Die photographische Camera als Messinstrument
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- Repertorium.
- Die photographische Caméra aïs Messiiistruiuent.
- Von A. Meydenbauer.*)
- Die von Baptist Porta in Padua um das Jahr 1600 erfundene Caméra obscura blieb mehr als zwei Jabrbunderte niehts als eine optische Spielerei. Von dem Augenblicke an, als sie durcb Daguerre and Nie pce (1839) und deren Nachfolger in der Photographie von so grosser, fast jedes Individuum der civili-sirten Nationen berührender Bedeutung geworden ist, trat in vielen technischen und künstierischen Kreisen der Wunsch ein, bei vorzunehmenden Messungen den Anblick der Natur, wie er sich dem Beobachter am Punk-te der Beobachtung dar-bietet, dureh das an gleicher Stelle aufgenommene photographische Bild zn er-setzen. Von den bezüglichen Arbeiten ist wenig an die Oeffentlichkeit gedrungen und zwar lediglich aus Mangel an Erfolg. Die Messkunst auf Grand photogra-phischer Aufnahmen statt der üblichen directen Aufnahmen mit Massstab und Winkelinstrument setzte eine Brüoke voraus zwi'schen den früher so exclusiv gelehrten und geübten Kenntnissen in praktischer und beschreibender Geometrie und der noch immer im Werden begriffenen Photographie. Wahrend die ersteren im Lauf der Jahrhunderte nahezu als abgeschlossen betrachtet werden konnten, hatte die letztere einen Entwicklungsgang durchzumachen, für welehen ein ahn-liches Beispiel in keinem Zweig des menschlichen Wissens existirt. Die grosse Menge, und in diesem speciellen Falle bildet die sogenannte gebildete Welt recbt eigentlich die grosse Menge, verlangte immer mehr und mehr bessere Bilder und Bilderchen. Die Technik der Optik und Chemie haben zur Erfüllung dieses Ver-langens Riesenschritte thun müssen und wirklich gethan. Jene Brücke blieb aber so lange eine Unmoglichkeit, als das eine der zu verbindenden Gebiete noch in der Bildung begriffen war. Erst die Gegenwart hat es erreicht, dasHandwerk der Photographie soweit abzuschliessen, dass man behaupten kann, die Photographie leistet jetzt Ailes, was man von ihr zu verlangen berechtigt ist. Zunâchst liefern die photographischen Objective (von Busch, Steinheil, Dallmeyer) wirklich perspectivisch richtige Ansichten bis zu einem Bildwinkel, welcher den-jenigen, der unser Auge umspannt, bei Weitem übertrifft. Ferner ist der photographische Process in so mannigfaltiger Weise modificirt worden, dass unbedingte Sicherheit im Gelingen der Aufnahmen geboten werden kann. Endlich ist in der Feldphotographie diejenige Beweglichkeit erreicht worden, die erstes Erfor-derniss bei jedem Aufnahme-Verfahren sein muss. In demselben Moment, in wel-chem die Photographie sich zu einer hinreichend festen Grundlage gestaltet hatte,
- *) Die ersten Mittheilungen über diesen Gegenstand finden sich in Erb-kam’s Zeitschrift für Bauwesen, Jahrg. 1867, und in Nr. 14—16, sowie Nr. 94, J ahrg. 1867 der deutschen Bauzeitung.
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- war jene Briicke, Dank der weisen Voraussicht preussischer Behorden, geschla-gen: diePhotogrammetrie ist eine fertig ausgebildete Wissenschaft geworden. Die Photographie als solche hat damit aufgehort, blos noch Selbstzweck zu sein, und wie wir glauben nicht zu ihrem Schaden.
