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Das Bildungswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Reisestudien
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- AS BILDUNGSWESEN IN DEN EREINIGTEN STAATEN VON
- NORDAMERIKA.
- REISESTUDIEN
- DR- PAUL COHN
- DOZENT AM K. K. TECHNOLOGISCHEN GEWERBEMUSEUM IN WIEN UND MITGLIED DER INTERN ATION ALEN JURY IN ST. LOUIS.
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- WÏEN 1906.
- ALFRED HÔLDER
- K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÂTS-BUCHHÂNDLER.
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- DAS BILDUNGSWESEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON - - - NORDAMERIKA. =
- REISESTUDIEN
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- VON
- DR- PAUL COHN
- DOZENT AM K. K. TECHNOLOGISCHEN GEWERBEMUSEUM IN WIEN UND MITGLIED DER INTERNATIONALEN JURY IN ST. LOUIS.
- WIEN 1906.
- ALFRED HÔLDER
- K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÂTS-BUCHHÂNDLER.
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- Seiner lieben Tante Doris in aufrichtiger Zuneigung und Verehrung gewidmet.
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- Inhaltsangabe.
- Seite
- Einleitung: Die Bildung der amerikanischen Nation....5
- I. Die niederen Schulen ............ 9
- II. Die Colleges............... . . ...........12
- III. Amerikanische Universitâten ................ 18
- IV. Vereinigung von College und Universitàt . . . . . 21
- V. Staatsuniversitâten ..... ^..................29
- VI. Der Einflufi Deutschîands auf die Universitâten ... 34
- VII. Selbstândige polytechnische Institute ....... 37
- Rückblick: Die Zukunft der amerikanischen Nation.....42
- Literatur........................................... . 45
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- Einleitung
- Die Bildung der amerikanischen Nation.
- Wenig über 400 Jahre sind es, seitdem der erste europâische Fufi amerikanischen Boden betrat. Kolumbus hat mit einer kleinen Schar dieses Land entdeckt und von ihm im Namen der spanischen Regierung Besitz ergriffen. Der Schweinehirt Cortez, der zum spanischen Admirai und Granden emporstieg, erhielt und über-nahm die Mission, europâische Kultur nach diesem Boden zu verpflanzen. Bluthunde und Schiefiwaffen dezimierten bald die Urbevôlkerung und allmâhlich wurde der Süden Amerikas von spanischen Emigranten bevôlkert. Schâtze von unsagbarem Werte wurden weggeführt, um das Mutterland zu bereichern.
- Rasch vollzog sich die Reinigung des neuentdeckten Landes von der Urbevôlkerung, indem man sie mit den radikalsten Mitteln vertilgte. In kurzer Zeit waren das ganze Mexiko und Peru und die übrigen Teile Südamerikas von Mônchsorden überzogen. Die Schâtze aber, die mit Leichtigkeit dem jungfrâulichen Boden Amerikas entnommen wurden, waren weder ein Mittel zur Er-hôhung der heimischen Kultur noch zur Verpflanzung der europâischen Kultur nach dem neuentdeckten Territorium; sie dienten in erster Linie dem Prunk und Wohlleben der spanischen Grandezza. Diese Erfolge hüben und drüben machten das ganze spanische Volk übermütig und faul. Das Mutterland Spanien selbst ist heute ein armes, ausgesaugtes, entkrâftetes Land, ohnmâchtig, ohne Stimme in Europa. Der ganze Süden Amerikas ist lângst vom Mutterlande unabhàngig und Spaniens letzter Besitz, die schône Insel Kuba mit der reichen Havanna, wurde nach einem kurzen und blutigen Kriege von den vereinigten Staaten des Nordens in Besitz genommen.
