Kupfers durch Silber ober Platin statt sindet. — Ein fo versilbertes ober verplatinirtes Basrelief liefert im Apparate
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- nac 2—3 Tagen ein galvanisches Hautrelief, das man auf demselben Wege zuerst versilbert oder verplatinirt, dann ver-mittels des Polirstahls z. oder galvanographischer Farben corrigirt, nun in den Apparat bringt, und ein ganz correctes, zum Drucke anwendbares Basrelief erhält.
- Platten zur Anfertigung des Bildes sind am besten, wenn sie auf galvanischem Wege erzeugt wurden; man kann diesel-ben auf die eben beschriebene Art versilbern, und somit die silberplattirten Kupferplatten ersparen. —
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- Auf ähnliche Art, wie in der Galvanoplastik, wird der
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- und Messings, und Verplatinirung des Kupfers, Sil-bers und Messings; ja die neuesten Entdeckungen in dieser Beziehung machen es möglich, die Vergoldung, Versilberung
- und Verplatinirung auf eine noch weit größere Zahl der Me-falle auszudehnen, und zu solchen metallischen tleberzügen auch viele ans der Reihe der unedlen Metalle anwenden zu kön=
- *) Dieser Name bezeichnet nach meiner Ansicht eben so einfach als passend die Kunst, von welcher in diesem Abschnitte die Rede sein wird. Denn wie xovoovr heiszt: mit Gold überziehen, so kann ustallovv allgemein heiszen: mit Metall über-ziehen, eine Metallrinde bilden; hieraus wird mmn formge-recht: Metallotik, und in der Zusammensetzung: Gal-vanometallotik. Da meines Wissens noch kein allgemei-ner Name für die Kunst, galvanische Metallrinden zu er-zeugen, bis jetzt in Vorschlag gebracht ist, so glaube ich mich dieser Benennung bedienen zu dürfen.
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- nen. Dieses Verfahren ist von der größten Wichtigkeit, und zwar nicht allein durch die Wohlfeilheit und Leichtigkeit der Ausführung, sondern auch, weil durch dasselbe die so höchst gefährliche Suecksilbervergoldung beseitigt wird, die seither eine Menge Arbeiter den schrecklichen Folgen der Ver-giftung Preis gab. Gegenstände nämlich, welche auf dauer-hafte Art in beliebig dicken Schichten vergoldet werden soll-ten, mußten bisher, nach gehöriger Reinigung mit einem Amalgame von 1 Theil Gold und 8 Theilen Duecksilber an-gerieben, und dann heftig erhitzt werden, um das Duecksilber zu verdampfen, und das Gold allein auf der Oberfläche zu-rück zu behalten. Die Arbeiter waren dabei den schädlichen Wir-kungen tiefer Dämpfe ausgesetzt, welche zwar durch eine sehr zweckmägzige Vorrichtung, tie Herr d’Arcet im Jahre 1818 angab, und wofür ihm die Pariser Akademie den von dem Bronzevergolder Ravrio 1816 ausgesetzten Preis zuerkannte, bedeutend gemildert, keineswegs aber ganz aufgehoben wur-den. Herr Professor de la Rive in Genf versuchte es zu-erst, den galvanischen Strom, wie Jacobi zur Fällung des Kupfers, zur Gewinnung cohörenter Niederschläge edlerer Metalle, unt besonders des Goldes, zu benutzen; feine Ver-suche gelangen in fo weit, als es wirklich möglich ist, auf die-sem Wege verschiedene Metalle mit Gold (wie auch mit Sil-ber unt Platin) zu überziehen: allein das Gold heftet fo we-nig auf tem Stalle, auf welches man es anwendet, taß es nicht einmal politurfähig ist, und fomit konnte dieses Verfah=-ren bie D.uecksilber- ober Feuervergoldung nicht ersetzen.
- Im Frankfurter Gewerbsfreunde Nr. 10 des III. Jahr-gangs beschreibt Dr. R. Böttger einen eigenen Apparat, des-sen er sich zur Vergoldung, Versilberung 2c. im Wesentlichen nach den be la Rive’schen Grundsätzen bedient; er hängt nämlich bie Wirkungszelle, bie aus einem Glascylinder mit einem Boden von Thierblase besteht, in bie Erregungszelle, ein rundes Glasgefäß, dessen Boden burchbohrt ist, um in bie
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- Deffnung mittelst Siegellacks einen oben flach spiralförmig gewundenen Kupferdrath einkitten zu können, dessen unteres
- Ende noc ungefähr 1/4 Boll unterhalb des Glasbodens her-vorragt. In einem ungefähr 1 Zoll dicken Brettchen, etwas größer als die Erregungszelle, werden sowohl in der Mitte, alS auch nahe am Rande ein circa 3 Linien im Durchmesser betragendes Toc 1/2 Zoll tief eingebohrt, beide Deffnungen mit Mercur gefüllt, und durch einen eingeschobenen Kupfer-drath in Verbindung gesetzt. Will man nun etwa einen silbernen Löffel vergolden, so füllt man die Wirkungszelle mit verdünnter Chlorgoldsolution (1 Theil trocknes, möglichst Säure freies Chlorgold auf ungefähr 100 Theile destillirten Wassers) ober mit einer Auflösung von Natriumgoldchlorid (Figuer* sches Goldsalz), legt auf baS Spiralgewinde in der Erreg-ungszelle eine Platte von Zink ober Zinkamalgam, und gießt verblümte Schwefelsäure fo lange in diese Zelle, bis sie bie Thierblase ber Wirkungszelle erreicht ober überfliegen hat. So bann umwindet man ben Löffel mit feinem Platindrath, an dessen anbereS Ende man einen starken Kupferdrath befestigt, ben man, um bie Kette zu schließzen, in ben äußzern D.necksil-berbehälter taucht; man barf aber ben zu vergoldenden Ge-
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- genstand nie länger als höchstens 1 Minute in der Chlor-goldlösung lassen, sondern muß ihn alsdann herausnehmen, mit Wasser abspülen, mit einem Leinwandläppchen unter ziemlich starkem Reiben abtrocknen, und dann bei geschlos’ner Kette wieder eintauchen; man hat es auf diese Art in feiner Gewalt, die Vergoldung mehr ober weniger stark hervortreten zu lassen, je nachdem man öfter ober minder oft eintaucht und abreibt. Ganz auf biefelbe Weise verfährt man, um Gegenstände von Messing und Stahl zu vergolden, wobei nicht einmal bie Po-litur verloren geht; nur ist zu bemerken, daß bie Vergoldungs= objecte nicht mit Del polict fein dürfen, weil in biefem Falle wahrscheinlich das in bie Poren der Metalle eingepreßzte Del biefe wie gegen Säuren indifferent, fo auch für ben Galvanismus nicht leitend macht. Herr Dr. Böttger hat in feinem Berichte eine Bemerkung niedergelegt, welche auch mir bei meinen Versuchen sic vielfach aufgedrängt hat, nämlich bie, daß bei größern Gegenständen der bem Zink zu-nächst liegenbe Theil stärker vergoldet (überhaupt mit Me-tall belegt) wird, als der weiter entferntere; er schlägt daher mit Recht vor, ben Eylinder (der Wirkungszelle) wo möglich mit einer flachen Glasschaale zu vertauschen, um bie Elektrode statt vertikal zu hängen, horizontal legen zu können. —
- Mit bem beschriebenen Apparate habe ic nun allerdings silberne Geräthschaften vergoldet, allein ich muß gestehen, baß es mir ebenfalls nie gelungen ist, auf biefem Wege eine dau= ernde Vergoldung hervorzubringen; bie zu geringe Anhaftung des Goldes auf bem dargebotenen Metalle ist aber ein Miß-stand, welcher ber technischen Anwendung dieser Vergol-dungsmethode bis jetzt noch im Wege steht. Den Herrn Gold = und Silberarbeiter Sale dahier habe ic veranlaßt, dieses Verfahren in feiner Werkstätte einzuführen, allein ob-gleich er ganz genau nach Dr. Böttgers Angabe verfuhr, fo bat doch auch er sic bald überzeugt, baß von Dauerhaftigkeit
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- bei dieser Operation die Rede nicht sei, und ist daher wieder davon abgegangen.
- Um zu verplatiniren (Kupfer, Silber und Messing) verfährt man eben so, nur wendet man statt des Chlorgoldes Chlor-platin in derselben Concentration an; ör. Dr.Böttger will kupferne (galvanoplastisc dargestellte) Gegenstände dauernd vergoldet haben, indem er sie zuerst verplatinirte, und dann (auf galvanischem Wege) vergoldete. — Versilbern kann man am vortheilhaftesten aus einer Lösung von salpetersaurem Silberoryd = Ammoniak; eine Auflösung von 3 Drachmen pul-verisirtem Höllenstein (salpetersanres Silberoryd) in 2 Unzen Ammoniafflüssigkeit ist nach Dr. Böttger zu diesem Zwecke sehr geeignet, nur darf man beim ersten Eintauchen der Ver-silberungsobjecte diese nicht länger als höchstens 1 Secunde in der Salzlösung lassen, muß sie dann abtrocknen und über-haupt ganz so verfahren, wie bei der Vergoldung angegeben ist. —
- Die neuen Verfahren der Herrn Elkington, v. Ruols, Dr. Kaiser und Dr. Alexander haben indessen auc den Nisstand einer notdürftigen Anhaftung der Schichten von Gold, Silber, Platin 2c. auf dem angewendeten Metalle be= feitigt, fo daß der Zweck: Verdrängung der gefährlichen Kueck-silbervergoldung durch Vergoldung auf galvanischem Wege nun-mehr vollkommen erreicht zu fein scheint; auszerdem aber noch der Industrie die Bereicherung geworden ist, auf dieselbe Art auc mit vielen andern Metallen Ueberkleidungen herzustellen. Der Bericht, welchen Herr Dumas der Akademie der Wis= senschaften in Paris über die neue Art zu vergolden erstat-tete*), beschreibt ausführlic das Verfahren der Herrn El-fing ton und v. Ruolz; ich werde zunächst das Wesentlichste
- *) Comptes rendus hebdomadaires de seances de Facademie des sciences; par M. M. les secretaires perpetuels. Tome XIII. Nr. 22. 29. Novembre 1841.
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- und Wichtigste aus diesem Berichte mittheilen, und dann auf das Verfahren der Herrn Dr. Kaiser und Dr. Alexander zurückkommen. Es zerfällt der Bericht des Herrn Dumas in 3 Abschnitte; der erste bezieht sic auf das Verfahren auf nassem Wege, so wie es Herr Elkington int Groszen an-wendet, der zweite enthält das galvanische Verfahren des Herrn Elkington, und der dritte hat das Verfahren des Herrn ». Ruols zum Gegenstande.
- I. Vergoldung auf nassem Wege. Gold wird im Kö= nigswasser aufgelöst, das hiedurch erhaltene Goldchlorid mit einem starken Meberschusse von Kalibicarbonat gemischt, nun zum Sieden gebracht, und lange darin erhalten. Sodann taucht man in die siedende Flüssigkeit die Stücke von blank ge-scheuerten Messing, Bronze ober Kupfer, und bie Vergoldung erfolgt unmittelbar, indem sic Kupfertheile an der Oberfläche auflösen, an deren Stelle das reducirte Gold tritt, welches jene aus ber Verbindung mit Chlor frei gemacht haben. Aus den Erklärungen welche bie Herrn Wright und Ellington über den hiebei statt findenden Prozeß der Akademie einsende-ten, geht hervor, daß sich das Goldchlorid 2), welches sich durch Auflösung des Goldes in Königswasser bildet, nicht wohl zur Vergoldung eignet, sondern weit besser das Gold-
- *) Im Originale: protochlorure d’or und perchlorure d’or. Goldchlorür (b. t. protochlorure d’or) wird bie gelblich weisze Verbindung des Goldes mit Chlor genannt, welche verbleibt, wenn man das Elorid des Goldes bis 230°C er-hitzt; sie ist int Wasser unlöslich, und würbe sonst als Drit-telchlorgold bezeichnet; Goldchlorid (d. i. perchlorure d’or) ift eine dunkelrubinrothe ober rothbraune Masse, welche sic bildet beim Erhitzen des Blattgoldes in Ehlorgas, ober beim Erhitzen des sauren salzsauren Gold-vryds; im letzter Falle jedoch ist es mit Drittelchlorgold gemengt, welches beim Vermischen mit Wasser (am besten heiszem) niederfällt.
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- chlorür; indem man nun das Chlorid des Goldes lange Zeit in der Auflösung des zweifach kohlensauren Kalis (Sa-libicarbonats) sieden läßt, wird es wirklich in ein Chlorur verwandelt. Es darf indessen, soll die Operation gelingen, die Lauge des Kalibicarbonats nicht völlig rein fein, sie muß vielmehr fremdartige, besonders organische Stoffe enthalten; fehlen diese, so kann durch Busaß von Schwef-lichtsäure, Dralsäure, Sauerkleesalz und vielen an-dern organischen oder mineralischen Stoffen die Reduction des Goldes auf die niedrigste Stufe der Chlorverbindung bewirkt werden. Die Kommission der Akademie, welche diese neueren Verfahren zu prüfen hatte “), erklärte sich für die Richtigkeit tiefer Ansicht, und glaubt daher, daß die zur Ver-goldung auf nassem Wege angewandte Flüssigkeit im Wesentlichen bestehe aus einer Verbindung von Goldchlo= rür mit Ehlorkalinm in einer sehr gesättigten Lauge von neutralem und zweifac kohlenfaurem Kali aufgelöst, wobei sie annimmt, daß das dem Goldchlorid entzogene Chlor mit Kalium sic zu Chlorkalium (Digestivsalz) verhüllten hat. Die Herren Wright unt Elkington sind ter Meinung, daß man tarum das Goldchlorid auf das Chlorür reduciren müsse, weil sic beim Vergolden (kupferner ober kupferhaltiger Gegen-stände) Kupferchlorürbildet, also eine Verbindung von einem Aequivalent Chlor mit 1 Kupfer; daher fei auch nur tie ana-loge Verbindung des Goldes mit einem Aequivalent Chlor, alfo das Gold chlorür == Au2 Chla, hier vortheilhaft an-wendbar, unt nicht eine Chlorverbindungsstufe des Goldes, tie mehr als ein Aequivalent Chlor d— Chl2) enthält, wie das Goldchlorid == AU2 + 3 Ch12 oter Au2 Chle-
- Von welcher Stärke tie Vergoldung auf tiefem Wege wirt, zeigen am befreit tie hierüber angestellten Versuche.
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- Verschiedene Fabrikanten haben Bronzeplatten von gleicher Grösze theils auf nassem Wege, theils vermittels des Oned-silbers vergoldet, wobei sie sich bemühten, die stärkste und schwächste Vergoldung in beiben Fällen zu erhalten; Herr d’Arcet hat die Mengen des Goldes bestimmt, und bei Platten von 1 Duadratdecimeter Fläche (1 Decimeter = 0,34263 Fus -bayerisch, 0,33333 F. badisch, 0,34759 F. churhesfisc), 0,31862 F. preuszisch, 0,31635 s. österreichisch) folgende Resultate erhalten:
- Goldmenge bei der Kuec silbervergbldung durch Herrn Plü
- Stärkste Vergoldung ... 0,1420) E C .... a . 2 Gramm 0)
- Schwächste Vergoldung . . 0,0428)
- durch Herrn Deniere
- Stärkste Vergoldung .... 0,23334 &
- Schwächste Vergoldung... 0,0736)
- durch Herrn Beaupray
- Stärkste Vergoldung . . . . 0,2595t
- Schwächste Vergoldung . . 0,0693( toll
- Die Goldmengen in diesen Fällen vergalten sic also wie
- 0,1420-10,2333 10,2593 . 0,0428 4-0,0736 4-0,0695
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- = 2,1160 : 0,6190, ober annäherungsweise wie 7:2 **).
- Goldmenge bei ber Vergoldung auf nassem Wege durch bie Herren Bonnet und Villerme Stärkste Vergoldung .... 0,03531 s Schwächste Vergoldung. . . 0,02743 Gromi
- *) 1 Gramm ist 0,0017857 Pfund bayerisch, 0,002 Pfund badisch, 0,0021381 Pfund churhessisch, 0,0021381 preuszisch, 0,0017857 österreichisch.
- **) Der Bericht bestimmt das Verhältnis wie 100 : 16,5 oder annäherungsweise wie 6 : 1, was aber offenbar falsch ist.
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- durch Herrn Clambert
- Stärkste Vergoldung . ... 0,0422)
- Schwächste Vergoldung. . . „ j CT
- Hienac ist die stärkste Vergoldung auf nassem Wege (bei 1 Duadratdecimeter Fläche) bestimmt auf 0,0422 Gr. Gold, und die schwächste vermittelst des Duedsilbers auf 0,0428, woraus folgt, daß die beste Vergoldung auf nassem Wege kaum gleich kommt der schlechtesten Ver-goldung vermittels Tuecksilbers, so daß also die Vergoldung auf nassem Wege die Duecsilber- oder Fenerver-goldung nicht ersetzen kann.