- Nachdem im Jahre 1867 der Verfasser bei einer kleineren Aufnahme von Terrain und Architektur in Freiburg a. d. Unstrut die Richtigkeit der auf-gestellten Theorien praktisch nachgewiesen hatte, beauftragte ihn das konigl. preussische Kriegsministerium mit einer Festungs-Aufnahme. In dem engen Rahmen derselben musste die schwierige Praxis der Feldphotographie und ein dem gewohnlichen Planzeichnen an Schnelligkeit mindestens gleichkommendes photogrammetrisches Planzeichnen entwickelt werden. Die durchgeführte Losung dieser beiden, in ihrem Wesen so verschiedenen Aufgaben liessen recht deutlich erkennen, warum die Photogrammetrie nicht schon langst eine praktische Wissenschaft geworden ist. Schon Mancher, dem die Vortheile des Verfahrens ganz richtig vorgeschwebt, mag hier gescheitert sein, wo das Losewerden einer Schraube an dem mit allem zu Gebote stehenden Scharfsinn construirten Instrument, ein schief gewordenes Brettchen das ganze Résultat in Frage stellen konn-ten! Das neue, nach den letzten Erfahrungen construirte photogrammetrische Instrument wird sich zu dem noch bei jener Festungs-Aufnahme gebrauchten ver-halten, wie ein neuestes Universal-Instrument zu einem alten Astrolabium mit Kugelgelenk. — Sechs voile Monate dauerte die Aufnahme der Festung, eine bestândige Prüfungszeit der Feldphotographie, die allmahlich aile Zufalle kennen und überwinden lernte, die in den verschiedensten Klimaten sich ereignen konnen. 30 Grad R. im Schatten (Sommer 1868) bis 2 Grad unter Null, Wind, Regen und Schnee sind eingetreten wahrend der Aufnahme von ca. 800 Platten. Der Standpunkt der Caméra war l6Fuss liber dem Terrain auf einem transpor-tablen Gerüst, um die nachsten unweseDtlichen Gegenstande — Buschwerk, Feld-früchte und die gaffenden Gesichter der auf den entlegensten Feldern unvermeid-lichen Zuschauer — einen nicht zu ungebührliehen Ranm auf der Platte ein-nehmen zu lassen. Die Kirchthiirme gewahrten ausserordentlich giinstige Stand-punkte für die Caméra. Die Etablirung des Dunkelzeltes in irgend einem ge-schützten Winkel, das Aufstellen der Caméra in irgend einer der Luken oder Schallfenster dauerte, ohne jede vorherige Lo.calbesichtigung oder Vorbereitung, selten langer als eine Stunde. Die, soweit es die Arbeitskrâfte gestatteten, voll-standig militârische Einricbtung war eine Viertélstunde nach gegebenem Befehl zum Ausrücken fertig. An Ort und Stelle angekommen, konnte wenige Minuten nach erfolgter Aufnahme das fertige Bild vorgezeigt werden. Dieser Umstand wird erst in seinem wahren Werth erkannt werden, wenn es sich darum handelt, bei irgend welcher Katastrophe, sei es auf dem Sehlachtfelde, sei es auf der Eisenbahn oder dgl., allen spâteren sich theilweise widersprechenden Aussagen das nie lügende photographische Beweismittel entgegenzustellen.
- Das photogrammetrische Planzeichnen musste einen ahnlichen Entwicke-lungsgang durchmachen, indem ein langwieriges und mühsames Auftragen die Vortheile der photographisehen Aufnahme wieder vernichten konnte. Das Material der Aufnahme, die auf Papier befindlichen Photograph'ien, bot in seiner prakti-schen Behandlung einige Schwierigkeiten, deren Ueberwindung erst nach monate-langen Experimenten gelungen ist. Das Auftragen selbst erfolgte darauf mit einer Sicherheit und Schnelligkeit, die den Verfasser selbst in Erstaunen setzte. Der beste Beweis für diesen, nach so unsaglicher Mühe erzielten Erfolg wurde dadurch geliefert, dass ein Oberfeuerwerker, der weder von Photogrammetrie vor-her gehort, noch die Festung selbst jemals gesehen hatte, nach kurzer Instruction in einigen Wochen den Specialplan der Festungswerke mit allen Details derBrustwehr, Geschützbanke, Traversen etc. im Massstab 1:2500 auftragen konnte.
- Aehnlich verhalt es sich mit der Aufnahme von stark coupirtem Terrain und von Architektur, wozu schon bei den Freiburger Versuchen auch ohne das ausgebildete photogrammetrische Planzeichnen vollgiltige Beweise geliefert wurden.
- Nachdem auf diese Weise die Photogrammetrie als praktische Wissenschaft eingeführt worden ist, dürfte es nothwendig sein, die Stellung nachzuweisen, welche sie unter den bereits bekannten und in Ausübung befindlichen Methoden beim Aufnehmen und Messen überhaupt einzunehmen berufen ist. Dass sâmmt-liche Methoden eine gemeinsehaftliche theoretische Basis haben, kann als selbst-
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- Verstandlich vorausgesetzt werden. Es bleibt daher nur noch nachzuweisen, wie dîese gemeinschaftliche Basis in einem photographischen Bilde gefunden oder viel-mehr geschaffen werden kann.