- Wie ganz anders gestaltete sich das Geschick des Nordens ! Von Freiheit und Freisinn durchglühte Vôlker, Hollànder und Englânder, nahmen ihren Weg dahin. Im Kampfe um die Herr-
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- schaft unterlagen aber bald die Hollânder und England trug die Kultur und Zivilisation nach diesem riesigen Territorium. Auch auf diesem war eine Urbevôlkerung, aber die Englânder griffen nicht zu rohen Mitteln; es wurde versucht, sie durch milde Behandlung unserer Zivilisation nâher zu bringen und, nach-dem eine Assimilation dieser Urbevôlkerung mit den Einge-wanderten nicht gelingen wollte, wurde dieselbe immer mehr und mehr auf ein begrenztes Territorium zusammengedrângt. Die schwarze Bevôlkerung, die Neger, die erst spâter als Sklaven nach den Südstaaten gebracht worden waren, zeigten sich der euro-pàischen Kultur und der Assimilation zugânglich. Die ersten Pioniere hatten unsâgliche Arbeit und Mühe gehabt, diese umfangreichen Landereien urbar zu machen ; die Kulturarbeit war um so schwieriger, als nur wenig Menschenmaterial zur Verfügung stand; die Transportmittel waren ebenfalls beschrânkt; doch der englische Unternehmungsgeist und die englische Zâhigkeit über-wanden aile Hindernisse, Schwierigkeiten und Widerwârtigkeiten.
- Mit dem Anwachsen der Bevôlkerung schossen Ortschaften wie Pilze aus dem Boden und wo einmal grôfiere, menschliche Vereinigungen sind, gibt es auch Kulturbedürfnisse. Um so mehr, wenn dieses Menschenmaterial aus Lândern kommt, die bereits ein hohes Kulturniveau erklommen haben.
- Dem kolossalen Territorium war mit den wenigen Menschen-hânden nicht gut beizukommen; es wurde der Erfindungs-geist rege, dem die meisten Geràte und die landwirtschaft-lichen Maschinen zu danken sind; Not macht erfinderisch und der Not des jungen Landes hat die Agrikultur die Erfindung der landwirtschaftlichen Maschinen zu danken.
- Englisches Recht, englische Einrichtungen befestigten sich im Lande und ebenso auch die englische Sprache; die Kulturarbeit machte Fortschritte.
- Bis zur grofien Révolution und der Unabhângigkeits-erklârung (1776) hatten die Einwanderer reichlich mit roher Arbeit zu tun; an Schulen und namentlich hôheren Schulen, an Kunst und Wissenschaft im idealen Sinne konnte man nicht denken; es war genug getan, wenn ein grofîer Teil des Bodens bearbeitet und gepflegt wurde, wenn Strafien gebaut, Urwâlder teilweise ausgerodet und die wilde Urbevôlkerung einigermafien gezâhmt wurde.
- Nach der grofien Révolution und der erreichten Unab-hângigkeit kam die grôfiere Umwâlzung. Das Kulturwerk machte einen ungeahnten Fortschritt, da auch die Naturkrâfte
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- in den Dienst der Menschen gestellt wurden. Kaum hatte ma die erste Lokomotive und das erste Dampfschiff, begann man das Land mit Schienenstrângen und Schiffsrouten zu überziehen; Ozeandampfer brachten das überflüssige und europamüde Menschenmaterial rascher und in grofien Mengen, womit sich für jeden Gelegenheit bot, seine Kraft und sein Kônnen in reichstem Mafie zu betâtigen. Arbeit gab es in Hülle und Fülle; die Fort-schritte auf dem Gebiete der Technik fôrderten jede Tâtigkeit und mit dem fortwàhrenden Wachsen der Bevôlkerung — also der Arbeitskraft und Konsumtion — wuchsen auch rapid der Wohl-stand und das Nationalvermôgen.
- Das kolossale Wachsen des Wohlstandes dieses jungen Territoriums setzt aber auch grofîe Intelligenz voraus, denn, môgen die Hilfsquellen noch so reichlich vorhanden sein, sie zu finden, sie gehôrig zu benützen und sich hierzu aller technischen Mittel zu bedienen, erfordert bei aller Energie auch viel Geistes-kraft, welche die Schule schaffen, erhalten und heben muB. Von der Schule hângen Wohl und Wehe der Zukunft eines jeden Landes ab, und was die amerikanische Nation darîn in einer kurzen Période geleistet hat, ist in der Geschichte der Menschheit, in der Entwicklung aller Lânder und der Reiche aller Zeiten uner-reicht. Ein solches Résultat war auch nur dort môglich, wo dem Individuum keine Schranken in seiner Tâtigkeit, seinem Denken und seiner Entwicklung gesetzt sind, dort, wo es jedem Individuum môglich ist, die hôchsten Stufen zu erklimmen, wenn es die entsprechende Fâhigkeit und Tatkraft besitzt.