- II. Galvanisches Verfahren des Herrn Elkington. Derselbe nahm 31,25 Gramm (= 7,1428 Duentchen, also nahe 71/1 D. bayer. Gewicht) Goldoryd, 5 Hektogramm (= 28,58, also etwas mehr als 281/2 Loth bayer. Gewicht) Syankaliun, und 4 Liter Wasser, liess diese Mischung eine halbe Stunde sieden, und fand nun, daß sie siedend sehr schnell, kalt langsamer vergoldet, wenn man den zu vergol-denden Gegenstand an den negativen Pole einer beständig wirkenden galvanischen Batterie befestigt, und die beiden Pole der Batterie in die Sliszigkeit taucht. (Siehe den Anhang) Die Kommission hat nach diesem Verfahren Gegenstände von Kupfer, Messing und Silber vergoldet. Ein silberner Dessert-löffel in einer Flüssigkeit von 60°C behandelt, erzielt eine schnelle und vegelmäßzige Vergoldung; kaum eingetaucht, war der Löf-fel schon bedeckt mit Gold. In jeder Minute legten sie un-gefähr 5 Eentigramm (= 0,01142848, also etwas mehr als 1/100 Duentchen b. G.) Gold an, und ein sechsmaliges Ab-wiegen gab zu erkennen, daß sich in gleicher Zeit immer gleichviel Gold niederschlage. Man kann also die Gold-schichte beliebig dick machen, und die Stärke desselben nach der Dauer des Processes berechnen. Allein das Kyankalium ist ein kostspieliger Stoff; es ist schwer, denselben in Auflö-sung zu erhalten, feine Herstellung im Groszen wäre mit
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- Schwierigkeiten verbunden, und die Vergoldung anf diesem Wege am Ende nicht billiger, als die bisher gebräuchliche mit Duec silber. —
- III. Galvanisches Verfahren des Herrn v. Ruolz. Wie Herr Elkington, so bedient sic auc Herr v. Ruola der galvanischen Säule, aber er hat mit einer Menge von Goldauflösungen Versuche angestellt, und ist so auf die billige sten und zweckmäßigsten Methoden gekommen. Er hat sic nämlich bedient 1) des Kyangoldes, (Goldfyanid) aufgelöst in einfachem Kyankalium, 2) des Kyangoldes, auf-gelöst in gelbem Kyaneisenkalium (Blutlaugensalz, Ter-rokyankalium) 3) des Kyangoldes, aufgelöst in dem rothen Kyaneisenkalinm Gerridfyankalium), 4) des Goldchlos rürS, aufgelöst in den nämlichen Kyanüren, 5) des Chlor-g oldkalinms %), aufgelöst in Kyankalium, 6) des Ehlorgoldnatriums, aufgelöst in kohlenfaurem Na-tron (Soda) **), 7) des Schwefelgelbes, aufgelöst in einfachem Sch wefelkalium. Alle diese Verfahren gelingen wohl, und die drei letztern insbesondere gestatten die Vergol= dung aller im Handel vorkommender Metalle. So lässt sich 3. B. ^latin auf feiner ganzen Oberfläche, wie auch auf einzelnen bestimmten Theilen vergolden, der Art, daß man Golddessins auf Platingrund erhalten kann; das Silber ver-golbet sich fo leicht, fo gleichförmig, und in fo schöner reiner Färbung, daß gewiß in Zukunft alles Vermeil nur auf diesem Wege erzeugt werben wird. Man hat eS ganz in feiner @e= walt, bie Goldschichte nach Belieben schwach ober stark zu machen, unb selbst ber Ton ber Färbung ist derselben an-heimgegeben; an demselben Stücke läßszt sic matt unb glänzend willkührlic neben einanber setzen, unb bei all bem ist eS gleich.
- *) Wird erhalten durch Abdampfen einer mit Ehlorkaliumauf-lösung gemischten Goldauflösung.
- *) Kohlensaures Kali ist nicht anwendbar.
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- cb das Stück groß oder klein, glatt oder mit Bildwerk ver-ziert ist; hohle gravirte Gefäße, die feinsten Fäden, alles ver-goldet sich gleichmäszig. Dasselbe, was hier von Silber ge= sagt ist, gilt auch vom Kupfer, Messing, Bronze; vom Eisen, Stahl und Zinn, jedoch muß man die drei letztern vorher auf galvanischem Wege mit einem dünnen Kupferhäutchen überziehen. Die Kommision hat sich durch mannichfache Vers suche überzeugt, daß auch hier der Niederschlag des Goldes bei gleicher Temperatur unter allen Ums ständen stätig erfolgt, daß die Menge desselben proportional ist.der Beitz welche der Gegenstand in der Flüssigkeitverbleibt, und daß man somit die Stärke der Vergoldung nac der Dauer des Prozesses berechnen kann. Die in dem Berichte be-schriebenen Versuche sind so genau und interessant, daß ich glaube, dieselben hier anführen zu müssen. — Man hat sich einer Flüssigkeit bedient, welche 1 Gramm trocknen Chlorgoldes in 100 Gr. Wasser aufgelegt enthielt, dem 10 Gr. gelbes Keyaneisenkalium (Kaliumeisenkyanür oder Blutlaugensalz) bei-gemischt waren. Die Säule bestand aus 6 Plattenpaaren, (von 4 Ouadratdecimetern Fläche jede) und hatte als feuchte Leiter schwefelsaures Kupferoryd und Meersalz. Buerst wur-den polirte Silberplatten von fünf Sentimetern Seilenlänge bearbeitet, die zu vergoldende Oberfläche betrug sonach 23 + 2 — 30 O-uabratcentimeter.
- Temperatur der Flüssigkeit = 600 C.
- Menge des niedergeschlagenen Goldes Gramm
- Erstes Eintauchen während 2 Minuten . . 0,063 Bwcites „ „ „ „ ..0,063
- Drittes „ „ „ „ ..0,063
- Mittel: 0,063
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- Temperatur her Flüssigkeit = 35° C.
- Menge des niedergeschlagenen Goldes
- Grant
- Erstes Eintauchen während 2 Zweites „ Drittes „ „ » Viertes » » » Fünftes » » „ Sechstes „ „ » Siebentes „ „ „ Achtes „ » „ Neuntes „ „ „ Behntes „ „ Elftes » » » Zwölftes » „ » Minuten . . 0,028 „ .. 0,028 „ ..0,030 » .. 0,029 „ .. 0,027 „ .. 0,029 , .. 0,030 „ .. 0,030 „ .. 0,029 „ ..0,028 „ ..0,029 „ .. 0,027
- Mittel: 0,0296
- Temperatur der Flifsigkeit = 150 C. Menge des niedergeschlagenen Goldes Gramm Erstes Eintauchen während 2 Minuten . . 0,009 Zweites » „ „ „ .. 0,013 Drittes „ „ „ „ .. 0,014 Viertes „ „ „ „ .. 0,014 Fünftes ,, ,, ,, „ ..0,013
- Mittel: 0,0126
- Es ist hieraus ersichtlich, wie gleichmäßzig der Nieder-schlag des Goldes erfolgte, indem die kleinen Differenzen zwi-schen den Zahlen höchst wahrscheinlich eher Beobachtungsfeh= ler, als wirkliche Unterschiede in den Mengen sind. Der Ein-fluß der Temperatur auf diese Operation ist unverkennbar; denn die Schnelligkeit des Ablagerns nimmt sehr mit der Temperatur der Auflösung zu. — Daß die Natur des zu vergoldenden Metalles oder Metallgemisches, in fo ferne diese
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- gute Leiter sind, wahrscheinlich nur geringen Einfluß bei die-sem Processe ausübt, scheinen nachfolgende Versuche zu be-stätigen, in welchen eine Messingplatte von 5 Centime-fern Seitenlange ganz unter denselben Bedingungen vergoldet wurde, unter denen man die vorher beschriebenen Experimente mit der Silberplatte anstellte.
- Temperatur der Flüssigkeit = 150 C.
- Menge des niedergeschlagenen Goldes Gramm
- Erstes Eintauchen..............................0,010
- Zweites „ 0,013 drittes „ 0,012
- Viertes „ 0,012
- Fünftes „ 0,013
- Sechstes „ 0,012
- Mittel: 0,012
- Ein Blick auf die Zahlen lehrt, daß jedesmal das erste Eintauchen weniger wirksam, als die folgenden war; es läßt sic tiefer Umstand durch die Schwierigkeit erklären, das Me-tall so zu reinigen, daß es sich auf feiner ganzen Oberfläche zugleich benässen kann; hat man aber dieselbe Ein Mal überwunden, so zeigt sie sich dann nicht wieder. Man sieht, daß das Gewicht des niedergeschlagenen Goldes auf eine ver-goldete Platte in einer gegebenen Zeit immer dasselbe ist, während es merklich abnimmt, wenn das Gold unmittelbar auf Silber ober Messing sich zu präcipitiren hat.
- Was bisher vom Golde gesagt wurde, läßt sich nun vollkommen auch auf das Silber anwenden. Herr v. Ruofz hat vermittelst ter galvanischen Säule und des Kyansilbers, aufgelöst in Kyankalium, mit größter Leichtigkeit auf G old und Platin silberne Verzierungen angebracht, Kupfer, Mes-fing, Bronze, Sinn, Eisen, Stahl versilbert, unb na-mentlic beim Kupfer unb Messing sich überzeugt, daß dies Verfahren vollkommen geeignet ist, alle bisher gewöhnlichen
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- Methoden der Versilberung zu verdrängen, und in vielen Fäl-len sogar die Plattirung zu ersetzen. Das Silber läßt sich in feinen Blättchen anbringen, wie bisher eine Menge Duin-cailleriewaaren gegen den Rost geschützt wurden, aber auch in beliebig dicken Lagen, die der Reibung widerstehen, und ge-rade hierin scheint die größte Wichtigkeit tiefer Entdeckung zu bestehen. Die Kommission hat sic überzeugt, taß zum che-mischen Gebrauche eine Kapsel von verfilterten Messing dieselbe Dienste leistet, wie eine silberne: sie widersteht ter Einwirkung des aufgelösten Aetzkalis.
- Daß tiefelben Gesetze hinsichtlich ter Niederschlagsmengen auc beim Silber gelten, welche schon beim Golde angeführt wurden, geht auS ter nachstehenden Beschreibung von Ver-suchen hervor, welche mit einer Säule von 4 Plattenpaaren unter sonst den obigen gleichen Umständen angestellt wurden. Die Flüssigkeit enthielt 1 Gramm trocknes Kyansilber, aufge= löst in 100 Gramm Wasser, dem 10 Gr. Blutlaugensalz zu-gesetzt waren; ter zu versilbernde Gegenstand war eine gerei-nigte Kupferplatte von 5 Eentimetern Seitenlänge.
- Temperatur ter Flüssigkeit = 450 C.
- Mengen des niedergeschlagenen Silbers Gramm
- Erstes Eintauchen 0,007
- Zweites D 0,013
- Drittes 0,012
- Viertes 1 0,013
- Fünftes 0,013
- Sechstes » ....... 0,013
- Siebentes » 0,012
- Achtes » 0,011
- Neuntes » 0,010
- Zehntes V 0,010
- Mittel: 0,0114
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- Temperatur der Flüssigkeit == 30° C.
- Mengen des niedergeschlagenen Silbers
- Gramm
- Erstes Eintauchen ....... 0,0055
- Bweites „ 0,0065
- Drittes „ ......................0,006
- Viertes „ ......................0,007
- Mittelt: 0,0083
- Anstatt der Kupferplatte wurde eine Messingplatte von gleicher Grösze angewendet, und es ergaben sich folgende Re-sultate:
- Mengen des niedergeschlagenen Silbers
- Gramm
- Erstes Eintauchen 0,008 *)
- Bweites 1) 0,007
- Drittes 2) 0,007
- Viertes » 0,007
- Fünftes » 0,009
- Sechstes n 0,008
- Siebentes » 0,008
- Achtes 2) 0,008
- 3 AI ©
- ES war zum Voraus zu erwarten, daß sich das Silber etwas langsamer als das Gold niederschlagen werde.
- Man sollte denken, da das Platin mit dem Golde so vie-les gemein hat, so werbe es sic auf die bisher erwähnten Metalle eben so leicht, als dieses, niederschlagen lassen; indessen bewiesen die Versuche das Gegentheil. Wendete man z. B. Auflösungen in Kyanüren an, so müszte das Platin wenigstens
- * —
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- hundert bis zweihundert Mal länger der Wirkung der galvanischen Säule ausgesetzt bleiben, wenn man eine gleich dicke Schichte, wie von Gold ober Silber erhalten wollte. Man fand aber eine Auflösung, mit ber man so schnell und leicht verplatiniren kann, als vergolden und versilbern. Sie besteht aus Platinkaliumchlorür"), (Doppeltchlorplatin-kalium) aufgelöst in kaustischem Kali. Hätte man nicht durch bie Entdeckung des Herrn v. Roulz bie Fällung beS Platin in die-fem Maaßze beschleunigen gelernt, fo wäre feine Anwendung in ber That sehr begrenzt gewesen; es ist aber gerabe zu wünschen, daß sich dieselbe möglichst ausdehne, einerseits im Vortheile ber Platinbergwerke, denen zur Zeit noch Absatz mangelt, andrer-feitS zum Nutzen ber Eonsumenten, welche in ben mit Platin überzogenen Mettallen Gegenstände finden, bie sowohl wegen ihrer Unzerstörbarkeit, alS auch um ihres schönen Ansehens, und ber Sicherheit willen, womit sie allgemein angewendet werben können, von ganz befonberer Wichtigkeit sind. Wie schwierig eS gewefen wäre, unter denselben Umständen zu ver-platiniren, wie zu vergolden unb versilbern, zeigen bie hierü-ber angestellten Versuche. Aus einer Flüssigkeit bie auf 100 Gramm Wasser, unb 10 Gramm Blutlaugensalz, 1 Gramm trock-nes Kyanplatin enthielt, würben mit einer galvanischen Säule von 6 Mlattenpaaren, bie gleich ber bei ber Vergoldung angewendeten construirt ist, bei 80 — 85° C fo geringe Nie-derschläge in 1 Minute erhalten worben fein, daß man ihr Gewicht nicht hätte schätzen können, während bei biefer Sem-peratur ber Goldniederschlag wenigstens auf 0,030 Gramm gestiegen wäre; man mußte daher bie Versuche zum mindesten 4 Minuten fortsetzen. Bei einer Messingplatte von 5 Zentimetern Seitenlänge unb bei einer Temperatur ber Flüssigkeit
- *) chlorure double de platine et de potassium ist ber gelbe Niederschlag, ben Platinsolution in Kaliumchlorid - ober Kalisalzlösungen erzeugt.
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- von 85°C. ergab das Experiment das nachstehende Resultat: Menge des niedergeschlagenen Platins Gramm
- Erstes Eintauchen während 4 Minuten . . 0,001 Zweites „ „ „ „ ..0,001
- Drittes „ „ „ „ ..0,001
- Eben so nahm eine Platte in 12 Minuten nur 0,003 Gramm Platin an, welche unter denselben Umständen 0,378 Gramm Gold angenommen hätte. — In welchem Grade das Platin ausdehnsam ist, zeigt der Umstand, daß man in einer passenden Auflösung mit einem einzigen Milligramm Pla-tin gleichmäßig eine Oberfläche von 50 O-uabratcentimetern bedeckt hat; bie Dicke ber Schichte betrug also nur 10000-Millimeter*), mithin ist dieser ileberzug bie zarteste Lage, von
- *) Man berechnet bie Dicke ber Schichte auf folgende Art: Ein Kubikcentimeter Wasser wiegt 1 Gramm, folglich ein Kubik-centimeter Platin 20 Gramm (das — übrigens sehr abwei-chend angegebene — specifische Gewicht beS Platin = 20 ge-setzt). Ein Milligramm Platin ist demnach ~ 20 000 Kubik-centimeter; dieses dehnt sich aber aus auf 50 Duadratcenti-
- 1
- meter Fläche, mithin ist bie Dicke ==20,000 = ----------------------------------------------- 1,000,000
- 50
- Centimeter = ------------1— Millimeter. Ober nennt man bie
- 100,000
- Dicke ber Schichte d, ben Kubikinhalt eines Millimeters Pla-x
- tin x, so ist im vorliegenden Falle d =-5 es ist aber
- 20 :0,0001 = 1 : x, hieraus x = 0,00005, und folglich 0,00005 —
- d = •——-------------- = 0,000001 Centimeter = 0,00001 Milli-
- meter.
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- der wir uns durch direkte Beobachtungei nur noc einen rich-tigen Begriff machen fönnen.
- Herrn von Ruolz ist es ferner gelungen, auch das Kupfer, Blei, Blinn, Kobalt, Nickel und Binf auf verschiedene Metalle niederzuschlagen. Um auf tiefem Wege zu verkupfern, bedient er sich des Kyankupfers, aufge-löst in blausauren Alkalien; aber tie Fällung des Kupfers ist viel schwieriger, als tie des Goldes oder Silbers. Es geht indessen aus dem beim Platin Gesagten hervor, wie groß ter Einfins ter Auflösung in tiefer Hinsicht sein kann. Nach-stehende Versuche, tie man mit einer Säule von 8 Platten-paaren unter sonst den frühern gleiten Bedingungen ange= stellt hat, zeigen ten Erfolg, ten man auf tiefem Wege er-warten darf; man wendete eine Silberplatte von 5 Eenti-metern Seitenlänge an.
- Temperatur ter Flüsigkeit = 300 C.
- Mengen des niedergeschlagenen Kupfers
- Gramm
- Erstes Eintauchen während 3 Minuten . . 0,0015
- Zweites Drittes 2) » >7 ») ») » „ .. 0,0025 „ .. 0,0030
- Viertes » » 29 „ .. 0,0030
- Fünftes » » „ . . 0,0020
- Sechstes » » » „ ..0,0020
- Mittel: 0,0023
- Diese Langsamkeit her Fällung ist allerdings noc für tie Ausübung des Verkupferns auf tiefem Wege im Groszen ein bedeutendes Hindernisz; es steht indessen zu erwarten, daß eine zweckinäßzigere Auflösung des Kupfers, wie beim Platin, fo auch hier tiefen Mißstand befeitigen werte. Das Eisen wirb durch einen solchen Kupferüberzug nicht nur gegen ängzere Einflüsse geschützt, sondern erhalt auch dadurch in allen feinen Verarbeitungen ein schöneres Ansehen. Die Kommission ist überzeugt, daß sich das Eisen auch mit einem Messing-
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- überzuge bekleiden lasse, wenn man Kupfer und Zink auf dasselbe niederschlägt, und es dann bis zur Rothgluth in Soh-lenpulver erhitzt; das hiedurc sic bildende Messing ist ein weniger angreifbarer metallischer Firnis, als das Kupfer, und kann beliebig gefärbt werden. Ja sie glaubt, daß sic auf Metallen eben so gut Niederschläge von Legirungen, als von reinen Metallen erzeugen würden, wodurch man die Kosten der Feuerung ersparen könnte.
- Durch Einwirkung der galvanischen Säule auf die Auflö= fung des Bleiorydes in Kali können sehr leicht Eisen, Blech und überhaupt alle Metalle mit einem Bleiüberzuge versehen werden, was besonders den Fabrikanten chemischer Produkte ein gutes Mittel an die Hand gibt, durch lteberzie-hen ihrer Gefäße im Innern mit Blei, diese gegen die Ein-wirkung von Calzlösungen und schwache Säuren zu schützen. Da indessen nur in wenigen Fällen das Blei an und für sich, und nicht wegen feiner Wohlfeilheit, und der Leichtigkeit, wo-mit es sich bearbeiten läßszt, den Vorzug vor andern Metallen verdient, so sind die neuen Verfahren eher geeignet, feinen Gebrauch zu schmälern, als denselben auszudehnen.