- Jedes Aufnehmen, welches die Herstellung eines gezeicbneten Planes znm Endzweck hat, zerfâllt in Lângenmessen und Winkelmessen. Das Ersterft ist fast ausschliesslich bei Architektur-Aufnahmen in Anwendung. Eine entsprecbende Operation kehrt auch beim photogrammetrischen Aufnehmen in der einfacben Umkehrung der Perspective wieder. Bei allen übrigen AufDahmen bildet das Winkelmessen den weitaus überwiegenden Theil sammtlicher Operationen. Es dienen dazu die Winkelinstrumente, deren Geschichte zugleich eine Geschichte der exacten Wissenschaft überhaupt abspiegelt und deren Vervollkommnung, das hochste Ziel der Mechanik, gegenwartig als fast erreicht betrachtet worden ist, Wenngleich in den ewig starren Formen der Mathematik nicht leicht etwas Neues aufgefunden werden kann, so ist doch in der mechanischen Vervollkommnung der Instrumente ein Stillstand nicht denkbar. Die physikalischen Grund-lagen unserer Messinstrumente sind bei weitem nicht so ausgebeutet, wie die mathematischen, und daher ist die Einführung eines neuen physikalischen Prin-cips ein wirklicher Fortschritt.
- Die Caméra obscura bringt aber thatsachlich ein bisher nur in sehr be-schrânkter und indirecter Weise zur Anwendung gebrachtes Princip in die Mess-kunst hinein, wie wir sogleich zeigen wollen. Das Messen von Winkelgrossen kann auf mancherlei Art stattfinden. Zuerst ist es die directe graphische Dar-stellung auf dem Messtisch, welche weitaus die bequemste und einfachste und, insofern blos topographische Plane Zweck der Messung sind, auch vollstandig genügend ist. Die genaueste, aber auch mühsamste Winkelmessung geschieht vermittelst der eigentlichen Winkelinstrumente mit Theilkreisen, bei welchen die Winkelgrossen durch Zahlen bestimmt und durch besondere Rechnung zu einem Résultat zusammengestellt werden, Sie erfordern zu ihrer Herstellung be-deutende mechanische Kunstfertigkeit, zu ihrer Handhabung einen gewissen Um-fang mathematischer Kenntnisse. Eine dritte Art der Winkelmessung ist in neuerer Zeit bei den sogenannten Distanzmessern angewendet werden. An diesen Instrumenten ist eine constante Lange als Kathete eines rechtwinkligen Drei-ecks angenommen, dessen andere ^Kathete dann nach dem Einstellen des Instrumentes durch irgend welche Vorrichtung ein auf dem Terrain liegendes Dreieck festlegt. Winkelmessung ist also nicht eigentlich der Zweck dieser Instrumente, sondern nur Festlegung eines meist sehr spitzwinkligen Dreiecks. Durch Einführung einer constanten Kathete = e am Instrument und Bestimmung einer zweiten Kathete = v nach einem auf dem Terrain liegenden Object sind aber
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- in dem rechtwinkligen Dreieck durch die Beziehung tang a =— die Winkel bestimmt. Erwagt man nun, dass bei allen Rechnungen fast nur Winkelfunc-t i o n e n gebraucht und bei den in Graden , Minuten und Secunden gegebenen Grôssen durch den weitlaufigen Apparat der logarithmischen Tafeln gesucht werden, so ist klar, dass durch directe Bestimmung der Winkelfunction ein Vortheil für die Praxis erzielt werden muss.
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- Auch in der Caméra obscura werden Winkel durch ein rechtwinkliges Dreieek bestimmt, aber nicht in dem beschrankten Maasse, wie bei den Distanz-messern, sondera in demselben Umfang, wie bei den Universal-Instrumenten.
- Im Wesentlichen besteht die Caméra obscura aus einem allseitig geschlos-senen Kasten, in dessen Yorderwand ein Objectiv eingesetzt ist.