- Da diese amerikanische Nation aus aller Herren Lândern und Sprachen zusammengewürfelt wurde, erscheint es um so bewunderungswürdiger, aus so verschiedenen Elementen eine so grofie, einige und so stolze Nation zu schaffen. Hierzu trugen sicher das amerikanische Erziehungssystem und die amerikanische Schule sehr wesentlich bei. Über diese selbst sollen die folgenden Blâtter berichten.
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- I. Die niederen Schulen.
- Gegenwârtig bestehen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika Einrichtungen vom Kindergarten bis zum hôchsten Lehrinstitut und der Lernbegierige braucht nicht mehr wie noch vor einem Menschenalter die Reise nach Europa zu machen, um sich eine hôhere Ausbildung anzueignen; man bedarf drüben kaum mehr europaischer Lehrkrâfte, da für die Heranbildung solcher im eigenen Lande durch die «Colleges, Universities, Polytechnics, Seminaries» und eine Menge Fachschulen reichlich gesorgt ist.
- Die Lehrtâtigkeit beginnt mit der Elementarschule (public schools), die vom Staate erhalten wird; es werden hier aile Gegenstânde gelehrt wie an unserer Volksschule, nur mit dem Unterschiede, daB «Religion» kein Unterrichtsgegen-stand der Schule ist. Es sind in den Vereinigten Staaten auch so viele Sekten, daB zum Gegenstânde «Religion» ein ganzes Korps von Instruktoren aufmarschieren müfite, um allen gerecht zu werden, denn es gibt da Presbyterianer, Baptisten, Calviner, Lutheraner, Katholiken (rômische und griechische), Juden (orthodoxe und reformierte) etc. Die Konstitution der Vereinigten Staaten hat bestimmt, daB die Regierung für religiôse Zwecke keine Auslagen machen darf, daB Religion nie ein Hindernis oder eine Protektion zu bilden habe und immer Privatangelegenheit bleiben müsse. Rassen- und Religions-haB sind dem Amerikaner unbekannt und jeder kann in diesem groBen Lande nach seiner Façon leben und selig werden.
- Im übrigen haben aile hier lebenden Sekten Vereinigungen, deren Mitglieder Gemeinden bilden, um sich ihre Gotteshâuser aus eigenen Mitteln zu bauen und ailes, Gottesdienst und Religions-unterricht, selbst zu bestreiten ; zu letzterem Zwecke unterhalten
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- aile Sekten allüberall Sonntagsschulen und es steht den be-treffenden Eltern frei, ihre Kinder dorthin zu schicken, um dem Religionsunterrichte beizuwohnen. In den Public Schools wird mehr aufs Praktische gesehen; aus den Kindern sollen unbe-fangene, geistesfrische Menschen werden. Vielen ist es nicht gegônnt, nach der Public School eine hôhere Schule zu be-suchen, sie werden daher einer praktischen Tâtigkeit überliefert, um «ihr Leben zu machen» und oft auch noch das Leben der Eltern; sie müssen also schon aus der Public School die nôtigen Kenntnisse für das Leben mitbringen und die Lernlust und Wifibegierde müssen so weit geweckt sein, dafi der Betreffende — trotzdem er sich einem Berufe so frühzeitig widmen mufî — auch weiter an der Sammlung von Kenntnissen für sich selbst tâtig sein kann. Also Weckung des allgemeinen Intéresses ist Unterrichtsziel der amerikanischen Schulen.
- Nach den Public Schools sind die Grammar-Schools, die ungefâhr unserer Bürgerschule entsprechen, in denen aber auch Fâcher unserer Mittelschule (Realschule und Gymnasium) ge-lehrt werden; ferner die Handfertigkeits- (manual training) und die Kunst- und Gewerbeschulen. Diese letzteren Schulen haben sich seit der Ausstellung in Philadelphia aufierordentlich ver-mehrt; durch die môglichst frühe Einführung des Zeichnen-unterrichtes soll das Auge frühzeitig geübt, der Kunstsinn geweckt und dem Sinn für Kunst und Kunstwerke Eingang in weite Kreise geschafft werden.