- Auch mit Binn können Kupfer, Bronze, Messing, Eisen, selbst Gußszwaaren, und alle Arten von Geräthschaften aus jenen Stoffen falt überzogen werben. Schon lange ver-zinnen bie Arbeiter, ohne es zu wissen, bie Nadeln auf gal-vanischem Wege, indem sie bie Nadeln und Körnerzinn in eine Auflösung von saurem weinsaurem Kali (cremor tartari) le-gen; bie beiden Metalle bilden eine galvanische Kette, in wel-cher bie Nadeln ber negative Pol sind, an welchem sich das sic auflösende Zinn niederschlägt. Allein bie Verzinnung des Eisens und Zinkes wäre auf biefem Wege unmöglich, man muß hiezu eine Säule zu Hilfe nehmen, welche unabhängig von den angewandten Metallen ist; man kann fogar für das Ku-pfer, unb diejenigen Metalle, welche sic gegen Binn negativ verhalten, Zinn selbst und das zu verzinnende Metall zusam-
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- mensetzen, und sic die Flüssigkeit bereiten, entweder indem man das Zinn in saurem weinsaurem Kali (cremor tartari) auflöst, ober nac dem Vorschlage des Herrn Böttiger Binnoryd in Kali.
- Auch mit Äobalt und Nickel wurden auf diesem Wege Metalle überzogen. Das Kobalt, dessen Farbe der des Pla-tin sehr ähnlich ist, wurde zum Ueberjiefjen von kupfernen Musikinstrumenten angewendet, und bildet einen sehr schönen, dauerhaften und wohlfeilen metallischen Firnis. Nickel wandte man vorzüglich auf Schlosser = und Sattlerarbeiten an; da es nicht sehr theuer ist, man nur wenig davon bedarf, es aber genugsam dem Einflusse der Luft widersteht, so ist wohl zu be= achten, daß sic dieses Metall sehr gut auf Eisen anwenden läßt, so daß also sorgsam gefertigte Schlösser, Theile großer Uhren, ja selbst viele Maschinentheile damit gegen den Luft-einfluß geschützt werden tonnen, ohne daß man nöthig hat, tiefe öfter mit Fett einzuschmieren.
- Ganz besonders haben die Kommission die Versuche inter-essirt, welche Herr v. Ruolz über tie Verzinkung her Metalle, und besonders des Eisens angestellt hat. Das verzinkte Eisen besitzt tie Eigenschaft, ter Drydation durch Luft (besonders tie feuchte) und Wasser zu widerstehen; denn es ist thatsächlich, daß her Zink, welcher doch weit leichter mit Sauerstoff sic verbindet, als das Eisen, dieses gegen Kosten schützt, ohne sic selbst tabei zu orydiren; sobald er sich nämlich mit einer Lage von Suboryd bedeckt hat, hört alte weitere Zerstörung auf. Es ist indessen nothwendig, daß, um ten erwähnten Vortheil zu erzielen, ter Ueberzug durchaus voll-ständig ist; denn bleibt nur irgend ein Punkt unbedeckt, so daß tie Luft aufs innere Metall eindringen kann, fo wirft tie obere Lage, weit entfernt, als Schutzmittel zu dienen, im Gegentheile ter Drydation zu Gunsten. In verzinkten Eisen-geschirren darf man jedoch nicht heißzes Wasser aufbewahren; in tiefem Falle führt das galvanische Verhalten ter beiten
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- Metalle sehr schnell die Oxydation des Binkeß herbei, und das Eisen reffet auffallend schnell.
- Die Verzinkung des Eisens, durch Eintauchen desselben in geschmolzenen Binf bewirkt, hat indessen nebst den so eben an-geführten, noch manche andere Mißstände. Das mit Binf legirte Eisen bildet eine sehr spröde Masse, verliert sonach an Dehnbarkeit, was besonders beim Verzinken von Eisendrath oder sehr dünnem Eisenblech von großem Nachtheil ist. Feiner Eisendrath würde durch dieses Verzinken zerbrechlich, und unförmlich, Kugeln wür-den verunstaltet und verlören ihre Caliber, Kunstgegenstände kämen um ihre Form, und würden somit vernichtet. Cowohl für die Industrie, als für die Kriegskunst ist daher das Verfahren des Herrn v. Ruolz von hoher Wichtigfeit; er wendet eine Binksolution und die galvanische Säule sehr vortheil-hast an, jur Verzinkung des Eisens, Stahls und der Guß-waaren, wodurch die Erhitzung vermieten und die Bähigkeit des Metalls erhalten wird; es bilden sic nur sehr feine La-gen, welche nicht nur den allgemeinen Umriffelt, sondern auch ten feinsten Ausarbeitungen ihre Treue und Schärfe belaffen. Und somit steht nun ter Verzinkung einer Menge stählerner und eiferner Gegenstände kein ferneres Hinderniß entgegen; sie werden dadurch gegen Rost geschützt, und können eine lange Reihe von Jahren unbeschädigt erhalten werden. Es ist einleuchtend, von welch’ hoher Bedeutung dieses Verfahren ist, angewendet auf Agriculturgeschirre, Nägel, Schienen, Star tuen, und in allen ten Fällen, wo man eiserne Stangen, Ketten JC. als Verbindungen ober Träger bedeutender Lasten anzuwenden hat. Selbst auf die Kriegskunst , namentlich tie Marine, ist tiefe Methode von nicht geringem Einflusse; denn die Äugeln verändern jur See sehr rasch ihre Dimensionen auf eine für tie Richtung des Schusses und tie Dauer ter Geschütze nachtheilige Weise; durch tie Verzinkung auf angege-benem Wege ist tiefer lebelstand nunmehr leicht ju beseitigen, ohne taß dadurch ein anderer herbeigeführt wird.
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- Im Kunst = und Gewerbeblatt des polytechnischen Vereins, Aprilheft 1842, Seite 248, machen die Herrn Professoren Dr. Kaiser und Dr. Alexander unter der lteberschrift: „lieber die Vergoldung auf elektro = chemischem Wege nac Elkington und Nuolz" das Resultat ihrer Versuche in die-ser Hinsicht bekannt, dem sie noc einige für die Ausübung höchst schätzbare Bemerkungen zufügen; und in dem folgenden Hefte (Mai 1842) desselben Blattes erteilt Herr Professor Kaiser sowohl für die Bereitung der 'Präparate, als für das Verfahren selbst noc mehrere practische Anweisungen. Diese Herren bedienen sich anstatt der galvanischen Säule der Da-niell’schen ober Mullin’schen anhaltend wirkenden 'Batterie. Man construirt sie auf folgende Art: In ein gewöhnliches Buckerglas wird eine gesättigte Auflösung von schwefelsaurem Kupfer (blauem Vitriol) gegossen, und in dieses ein Becher von gebranntem Thon gestellt, der mit concentrirter Kochsalz-lösung zum größten Theile angefüllt ist; in biefe Kochsalzlösung bringt man ein cylindrisc gerolltes, amalgamirtes Binkblech, unb in bie Vitriollösung um den thönernen Becher ein cylin-drisc) gerolltes, gereinigtes Kupferblech. An ben obern, aus den Flüssigkeiten hervorgehenden Enden ber Kupfer = und Binkplatten sind Kupferdräthe befestigt, bie man durch Glühen weich gemaßt, unb fortwährend blank zu erhalten hat. Die 'Batterie besteht nun aus einer beliebigen Zahl solcher Flaschen; je größer biefe Zahl, desto schneller und stärker bie Wirkung. Soll bie 'Batterie in Wirksamkeit gesetzt werden, fo nntß man bie Binkplatte einer jeden Flasche mit ber Kupferplatte ber nächsten in Verbindung bringen, bie Dräthe aber ber äugzer-sten Zink = unb ber äußerten Kupferplatte, als der Polplat-ten, zur Leitung des galvanischen Stromes (ber chemi-schen Polarisation) benützen *). Es hat sic gezeigt, baß
- *) Man kann biefe 'Batterie auch sehr vortheilhaft zu galva-noplastischen Arbeiten verwenden, wenn man an ben Drath
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- zwei solcher Flaschen zu den meisten Vergoldung® * Versuchen ausreichen, da es sic in diesen Fällen weniger um eine sehr heftige und rasche, als vielmehr um eine langsame, aber sehr gleichmäßige Wirkung handelt.
- Die Herrn Dr. Kaiser und Dr. Alexander arbeiten in der Regel mit vier Batterieen, d. h. mit vier so, wie eben beschrieben, eingerichteten Buckergläsern, wovon jedes ungefähr zwei bayer. Maas faßte, und vor dem Einstellen des Kupfer-bleches, Thonbechers und der Binkplatte bis jur Hälfte mit Kupfervitriollösung gefüllt war. Um die Batterie außzer Wirk-samkeit zu setzen, öffnet man die Dräthe, und hebt die Bink-platten aus der Kochsalzlösung. Batterieen im fleinern Maaß-stabe wirten nicht so lange, als größere, die in der Regel nach 8 Tagen noch eben so stark und gleichmäßig in ihrer Wirkung sich zeigen, als am ersten.
- Bur Bereitung der Goldauflösung nimmt man reines Gold (Scheidgold) ober Goldmünzen, deren Gewicht man sich genau anmerkt, übergießt sie in einem reinen Glaskölbchen mit Königswasser, und bringt nun die Masse zum Sieden, worin man sie so lange erhält, bis alles Gold aufgelöst ist. Bei tiefem Prozesse hat sich das Gold in Chlorgold verwandelt, das man für sich erhält, wenn man tie Flüssigkeit in einem Porzellanpfännchen etwa über her Weingeistlampe langsam und vorsichtig abbampft, wobei bie überschüssige Säure als Dampf entweicht, das Salz (EHlorgold) aber gegen das Ende des Siedens anfängt, sich als eine trockene, rothbraune Masse an
- des Zinkblechs bie positive Elektrode, an den Drath des Kupferblechs bie negative Elektrode, einen blank ge-scheuerten Kupferstreifen, befestigt, und tiefe nun in ein mit gefättigter Kupfervitriolsolution gefülltes Gefäß hängt. Siehe Seite 36. Anstatt her thönernen Geschirre kann man in tiefem Falle Thierblase anwenden, (nicht aber bei der Vergoldung) tie man um den Kupfercylinder bindet, ter an ter Seite durch Niethnägel geschlossen fein kann.
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- den Wandungen der Pfanne anzusetzen. Man stellt nun das Verdampfen ein, und erhält nac dem Erkalten das Ehlorgold als eine dunkelrothgelbe krystallinische Masse, deren Gewicht man bestimmt, entweder, indem man sich das Gewicht des Porcellanpfännchens vor dem Gebrauche bemerkt hat, und nun sieht, um wie viel es mit dem Chlorgolde mehr wiegt, oder, indem man das Pfännchen mit der Masse wiegt, sodann das Ehlorgold vermittelst reinen Regenwassers (oder destillirten Wassers) auflöst, in ein Glasgefäß gießzt, und nun das Ge-wicht des Pfännchens für sic bestimmt. Der Unterschied der Gewichtszahlen drückt in beiden Fällen das Gewicht des Chlorgoldes aus. Ein Gewichtstheil (1 Duentchen, 1 Loth 2c.) dieses Chlorgoldes wird nun in reinem Wasser aufgelöst, eben so 10 Gewichtstheile Blutlaugensalz; das zur Auflösung beider Salze angewendete Wasser darf aber zusammen nie mehr als 100 Gewichtstheile (100 Duentchen, 100 Loth 2.) betragen, so daß also die Gewichtsmengen des Ehlorgoldes, Blutlaugensalzes und Wassers immer in dem Verhältnisse ste-hen, wie 1:10:100 "). Beide Auflösungen werben sodann gemischt, zeigen in der anfänglich etwas trüben Mischung eine grünliche Farbe, und entwickeln Blausäure, die sich durch den Geruch nach bittern Mandeln leicht zu erkennen gibt; bei längerem Stehen bildet sich ein feurig dunkelblauer Niederschlag — Berlinerblau. Damit das Ehlorgold voll= ständiger zersetzt, und mit bem Blutlaugensalze inniger ver-bunden wirb, auch das Kyaneisen (Berlinerblau) sich leichter
- *) Ungefähr lassen sich, wie Herr Dr. Kaiser angegeben hat, bie Gewichtsverhältnisse auch so bestimmen: Auf einen Dukaten Gold nimmt man 2 Loth starkes Königswasser von 27° nac bem Beaume’schen Aräometer (1,22 spec. Gewicht) und setzt, sobald es aufgelöset unb eingekocht ist, bis es beim Erkalten zur krystallinischen Masse erstarrt, 4 Loth Blutlaugensalz und 1 Maas Wasser hinzu. —
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- ausscheidet, muß man die Mischung nochmals zum Sieden bringen; während desselben prüft man sie; ob sie nicht über-schüfsige Säure enthält, was sic daran zu erkennen gibt, daß sie in diesem Falle einen in sie getauchten Streifen (blauen) Lackmuspapiers roth färbt. Ist hieß der Fall, so setzt man f ohlensaures Kali so lange zu, bis fein Auf-brausen mehr erfolgt “). Würde man zu viel von tiefem Salze zusetzen, unt dies zeigt sic dadurch, daß in tie Flüs sigkeit getauchtes (gelbes) Eurcumäpapier braun gefärbt wird, fo erzielte zwar tie Auflösung eine klare, goldgelbe Farbe, allein tie Vergoldung ginge tarin etwas langsamer von stat-ten. Bringt man tie Mischung nicht zum Sieten, fo bleibt sie lange trüb, auch wenn man sie öfter filtrirt; auch läßt sic in ihr alsdann nicht gut vergolten, ohne daß man sie vorher erwärmt,-während man tie gekochte Flüssigkeit auch im erkalteten Zustande zum Vergolden gebrauchen kann. Die gekochte und auf angegebene Art gehörig entsäuerte Flüssigkeit wird nun noch filtrirt, und mit tem Dreifachen ihres Volu-mens Wasser vertunnt, weil sie verdünnt schneller unt schd-ner vergöltet, als concentrirt.
- Vit einer fo vorbereiteten Flüssigkeit haben nun tie Herr ren Dr. Kaiser und Dr.Aerander silberne, stählerne unt mes-singene Gegenstände vergeltet. Die Metalle müssen aber vollkom-men gereinigt unt blank seyn, was man am besten erreicht, wenn man sie mit gelöschtem Kalk unt Branntwein tüchtig abreibt, und hierauf allen anhängenden Kalk aus ten Fugen und Vertiefungen um fo sorgfältiger herausbürstet, als Stel-len, tie noch mit Kalk belegt sind, sich nicht vergolten. Er-forderlichen Falls muß man selbst tie Kratzbürste anwenden.
- *) Die freie Säure verbindet sich mit tem Kali, unt treibt dadurch tie Kohlensäure, tie mit tem Kali verbunden war, aus; tie Kohlensäure entweicht aber aus allen ihren Ver-bindungen unter Aufbrausen,
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- Die gereinigten Gegenstände dürfen nicht mehr mit der bloe szen Hand, sondern nur noch mit einem reinen Tuche ange-griffen werden, weil die geringste Verunreinigung des Me-talles sichtbar wird, sobald dieses mit einem dünnen Gold-häutchen überzogen ist.
- Um zu vergolden, werden die Dräthe der galvanischen Batterie, wie oben bemerkt, verbunden, die Goldauflösung in ein Gefäß von Porzellan ober Glas geschüttet, dessen Grösze sic nach der des Vergoldungsobjektes richtet, und dieses nun mit bedeckten Händen in die Goldsolution gelegt. Hierauf ergreift man, gewöhnlich mit her linken Hand, den Kupferdrath, ber von dem Binkpole der Batterie ausläuft, unb drückt ihn fest auf den zu vergoldenden Gegenstand; zu-gleich nimmt man, gewöhnlich mit ber rechten Hand, den Drath, ber von bem Kupferpole ber Batterie ausläuft, an feinem Ende aber mit einem Platindrathe verlängert ist, unb berührt bamit bie Flüssigkeit, ohne jedoch an bem Vergoldungs: objekte anzustreifen; ober man umfährt dieses mit bem Drathe, den man aber immer in einiger Entfernung von bem einge= legten Gegenstande halten muß. Gelingt bie Operation, fo steigen balb an bem Platindrathe unter säuselndem Aufbrausen Bläschen von Blausäure empor, unb Berlinerblau zieht in ber Flüssigkeit in blauen Striemen abwärts; es macht nac längerer Zeit bie Flüssigkeit trübe, unb muß daher abfiltrirt werben.
- Bei geringer Menge wirft bie entweichende Blausäure nicht nachtheilig auf ben Menschen, füllte man aber größere Gegenstände, ober längere Zeit anhaltend vergolden, fo müßte man allerdings für Abzug dieses Gases forgen.
- Um eine sehr schöne unb dauerhafte Vergoldung zu erzielen, iß es ^wertmäßig, ben zu vergoldenden Gegenstand anfänglich nur wenige Sekunden ber galvanischen Wirkung aus-zusetzen, ihn fobann mit einer Pincette über einem Bängelchen aus ber Auflösung heranszunehmen, mit einem Tuche abzu-
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- reiben, und ihn hierauf wieder einige Sekunden einzulegen, was man mehrmals wiederholt. Denn legt man die Gegen-stände nur kurze Zeit in die Flüssigkeit, oder versäumt dieses mehrmals wiederholte Abreiben, so wird die Goldschichte sehr dünn, und ist, besonders an harten stählernen, ober sonst oft zu gebrauchenden Objekten bald abgerieben; ja sie ver-schwindet sogar, wenn man so leicht vergoldete Gegenstände von Silber nur kurze Zeit über dem Feuer erhitzt, weil die Goldschichte in diesem Falle von bem barunter liegenden Sil-ber aufgesogen wird, wodurch die Gegenstände nach bem Glühen natürlich wieder weiß werden.
- Hält man die Vergoldung für stark genug, so wird der Gegenstand, nachdem man die Poldräthe aus ber Auflösung bei Seite gebracht hat, in eine mit Wasser gefüllte Schaale gelegt, gut abgewaschen, mit einem feinen Leinentuche getrocknet und abgerieben, und zuletzt noch mit weichem Rehleder, auf das man etwas Kreide gestrichen hat, jur Gewinnung einer mäszi-gen Politur, ebenfalls gerieben. Zuletzt hat man noch ben ver-golbeten Gegenstand vermittelst eines feinen Tuches mit etwas A e tz anmoniak (Salmiakgeist) abzureiben, weil dadurch bie Vergoldung nicht nur einen geeigneten Farbenton, und bie gewünschte Frische erhält, sondern auch bie Flecken verschwin-den ober nicht entstehen, welche sich ohne biefe Operation zuweilen gleich nach ber Vergoldung, oft aber auch erst spä-ter bei ber Aufbewahrung zeigen. Es ist wohl nicht erst be= sonders ju erwähnen, daß Gegenstände, auf welche bie Gold= schichte sich nicht in gehöriger Dicke abgelagert hat, nochmals ber Einwirkung der galvanischen Batterie ausgesetzt werben, unb fo oft, biS endlich bie Schichte ben gehörigen Grad ber Stärke erreicht hat.