- In der Figur sind die perspeetivischen Umrisse einer Caméra obscura dar-gestellt, bei 0 ist das Objectiv, VH VH ist die Bildflaehe. Yorausgesetzt wird, dass centrale Strahlen, das sind solche, welche wie M Om, N On durch den optischen Mittelpunkt des Objectivs gehen, geradlinig durchgehen (diese Voraus-setzung trifft bis jetzt am vollkommensten zu bei dem Pantoskop von Bus ch in Rathenow). Die Brennweite 0 m ist in der gewohnlichen photographischen
- Caméra nach dem Gesetz der conjugirten Brennpunkte — --------------1--, (worin f
- T a b
- die aquivalente Brennweite, a und b die Abstânde der conjugirten Brennpunkte vom optischen Mittelpunkt) eine veranderliche Grosse und maeht die bekannte Auszugvorrichtung nothwendig. Für den Fall aber, dass die aquivalente Brennweite klein ist, etwa 6—10 Zoll, werden aile Gegenstânde, die um die zwanzig-fache aquivalente Brennweite entfernt sind, mit hinreichender Scharfe abgebildet, mit anderen Worten: je grôsser b im Verhâltniss zu f wird, je mehr nahert sich der Werth a dem Werth f Aus diesem Grande wird die Brennweite der photo-grammetrischen Caméra constant gemacht. (Die bis jetzt ausgefiihrten baben 4V2 und 9*4 Zoll Brennweite.) Wird auf der Bildflaehe ein rechtwinkliges Faden-kreuz in den Mittellinieu FF und HH gezogen, so bestimmt dasselbe in Ver-bindung mit der constanten Brennweite ein rechtwinkliges Coordinatensystem, auf welches aile centrale Strahlen bezogen werden konnen, durchaus in demselben Umfang wie beim Theodoliten. Der optische Mittelpunkt O ist der Punkt, beim Theodoliten entsprechend, um welcben aile Drehungen des Fernrohres er-folgen, dessen optische Achse beim Winkelmessen nach einander in die Richtun-gen gebracht wird, welche den centralen Strahlen der Caméra entsprechen. Der Punkt m entsprieht dem Nullpunkt des Horizontal- und Verticalkreises, welche mit dem Radius O m um den Mittelpunkt O besçhrieben gedacht werden.
- Ein auf dem Terrain zu messender Horizontal-m Jp winkel POM wird erhalten, indem man von dem
- FBildpunkte n des anvisirten Objectes N eine Normale jl n p auf den Horizont H H zieht und das Stück m p mit der constanten Brennweite O m zu einem recht-winkligen Dreieek zusammenstellt. Der Verticalwinkel N OP wird erhalten, wenn man die Hypothenuse O p in dem eben erhaltenen Dreieek 0pm mit der Lange der Normalen np zu einem neuen Dreieek Opn zusammenstellt.
- Die gesuchten Winkel werden hiernach direct graphisch erhalten und, in Bezug auf die Horizontal-winkel, nach der nunmehr festgestellten Praxis beim Auftragen gleich an der Stelle, wo sie gebraucht wer-& den. Es folgt daraus , dass das Auftragen eines Pla-
- nes photogrammetrisch ganz analog dem Messtischver-fahren ist, die gesuchten Punkte also durch Ànschneiden, nicht durch Rechnung, gefunden werden. Nachdem der Plan in Horizontalprojection festgelegt ist. er-folgt die Bestimmung sâmmtlicher Hohenpunkte aus den beiden âhnlichen Drei-ecken OPN und Opn, worin OP aus dem aufgetragenen Plan, Op und p n aus dem photographischen Bilde sich ergeben und mittelst Massstab gemessen werden. Die gesuchte Hohe ergibt sich dann aus der einfachen Rechnung N P
- = ———Die Horizontal- und Verticalwinkel als solche treten beim photo-
- grammetrischen Auftragen nicht auf; sie sind aber gleichzeitig anf demselben photographischen Bilde enthalten. Ein Instrument aber, welches eine behebige Richtung auf ein rechtwinkliges Coordinatensystem reducirt, ist ein Uni ver s a -Instrument. Die photogrammetrische Caméra hat dabei den Vorzug, se s-thatig zu registriren und Ailes wiederzugeben, was Gegenstand unserer eo
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- achtung moglieher weise sein kann. Sie gibt ein vollstandiges Winkel-register zugleich mit der erschopfenden Beschreibung, welcbe wie ein aufgesehlagenes Buch zu jeder Zeit und von jedem Andern nachgesehen wer-den kann.