- Diese Handfertigkeits-, Kunst- und Gewerbeschulen haben sich vorzüglich bewâhrt und je mehr ihre Nützlichkeit erkannt wird, desto mehr steigt auch die Zahl der Schulen, da die Kommunen rasch im Handeln sind, wenn es gilt, Erziehungs-mittel für die heranreifende Jugend zu schaffen, indem sie von dem Grundsatze ausgehen: «Was die Jugend lernt, kommt allen zu statten.» Das führt nicht blofi zum Wohlstand, sondern auch zur Veredlung der Nation.
- Nach ungefâhr 25jâhrigem Bestande dieser Schulen findet man jetzt zumindest bei ôffentlichen Bauten, dafi auch die Kunst mitspricht, wâhrend ailes früher môglichst einfach, wenn nur rasch auf- und ausgeführt wurde. Im Jahre 1890 be-standen blofi in 37 Stâdten, 1898 schon in 146 Stâdten solche Schulen.
- Zur Fôrderung des Kunstsinnes wurden ferner Museen geschaffen und mit grofien Summen seitens amerikanischer Philanthropen und Kunstfreunde ausgestaltet; man sammelte in
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- Europa Kunstwerke aller Meister, antiker und moderner, und heute ist in diesen Museen nahezu jeder Meister vertreten. Das Verstândnis für Kunstwerke kann aber nur der haben, der Kunst-sinn hat; dieser wurde in der Schule geweckt. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Aspiranten für die Kunstgewerbeschule.
- Bis zutn Jahre 1876 gab es im ganzen Lande nur 8 Colleges, in welchen über «Kunst» Belehrung gegeben wurde, und blofî 5 Museen. Zehn Jahre spâter finden wir 37 Anstalten, in denen der Kunst die grôfite Aufmerksamkeit gewidmet wird, und 30 Kunstmuseen, von denen j e d e s reichhaltiger aus-gestattet ist als die ursprünglichen fünf.
- Waren und sind noch jetzt aile Strafienzüge in amerikani-schen Stàdten unheimlich langweilig, da sie aile — durchwegs rote Quarrés — wie feindliche Festungen ausschauen, ein Haus dem andern gleicht, glatt, kahl, ohne Ornament, und waren auch die ôffentlichen Bauten hôchst einfach, bloB für den betreffenden Zweck erbaut, so ist seit 25 Jahren zumindest in bezug auf ôffentliche Bauten ein Umschwung zu verzeichnen, da bei ihnen die Kunst wesentlich mitspricht. Das erst gegen Schlufi des Jahrhunderts erbaute Gebâude der ôffentlichen Bibliothek in Boston und der Marmorpalast der Kongrefibibliothek in Washington sind nicht nur Monumentalbauten der ameri-kanischen Architektur; ailes daran, aufien und innen, Kon-struktion, Bâu, Skulptur und Malerei, ailes ist von einer solchen Vollkommenheit, von solchem Kunstsinn durchwebt, dafi man sich in die Renaissancezeit zurückversetzt dünkt.
- Solche Fortschritte mit eigenen Krâften waren nur môg-lich durch Schaffung der Grundlage, das ist der Schulen und der richtigen Méthode des Unterrichtes. Unmittelbar nach der Ausstellung in Philadelphia wurde der Unterricht im Zeichnen an allen ôffentlichen Schulen — von den niedrigsten Klassen an — eingeführt. Prof. Walther Smith aus Boston gab die An-regung dazu. Es bestand zuerst die grofie Schwierigkeit, daS nicht genug Lehrkrâfte vorhanden waren, denn die Lehrer der unteren Klassen verstanden nichts vom Zeichnen. Doch der ge-nannte Professor hatte sofort ein Auskunftsmittel. Er erôffnete einen Kurs für Lehrer. Ungefâhr 100 Lehrer begannen sofort mit dem Elementarunterricht und so ward diese Méthode fort-gesetzt; spâterhin wurden die âlteren Schüler herangezogen, um den jüngeren Unterricht zu erteilen.
- Kunst-, Gewerbe- und Handfertigkeitsschulen sind heute über das ganze Land ausgebreitet und deren Erfolg ist nach
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- jeder Richtung groBartig; Absolventen dieser Schulen, môgen sie sich auch nicht den hôheren Schuien zuwenden, was schliefi-lich überall nur ein kleiner Prozentsatz tut oder tun kann, sind zu jedem Gewerbe brauchbar und anstellig, da sie das nôtige Verstàndnis, die Geschicklichkeit und entsprechende Handïertig-keit mitbringen.