- Stahlwaaren lassen sich recht gut vergolden, auch ohne daß man sie vorher mit einer Kupferschichte über-zogen hat; nur müffen sie ganz besonders vor bem Einle-gen mit Kalk geputzt, und öfters während des Vergoldens
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- aus der Auflösung herausgenommen und abgerieben werden. Die Herren Dr. Kaiser und Dr. Alexander haben chirur-gische Instrumenten von Silber und Stahl, als Staarnadeln, Messer, Scheeren, Pincetten, Spateln sehr schön vergoldet, und diese Gegenstände immer in ganz fertigem Zustande sammt den Griffen aus Ebenholz oder Elfenbein in die Goldauflösung gebraut. Schneidende Instrumente müssen nach dem Vergol= den wieder abgezogen werden, damit die Schneide von dem Golde entblößt wird.
- Da die Vergoldungsgegenstände an den Stellen, auf denen sie in dem Gefäße aufliegen, gewöhnlich dunkle Flecken bekomnten, die man nur dadurch entfernen kann, baß man den Gegenstand umwendet, und diese dunkeln Stellen nun der erneuerten gal-vanischen Einwirkung aussetzt, so ist es zweckmäßig, die Ver-goldungsobjecte so viel als möglich hohl zu legen; auch kann man sie, wo es ihre Form erfobert, mit dem vom Zinkpole aus-gehenden Drath leise umwinden, und sie in bie Goldauflösung, die sich in diesem Falle am zweckmäszigsten in einem stehenden Eylinderglase befindet, einhängen. Mehrere Gegenstände auf Sinmal zu vergolden ist darum nicht anzurathen, weil bie Ver-golbung an ben Stellen, wo sich bie Objecte berühren, un-gleich ausfallt.
- Durch Drücken, Treiben und Poliren wird bie Ver-golbung bedeutend dauerhafter, und der Feuervergoldung völlig gleich gebracht; denn bie krystallinischen Goldblättchen, bie sich auf galvanischem Wege erzeugt haben, werden durch biefe nie« chanischen Operationen geplättet, inniger aneinander gefügt, unb dadurch zusammenhängender. Ein Kelch), ben Herr Dr. Kaiser, aus bem Rauhen gearbeitet, in allen feinen Theilen vergoldete, bann erst poliren unb fertig machen ließ, und hierauf noch einmal übergolbete, war fo schön, unb gegen mechanische, wie chemische Einwirkungen fo dauerhaft, baß er in feiner Beziehung von anderen im Feuer vergoldeten Kel-chen zu unterscheiden war. Ctart vergoldete Gegenstände
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- sind glanzlos, dunkelgelb, oder rothgelb, und erhalten erst durch’s Poliren, (noch nicht durch Abreiben mit einem Tuche, oder durch Abbürsten) die reinste Goldfarbe und den intensivsten Glanz.
- Es ist indessen nicht nothwendig, daß man — wie oben angegeben — die Poldräthe beständig mit den Händen führt, sondern es läßt sic leicht die Einrichtung treffen, daß man den Binkpoldrath auf das Vergoldungsobject legt, den Kupferpoldrath in die Auflösung tau^t, und beide unverrückt in derselben Stellung erhält. Man muß aber alsdann von Zeit zu Zeit, ungefähr alle Viertelstunden, dem Gegenstande in der Flüssigkeit eine andere Lage geben, weil, wenn der Drath vom Kupferpole immer der nämlichen Seite zugekehrt bleibt, diese dadurch dunkle Flecken erhält, die erst bei anhaltendem Reiben mit Kalf, ober englisch Roth, ober beim Poliren wie-ber verschwinden. Auch würde bie Vergoldung nicht an allen Stellen gleich dick, sondern in ber Nähe des Kupferpoldrathes, und an ben Rändern stärker. Es ist daher, wie schon er-wähnt, zweckmäßig, zur Erreichung einer möglichst gleichförmi-gen Vertheilung des Goldniederschlags das Vergoldungsobject mit bem Drathe vom Kupferpol in verschiedenen Richtungen zu umfahren, gleich als ob man dasselbe bemalen wollte.
- Höchst interessant ist bie Bemerkung des Herrn Dr. Kai-fer, daß bie Vergoldung um so röther ausfällt, je länger aus einer und derselben Goldauflösung kupferne ober messingene Gegenstände heraus vergeldet werden. Herr Söder nahm dadurc Veranlassung, ber Goldauflösung Kyankupfer zuzu-setzen, was Herr Dr. Kaiser dahin vereinfacht, daß er bem zum Auflösen bestimmten Golde einen angemeffenen Theil rei-nen, zerschnittenen Kupferblechs beigibt, beide Metalle mit einander in Königswasser auflöst, und bann ganz fo ver-fährt, wie bei ber Bereitung ber reinen Goldauflösung, mit ber Ausnahme jedoch, daß er beim Kochen anstatt des toh-lensauren Kalis Aetzkali zusetzt. In dem Maagze man
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- mehr Kupfer beigibt, wird die Farbe der Vergoldung röther (vergl. s. 79), so daß sie der des 12 *, 14=, 16= ober 18 =faratigen Goldes gleichkommt, und jedenfalls dauerhafter ist, als bie röthlich gelbe Färbung des Goldes, bie gewöhn-lic durch das Glühwachsen *) erzeugt wird. Eine Auf-Lösung von Kyansilber ber reinen Goldauflösung zugesetzt, bewirkt, daß eine weiße Legirung daraus gefällt wird, wäh-rend man sic eine gemischte Legirung verschaffen kann, wenn man bie Flüssigkeit für bie weisse Legirung mit ber für bie rothe mischt.
- Berührt man einen vergoldeten Gegenstand in ber Gold, auflösung mit bem Kupferdrathe, und taucht den Binkpoldrath in bie Flüssigkeit, so daß also bie galvanische Wirkung eine entgegengesetzte Richtung nimmt, fo wird bie Goldschichte wieber aufgelöst, ber Gegenstand fomit entgoldet (vergl. S. 36 und den nachfolgenden Abschnitt). Da aber bie Ge-genstände hiedurch oberflächlic angegriffen, und in ihrer Farbe etwas verändert werben, fo muß man sie, wenn sie von Silber sind, wieber weiß sieden ••), sind sie aber von Messing, gelb brennen.
- Da ber Niederschlag des Goldes augenblicklich erfolgt;
- *) Das Glühwachs besteht aus einer Mischung von gelbem Wachse, Grünspan, rothem Ocker und Alaun; bie Ver-hältnisse, in welchem diese Stoffe zusammengesetzt werden, sind nicht überall gleich, gewöhnlich nimmt man jedoch auf 16 Theile Wachs 1 Theil Grünspan, 1 Theil Alaun und 11/2 Steile Ocker. Sollen bie vergoldeten Gegenstände eine röthliche Farbe besitzen, fo taucht man dieselben nac bem Abdampfen des Duecksilbers noch warm in das flüs-sige Glühwachs, und läßt dieses über einem starken Roh-lenfeuer abbrennen, fo daß bie Flamme beim Wenden alle Stellen berühren kann; hierauf bringt man das Vergoldete noch heiß in Wasser, und bürstet es bann mit Essig ab.
- **) Das Silber wird weiß gesotten, entweder in einer
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- sobald die galvanische Batterie in Wirksamkeit gesetzt wird, so folgt schon hieraus, daß die Vergoldung auf diesen Wege in sehr kurzer Frist statt finden muß; wirklich reichen auc) 4-5 Minuten vollkommen hin, um z. B. einen silbernen Kaffee-löffel vollständig zu vergolden. Hiezu ist aber durch die aus-serordentlic feine und höchst gleichmäßzige Vertheilung des Goldes nur eine verhältniszmägzig geringe Duantität dieses Metalles erforderlich, so daß auch die Kosten im Vergleiche zu dem Aufwand bei der Feuervergoldung wenigstens um die Hälfte ermäßigt sind.
- Noc ist eines Versuches zu erwähnen, den die Herren Dr. Kaiser und Dr. Alexander angestellt haben, weil er beweist, daß die galvanischen Goldschichten dem unterlegten Stalle so innig anhaften, als eS nur immer durch die Tenervergoldung möglich war, Gold auf andere Metalle zu übertragen. Sie setzten nämlich eine Kupferplatte während einer Viertelstunde der galvanischen Wirkung in einer Gold-auflösung aus, erhielten dadurch eine sehr starke Vergoldung, und ließen nun die Platte ausstrecken, und zu einem Ringe für die Aufnahme eines Objektivglases an einer Fernröhre treiben und glühwachsen. Dabei trat die Vergoldung in allen Erhöhungen und Vertiefungen so schön und gleichmäszig ver-theilt hervor, daß man selbst mit der Coupe feine Haarrisse in der Vergoldung sehen konnte, und somit die Feuervergol-Bung in jeder Hinsicht übertroffen war.
- Ganz auf dieselbe Art verfährt Herr Dr. Kaiser bei der Versilberung. Er löst nach Ruolz 1 Sheil Seyansilber in 100 Theilen Wasser auf, das mit 10 Theilen Blutlaugen-salz geschwängert ist, und bebient sich, wie bei der Vergoldung, der Daniell’schen ober Mullin’schen Batterie. Man be-reitet sich baS Kyansilber, indem man feines (unlegirtes)
- Auflösung von Kochsalz und Weinstein in Wasser, ober in sehr stark verdünnter Schwefelsäure.
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- Silber in Salpetersäure (Scheidewasser) auföst, und diese Auflösung mit Blutlangensalz versetzt. Alsbald erzeugt sic das Kyansilber als ein gelblich weißzer Niederschlag, der bald zu Boden sinkt, und abfiltrirt wird. Wollte man sic zur Berei-tung des Kyansilbers vermittelst des Blutlangensalzes des le-flirten Silbers bedienen, so würde sich neben dem Kyansilber auch Kyankupfer bilden, wodurc die Auflösung zur Gewinnung einer reinen Versilberung untanglic würde. Indessen kann man auch aus dem legirten Silber reines Kyansilber darstel-len, wenn man von ersteren 1/2 Loth in 1 Loth Salpetersäure von 230 Baume (1,20 spec. Gew.) auflöst, und zu dieser Auflösung %/g Loth Kochfal3 bringt. Das Kochsalz, eine Ver-bindung vom Chlor mit Natrium, wird zersetzt; das Chlor ver-bindet sic mit dem Silber der Auflösung, (die aus salpetersan-rem Silber und salpetersaurem Kupfer besteht), nicht aber mit dem Kupfer; es entstehen weißze käsige Flocken, Chlorsilber, (Hornsilber) die sic durch ruhiges Stehen absetzen, und abfiltriren lassen, ober auc dadurc erhalten werben können, daß man die überstehende Flüssigkeit vorsichtig abgießzt. In einer Lösung von
- 6 Loth Blutlaugensal3 in einer Maaß Wasser, der man 4 Loth Ammoniak (Salmiakgeist) zusetzt, löst man nun dieses Chlor-silber auf, kocht das Geniisc wenigstens eine halbe Stunde, und filtrirt bann, worauf bie Auflösung citronengelb erscheint, und auf dem Filter ein röthlicher Bodensatz zurückbleibt. Setzt man das Kochen nicht lange genug fort, fo wirb nicht alles Chlorsilber zerlegt, und vom Blutlaugensalz aufgenommen, weß= halb es zweckmäßziger ist, das Kochen eher länger als eine halbe Stunde fortzusetzen, wobei man das verdampfende Was-ser durch neues ersetzen kann.
- Die erhaltene Auflösung eignet sic nicht nur zum Ver-silbern auf galvanischem Wege, sondern auc, wie Herr Pro: feffor Kaiser ausdrücklich bemerkt, selbst zum Silbersud *).
- *) Um Kupfer, Messing, Bronze, Tombak falt zu versilbern.
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- Bringt man sie nämlic in einer Morzellanschaale, oder in einem glasirten irdenen Geschirre zum Sieden, und legt alsdann Kupfer-, Messing- oder Bronze = Stücke hinein, so werden diese in wenigen Sekunden, ohne alle andere Beihilfe so weiß und schön versilbert, wie sie bei der gewöhnlichen nassen Versilbe-rung wohl kaum erhalten werden. Die Silberschichte wird noc stärker, wenn man, während die Stücke in der siedenden Auflösung liegen, öfter, mit einem Zinkstabe umrührt.
- Das weitere Verfahren bei der galvanischen Versilberung ist dem bei der Vergoldung vollkommen gleich. Das zu ver-silbernde Metall wirb möglichst gereinigt, in die Auflösung, wo möglich, hohl gelegt, ober eingehängt, mit dem Binkpoldrathe berührt, und mit bem Platinende des Kupferpoldrathes un-fahren, ober dieses auc nur blos in die Auflösung eingetaucht. Augenblicklich erfolgt ber Silberniederschlag, der um so schöner, dicker, unb dauerhafter wirb, je öfter man, wie bei ber Ver-goldung, bie Stücke herausnimmt, sie mit einem reinen Tuche ober einem Päuschchen von Baumwolle abwischt, unb sie wie-ber einlegt. Ist bie Silberschichte ziemlich dick geworben, so sieht sie matt aus, unb erhält nur bann eine glänzende Ober-fläche, wenn man sie mit Weinstein - Wasser bürstet, ober mit einer Metallbürste kratzt, ober mit Achat polirt (Dr. Kaiser).
- Da auch die Silberauflösung einen geringen Theil von dem zu versilbernden Metalle auflöst, unb somit in ber Folge nicht reinen Silber, sondern eine Legirung desselben präcipi-
- mengt man gewöhnlich 1/4 Loth Chlorsilber (Hornsilber) mit 4 Loth gereinigtem Weinstein, unb 4 Loth Kochsalz, beitzt bie zu versilbernden Metalle mit Salpetersäure an, unb bringt sie hierauf in eine siedende Auslösung jenes Gemen-ges in Wasser. Nach viertelstündigem Sieben (gewöhnlich in emailirten eisernen Sesseln) schlägt sich das Silber me-tallisch auf bie eingelegten Stücke nieder.
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- tivt wird, so ist es für den Fall, daß die Versilberung voll-kommen silberglänzend fein soll, rathsant, nur einen Theil der Auflösung anfänglich zu gebrauchen, und die Versilberung in dem andern Theile derselben zu vollenden.
- Die llebung selbst wird am besten die Handgriffe kennen lehren, welche bei der Arbeit den größten Vortheil gewähren. Es ist leicht einzusehen, daß z. B. Hohlgefäße, welche nur in ihrem Innern vergoldet ober versilbert werden sollen, am zweckmäszigsten mit der Auflösung gefüllt, und auf ihrer Aussen-feite mit dem Binkpoldrathe verbunden werden. Die Fällung des Metalles erfolgt sodann augenblicklich, wenn man das Platinende des Kupferpoldrathes in die Flüssigkeit taucht. Herr Dr. Kaiser führt als Beweis von der Innigkeit der Anhaftung des Silbers auf dem Metalle an, daß er einen Kupferdrath galvanisc versilberte, und ihn bann um das Sechsfache feiner Länge ausziehen ließ, ohne daß das Silber anc nur im mindesten sic rissig zeigte.
- Wie Gold und Silber bebarf auch das niedergeschlagene Platin noc der Glättung mit bem Polirstahle, damit die krystallinischen Blättchen vollkommen Zusammenhang unter sic erhalten, unb eine cohärente Schichte bilden. Das Verfah= ren bei ber Platinirung mit ber constanten ober anhaltenden Batterie ist bem bei ber Vergoldung unb Versilberung ganz gleich, und bebarf daher feiner Erörterung. Die Angabe zur Bereitung ber Flüssigkeit findet sich im Anhang.
- Sowohl für mich, als auch zum Theil in ber Sitzung des hiesigen technischen Vereines am 26. Juni I. IJ. habe ic Geräthschaften verschiedener Art aus Silber, Messing, Kupfer, Bronze und Stahl, namentlich auch galvanoplastisc von mir dargestellte Medaillen unb Münzen, theils mit ber galvanis schen Säule, theils mit ber D aniell’schen Batterie vergol= bet, versilbert und verplatinirt, wobei ic streng bie beschrie= benen Verfahren beobachtete, unb mich stets des besten Er-folges zu erfreuen hatte, namentlich bei Anwendung der con-
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- stanten Batterie. Anc habe ic es versucht, Nichtleiter, als Thon-, Gypsz, Wachs = und Holzmodelle auf gleichem Wege zu vergolden und versilbern, muß aber gestehen, daß es mir noch nicht gelungen ist, alle Hindernisse zu beseitigen, welche ic bei tiefen Arbeiten getroffen habe. Sollte ich, wie ic hoffen darf, bei Fortsetzung meiner Versuche glück-licher seyn, so werde ic tie Resultate anderwärts bekannt machen.
- Ueber tie Wichtigkeit tiefer Entdeckungen, und tie Stelle, tie ihre Ausführung künftig unter den industriellen Opera= tionen einnehmen wird, ist gelegentlich schon das Nöthige be= merkt worden. Tausenderlei Gegenstände werben theils zum Lurus, theils zum Schutze oter sonstigem Vortheile mit Rin-ten edlerer Metalle gefahrlos, leidet unt wohlfeil überzogen werten, unt wenn auch durch dieses Verfahren tem Betruge neue, bisher noc nicht gekannte Thore geöffnet sind, so wirt ter Nutzen, ten tie Kunst uns bietet, doch jedenfalls weit ten Nachtheil überwiegen, mit tem tie Unredlichkeit ein-zelner uns allerdings bedroht.