- Die nothwendigen Eigenschaften einer photogrammetrischen Caméra er-geben sich nach dem Gesagten von selbst. Erstes Erforderniss ist die genau senkrechte Stellung der optischen Achse über dem durch das Fadenkreuz bezeich-neten Mittelpunkt der Bildflache und der constante Abstand des optischen Mittel-punktes von der Bildflache. Nach den bisherigen Erfahrungen muss die übliche Einrichtung der Caméra vollstândig verlassen werden. Die Aufstellung erfolgt auf einer mit gewohnlichen Stellsehrauben versehenen drehbaren Scheibe. Der Parallelismus der Scheibe und der Ebene durch optischen Mittelpunkt und Hori-zontalfaden muss empirisch ermittelt werden. Der Umstand, dass das Gesichts-feld nur ein beschranktes ist, hat keine praktische Bedeutung. Die Ausdehnung in der Verticalen hat sich mit 60 Grad, also 30 Grad über und unter dem Hori-zont, als vollstândig ausreichend erwiesen. Die Ausdehnung in der Horizontalen ist ebenfalls zu 60 Grad angenommen worden. Durch sechs horizontal aneinan-der gereihte Aufnahmen fallen sâmmtliche um eiüen Standpunkt gelegene Objecte einmal auf die Bildflache.
- Die photogrammetrische Caméra kann daher benutzt werden:
- 1. wie ein Messtisch zum Anfertigen von Horizontalplânen mit Vorwarts-abschneiden;
- 2. zum Hohenmessen. Beide Operationen bilden zusammen das photogrammetrische Planzeiehnen, welches an Zuverlassigkeit den bisher üb-lichen Methoden mindestens gleichkommt, ausserdem aber die der photographi-schen Aufnahme eigenthümlichen Vortheile voraus hat;
- 3. als Distanzmesser, sobald bestimmte Stücke an den aufgenommenen Ob-jecten ihrer Grosse nach bekannt sind;
- 4. zum Aufnehmen von Architektur mittelst Umkehrung der Perspective, ganz analog dem üblichen Verfahren durch directe Langenmessung. Aus der Figur geht ohne Weiteres hervor, dass das photographische Bild so entstanden ist, wie das perspectivische Bild entstanden gedacht wird. Es ist Om die Distanz, HH der Horizont und V V die Hauptverti cale. Diese Elemente sind durch die constante Brennweite der Caméra und durch das Fadenkreuz auf dem Bilde gegeben und genügen zur Umkehrung der Perspective nach bekannten Regeln.
- Jedes photogrammetrisch aufgenommene Bild gestattet die Anwendung aller genannten Methoden zum Auftragen eines Planes gleichzeitig und ermoglicht dadurch für die auf verschiedene Weise erhaltenen Resultate eine wirksame Contrôle, die durch Wiederholung auf anderen, von veranderten Standpunkten aufgenommenen Bildern beliebig gesteigert werden kann. Beobachtungsfehler kennt die photogrammetrische Aufnahme nicht.
- Mit alleiniger Ausnahme der Boussole vereinigt daher die photogrammetrische Caméra die Eigenschaften fast sâmmtlicher bis jetzt in Gebrauch befind-licher Messinstrumente und verdient daher mehr wie irgend ein anderes die Be-zeichnung als Universal-Instrument. Dazu kommt nun noch die hohe Bedeutung der photographiscben Darstellung überhaupt, welche bei technischen Arbeiten, Bau-Ausführungen u. s. w. schon gegenwârtig immer mehr herangezo-gen wird. Diese Bedeutung war allein schon hinreichend, dass von allen wich-tigeren Bauausführungen des Staates auf Befehl Sr. Excellenz des Ministers für Handel, Gewerbe und offentliche Arbeiten Herrn Grafen von Itzenplitz perio-dische Aufnahmen gemacht werden sollen. Die Photogrammetrie würde solchen Aufnahmen erst den richtigen Werth beilegen. Die im Kunsthandel befindliehen sehonen Aufnahmen der Bauwerke, denen ein kunstgeschichtliches Interesse inné wohnt, konnten so leicht für diejenigen, welche sich nicht an Ort und Stelle zur personlichen Anschauung, zum Messen und Zeichnen begeben konnen, zu einer unerschopflicben Quelle des Studiums gemacht werden. Diese Verwendung derj|Photogrammetrie für Beschaffung von Material zu arehaologischen und Kunst-Studien kann von einschneidender Bedeutung werden. Die Verwendung der blossen Photographie zur Aufnahme agyptischer, indischer und mexikanischer Tempel hat bis jetzt wenig mehr als die Neugierde befriedigt.