- Es wird bei der Errichtung der Schulen auch auf jene Rücksicht genommen, die nicht im vollen Besitze ihrer Sinnes-organe sind, und es wird auch sehr an die eingeborene Be-vôlkerung gedacht. So gab es im Jahre 1896 im Indianer-Terri-torium 27 solcher Schulen, für die schwarze Bevôlkerung be-standen 63 Gewerbeschulen. Ferner existierten 55 Schulen für Taube, 26 für Blinde, 19 fur Schwachsinnige und aile Schulen vermehren sich fortwâhrend.
- II. Die Colleges.
- Das amerikanische College hat auf dem Gebiete des Lehr-systems nichts Gleichartiges. Ihren Namen hat diese Schule vom Mutterlande Grofibritannien übernommen, weil die ersten Institute dieser Art noch vor der grofien Révolution, also von und unter dem Schutze der englischen Regierung begründet worden waren.
- Die Begründer — ob dies jiun die Staaten oder private Ver-einigungen waren — wollten jungen Leuten die Gelegenheit geben, sich eine hôhere, dem Zeitgeiste entsprechende Bildung anzueignen und in neuester Zeit soilen sie auch in Spezialfâchern theoretische und praktische Ausbildung erlangen. Absolventen soilen für irgend einen technischen oder kommerziellen Beruf volikommen ausgestattet werden oder sich den hôheren Studien an einer Universitât widmen konnen.
- Das amerikanische College spielt daher im amerikanischen Leben die bedeutendste Rolle auf dem Gebiete der Erziehungs-und Lerneinrichtungen, denn in die Colleges treten die jungen Leute ein, um dieselben als Mânner zu verlassen, und die Colleges liefern das Material für den hôheren Handels- und Ge-werbestand, für die moderne fortgeschrittene Landwirtschaft, für die Behôrden und Verwaltungskôrper, für die Rechtsver-tretung und Rechtsprechung, für die gesetzgebenden Kammern etc. etc.
- Es wird in diesen Colleges nicht nur auf «Wissen» Sorgfalt verwendet, es wird auch der demokratische Geist gepflegt; aile
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- Studenten eines Colleges werden zu Kameraden herangebildet, keine Vermôgens-, Rassen-, Klassen- oder Glaubensunterschiede dürfen diese Kameraden in Parteien trennen und deshalb wird dafür gesorgt, dafi nur solche Professoren und Instruktoren Anstellung finden, die von liberalem Geiste durch-drungen sind und deren Vorleben, Kenntnisse und Charakter die sichere Gewâhr bieten, dafi die heranwachsende Jugend einst mit gesunden Grundsâtzen ausgestattet das College ver-lassen wird. Andrew Fleming West, Professor der lateinischen Sprache und Literatur an der Princeton Universitât, âufierte sich über die amerikanischen Colleges wie folgt: «Kaum einer von hundert unserer weifîen jungen Bevôlkerung besucht das College, aber dieses knappe Kontingent liefert die Hàlfte aller unserer Prâsidenten der Vereinigten Staaten, die meisten Richter unserer Gerichtshôfe, nahezu die Hâlfte unseres Kabinetts und des Nationalsenats und ungefàhr ein Dritteil unseres Reprâ-sentantenhauses; keine andere Klasse von gleicher Zahl war so von Einflufi auf unser nationales Leben.»
- Das amerikanische College ist ein zusammengesetztes Ding, teilweise eine Anstalt wie die ôsterreichische und deutsche Mittel-schule, teilweise hôheren Grades wie Universitât und Technik. Das College umfafit einen drei- oder vierjâhrigen Kurs, nach welchem man das Baccalaureat (Reifezeugnis) erlangen kann, das zum Eintritt in eine Universitât berechtigt. So war es vor dem Bürgerkriege bis 1865; mit dem 15. Jahre kamen die Jungen ins College, selten reif für hôhere Studien, und mufiten im ersten, oft auch im zweiten Jahre erst vorbereitet werden, um das Fassungsvermôgen einigermafien zu bilden. Lehrgegenstânde waren: Latein, Griechisch, Mathematik, Naturwissenschaften, in den zwei letzten Jahreskursen auch Moralphilosophie, politische Ôkonomie, einiges aus der aîlgemeinen Geschichte und der des Altertums ; in manchen Colleges wurde auch bis zu einem unbe-deutenden Grade Franzôsisch und Deutsch gelehrt. So war es, wie erwâhnt, bis 1865. Nach dieser Zeit trat insoferne eine Ànderung ein, als hôhere Ansprüche an die Eintretenden ge-stéllt wurden, was auch dadurch môglich war, daü genügend Schulen zweiten Grades (nach der Elementarschule) vorhanden waren, um nach entsprechender Vorbereitung und mit einer hôheren Auffassung in das College eintreten zu kônnen. Auch das Alter der Aspiranten wurde um drei Jahre erhôht.