- Galvanokaustik
- ober bie Benützung des Galvanismus als Aetzmittel. In der Beilage zur „Allgemeinen Zeitung" von 5. August 1841 (Nr. 217) liefert Herr Professor Dr. Dfann von Würzburg einen Aufsatz mit ter Ueberschrift: „Anwendung des hydro-elektrischen Stromes als Aetzmittel", worin er das hiebei zu beobachtende Verfahren beschreibt, und dasselbe, ba ihm frühere Versuche hierüber nicht bekannt waren, als eine neue That-sache darstellte. In ber Beilage zu Nr. 219 desselben Blat-tes (vom 7. August 1841) wurde aber nachgewiesen, daß tiefe Methode zu ätzen, — im Wesentlichen nur eine Um-kehrung des bisherigen galvanoplastischen Verfahrens, — kei-neswegs eine neue Entdeckung fei, vielmehr von Herrn Tho=
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- mas Spencer schon vor einem Jahre in Ausführung ge-bracht wurde, seitdem in England vielfache Anwendung fand, und auch in Deutschland durch „Dingler’s polytechnisches Journal" im 2. Aprilheft 1841 bekannt worden ist. In be-sagten Hefte wurde aus einem Briefe des Herrn Thomas Spencer an Herrn Dr. Mohr in Coblenz mit Bewilligung des Verfassers dessen Mittheilung über Aetzung durch Galva-nismus abgedruckt, der Apparat, dessen er sic hiebei bedient, verzeichnet, und zugleich einer Druckprobe von einer galvanisc geätzten Stahlplatte erwähnt, welche die außzerordentlichste Zartheit und Gleichmägzigkeit der Striche (einer sehr schönen Guilloche) zeigte. Wie schon gesagt ist die galvanische Aetz-ung eigentlich die umgekehrte Galvanoplastik; denn wie bei tiefer Kupfer auf eine Platte sich ansetzt, so ist der Zweck jener, Kupfer (oder anderes Metall) von ter Platte hinweg-zunehmen, vertiefte Stellen zu erhalten, und so entweder vertiefte Zeichnungen oder erhabene Formen zu bilden, intern man das Metall zwingt, an bestimmten Stellen ter Platte sich aufzulösen, während tie übrigen isolirten ‘Parthieen unan-gegriffen bleiben. Das Princip, nach welchem galvanisc tiefe Auflösungen vor sic gehen, ist das S. 36 beschriebene, wel-ches Jacobi schon bei feinen galvanoplastischen Arbeiten an-gewendet hat, um feine Kupferauflösung beständig (nahe) gesättigt zu erhalten; denn intern durch ten galvanischen Strom eine Salzlösung zersetzt wird, verbindet sic tie freiwerdende Säure mit dem dargebotenen positiven Metalle, und ätzt da-durch tiefe Platte. Werden nun gewisse Stellen gegen tie Wir-kung ter Säure durch irgent einen Ueberzug, (eine Tinte), ge= schützt, fo sind nur tie bloßgelegten ter Aetzung ausgesetzt, wo-durch tie Möglichkeit gegeben ist, sich ein beliebiges Bild er-haben ober vertieft darzustellen. Der Vortheil aber, ten tiefe Netzungsmethode vor ter gewöhnlichen hat, besteht darin, daß erstens ter Proceß allgemein in 1 — 2 Stunden vollendet ist, in manchen Fällen sogar nur einige Minuten erfordert, zwei-
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- tens die Oldtte und Tiefe der Linien jene beim gewöhnlichen Aletzen um Vieles übertreffen, und drittens die ganze Opera-tion vollkommner, als dort, in die Gewalt des Arbeiters gege-ben ist. Herr Spencer hat die ganze Reihe der gebräuchlich-sten Metalle durchprobirt, und sehr lohnende Resultate erhalten, besonders auch in Betreff des Stahls, wo es namentlich Be-dürfniß des Tages ist, eine unendliche Anzahl von Abdrüicken darstellen zu können. Er hat das Verfahren auf alle Arten von Gravirungen angewendet, und namentlich Ealicowalzen damit dargestellt, so wie die Platten, die zum Verzieren von Steingut verwendet werden. Die einzelnen Metalle erfordern je nach ihren chemischen Kräften eine verschiedene Behandlung; so muß man, wenn auf Platin und Gold geätzt werben soll, eine schwache Lösung eines Chlorides, und namentlich keine schwefel = ober salpetersaure Verbindung anwenden. Sollen bie Striche ausgezeichnet zart fein, fo wendet man eine neu-trale Lösung eines Salzes an, dessen Säure nur schwach auf das zu ätzende Metall wirft; fo würbe man bei Kupfer ein essigsaures Salz vorziehen. Stahl erforbert eine besondere Abänderung des Verfahrens, ba man sowohl auf Eisen als Carbon Wirken muß. Den Spencer’schen Apparat stellt nachstehende Zeichnung dar. B ist ein Kästchen, das in ber
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- ter Thon ic.) getrennt ist; in 2 hängt die präparirte Platte P, welche, wie beim gewöhnlichen Aetzen, mit Aetzgrund überzo-gen, und auf den zu ätzenden Stellen überall bloß gelegt ist, in einer schwachen Salzlösung; in 1 ist eine gleichgiftige Ku-pferplatte Q in einer Auflösung von Kupfervitriol; A ist ein Kupferbecher, mit verdünnter Säure, durch einen Leitungsdrath mit P verbunden, Z eine Binkstange, mit Q in leitende Ver-bindung gesetzt. Sobald die Kette geschlossen ist, präcipitict auf Q Kupfer, welches sich auf den bloßgelegten Stellen der präparirten Platte auflöst, und diese dadurch atzt. Da, wie Herr Dr. Mohr bemerkt, bei tiefem Verfahren feine Gasbil-dung statt findet, während beim Aetzen des Kupfers mit Sal-petersäure sich in ter Rinne immer Salpetergas entwickelt, ta ferner ter Grund ter chemischen Affinität in einem andern Gefäßze A im Zink liegt, und ter zu ätzenden Platte bloß zu-geführt, und sehr gleichmäßig über dieselbe vertheilt wirb, und ta man endlich tie Flüssigkeit, in welcher tie ätzende Platte sich befindet, ganz neutral ober sehr schwac sauer machen kann, indem sie nicht durch ihre inwohnende chemische Kraft, son-deru durch eine von Auszen zugeleitete thätig wirb, so erklärt es sich, warum die auf biefe Art geätzten Linien, unter dem Mikroskope betrachtet, eine vollkommene Furche darstellen, und bis zu einer bedeutenden Tiefe geführt werten können, ohne auszulaufen ober zu unterfressen; während bei dem äl-tern Verfahren tie geätzten Linien unter dem Mikroskope eine fortlaufende Reihe von Grübchen und Vertiefungen darstellen, und bei einiger Tiefe sehr in tie Breite zunehmen, wodurch tie Platten häufig verdorben, und tie Linien unterfressen wer-den. Hiezu gefeilt sic noch der Vortheil, daß man durch eine genaue Negulirung ter Entfernung und des Winkels, in welchem bie gegenüberstehende Platte bargeboten wirb, tie Tiefe her Tinte beliebig treffen, ja sie fogar örtlich verändern fann, wie 5. B. bei einer Landschaft, wo der Vordergrund dunkler erscheinen soll, als ber Hintergrund; eben fo kann man, wenn
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- die größte Stärke, wie bei einer Rosette, Etikette, oder einem Stern, in der Mitte erscheinen, und nach den Rändern nach= lassen soll, durch örtliche Annäherung und Gestalt der entge-genstehenden Platte die sicherste Wirkung hervorbringen. Herr Professor Dsann gibt in feinem Berichte in der allgemeinen Zeitung als zum Schreiben und Zeichnen auf blanke Metall-platten sehr geeignet eine Tinte an, welche durch Busammen-reiben von Kienruß, venezianischem Terpentin und Terpentinöl erhalten wird. Sein Apparat weicht von dem des Herrn Spencer in fo ferne etwas ab, als er die Wirkungszelle nicht durch eine poröse Wand trennt, und sich dreier Metallplatten bedient, von denen er die geätzte genau in die Mitte hängt, und dann diese durch Verbindung mit dem Electromotor zur positiven Elektrode, die beiden andern Platten zu negativen Elektroden macht. Die geätzten Platten werden durch Wein-geist von der anhängenden Tinte gereinigt. Herr Professor
- sann verfertigt auf diese Art Münzen mit erhabener Schrift und Zeichnung, nicht erhabene Zeichnungen, indem die bedeck-ten Stellen blank bleiben, die übrigen nur fo schwach geätzt werden, daß sie ein mattes Moiree bilden; und endlich solche erhabene Zeichnungen, die wie Holzschnitte zum Abdrucke be-nutzt werden, auch läßt sich begreifllic nach Art der Kupfer-stecher nach dieser Methode ätzen.
- In einer eigenen (bei Voigt und Mocker in Würzburg 1842 erschienenen) Broschüre: „die Anwendung des hydro-elektrischen Stromes als Aetzmittel" setzt Herr Professor Dsann nach einer ausführlichen Abhandlung über ein von ihm nen construirtes, sehr zweckmäsziges Jod = Galvanometer fein Verfahren bei der galvanischen Aetzung der Platten aus-einander. Als Elektromotor biente ihm ein Kasten aus Ku-pferblec von 14" Höhe, 11" Breite und 2" Deffnung, in welchen eine gegossene Binkplatte frei schwebend eingehängt wurde. Diese Platte war 8,75" breit, 10,5" hoch, und 1* dick; nach oben war sie verlängert und hatte in der Verläng-
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- erung eine Deffnung, durch welche ein Holz gesteckt werden konnte. -Hierdurch konnte sie schwebend in den Kupferkasten gehängt werden. Als erregende Flüssigkeit diente mit 5 Pr. Schwefelsäure ungesäuertes Wasser. Sowohl an dem Zink wie am Kupfer sind Kupferdräthe angelöthet, an welche Näpf-chen von Kupfer geschoben und angeschraubt werden. In diese kommt D.necksilber, und hierin enden die Leitungsdräthe, welche zu den Platten geführt werden.
- Um nun Münzen mit erhabener Schrift und Zeichnung anzufertigen, verfährt Dr. Dsann in folgender Art: Auf den beiden Seiten einer runden blanken Metall-scheibe trägt er mit der oben angegebenen Tinte Schrift und Zeichnung auf, fügt sodann diese Scheibe in einen Reif des-selben oder auch eines andern Metalles, (da die secundäre, durch den Contact entstehende Wirkung vernachläßszigt werden kann), und befestigte sie mittels einer Verlängerung des Reifes an eine kleine Latte rechtwinkelig gegen die Are derselben. So vorbereitet hängt er die Platte in ein cylindrisches Glas, und zu jeder Seite derselben eine auf gleiche Weise an eine Latte mit Metallstreifen ober Drath befestigte Metallscheibe von gleu cher Grösze mit der ersten, und zwar so, daß diese genau in die Mitte zwischen die beiben andern kommt. Bestehen bie Platten aus Kupfer, so füllt er nun das Glas mit einer Auflösung von Kupfervitriol, und macht bie mittlere Platte durch Verbindung mit einem Elektromotor (stets mit bem fu-pfernen Kasten) zur positiven, bie beiben anbern zu negati-tiven Elektroden. Die Platten muffen sich vollkommen paral-lel unb fo einanber gegenüberstehen, daß sie zusammengeschoben sich decken würden. Von ber Stärke des Elektromotors unb ber größern ober mindern Erhabenheit ber Beichnnng hängt bie Zeit ab, während welcher bie Platten ber galvanischen Strömung ausgesetzt werden. Um auch ben Rand zu ätzen, Übersicht Professor Dann bie beiben Seiten ber Scheibe mit in Weingeist aufgelöstem Schellack, wobei er zugleich einen
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- Drath, der an seinen einen Ende etwas breit geschlagen ist, so an eine Seite befestigt, daß metallische Berührung mit der Scheibe statt sindet. Nachdem die Zeichnung auf den Rand aufgetragen, legt er die Scheibe horizontal in die Kupferauf-lösung, befestigt um dieselbe einen Reif von Kupferblech, so daß die Scheibe in einigem Abstande in der Mitte desselben sich befindet, und macht nun durch Verbindung mit dem Elek-tromotor die Scheibe zur positiven, den Reif zur negativen Elektrode.
- Um nicht erhabene Beichnun gen auf Platten zu erhalten, trägt man mit der angegebenen Tinte ober auch mit ber ber Lithographen bie Zeichnung etwa auf eine möglichst blank polirte Kupferplatte auf, bringt biefe sodann in eine Auflösung von salpetersaurem Kupferoryd, und setzt sie, aber nur ganz kurze Zeit, auf beschriebene Art ber gal-vanischen Wirkung aus. Buers mit Wasser und bann mit Weingeist abgewaschen zeigt sie nun alle vorder mit Tinte be-deckten Stellen blaut, hingegen bilden bie übrigen ein mattes Moiree. Herr Professor Dsann bemerkt ausdrücklich, daß dieses matte Moiree am besten mit salpetersaurem Ku-pferoryd erhalten wird, was auch mir mehrere Versuche be-stätigten, und daß man sich dieses Verfahrens eben fo wohl auch auf andere Metalle, wie Silber und Gold, bei Anwendung von diesen Metallen entsprechenden Flüssigkeiten bedienen könne.
- Beichnungen auf blaute Metallflächen geätzt, von welchen Abdrücke, wie von in Kupferstichma-nier geätzten Platten genommen werben können, werben erhalten, wenn man völlig blant polirte Kupferplatten mit ber angegebenen Schwärze ober auch mit dem Wachs ber Kupferstecher überzieht, den Ueberjug trocknen läßt, und bann mit einer Metallspitze bie Beichnung fo aufträgt, daß bie Me-tallfläche zum Vorschein kommt. Sodann wirb biefe Platte in einer Auflösung von schwefelsaurem Kupferoryd einer andern gleichgroszen gegenübergehängt, mit bem Kupferkasten des Elef-
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- tromotors verbunden, während die zweite Platte mit dem Zink in Verbindung gebracht wird, und nach entsprechender Zeit herausgenommen und mit Weingeist gereinigt, wodurch alle vorher gezeichneten Stellen mit den schärfsten Umrissen zum Vorschein kommen.
- Den Zeichnungen in erhabener Manier geätzt, um wie in Holz geschnitten zum Abdruck benutzt zu werden, hat Herr Professor Dann die größte Aufinert-samkeit zugewendet. Man bedient sich zu diesem Zwecke der wohlfeilern und schneller zu bearbeitenden Zinnplatten, bringt diese, nachdem sie auf einem Polirstock vollkommen eben geschlagen wurden, in eine Auflösung von Binkchlorur (salzsau-rem Binn, Binnsalz), worin sie so lange verweilen, bis man die Flüssigkeit zum Aufkochen gebracht hat. Nach dem Erkal-ten werben bie Platten mit Wasser abgewaschen, und nun trägt man auf sie bie Zeichnung auf mit der angegebenen Schwärze oder mit Tinte ber Lithographen, bie sie in diesem Zustande sehr leicht annehmen. Ist bie Zeichnung getrocknet, fo wirb bie Platte mit einem Kupferreif umgeben, und auf oben erwähnte Art an eine Satte in das Glas gehängt; in einer Entfernung von 1/2 Zoll ihr gegenüber hängt man auf gleiche Weise eine zweite gleich große, (nicht nothwendig polirte) Zinkplatte, und füllt das Glas mit einer Auflösung von Binnchloriir.
- Sobald man nun bie Platten mit bem Elektromotor ver-bunden hat, — bie gezeichnete mit bem kupfernen Kasten, bie anbere mit ber Binkplatte, — sieht man an ber nichtgezeich= neten Platte Dendriten von metallischem Sinn sich ansetzen, und an ber gezeichneten eine Flüssigkeit herabsinken, bie speci-fisch schwerer ist, als bie sie umgebende. Diese Dendriten müs-sen mit einen Stäbchen abgeftreift werben, damit sie nicht zur gezeichneten Platte herüber wachsen, und eine unmittelbar leitende metallische Verbindung bewirken. Die von jetzt an zu befolgende Behandlung ber Platte richtet sich zum Theil nach ber Grösze des Elektromotors und ber Platten. Herr
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- Professor Osann, der in dem Versuche, den er beschreibt, mit feinem oben angegebenen Elektromotor, und mit Platten von 2,3" p. Durchmesser operirte, nahm die Platte nac 4 — 5 Minuten aus der Flüssigkeit, reinigte sie im Wasser vermittelst der Fahne einer Feder von der grauen Substanz, womit sic die Platten in der Kette bedecken, und überzog mit einer Auflösung von zwei Theilen Schellack, und einem Theile Siegellack in Weingeist, alle Linien der Zeichnung mit-telst eines sehr feinen Pinsels. Nachdent der Meberzug getrock-net war, brachte er die Platte wie vorher wieher 4 — 5 Minuten in hen Strom, reinigte sie fohann, und wiederholte überhaupt hie erste Operation 3 — 4 mal; alsdann nahm er von her zuvor mit Weingeist abgewaschenen Platte einen Pro-bedruck, unb fand, daß hie Stellen, welche noch nicht tief genug geätzt sind, schwarz erscheinen. In diesem Falle über-streicht er hie ganze Platte, mit Ausnahme her noch sich schwarz abdrückenden Stellen, mit her angegebenen Auflösung, setzt hie Platte aufs Neue hem galvanischen Strome aus, unb wiederholt bie Operation fo oft, bis alle Stellen sic gehörig abdrücken. Er hat feiner Abhandlung zwei recht niedliche Ab= bildungen zugefügt, welche von fo geätzten Platten genommen wurden.
- Es lassen sich auf biefe Art auch sehr leicht Zeichnungen ätzen, bie im Bild auf schwarzem (ober farbigem j. B. hellgrünem, hellrothem) Grunde weiß erscheinen sollen. Man hat nämlich nur bie Platte mit Schwärze zu überziehen, bie Zeichnung mit einer feinen Nadel aufzutragen, und bie Platte alsdann drei bis vier Minuten in hen Strom zu bringen. Mit Weingeist abgewaschen zeigt sie nun das Bild sehr scharf geätzt. Besonders freundlich stellt sich ein solches Bild bar, wenn man auf der Oberfläche einer Binnplatte, nachdem man biefe mit lithographischer Schwärze überzogen hat, ver-mittels der Theilmaschine dicht neben einander parallele Linien zieht, und nun mit her Nadel bie Zeichnung aufträgt.
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- Die Zeit der Aetzung einer solchen Platte richtet sic nach der Weite der Striche, und kann nur durch Versuche be= stimmt werden, was am besten geschieht, wenn man nach An-gabe des Herrn Dr. Osann, auf eine Platte Muster von neben einander gezogenen Linien non verschiedener Entfernung aufträgt, diese eine gewisse Zeit dem Strome anssetzt, und beim Abdrucke untersucht, welches Muster in der verwendeten Zeit sic am besten ausnimmt.