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- Wahrend die fast in allen Armeen versuchte Einfuhrung der Photographie ohne jeden wesentlichen Nutzen geblieben ist — wenigstens würden Privat-photographen dasselbe mit geringeren Mitteln geleistet haben (?) — wird die Pho-togrammetrie, ahnlich wie die Télégraphié, nothwendig eine stehende militârische Einrichtung abgeben.
- Wir schliessen den Wirkungskreis der photogrammetriscben Caméra mit den Andeutnngen zur Losung zweier Aufgaben, welche vollstandig neu sein dürften, namlieh :
- Die Aufnahme einer Kiiste von einem voriiberfahrenden Sehiffe aus. Schon jetzt wird allen Seekarten eine skizzirte Ansicht der wichtigeren Hafen und Küstenpunkte von der See aus beigefügt, Man mâche diese Ansichten photo-grammetrisch durch Momentaufnahme, wobei ein optisches Kunststüekchen die Messung von den Schwankungen des Schiffes unabhangig maeht, nnd hat in einem Moment so viele Winkel fixirt und registrirt, wie sie der fleissigste Officier mit dem Sextanten nicht zu Stande bringt, und die spater in den heimi-schen Bureaux zu einer zuverlâssigen Karte bearbeitet werden konnen.
- Endlich ist die noch auf der Pariser Ausstellung so pomphaft in Scene gesetzte uud so klaglich gescheiterte Photosculptur keine Chimare mehr. Das Punktiren der Bildhauer nach einem fertigen Modell ist ein schon seit Jahrtausenden bekanntes Verfahren und besteht in dem mechanischen Festlegen bestimmter Punkte des Modells in den rohen Stein vermittelst dreier Zirkel-ôffnungen von drei fixirten Punkten aus. Der zu bestimmende Punkt ergibt sich hiernach als vierter Punkt einer Pyramide, deren Basis die Ebene der drei Fix-punkte ist. Das photogrammetrische Auftragen erreicht genau dasselbe durch Festlegung von Punkten der Oberflache des nachzubildenden Gegenstandes in Bezug auf drei Coordinaten-Ebenen und substituirt der bisher nothwendigen An-fertigung eines Modells oder eines Abgusses die viel einfachere photographische Aufnahme. Die erforderlichen mechanischen Einrichtungen sind jetzt leicht von jedem Praktiker anzugeben. Zum Anfertigen einer Büste wird sonach nur eine kurze Sitzung zur photographischen Aufnahme Seitens des Betreffenden erfor-derlich sein. Derselbe hat dabei ziemliche Sicherheit wenigstens eine âhnliche Büste zu erhalteu. Wir glauben, dass hierdurch der Bildhauerwürde eben s o wenig zu nahe getreten wird, wie der Malerwürde durch das photographische Portraitiren. Das Copiren vorhandener Bildwerke und Beduciren derselben auf beliebige Grosse, namentlich kostbarer Antiken, ist jetzt moglich, ohne das Original irgendwie zu berühren.
- Ailes dies leistet die Caméra obscura als Messinstrument auf Grund langst bekannter theoretischer Lehrsatze und praktischer Erfahrungen. Daher wird es kommen und ist schon theilweise eingetreten, dass die Photogrammetrie als etwas langst Bekanntes, ja Selbstverstandliches angesehen wird. (Deutsche Bauztg.)
- Spécial-Analyse einiger ini Negativprocess verwendeter ‘ CheiuikaÜeii.
- (Auszüge aus meinem\Tagebueh.) \
- Von J. E. MayàlL S. Eine alkoholische Losung, in weleher kein Kalk vorhanden, ist die beste. Man verbrenn'è., die Chemikalien in der Flamme einer Bunsen’schen Lampe am Ende eines Glasstahckens.
- Bei den nachfolgenlienExperimenten wurde Kirchhoff’s doppeltesPrisma-Spectroskop angewendet, ''niit einem reflectirenden linsenformigen Prisma zur Vergleichung der Linien. % \
- Ich tauchte eigene Kerzehd.ochte in die Losung des Chlorîds jedes bezüg-lichen Metalles, und liess die Kerzeu aus reinem Stearin bereiterî,, was ein be-standiges Farbenbild ohne dunkle ode> lichte Linien liefert, mit Aushahme jener, die dem beson'deren Metalle eigen sind, wenn es in der Wasserstoffflàmme ver-brannt wird. Dmâ». nenne ich meine Muster-Spectra und verwende immer eines oder das andere bei 'Vergleichung irgend eines Kesultates.