- Die bessere Vorbereitung und das hôhere Alter des Eintretenden ermôglichten es ferner, dafi das Lehrprogramm er-
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- weitert werden konnte, und was in den âlteren Colleges nur so nebenbei gelehrt wurde, ist in den Colleges neueren Datums von Wichtigkeit; es werden neben den toten Sprachen auch die modernen gewissenhaft gelehrt, ebenso Geschichte und Philosophie. Allmâhlich kamen hierzu Kurse der technischen Wissen-schaften und, nachdem diese fortwâhrend Neues brachten, mufiten Teilungen stattfinden; die Ansprüche wurden immer grôfier und deren Erfüllung schwieriger, so dafi allmâhlich die Colleges sich insoferne reorganisierten, als sie — neben der allgemeinen Wissenschaft — je ein Fachstudium besonders kultivierten. Da-durch erhalten diese Colleges von dem Spezialfach ihren Namen, so School of Commerce and Finance (Handelsschule, Handels-akademie), College of Chemistry (Chemie), College of Engineering, of Agricultur u.s.f. Diese Fachcolleges haben den Vorteil, daB Aspiranten, die genügend Kenntnisse in Vorbereitungsschulen erworben haben, sich hier dem bestimmten Fâche widmen kônnen. Es bedarf dann keiner vier, sondem blofi zweier Jahre, um nach einer Prüfung das Diplom in einem Spezialfache zu erlangen. Das hôhere Alter hat auch den Vorteil, dafi die jüngen Leute imstande sind, selbst ein Fach zu wàhlen, für das die individuelle Neigung oder bereits erworbene theoretische und praktische Kenntnisse darin bestimmend wirken ; in solchen Fàllen steht es dem Betreffenden frei, dem gewâhlten speziellen Fâche seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen, da er viele andere Gegenstânde, die mit seinem Fâche in keinem Zu-sammenhange stehen, entbehren kann.
- In einigen Colleges gibt es auch Spezial-Abendkurse, welche von solchen Hôrern frequentiert werden, die bereits einen Beruf haben, um ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und es genügt für diese ein zweijâhriger Kurs, um in dem betreffenden Spezialfach das Diplom zu erlangen, und die erworbenen Kenntnisse reichen zumeist hin, um sie praktisch zu betàtigen.
- Die meisten Colleges sind auch nach jeder Richtung hin dank der gut fundierten Ausstattung bei der Gründung und der grofiartigen Munifizenz reicher und menschenfreundlicher Ameri-kaner bestens versorgt; Laboratorien auf breitester Grund-lage ermôglichen es, die theoretischen Vorlesungen durch Expérimente praktisch zu veranschaulichen ; zum Behelfe in den schônen Wissenschaften wie Philosophie, Ôkonomie, Geschichte, tote und lebende Sprachen stehen grofîartige Bibliotheken zur Verfügung, aus denen die Studierenden ailes nur irgendwie Notwendige und Wünschenswerte finden und sammeln kônnen.
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- Der Unterricht besteht selbstredend in Vorlesungen der Professoren, aber wâhrend des Jahres sollen auch die regulâren Collegehôrer in innigere Beziehungen zu den Professoren treten ; zu diesem Zwecke werden Gruppen von je 25 Studenten ge-bildet und über das jeweilig gelesene Material eine Répétition ab-gehalten, wodurch irrige Auffassungen des einen oder anderen richtig gestellt werden, und infolge dieser gleichzeitig mündlichen Prüfungen unterbleiben solche am Schlusse des Semesters, wâhrend zurErlangungdes Baccalaureats die schriftlichenPrüfungengenügen.