- Um Eintönigkeit bei der Zeichnung zu vermeiden, kann man nach Art der Kupferstecher dreierlei Linien anwenden, welche sic durch ihre Breite unterscheiden: die breitesten sind bestinumt, den Vordergrund darzustellen, die schmälsten den Hintergrund, und die mittleren bilden Gegenstände, welche in mittlerer Entfernung sic befinden. Die Zeit der Aetzung solcher Zeichnungen hängt bei derselben Construction des Ap= parats von dem Abstande der aufgetragenen Linien ab. Be-trägt derselbe nicht mehr, als ein halbes Millimeter, so reicht bei dem Dsann’schen Elektromotor, und der Größe der dabei angewendeten Platten eine Aetzung von 10 —12 Minuten vollkommen hin, die Stellen so zu vertiefen, daß ihr Boden von einer gewöhnlichen Druckerwalze nicht mehr erreicht wird, und eine solche Platte ist also schon nach ein= maliger Aetzung zum Drucke völlig zubereitet. Diese Me-thode zu ätzen, welche fo viele Vortheile vor der ältern ge-währt, wird bei allgemeiner Einführung in den Kunststätten durch die Geschicklichkeit der Techniker in hohem Grade ver-vollkommnet, und eben dadurch von der größten Bedeutung werben für Wissenschaft, Kunst und Leben. — Noch habe ic anzuführen, daß ber Name G alvanofaustif, womit ic biefen Abschnitt überschrieben habe, von Herrn Hofrath Osann vorgeschlagen worden ist.
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- Nachträglic glaube ic mir noc einige Bemerkungen er-lauben zu dürfen, welche, obgleic sie nicht alle im wesent-lichen Busammenhange mit dem Inhalte dieser Schrift stehen, dennoch ihren Platz hier finden mögen, da sie in anderer Be-ziehung nicht ohne Interesse seyn dürften.
- 1) Seite 6 habe ich, der jetzt herrschenden Ansicht huldi-gend, Faraday als den alleinigen Begründer der Theorie von der chemischen Polarisation, (erzeugt durch die chemische Affinität,) im Gegensatze zu der frühern von der elektrischen Erregung bezeichnet; indessen findet man dieselbe Ansicht, wenn auch mit anbern Worten, schon in ben frühern Werken des Herrn Hofrath Kastner ausgesprochen. In feinen Grundzügen ber Erperimen-talphysit (Heidelberg 1809) Bd. I, G.421 wird das Seiten als ein fortgesetztes Erregen des Einen E durch das anbere bezeichnet *), in dessen Grund-
- *) Auszerdem findet man am angeführten Orte die schätzbare Bemerkung, daß die Metalle nicht nur die besten Eleftrici-täts - und Wärmeleiter, sondern auch, was auf den gan-zen Leitungshergang von einer anbern Seite her Licht wirft, bie vorzüglicheren Schallleiter sind, und daß das Leitungsvermögen ber Körper sic ver-kehrt verhält, wie ihre Schmelzbarkeit durch ben elektrischen Funken. Zugleich ist daselbst ange-geben, (wie auch in Kastner’s Grundriß ber Chemie, Heidelberg 1807) daß das Mittheilen ber Eleftricität an
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- zügen der Physik und Chemie (zweite Auflage) Bd. II, S. 26 der Wasserzersetzungshergang, und somit alle sogenannten galvanische Zersetzungen erklärt als beru-hend auf fortgesetztem Polarisiren des Was sers. Wörtlich heiszt es daselbst: Alle Leiter der zwei-ten Elasse sind Wasser haltig; dieses Wasser wird im Kreise der Kette zur Polarisirung bestimmt 2c.; und S. 27: Der Erfahrung gemäß zeigt alles (tropfbare) Wasser bei allen Temperaturen eine Fähigkeit zu einer solchen Polarisirung, die sic realisirend stets von elektrischer Vertheilung und Indifferenzirung begleitet ist.
- 2) Als Erläuterung des S. 37 Gesagten will ich noch bei-fügen, daß Lagrave, und später Biot und Suvier, wie auch Ritter, Horkel und Andere fanden, daß in einer aus Kupfer, Zink und feuchten Leitern gebaus ten Volta’schen Batterie sich an den Berührungsflächen der Kupfer- und Binfplatten oberflächlich Messing gebildet hatte. Ic habe oft Gelegenheit gehabt, bei meinen galvanoplastischen Versuchen zu bemerken, daß das präcipitirte Kupfer an einzelnen Stellen der Oberflächen, namentlich an der dem Zink zugewendeten Seite, einen sehr schwachen Messingüberzug hatte, der sic deutlich durch die Farbe zu erkennen gab.
- 3) Daß Kupfer aus sauren Auflösungen durch Zink gefällt zinkhaltig zu sogenanntem Mannheimer Gold nie-dergeschlagen werbe, zeigte zuerst C. T. Buchola; (Gehlen’s Journal für Chemie u. Physik VII, S. 736)
- den Leiter, Dersted zufolge (Gehlen’s Neues, allge-meines Journal ber Chemie VI, S. 292) undulatorisc vor sic gehe. — lieber die Polarifirung ber einzel-nett Glieder ber galvanischen Kette, vergleiche auch: Kast-ner’s Grundzüge ber Physik und Chemie (2te Auflage) Bd, II, G. 358. —
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- er sah es stets zinkhaltig sic ausscheiden, wenn die Flüssigkeit neutral oder zu sehr verdünnt worden war. Reines Kupfer scheidet sic nur aus sauren oder aus sehr concentrirten Auflösungen, weshalb Herr Hofrath Kastner verschiedentlich bemerkte, daß, um Metalle chemisc rein und unlegirt mit dem fäl-lenden Metalle niederzuschlagen, man die Auflösung mit dem Auflösungsmittel stets übersetzt erhalten mütsse, (also nie zugeben darf, daß saure Auflösungen neutral wer-den, sondern durch Nachtragen von Säuren sie immer sauer machen muß.)
- 4) Nach einer Mittheilung in Noggendorf’s Annalen (Jahrgang 1840, Nr.1, S. 182) will der Franzose Capitaine durch nachstehendes Verfahren reines Cie sen auf galvanischem Wege dargestellt haben. Er brachte eine möglichst neutrale Auflösung von Eisenchlorür zum Sieden, und taufte alsdann reinen Zink hinein, der bald brüchig und magnetisch wurde, sich unter Entwickel-ung von Wasserstoffgas ganz auföste, wobei sich ein zerreibliches Stück reines Eisen bildete. — Löthet man Binf und Kupfer zusammen, und taucht dieses Element in die Eisenchlorürlösung, so schlägt sich, wenn auch lang-samer, das Eisen auf dem Kupfer nieder. (Kunst = und Gewerbeblatt des polytechnischen Vereins für das Kö= nigreic Bayern, 18. Bd. S. 300.)
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- 2 n h a n g.
- Elektricität, Galvanismus. In allen Körpern unserer Erde sind wir im Stande, unter verschiedenen Bedingungen durch ihre ganze Masse einen eigenen Zustand, ober nach einer andern Ansicht, einen eigenthümlichen Stoff zu entwickeln, ben man Elek tricität, elektrische Materie ober Elektro-genium nennt. Die Benennung kommt von bem griechischen Namen des Bernsteins: Elektron, her, an bem man schon sehr frühe bie Erscheinungen kennen lernte, die wir zu ben elektrischen zählen. Wenn man 3. B. diesen Bernstein, ober Glas, Porzellan, Harz, Schwefel, Siegellack u. s. w. mit der Hand, ober mit wollenen und [eibenen Beuchen 2c. reibt, so ziehen sie leichte Körperchen, 3. B. Papierschnitzel, Bärlapp-saamen (Lykopodium) Sand u. dgl. an, und stoßen sie nach einiger Seit wieder ab, welches Spiel eine kurze Weile fort-bauert. Eben dieser Zustand ter Körper, ber sie zu solchen Kraftäuszerungen befähigt, ist nun das, was man Elektricität nennt, unb bie Körper, bie sic in diesem Zustande befinden, nennt man elektrisch. Da, wie schon augebeutet, viele Naz turforscher ber Ansicht waren, unb zum Theil noch sind, daß bie veranlassende Ursache zu solchen Erscheinungen ein eigener Stoff [ei, ber sic in ben Körpern befinde, unb unter gewissen Bedingungen sic in unb um dieselbe bewege, [0 nannte man diesen hypothetischen Stoff elektrische Materie, Elektro:
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- genium, oder auch, da man sic denselben nicht anders, als flüssig denken kann, elektrisches Fluidum.
- Es lassen sic nun unter gewissen Umständen zwar in al-len Körpern die elektrischen Verhältnisse erregen, doc scheinen nicht alle gleich durchdringlich für die Elektricität zu fein, intern dieselbe bei einigen Körpern, sobald sie nur erregt ist, sic gleichförmig durch die ganze Masse verbreitet, und gerate tiefe Stoffe auch fähig sind, tie in andern Körpern erregte Eleftri-cität in sich aufzunehmen, und durch ihre ganze Masse zu lei-ten, tu so ferne sie tiefen nahe kommen oder sie berühren. Andere Körper hingegen zeigen nur tie Elektricität an ter Stelle, auf welcher sie unmittelbar erregt wurde, nehmen die-selbe von fremden Körpern nur langsam auf, und leiten sie nur so duszerst langsam fort, daß man früher glaubte, es finde in ihnen gar feine Leitung statt. Die Körper ter ersten Art, zu denen vorzüglich tie Metalle gehören, tie Kohle, tie thierischen Körper, feuchte Gegenstände, Wasser, Salze auflöfungen 2. nennt man daher Leiter der Elektricität, Eleftricitätsleiter; tie ter zweiten, unter tie besonders dars. Wachs, Pec, Schwefel, Stearin, Thon, Gy p 8.2c. Zu rechnen sind, heißzen Nichtleiter der Elektrici-tät. Eben weil tie Nichtleiter tie Elektricität nur fo außer-ordentlich langsam von ten Leitern aufnehmen, kann man die-selbe in einem Leiter gewissermaßzen festhalten, wenn man ihn mit einem Nichtleiter umgibt; thut man dieß, fo sagt man: her Leiter ist isolirt, und ten Nichtleiter nennt man in tiefem Falle ten Isolator. Will man dagegen tie Elektricität, tie in einem Körper erregt worden ist, absichtlich in einen andern Körper überführen, ohne daß jedoch tie beiten Körper sich berühren, fo verbindet man tiefelben durch einen Leiter, ge= wöhnlic durch einen Metalldrath ober Metallstreifen, her als-bann Leitungsdrath, Leitungsstreifen, ober auch tie leitende Verbindung heiszt.
- Bei ber Electricität zweier Körper zeigt sich jedoch Ver-
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- schiedenheit. Wenn nämlich von zwei Körpern jeder für sich elektrisirt ist, so zernichten sic bisweilen bei ihrer Annäherung ihre Elektricitäten, ziehen sic einander an, ober stogzen sic ab. Werden z. B. zwei an Seidenfäden hängende Kortfügel-chen, wovon das eine an einer mit Amalgama (b. i. ein Ge-misch von gleichen Theilen Zinn, Zink und zwei Theilen Dueck-silber), geriebenen Glasröhre, das anberc an einer mit Wolle ober Pelzwerk geriebenen Siegellackstange elektrisirt warb, sich genähert, so ziehen sie sich einander an, und nac der Berührung ist ihre Elektricität aufgehoben, b. h. sie sind nicht mehr elektrisch; wurden hingegen beide an ber Glasröhre, ober an ber Siegellackstange elektrisirt, so stoßen sie sich einander ab.
- Weil man diese Verschiedenheit zuerst an solchen Kör-pern entdeckte, welche man an Glas ober Harz elektrisirt hatte, so hat man Glas= und Harzeleftricität unter-schieden, lebrigens läßzt sich jede Art dieser Elektricitäten, unter verschiedenen Umständen, an einem und demselben Kör-per erregen. Glas z. B. mit Leder ober Amalgama gerie-ben, gibt die erste Art, mit Katzenfell hingegen, bie zweite Art von Elektricität. Mattgeschliffenes Glas gibt auch bie gweite Art, glattgeschliffenes aber bie erste. Gedörrtes Hol3 mit Wollenzeuc gibt bie erste, mit Seidenzeuc gerieben bie gweite Art von Elektricität. Franklin, ein amerikanischer Physiker, nannte bie Glas eleftricität positive, und be= zeichnete sie mit + E, weil er sie für einen teberfluß an Elektricität hielt; bie Harzelektricität nannte er nega-tive, und bezeichnete sie mit — E, weil er sie für einen Mangel an Elektricität (elektrischer Materie) ansah. Beide Elektricitäten verhalten sic wie entgegengesetzte Gröszen, und es gilt das allgemeine Gesetz., daß sic zwei positiv, ober gwei negativ eleftrisirte Körper einander abstoßen, ein pofitiv und ein negativ eleftrisir-ter Körper aber sich einander anziehen, wenn sie sic nahe gebracht werben.
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- Die Reibung ist indessen nicht die einzige Duelle der Elektricität, sie wird vielmehr auch erzeugt, wenn sic zwei verschiedenartige Körper, besonders Metalle, bloß berühren. Aloysius Galvani, Professor zu Bologna, bemerkte im Jahre 1791 bei der Bergliederung eines Frosches mit zwei Instrumenten von verschiedenen Metallen, die einen Muskel, und einen dazu gehörigen Nerven mit den Einen Enden, sic selbst aber mit den andern Enden berührten, daß dadurch am Froschpräparate Zuckungen entstanden, und schrieb diese Wir-kung einer Art thierischer Elektricität zu. Man fand aber späterhin, daß wirkliche Elektricität es ist, welche diese Erschei-nungen verursacht, und nannte die durch bloße Berührung erregte Eleftricifät, die allerdings am genauesten durch den Namen Berührungs =Elektricität bezeichnet wird, Me= tallreiz. Galvanische Elektricität oder Galvanismus.
- Bei der Berührungs = Elektricität nennt man die feilen Leiter Leiter der ersten Elafse, die flüssigen Leiter Lei-ter der zweiten Elasse. Verbindet man zwei Leiter der ersten Elasse, am besten: Zink und Silber, Zink und Gold, Bint und Kupfer, mit einem der zweiten als Zwischenkörper, fo hat man eine einfache galvanische Kette; also, wenn man z. V. in ein Trinkglas einen Zink: und einen Kupfer-streifen stellt, und Wasser hineingießzt; weit besser jedoch ist anstatt des reinen Wassers eine Auflösung von Salmiak, oder Kochsalz im Wasser, oder sehr verdünnte Salzsäure, Schwe-felsäure 2c. Verbindet man diese beiden Leiter mit einander durch einen feilen Leiter, ober auch dadurch, daß man sie mit-einander in unmittelbare Berührung bringt, fo heißt die einfache galvanische Kette geschlossen.
- Die Wirkung des Galvanismus wird bedeutend verstärkt, wenn man mehrere einfache galvanische Letten mit einander verbindet. Profesfor Volta in Como baute zuerst eine Säule auf, indem er auf eine Glasplatte (einen Isolator) eine Silber-ober Kupferplatte legte, etwa von ber Größe eines Thalers,
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- auf diese eine eben so große Zinkplatte, und dann eine etwas fleis nere mit Salzwasser, oder Salmiakauflösung, oder sehr verdünnter Säure angefeuchtete Scheibe von Hutfilz, Pappe oder wolle-nem Tuche, sodann wieder Silber oder Kupfer und Binf, dann die angefeuchtete Scheibe, und so fort in mehreren Lagen übereinander, so daß zu oberst eine Zinkplatte zu liegen fam), und zeigte nun die große Wirksamkeit dieser so mit einander verbundenen, ursprünglich einfachen, galvanischen Ketten. Man nennt diese Vorrichtung nach ihrem Erfinder Volta’sche Säule, Volta’sche Batterie. Zur bessern Leitung der in ihr erzeugten Elektricität bringt man an der untersten Kupfer-und der obersten Zinkplatte, die zu diesem Zwecke gewöhnlich mit Desen versehen sind, Metalldräthe (Kupferdrath) an, die sogenannten Leitungsdräthe, nennt das obere Ende der Säule den Zinkpol, das untere den Kupferpol, und da erste-rcr stets +E zeigt, führt er auch den Namen positiver Pol, letzterer hingegen, da er stets — E zu erkennen gibt, heißzt daher auch negativer Pol.
- Anstatt der nassen Filz-, Tuch = ober Pappscheiben läßt sich nun auch die bloße Flüssigkeit anwenden, die man in Gefäsze gießt, in welche man die Platten stellt, und durch Dräthe mit einander so verbindet, wie Seite 68 angegeben wurde. Auf diese Art sind die sogenannten Irogappa= rate, Kapsel- und Becherapparate eingerichtet, zu welcher letztern Art eigentlich die Mullin’sche oder Da-niell’sche Batterie gehört. Man sieht leicht ein, daß das Gefäß, welches die Flüssigkeit enthält, aus einem der beiden
- *) Man Fann indessen beim Aufeinanderlegen auch mit Zink anfangen, bann Kupfer, bann ben feuchten Leiter, bann wieder Zink, Kupfer 2c., nur muß man alsdann mit Ku-pfer enden; die äuszerste Kupferplatte bleibt immer ber ne-gative, bie äuszerste Zinkplatte immer ber positive Pol. —
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- angewendeten Metalle selbst gefertigt fein kann, wie in dem Dsanu’schen Elektromotor, d i. Eleftricitätserre= ger. Seite 85.
- Galvanometer heißen die Vorrichtungen, vermittelst de-ren sic die Stärke der galvanischen Wirkung (galvanischen Strömung) bemessen läßt.
- Boussole ober Kompaß ist eine stählerne, magnetisirte Nadel, Magnetnadel, die in dem Mittelpunkte ihrer Schwere unterstützt auf einem scharfen Stifte frei über einer horizonta= len Fläche, auf welcher ein Kreis in 360 Grade getheilt ist, so schwebt, baß bie Spitzen ober Pole ber Nadel sich über diesem Kreise bewegen tönnen. Die Eine Spitze einer solchen Nadel zeigt in unserer Gegend, wenn nicht anbere Potenzen barauf Einwirkeu, fast genau nach Norden, bie anbere also fast genau nach Süden; wirten aber anbere, wie 3. B. elef-trische Verhältnisse barauf ein, fo weicht bie Nadel von ihrer gewöhnlichen Richtung ab, unb bie Anzahl ber Grade, um welche sie abweicht, zeigt ben Stärkegrad des Einflusses an, ber bie Abweichung bewirft hat. Läßt man ben Verbindungs-drath einer galvanischen Kette über ober unter einer solchen frei schwebenden ober aufgehängten Magnetnadel sich hinziehen, fo weidjt in bem Augenblicke, wo bie Kette geschlossen wird, bie Magnetnadel aus ber Richtung, welche ihre ruhige Lage anzeigt, augenblicklic ab, kehrt aber sogleich wieder in ihre frühere Richtung zurück, wenn bie Kette geöffnet wirb. Die Abweichung ber Nadel ist etwas verschieden, je nachdem ber Verbindungsdrath ber Kette über ober unter ber Nadel aus-gespannt wirb, unb je nachdem entweder bie Zink = ober bie Kupferplatte über ober unter ber Magnetnadel bem Nordende derselben zunächst liegt.