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- Ein neues salpetersaures Silberoxydbad liefert Spuren von Natrium, Kupfer und Kalk.
- Das salpetersaure Silberoxyd selbst in Alkohol verbalt sich in gleicher
- Weise.
- Nachdem mit dem Bade einige Tage gearbeitet wurde, prüfte ieh es wieder, fand Kupfer, Natrium und eine erhohte Quantitac Kalk mit Spuren von gefâlltem oxalsauren Kalk, auch im Ueberfluss Ammoniak, Kali und Cadmium.
- Zwei deutliche Siiberstreifen bei E und C waren dem Resultate beige-stellt. Nach Fâilung des Siibers aus der Losung mit Chlorammonium und Jb'il-tnrung fand ich das Kupfer vorherrschender. lcii untersuchte ein anderes Bad zur Nachweisung von oxalsaurem Kalk mittelst nassen Processes und fand keinen, tauchte mehrere Platten ein und fand dann oxalsauren Kalk.
- Ich prüfte die folgenden Chemikalien und fand nachstehende Verun-reinigungen:
- Im Jodkalium fand ich Natrium, Kalk und Spuren von Magnesia.
- Bromkalium ergab Natrium.
- Bromammonium zeigte Natrium und Spuren von Magnesia.
- Im schwefelsaurén Eisenoxydul fand ich Natrium Und Spuren von Kalk.
- Pyrogallussâure gab Kalk und Spuren von Natrium.
- Obige Proben wurden aile als rein verkauft und ich habe aile Ursache zu glauben, dass sie sorgfâltig bereitet wurden. Wir brauchen daher bei fremd-artigen Resultaten und irrthümern nicht überrascht zu sein.
- Flecken rühren von oxalsaurem Kalk und Magnesia im Bade her.
- Collodium arbeitet langsam bei Anwesenheit von Natrium, und wenn viel Kupfer im Silberbad ist, so wird es streilig.
- Zu losende Fragen:
- Welche Méthode konnen wir zur Reinigung des Bades anwenden?
- Dasselbe ist mit einer sehwacnen Menge (Jitronensâure zu sieden, zu fil-triren, und dann wieder mit ein wenig Salpetersaure zu- sieden; der Sonne zu exponiren, zu filtriren und zu neutrahsiren. Vermeide die Platten mit Tripel zu reinigen. Altes Collodium ist hierzu das geeignetste.
- Um Collodion vom Natron zü befreien, nehme man ein paar Tropfen Platinsalmiak, welcher die Soda herausfâllen wird.
- Ich prüfte verschiedene Çollodiummuster, fand in jedem Oxalsaure in Ver* bindung mit Ammoniak, Soda und Spuren von Kalk, wahrschemlich die Basen der Joü- und Bromsalze, mit welchen dieselben ursprüngiich verbunden waren.
- Wünschenswerth ware:
- Collodium frei von Oxalsaure.
- Aether, frei von aikaliniseher Beimengung.
- Silber, frei von Kupfer und Spuren von Blei.
- Glas, so hart als es gemacht werden kann, die Hânde rein und kein Gas im Zimmer, das immer Spuren von Kalk, Kupfer und Schwefeisâure abgibt.
- JDiese Untersuchungen konnen noch weiter ausgedehnt werden und die Méthode wird selbst Gran von irgend einer Verunreinigung nachweisen.
- (Year Book of Photography for 187U.)
- Bühlers Ilelioskop.
- (Auszug aus einer uns zur Verfügung gèstellten Correspondenz,)
- Wir sehen taglich die Sonne über ünsern Hâuptern dahinziehen und doch fâllt uns nichts schwerer, als wenn wir etwa im W inter mit nur einiger Ge-nauigkeit angeben soilen, wo z. B. am 1. Mai die Sonne auf oder untergeht, oder an welcher Steiie des Himmels sie beispieis weise am 15. J uni oder 10. Sep-tember zu dieser oder jener Stunde stehen wird. Ein Irrthum von 30 bis *0 Graden ist bei solchen Angaben durchaus nichts Ausserordentliches, und es darf daher nicht befremden, wenn wir auf zahlreichen photographischen Landschafts-aufnahmen die Spuren dieses Irrthums in erschrecklicher Naturwahrheit beob-achten, oder an der kolossalen Entwicklung der Glashauser mancher Ateliers
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