- Wie der Amerikaner in allem praktisch ist, ist auch der Eintritt, respektive die Aufnahme in ein College sehr erleichtert. Wünscht ein junger Amerikaner in seinem 18. Jahre nach Ab-solvierung einer Privatakademie oder sonst einer zweitklassigen (secondary school) Schule in irgend einem Mittelstaate nunmehr in ein College einzutreten, das aber sehr entfernt von seinem Wohnort ist, so hat das betreffende College sicher in einer nahen Stadt einen Reprâsentanten, bei dem er sich zur Auf-nahmsprüfung melden kann ; dort wird Tag und Stunde für die Prüfung bestimmt und gelten die Prüfungspapiere genau so wie am Sitze des Colleges. Die Antworten auf die vorgelegten Fragen werden an das College eingesandt und in einer oder zwei Wochen empfângt der Kandidat Bescheid. Ist er aufgenommen, so reist er nach Schlufi der Sommerferien nach seinem College und sichert sich dort sein Zimmer; der Neuling wird bald mit seinenKollegen bekannt und vertraut. Der Korpsgeist wird kultiviert, denn die Studenten leben immer zusammen, zumindest gruppen-weise. Nach den Vorlesungen ist auch für Zerstreuungen aller Art reichlich gesorgt; da gibt es wissenschaftliche Klubs, Musik-, Athletik- und Speiseklubs etc.; Baseball, Football und sonstige gymnastische Übungen, wozu reichlich Raum und Gelegenheit sînd, tragen zur physischen Kràftigung bei und am Abend, wenn ailes getan ist, sitzen unsere jungen Leute gruppenweise bei einem Glase Wein oder Whisky und singen frôhliche, lustige Lieder. Die Geselligkeit untereinander, der Gedankenaustausch über Gegenstânde und Fragen des Colleges sind — auôer Spiel und gesunden Kôrperübungen — die Zerstreuungen nach den Vorlesungen und der Arbeit des Tages; es ist einernstes und doch frôhliches Studentenleben und kein Student ver-gifit daran, in welche Sphâre er immer kommt, ob an eine Uni-versitât oder direkt ins Getriebe des praktischen Lebens; er denkt immer mit Wohlbehagen an sein College zurück; er ist der beste lebende Insèrent seines College!
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- Und nun einiges über die Organisation und Ver-waltung! Die Kôrperschaft eines Colleges besteht aus mehreren Personen, welche das Privilegium der Gründung erlangten und nun den Besitz verwalten. Wenn ein Staat selbst ein College oder eine Universitàt, die zumeist auch ein College enthâlt, be-gründet, werden die Mitglieder der Kôrperschaft gewôhnlich Regenten (Regents) genannt und sind vom betreffenden Staate für eine bestimmte Reihe von Jahren bestellt oder ernannt; die meisten Colleges sind jedoch Privatkorporationen. In diesem Falle wird ein Verwaltungskôrper oder nur ein Teil desselben auf Lebenszeit und ein Teil für bestimmte Zeit gewâhlt. Wo der Verwaltungskôrper auf Lebenszeit bestellt ist, wâhlt dieser die Nachfolger, wenn durch Ableben oder Rücktritt Vakanzen ent-stehen. Die Hauptfunktion dieses Kôrpers ist, die Erfüllung des Privilegiums (Charters) zu schützen und das Vermôgen zu verwalten. Um diesen Hauptzweck zu erreichen, wird in dem College eine Fakultât der Professoren und Instruktoren geschaffen und die erste Stelle durch einen Prâsidenten besetzt. Président und Professoren haben ihr Amt für Lebenszeit und sind an manchen Plâtzen Vorkehrungen getroffen, um Professoren, die durch das Alter unfâhig werden und sich zurück-ziehen müssen, zu pensionieren. Instruktoren und Assistenten sind nur auf bestimmte Zeit bestellt; sie kônnen wieder ernannt und auch zu Professoren befôrdert werden. In den groüen Colleges wird der Président durch einen oder mehrere Dekane in der Verwaltung unterstützt; die Leitung des gesamten Unter-richtes und der Zucht untersteht dem Prâsidenten, der auch die Macht hat, Studenten zuzulassen oder den Eintritt zu verweigern. Diplôme erteilt die Korporation zumeist auf Empfehlung der Fakultât.