- Die Jacobi’sc Boussole, auf welche Seite 13 hingeden-tet ist, besteht aus einem zum Horizontalstellen mit drei Stell-schrauben versehenen, kreisförmigen Brettchen von hartem unb trocknen Holze, in dessen Mitte eine feine Stahlspitze ange-
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- bracht ist, auf welcher die in der Mitte mit einem Hütchen versehene Magnetnabel frei schwebend aufgehangen ist. Unter tiefem Brettchen wird genau in der Mitte ein 11/2 — 2 Linien tiefer Drath befestigt, dessen Enden zwei Gefäßze tragen, welche mit Quecksilber (ebenfalls einem guten Leiter) theilweise ange-füllt sind. Taucht man nun tie Dräthe, welche von ten Platten ausgehen, in tiefe Duecksilbergefäßze, so bleibt tie Kette geschlossen, und tie Nadel wird mehr oder weniger aus ihrer ruhigen Lage abweichen, je nachdem tie Wirkung ter Kette mehr oder minder stark ist. Da nun tie Oberfläche des Brettchens mit einem in Graden eingetheilten Kreise von Metall, Papier, oder den Holze selbst versehen ist, und ter Nullpunkt genau über ten Enden des Drathes ter Boussole liegt, fo kann tie Stärke ter galvanischen Wirkung bemessen werden nach her Anzahl her Grade, um welche tie Nadel nach einigem Schwanken vom Nullpunkte abweicht. — Will man von tiefer Boussole bei galvanoplastischen Arbeiten Gebranc machen, fo müssen tie Leitungsdräthe im Apparate eingerichtet fein, wie Seite 42 angegeben ist.
- Der Multiplicator, dessen Seite 13 Erwähnung geschah, besteht ebenfalls aus einer Magnetnadel, deren Abweichung in Graden zu bemessen ist, tie aber frei schwebt zwischen einer Schleife von isolirtem (gewöhnlich mit Seidenfäden umsponne-nem) Drathe. Bringt man nun tie Dräthe galvanischer Letten an tie Enden tiefer Drathschleife, fo wirb tie Wirkung, welche eine solche Kette ohne ben Multiplicator auf tie Nadel aus-übte, vermittelst desselben fo oftmal verstärkt, als tie länge ber Drathschleife ein Vielfaches ist von ber Länge ber Nadel. Man ist also durch tiefe Vorrichtung in ben Stand gesetzt, auch äuszers schwache galvanische Wirkungen erkennen und be-messen zu können.
- Atome sind tie kleinsten, nicht ferner theilbaren Theilchen ber Körper, aus welchen bie Materie wahrscheinlich zusammen-gesetzt ist; Molecule sind Gruppen von Atomen, (Ampere)
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- aber diese Begriffe können jedoch nur als sehr schwankende Hypothesen betrautet werden.
- Eine chemische Verbindung entsteht, wenn sic zwei oder mehr Körper so vereinigen, daß jeder derselben feine eix genen Charaktermerkmale verliert, und sie zusammen Einen neuen Körper bilden, wie 3. B. Kupfer und Vitriolöl (Schwefelsäure) den blauen Vitriol; eine chemische Zer-setzung oder Zerlegung hingegen ist die Trennung tiefer che-mischen Verbindungen in ihre einzelnen Bestandtheile.
- Säuren (nämlich Mineralsäuren, welche zunächst hier in Betracht kommen), sind Verbindungen einfacher d. i. nicht weiter zerlegbarer Körper (Grundstoffe, Ele-mente), mit Sauerstoff oder Wasserstoff, tie sauer schmez den, blaue Pflanzenfarben, besonders Lackmus, roth färben, und als Hauptkennzeichen tie Eigenschaft besitzen, sich mit andern, nicht fanren Verbindungen des Sauerstoffs (der so* genannten Lebensluft) zu Salzen zu vereinigen. Die Sau-erstoffverbindungen heißzen im Allgemeinen Dryde; haben tiefe Oryde tie vorerwähnten Eigenschaftren, fo nennt man sie Säuren; sind sie aber fo geartet, daß sie sich mit Säuren Zu Salzen vereinigen können, fo heißzen sie Basen oder Salz-basen. Salze sind sonach tie neuen Körper, tie entstehen, wenn sic Säuren mit den Basen chemisch verbinden; ein Falz heißzt basisch, wenn die Basis, (das Dryd), sauer, wenn tie Säure barin vorherrscht, dagegen neutral, wenn sich Säure und Basis gegenfeitig vollkommen erschöpfen, und also weder Säure noch Base verwalten. Die nicht fanren Oryde werten je nac ter Menge des Sauerstoffs, mit tem sie, aber immer in ganz bestimmten Verhältnissen, verbunden sind, un-terschieden, und von ter niedrigsten Stufe ter Sauerstoffver-bindung an, bis zur höchsten genannt Suborydul und Sub-opyd (noch nicht basisch), Drydul unt Dryd, (basisch) Superorydul und Superoxyd (nicht mehr bassch).
- Die meinen Salze bilden Krystalle, das sind ursprünglich
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- wesentlic mathematisc regelmäßige Körper, deren Sititenbe-schaffenheit in der Regel gleichfalls mehr oder minder deutlich mathematisc regelmäßig ist. Krystallisiren ist daher nichts anders, alS das Entstehen und Vergröszern solcher Körper aus Flüssigkeiten.
- Körper lösen sich auf, bilden also eine Auflösung, Solution, wenn sie sich mit einer (tropfbaren) Flüssigkeit fo verbinden, daß sie selbst in tiefer Verbindung flüssig werden, wie z. B. Kochsalz mit Wasser. Zuweilen unterscheidet man Losung und Auflösung; dann deutet die letztere Benennung an, Faß ter feste Körper, um aufgelöst zu werden, in feiner Busammensetzung verändert werden muß, wie, wenn man z. B. Eisen in Schwefelsäure auföst, wodurch sich grü-ner Vitriol bittet, also eine Verbindung von Eisen unt Schwe-felsäure entsteht, während her feste Körper nur Eisen war— Eine Lösung oder Auflösung ist gesättigt, wenn tie Flüssigkeit von dem festen Körper durchaus nichts mehr aufnehmen kann, unt tiefer also unaufgelöst in jener liegen bleibt. Man con-centrirt eine noch nicht gefättigte Auflösung bis zur Sät-tigung, wenn man tie überschüssige Flüssigkeit, (das Auflö= sungsmittel), so weit abdampft, taß ter aufgelöste Körper eben anfängt, wieder fest zu werben.
- Fällung, Präcipitation, Niederschlagung. Dar-unter versteht man jene Operation, wo ein Körper auS sei-ner Auflösung, durch Hinzukommen eines andern, in fester Form ausgeschieden wirb, und sich vermöge seines größern specifischen Gewichtes zu Boden absetzt. Der ausgeschiedene feste Körper, wirb der gefällte Körper, ter Niederschlag, baS Präcipitat, und in besondern Fällen, wenn nämlich ber aus-geschiedene Körper leichter ist, und auf ber Oberfläche ber Flüssigkeit abgesetzt wirb, auch ber Rahm genannt. Derje-nige Körper, durch welchen tie Ausscheidung vermittelt wirb, heißt das Fällungsmittel, und kann fest, tropfbar flüssig ober gasförmig fein. B. B. Eine Auflösung von Kupfervi-
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- triol wird durch Eisen gefällt; das ausgeschiedene regulini-sche F) d. h. rein metallische Kupfer in feiner feinsten Vertheilung bildet den Niederschlag; das Eisen ist in diesem Falle das Fällungsmittel. — Eine Auflösung des Kochsalzes wird durch eine Auflösung des salpetersauren Silberorydes gefällt; es entsteht Chlorsilber, (Hornsilber), welches als tä-sige Substanz zu Boden fällt. Eine Auflösung des Blei-zuckers wird durch Schwefelwasserstoffgas gefällt, es entsteht ein schwarzer Niederschlag von Schwefelblei 2c. Eine Auflö: fung von Seife wird durch Salzsäure, und jede andere starke Säure gefällt, allein die ausgeschiedenen Fettsäuren (Stearin-Margarin = und Elainsäure) bilden feinen Niederschlag, son-dern schwimmen vermöge ihres geringeren specisischen Ge-wichtes auf der Oberfläche der Flüssigkeit, und bilden einen Nahm *).
- (Ezelechowsky.)
- Specisisches Gewicht, Eigengewicht. Ein Stück Blei wiegt mehr, als ein eben fo großes Stint Holz, des-gleichen eine Maas Schwefelsäure mehr, als eine Maaß rei-nes Wasser; die Gewichte gleicher Volumina, (d. i. Raumumfänge) verschiedener Körper nennt man die fpecififd) en, ober auc relativen Gewichte, im Gegensatze zu den Gewichten der Körper an und für sich und ohne Rücksicht auf ihr Volumen, ihre Grösze; letztere heizen die absoluten Gewichte. Es ist von Wichtigkeit, die specisischen Gewichte der Flüssigkeiten leicht und schnell
- *
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- Der Ausdruck Regulus galt sonst für unverbranntes, b. i. von unmetallischen Stoffen befreites Metall; regulinisc
- hieß daher, unb heiszt noch jetzt fo viel als: unverbrannt
- € E o E
- Kastner.
- **) Die alten Chemiker haben Rahm mit dem lateinischen Worte cremor bezeichnet; daher cremor tartari, Weinsteinrahm.
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- bestimmen zu können, was besonders auch von den Salzld-sungen gilt; denn indem dieselbe Menge einer Flüssigkeit im-mer schwerer wird, je mehr Salz sich in derselben auflöst, ist ja das Mittel an die Hand gegeben, durch das specifische Gewicht schon den Grad der Sättigung zu bestimmen. Man hat zu diesem Zwecke eigene Instrumente, die Aräometer, deren Einrichtung auf dem merkwürdigen Naturgesetze beruht, nac welchem ein schwimmender Körper in einer Flüsfigkeit so tief einsinkt, daß das von ihm »er» drängte Volumen der Flüssigkeit so viel wiegt, als er selbst. Denn ist die Flüssigkeit leicht, so wird ein schwimmender Körper mehr von derselben verdrängen, und also tiefer einsinken; ist sie schwer, so kann ja derselbe Körper offenbar nur weniger von der Flüssigkeit verdrängen, und also auch nur weniger tief einsinken.
- Die Aräometer sind häufig hohle Glaskörper, aus sehr dünnem Glase geblasen, an welchen man drei Theile unter-scheiden kann: den untersten Theil ober bie Kugel, bie mit Duecksilber ober Bleischrot gefüllt ist, bamit ber Schwer-punkt tief fällt, und das Instrument in ber Flüssigkeit nicht umschlägt; ben mittlern Theil ober ben Körper, ber cylin-drisch, birnförmig ober kugelförmig, und ber eigentlich schwim-mende Theil des Instruments ist; ben obersten Theil, ober ben Hals, ber aus einer Glasröhre besteht, und zur Auf-nahme ber in Graden abgetheilten @cale bient, bie man, auf Papier geschrieben und zusammengerollt, einschiebt, und mittels Siegellacks befestigt; ber Hals wirb alsdann zuge-schmolzen.
- Seaume stellte zwei Aräometer bar, das eine für Flüs-sigkeiten, bie leichter als Wasser, das andere für Flüssigkei-ten, bie schwerer als Wasser sind. Bu bem ersten beschwerte er das Instrument fo, daß es in einer Auflösung von 1 Sheile Kochsalz in 9 Theilen Wasser einsank bis zum An-fange des Halses; diesen Punkt bezeichnete er mit 0. Den
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- Punkt, bis zu weitem das Instrument dann im Wasser ein-sank, bezeichnete er mit 10, indem er den Abstand zwischen den beiden Punkten in 10 gleiche Theile (Grade) theilte; nach oben hin trug er gleich große Grade auf die Scale auf, und zwar gewöhnlich noc 40.
- Bu dem zweiten wurde das Instrument fo belastet, daß es im Wasser bis oben an den Hals einsank, und tiefer Punkt mit 0 bezeichnet, dann wurde das Instrument in eine Auflösung von 15 Theilen Kochsalz in 85 Theilen . Wasser gesenkt, und der Punkt, bis zu tem es einsank, mit 15 bezeichnet, nämlich ter Abstand zwischen tiefem und jenem Punkte in 15 gleiche Theile getheilt; unter tiefem Punkte wurden gleich große Grade, gewöhnlich noch 70 auf die Scale aufgetragen. Als Temperatur gibt Beaume tie mittlere
- Temperatur ter Luft an, worauf man bei wichtigen Proben zu achten hat, weil tie Wärme alle Körper, folglich auch tie Flüssigkeiten ausdehnt, und sie somit specifisc) leichter macht.
- Bei tem Aräometer für tie leichten Flüssigkeiten zeigt, wie man sieht, tie Vermehrung ter Grade tie Vertingez rung des specifischen Gewichtes, bei tem Aräometer für schwere Flüssigkeiten aber zeigt tie Vermehrung ter Grade tie Vergröszerung des specififchen Gewichtes an. Man barf indessen nicht glauben, daß eine gleiche Anzahl von Graden einem gleichen Unterschiede im fpec. Gen. entspricht. (Graham.)
- Amalgame werden im Allgemeinen tie Verbindungen des Duecksilbers mit ben übrigen Metallen genannt; Binf: amalgam ist sonach eine Verbindung des Duecksilbers mit Bint. Es wird erhalten, wenn man bem schmelzenden Zink heiszes Duecksilber zusetzt; da aber für die galvanischen Ap-parate schon eine oberflächliche Verquickung des Binks hinreichend ist, fo kann man auf einfacheren Wege sich tiefe verschaffen. Man bereitet sich nämlich salpetersaures
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- Duecsilb eror ydul, indem man Salpetersäure mit über-schlüssigem Duecksilber kocht, reibt dieses mit einem Busatze von Salpetersäure vermittelst einer Bürste auf einer vorher mit verdünnter Schwefelsäure blank gescheuerten Binkplatte ein, und spült dann die Platte ab. Oder man bedient sic des sauren falpetersauren Duedsilberorydes, in dessen ‘Auflösung man die blant gescheuerten Zinkbleche eins taucht, wodurch sie sic ebenfalls oberflächlich verquicken, (amalgamiren.) Saures salpetersaures Nuecksilber erhält man aber durch Auflösen des Duecksilbers in einem lteber-schusse von heißer Salpetersäure. — Ausser dem Seite 11 angegebenen Vortheil gewährt das Binkamalgam in den galvanischen Ketten auch wohl den Nutzen, daß es von den Säuren bedeutend langsamer, als der Bint selbst, aufgelöst wird.
- Aetzgrund ist eine auS Wachs, Harzen und Talg in verschiedenen Verhältnissen zusammengemischte Masse, womit die zu ätzenden Platten überzogen werden. —
- Carbon oder Kohlenstoff in Verbindung in Metallen bildet die Garburete; fo ist 3. B. der Stahl, eine Ver-Bindung von Eisen und Kohlenstoff, ein Carburet, (oder wahrscheinlicher eine Verbindung mehrerer Garburete.)
- Chlor ist ein einfacher, gasiger d. i. luftiger Körper von gelblich grüner Farbe, der sich leicht mit andern Grande stoffen (einfachen, nicht weiter zerlegbaren Körpern, Elemen= ten) verbindet, in großer Menge 8. V. im Kochsalz an-getroffen wird, und aus demselben erhalten werden kann. Die Ausdrücke Chlorüre und Chloride zeigen eine Ver-bindung deS Chlors mit dem Metalle an, dessen Namen diese Wörter angehängt find, und zwar find die Chloride immer eine höhere Verbindungsstufe deS Chlors, (d. h. eS ist in größerer Menge vorhanden) als die Chlorüre. In der Salzsäure ist daS Chlor verbunden mit Wasserstoff, dem farblosen, brennbaren Gase, das sich j. B. in den D0=
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- berein’schen Bündlampen entwickelt, und am Platinschwanum sich entzündet. Alle Verbindungen der Salzsäure mit Me-tallen sind daher Ehlorüre oder Chloride.
- Kalium ist ein zinnweigzes, stark glänzendes Metall, das sic sehr leicht mit dem Sauerstoff verbindet, (orydirt), selbst dem Wasser seinenSanerstoff entzieht, und sich untersenerent-wickelung damit vereint (verbrennt). Mit Sauerstoff verbunden heiszt es Kali, und weil es auf Pflanzen = und Thierstoffe zerstörend (ätzend) einwirkt, auch Aetzkali. Dieses Metz-tali mit Kohlensäure (dem erstickenden Gase, das sic in gro= ser Menge beim Verbrennen der Kohlen bildet), chemisch vereinigt, bildet das kohlensaure Kali ober Kalicar-bonat, auch einfach kohlensaures Kali, welches in der Pflan-zenasche enthalten ist, durch Wasser, in dem es sich auflöst, derselben entzogen werden kann, und in diesem aufgelösten Zustande die gewöhnliche Lange bildet, in der es jedoch durch andere Verbindungen noch verunreinigt ist. Nimmt dieses einfach kohlensaure Kali noch einen Antheil Kohlensäure auf, was geschieht, wenn man 3. B. in die gewöhnliche Lange Kohlensäure leitet, fo bildet sich zweifac kohlenfaures Kali oder Kalibicarbonat. — Kalium mit Chlor verbunden heiszt Ehlorkalium.
- Khan ober Blaustoff ist bei gewöhnlicher Temperatur und Luftbeschaffenheit ein farbloses Gas, das aus gleichen Mengen Kohlenstoff und Stickstoff besteht, und höchst gif: tig ist. Es verhält sic in feinen Verbindungen wie das Chlor, und bildet bie Syanüre und Kyanide. Weil in dieser Schrift das Kyan selbst nicht weiter berührt ist, fo wird bie Art feiner Darstellung hier übergangen.
- Blausäure ist eine Verbinbung von Syan mit Was-serstoff, bie nach Bittermandelöl riecht, und bie Augen zu Thränen reizt. Im wasserfreien Zustande, b. h. wenn sie nicht mit Wasser vermischt ist, erscheint sie als eine wasser-helle, tropfbare Flüssigkeit, bereu Dampf, eingeathmet, augen=
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- blicklic tödtet; sehr verdünnt aber, wie sie vorkommt, wenn sie im galvanischen Apparate bei der Vergoldung sich bildet, (Seite 70) ist sie in ihrer schädlichen Wirkung anszer-ordentlich herabgestinut.
- Blutlaugensalz, Kyaneisenkalium, Kaliumeisen-fyanür, besteht, wie schon der Name ausdrückt, aus Kyan, Eisen und Kalium, und heißzt im Handel gewöhnlich blau-saures ober eisenblausaures Kali.
- Um es darzustellen werben Klauenhorn, getrocknetes Blut, Fleisch sc. geglüht, die daburcy erhaltenen Massen (Blut= lauge) mit Eisenpulver (Hammerschlag ober Eisenbohrspähnen) gemengt 2), mit Pottasche geschmolzen, die man zuerst in den Kessel bringt, sehr heiß werben läßt, und bann mit bem Gemenge gewöhnlich zu gleichen Theilen versetzt. Bedient man sich eiferner Kessel, und rührt die Masse mit eifernen Stangen um, fo hat man fein Eisenpulver vorher zu zusetzen, weil in diesem Falle das Eisen des Kessels und ber Stange in bie Verbindung eingeht, wodurch aber bie Geräthschaften sehr bald zerstört werben. — Aus ber Shierkohle bildet sich das Kyan, das Kali ist in ber Pottasche enthalten; beibe Stoffe vereinigen sich, und nehmen in ihre Verbindung das Eisen auf, unb erzeugen fo das Kyaneisenkalium, Blutlangensalz; das in großen quadratischen Säulen krystallisirt, unb eine rein citrongelbe Farbe hat. Seine Auflösung in Wasser wirb durch Auflösungen von Eisenoryd. salzen (j. B. bem fogenannten salzsauren Eisen) blau gefällt; läßt man aber durch eine solche Auflösung des Blutlaugen-salzes fo lange Chlorgas streichen, bis sie durch Eisenorydsalze nicht mehr blau gefällt wirb, fo stellt sich daraus in schönen, morgenrothen, glänzenden unb durchsichtigen, säulen-
- *) Zwei bis vier Theile Eisenspähne auf 100 Theile Thier-
- . Fohle.
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- förmigen Krystalleit das rothe Kyaneisenkalium (Ferridfyan-kalium) dar.
- Kyankaliunt ist eine einfachere Verbindung, die man aus der vorhergehenden erhält, wenn man derselben das Eisen entzieht. Dies geschieht, inbem man sorgfältig ge-trocknetes, fein pulverisirtes Blutlaugensalz in bedeckten Ge-fäßzen vorsichtig bis zur Nothglut erhitzt, die dadurch erhal-tene schwarze, poröse Masse pulverisirt, mit Wasser aus-langt und krystallisiren läßt. Die farblosen, würfelförmigen Krystalle, die sic auf diesem Wege bilden, sind Syan-tafium.
- In den Annalen der Chemie von Wöhler und Liebig (Jahrgang 1842, Band 41 Seite 283) ist ein an-deres, sehr zweckmägziges Verfahren zur Darstellung des Kyankaliums angegeben. Acht Gewichtstheile Blutlangensalz werden auf einem heißzen Eisenblech stark getrocknet (schwach geröstet), sodann fein gepulvert und mit drei Gewichtstheilen trocknen kohlensauren Kalis, innig gemengt, in einen hessischen Tiegel, den man vorher schwach rothglühend macht, auf einmal eingetragen und bei dieser Temperatur erhalten. Die Mischung schmilzt anfangs unter lebhafter Gasentwickel-und zu einer braunen dicken Masse, wird nach einigen Mie nuten, wenn sie rothglühend geworben ist, bernsteingelb, und zuletzt farblos und klar wie Wasser, waS man an einem eingetauchten heißzen Glasstabe beim Herausziehen deutlich wahrnehmen kann. Ist bie Masse klar geschmolzen, fo gießt man sie aus, wo sie nac bem Erkalten blendend weiß und krystallinisc aussieht. Sie ist Kyankalium mit kyansaurem Scali %).
- KHankupfer d. i. eine Verbindung von Syan mit
- *) Syansäure ist eine Verbindung von Ryan mit Sauer-stoff und Wasser.
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- Kupfer erhält man als einen braungelben Niederschlag, wenn man einer Auflösung von Kupferorydfalzen, (etwa von blauem Vitriol), aufgelöstes Kyankalium (blau-saures Kali) nac und nach zusetzt, die überstehende Flüssig-feit sodann vorsichtig abgießzt, den Niederschlag in reinem Wasser rasch mehrmals auswäscht, und dann trocknet.
- Kyangold fällt als gelblic weißer Niederschlag zu Boden, wenn man aufgelöstes salzsaures Goldoryd mit einer Auflösung von Kyankalium versetzt, und verfährt, wie bei der Darstellung des Kyankupfers.
- Doppelchlorplatinkalium, dessen man sic beim Ver-platiniren bedient, wird erhalten, wenn man Platin in Kö= nigswasser auföst, und diese Auflösung in siedend heißze Aetzkalilösung von 8° Beaune tröpfelt, worauf augen-blicklic eine gelbe Trübung erfolgt, die beim Schütteln so-gleich wieber verschwindet, indem sie sic in der Aetzlauge auflöst. Jene gelbe Trübung ist das Chlorplatinkalium, und diese Auflösung desselben in Aetzlauge das erforderliche Prä-parat zum Verplatiniren. — Mit dem Eintröpfeln der Pla-tinauflösung in die heisze Aetzlauge fährt man fo lange fort, als die entstandene Trübung noch verschwindet. (Kunst- und Gewerbeblatt. Seite 332.) Zu bemerken ist noch, daß das galvanisc niedergeschlagene Platin eine stahlgraue Farbe zeigt.
- Die Zinksolution zum Verzinken ist Bintoxyd aufgelöst in Aetzkalilauge. Ersteres wirb sehr leicht erhalten, wenn man eine Auflösung von weitem Vitriol (schwefel-saurem Binkoryd) versetzt mit Baryt ober Kali, wobei sich schwefelsaurer Baryt ober schwefelsaures Kali bildet, unb das Binkoryd als weiße Flocken sich ausscheidet. Filtrirt *)
- *) Man filtrirt, damit sich Flüssigkeiten von festen, mehr ober weniger fein vertheilten Körpern, mit denen die er-
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- und mehrmals mit Wasser ausgewaschen bilden sie ein weißzes
- Pulver.
- Unter chemischer Affinität versteht man die Anzieh= ung, welche gewisse Körper nac der Berührung zwischen den kleinsten, ganz unmerklichen Abständen zeigen, und welche Anziehung als der letzte Grund aller chemischen Vereinigungen angesehen wird.
- sten gemengt sind, absondern. Zu diesem Zwecke schüttet man das Gemenge auf ungeleimtes Leinenpapier (Druckpapier, Filtrirpapier), das man gewöhnlich tuten-förmig zusammenlegt, und in einen Trichter steckt. Die Vorrichtung heisst das Filter, auf dem die festen Theile zurückbleiben, während die fluffigen rein durchlaufen. —
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- Briefliche Mittheilung des Seren Hofrath Kastner.
- Dem Herrn Hofrath Kastner habe ic die ersten Bo= gen dieser Schrift mit der Bitte vorgelegt, allenfallsige Be-merkungen oder Busätze mir gütigst mittheilen zu wollen. Derselbe beehrte mich schon nach wenigen Stunden mit nach= stehender Zuschrift, deren reichhaltiger Inhalt mich nm so mehr bestimmt, sie als den werthvollsten Theil meiner Abhand-hing hier wörtlich abdrucken zu lassen, als die Güte meines hochverehrten Lehrers und Gönners dieselbe mir zum beliebigen Gebrauche überließ.
- „Ihrer Aufforderung gemäß, geliebter Freund! hier einige Bemerkungen zu dem Inhalte Ihrer lehrreichen Darstellung des Galvanismus, wie er feit zwei Jahre sic wissenschaft-lic erweitert und vorzüglich: wie er, in gewerblicher Hinsicht nicht nur festeren Grund, sondern auch ebenso mannichfache als zahlreiche Verwendungen gewonnen; verfügen Sie über dieselben nach Belieben, lassen Sie es dabei aber nicht nnbe= achtet, daß ic die hiemit dankbarlic zurück erfolgende sechs Bogen Ihres bis hieher, meines Erachtens sehr wohl gerathe-nen Büchleins, nur zu durchlesen vermochte in sehr großer Beit = Noth!"
- „Sie bringen S. 1 statt des Ausdrucks galvanische Elektricität (oder „ Hydro = Elektricismus “) den, wie Sie
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- glauben treffenderen, der chemischen Polarisation in Vor-schlag; allein, werther Freund! chemische Polarisation tritt bei jeder, auch der gewöhnlichsten chemischen Zersetzung ein; wollen Sie daher, bisherigem Brauche gemäß, in der Benennung das Kennwerthlich = Bedingende des physisch: chemischen ober che-misch - physischen Vorganges heraus heben, so durften Sie, um nicht mißverstanden zu werben, wie es mir scheint mehr sach-gemäß bezeichnen, wenn Sie galvandschemische Polarisa-sation schrieben. Die einfachstbedingte Polarisation tiefer Art ist ohne Zweifel die Bersetzung des reinsten Wassers zwi-schen den Poldräthen einer zusammengesetzten galvanischen Kette; daß tiefe Polarisation lediglich durch ten ununterbro-chjen sic erneuernden, und traft ter Trägheit beschleunigend auf das Wasser einwirkenden elektrischen Gegensatz ber sog. Poldräthe hervorgerufen wirb, steht außer Zweifel, zeigt aber zugleich (in Verbindung mit dem Vorgänger aller Elektroche-mie, dem Amsterdammer Versuch, betreffend bie Zersetzung des Wassers durch bie Elektricität ber Eleftrisirmaschine) baß chentische Molarisirung lediglich in ben Gang kommen kann: durchE und — E, und, vereint mit ber Betrachtung ber Wirksamkeit des feuchten Leiters in ber galv. Kette, baß Elektricität und Chemismus sich gegen = und wechselseitig zu erregen vermögen. Vergl. m. Grundzüge Ste Aluifl. II 370 f. Fragt man übrigens nach bem eigentlichen Wie des Vorgan-ges, sowohl galvanischer Bersetzungen feuchter Leiter, als ins besondere auch ber solchen Weges zu Stande kommenden Me-toll = Ausfällungen, fo drängt sich, wie es mir scheint, unaus-bleiblic bie Folgerung auf: baß bie polarisch getrennten Me-talltheilchen in jenem Zustande von Flüssigkeit sich versetzt finden, ber überhaupt weber tropfbar noch gasig, also nicht durch bie Wärme als solche erzeugt, sondern hauptsächlich durch bie Elektrisirung selber vermittelt und bedingt ist, und den ich a. a. D. durch ben Ausdruck eleftrisc flüssig bezeichnet habe; weil er mit höchster Verdünnung und Beweglichkeit ber Materie,
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- nicht nur die Ununterbrochenheit eines durchgreifenden Busan-menhanges aller denkbaren Theile, sondern auc deren durchgängige Elektrisirung verbindet. Sie wissen, daß ic das chemische Mischen oder Durchdringen selbst von solchem Elektrisch - Flifsigseyn, oder von solcher Electrogafeität, der sich berührenden und ununterbrochen nenhervortretenden Gegenflächen der Mischba-reu ableite; weil ic solche gegenseitige Elektrisirung nachzuwei= sen im Stande bin (m. Bericht über die Arbeiten der physi-kalisch - chemischen Section, in dem Gesamtbericht der d. Na-turforscher und Aerzte zu Erlangen 1840. gr. 4. S. 85. Bent. 9.) und weil sic hienach das Fortschreiten der chemi-scheu Verbindungen in festen Gewichts- oder Maaß-Größen, ohne untheilbare Theilchen annehmen zu müssen, erklären läßt; wie ic bereits in m. Erperimentalphysif und früher, in m. Einleitung in die neuere Chemie (in der ic auc, so viel ic weiß der erste, die Lehre von der Beharrung oder Trägheit mit in die Betrachtung des sog. chemischen Processes aufnahm) und später in meinen Vorträ-gen ausführlicher darzuthun bemühet war. Daß jenes Gold, welches durch den Blitz einem Kirchthurmknopf entzogen am Fensterbley eines nebenstehenden Hauses abgesetzt wurde, und ebenso jene Goldtheilchen, welche man auf Gypsplatten 2c. in Form feinfler Beichnungen (Landschaften 2c. wie ic sie in meinen Vorträgen zu zeigen pflege) mittels der Elektricität der Elet-trifirmaschine ablagern macht, sic in einem eleftrogasigen Bus stande befunden haben muß, bevor es zur Absetzung gelangte, lißst sic in der That kaum bezweifeln. Auc weifet schon das Leuchten des in orygenleeren Hohlräumen dampfenden Phos= phors, Schwefels 2c. auf tiefe Zustandsform hin.
- An verschiedenen Stellen ter erwähnten Bogen geteilten Sie ter Bildung des Messings und verwandter Legirungen auf hydro = elektrischem Wege; wenn Sie einen Blick in tie vier Bände meines zu Halle (1815 —1820) erschienen Dent-schen Gewerbsfreundes werfen wollen, so werten Ste
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- auf folgende hieher gehörige Stellen stoßen: a) Im IV. Bd. (S. 232) weise ic darauf hin: daß bereits vor Entdeckung des Galvanismus, nemlich im Jahr 1787, Messing auf nas-sem Wege bereitet wurde; so daß also die wichtigsten gal-vanischen Versuche — denn Fontana’s verstärkte einfache Kette aus Gold, Salzsäure und Zink (m. Experimentalphysik 2. Aufl. II. 20) datict noch früher, nemlich vom Jahr 1776 — bereits vor dem I. 1790 angestellt waren; im I. Bd. (S. 24) erkläre ic aber das also gewonnene Messing für ein galva-nisch hervorgegangenes, b) Das von mir S. 312 und 336 des IV. Bandes beschriebene Verfahren Beuge (Pa-pier 2c.) zu vergolden und zu versilbern (und mithin auch: ju verplatinen) mittels gasiger Schweflichtsäure, ist vielleicht auc) bei galvanometallischen und galvanogra-phischen Darstellungen anwendbar? UebrigeuS scheint eS in galvanometallotischen Arbeiten zur Zeit Niemand so weit ge= bracht zu haben wie Himly; denn sehr vorzüglich muß fein (bis hieher geheim gehaltenes) Verfahren wohl seyn, weil es ausserdem schwerlic in England fo bedeutendes Glück gemacht haben würde, c) Wie die Vergoldung des Eisens (oder Stahls) mittelst ätherigem ober alfoholigem Goldchlorid, die vorgängige galvanische Verkupferung nöthig mache, finden Sie von mir mitgetheilt im II. Bd. (S.64) III. S.48 u. 335; und daß sich Kupfer leicht verzinnen lasse auf nassem Wege, mittels zinnfauren Kali’s, darauf weise ic bereits S.264 beS IV. Bandes hin; gelegentlich der Bemerkung: daß baS Weißzsieden ber Messingnadeln (dessen ich bereits in meinen frühere Schrift, als Beispiel galvanischer Metallfällung, gebaute) ein ähnlicher Vorgang sey. Hinsichtlich ber Ver-zinkung beS Eisens erlaube ich mir. Sie an jene Nägel zu erinnern, bie verzinkt erschienen (und eS noch sind), nachdem ich, Behufs beS Wasserzersetzungs = Versuches mittels beS Flintenlaufes und Wasserdampfes, bie Verschiebbarkeit ber Nägelein nicht, wie sonst, durch Eisendrath=, sondern durch
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- Messingdrath - Knäuel verhütet hatte. Sehen wir übrigens auf jene ersteren Beobachter, welche der Galvanoplastik den Weg bahnten, so dürfen wir auc) vor Allen Theodor von Grotthus nicht vergessen, und fragen wir nac ersten gal-vanoplastischen Massen: von sehr beträchtlichem Umfange und von nicht minder grossem Busammenhalt, fo dürfen wir nicht über-sehen, worauf ic bereits im Herbst vorigen Jahres, in meinen (zur Einsicht für die damals in Braunschweig versammelte Naturforscher) gedruckten „Mittheilungen vermischten Inhalts" S. 11 —12 aufmerksam machte: daß der französische Chemiker Element (vergl. m. Arch. IV. 379—381) Kupfer ans einer Lösung des Kupferorydie Sulphat, ohne Beihülfe eines anderen Metalles, bereits vor nun 19 Jahren in Form einer festen Masse sich niederschlagen sah, die 75 Grame men wog und genau die Form und Streifen jenes Holzes zeigte, worauf eS sich abgesetzt hatte.
- Schlüszlic möge eS mir auc gestattet sein wiederholt darauf aufmerksam zu machen: daß sowohl bei’m Bilden man-cher Erzgänge, als auch beim Absetzen verschiedener Erz = und Gestein = Lager, und ins Besondere beim Vorkomi men des Gediegen=Goldes, Platin ic. in jenen Gebir-gen, welche dergleichen jetzt in Form kleinster Geschiebe (als Sand) darbieten, galvanische Erregungen und Erreg-ungs = Bewegungen muthmaaßzlic eine Hauptrolle spielten; vergl. die geolog. Einleitung zu m. Hdb. der Meteorologie (I) S. 200, m. Experimentalphysik 2te Aufl. II 124 u. m. Beiträge (Frankfurt ind Heidelberg 1807. 8.) I 26 H. 149 ff.
- Erlangen, den 26. Juni 1842.
- Achtungsvoll
- der Ihrige Kastner.
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- Schriftprobe n.
- Die Matrizen zu den Lettern sind in der Schriftgiegzerei des Herrn L. ®. Junge in Erlangen galvanoplastisc erzeugt.
- - 8? 2. 5. RE.
- % 2 SEE Lag: 252 s 38 ,25 07#, 839 5 5. w2E 2 2 oB-P: 03589 = ®f* LSAS : WSB: GE: is al rEEO e ASS: PRSS 4. 35. CE 1 S581 6858 SiE Ä SG ««STr «Siri • 08 EEE: 0E5E: CAE
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