- Das Einkommen staatlicher Colleges wird durch Steuern (Taxation) hereingebracht ; bei Privatcolleges wird dies durch Dotationen beschafft, die oft durch jâhrliche Subskriptionen für spezielle Zwecke ergânzt werden; die Vergrôfierung des Ein-kommens eines durch den Staat begründeten Colleges hângt von dem Wohlstand des betreffenden Staates und von der Neigung der Oesetzgebung ab. Staatliche Colleges empfangen selten Privat-schenkungen, dagegen sind Privatcolleges, die vom Staate voll-stàndig unabhângig sind, auf Privatgeschenke angewiesen, die in der Tat mit grofier Munifizenz zustrômen.
- Der Président eines Colleges bezieht 4000, 5000, auch 6000 Dollar als jâhrliches Gehalt; ist er indessen auch Président
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- einer Universitât, so betrâgt das Gehalt 10.000 Dollar. In kleinen Colleges betràgt das Gehalt eines Professors 2000, in grôfieren ist das übliche Gehalt 3000, mitunter 4000 Dollar; nur sehr wenige empfangen mehr als 4000 Dollar.
- Die Spesen für die Studenten variieren sehr bedeutend. An manchen Orten wird keine Gebiihr entrichtet und ist der Unter-richt frei, aber in den meisten Colleges ist der Jahresbeitrag 100—150 Dollar. In kleinen Colleges aufierhalb der grofien Stâdte betragen die Kosten jâhrlich 300 Dollar; in den grofien, alten Colleges des Ostens, wohin von allen Teilen des Landes Zuzug kommt, wird ein Student kaum mit weniger als 600 bis 700 Dollar sein Auslangen fin den. Für Studenten mit nur màfiigen Mitteln gibt es mannigfache Gelegenheit zur Selbsthilfe; viele Colleges verfügen auch reichlich über Fonds, deren Interessen als Stipendien verwendet werden, weshalb ernste und begabte Studenten leicht ihren Weg durchs College finden, auch wenn sie von Haus aus mittellos sind.
- Die Zentralregierung in Washington hat dort ein Bureau of Education (Unterricht), welches einen Bevollmâchtigten er-nennt, der über die Leistungsfâhigkeit und die Resultate aller Lehrinstitute alljâhrlich Bericht erstatten soll; bei der grofien Menge von Colleges und Universities, die in den letzten Jahr-zehnten im ganzen grofien Lande gegründet wurden, war es sehr schwierîg, genaue Informationen zu erhalten, und es gibt viele dieser Institutionen, die auf schwachen Füfien stehen und mit mehr als leichtsinniger Liberalitàt Diplôme erteilen. Es wird nunmehr angestrebt, den Bevollmâchtigten seitens des Kon-gresses mit den nôtigen Mitteln auszustatten, um diesem Übel-stande abzuhelfen und den wahren Status und die innere Be-schaffenheit dieser schwachen Colleges an die Ôffentlichkeit zu bringen. Sind schon Colleges und Universities — wenn man über diese Institutionen berichtet — nicht gut voneinander zu trennen, so mufi man besonders, wenn man über die Zahl der Studenten spricht, beide Institutionen verschmelzen; im Jahre 1897 betrug die Zahl der Studierenden beiderlei Geschlechtes 84.955 und nach der Bevôlkerungszahl dieses Jahres von 70*/s Millionen entfielen auf ein College 831 Menschen der Bevôlkerung. Die grôfite Zahl der Studierenden zeigten damais folgende Staaten: Massachussets 8111, New-York 7275, Pensylvania 6527, Illinois 5692, Ohio 5257.
- Da in dem grofien Lande die Regierung kein Ministerium für Kultus erhâlt, das Kapitel «Religion» Privatsache ist und viele
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- Sekten bestehen, so ist es natürlich, dafi dieseauch auf dem Gebiete der Schule tâtig sind. Es gibt deshalb sectarian Colleges (von Sekten gegründete) und non-sectarian Colleges. In 59 rômisch-katholischen Colleges studierten imjahre 1897 5954, in 284 pro-testantischen aller Sekten 29.104; also bleibt die grofie Über-zahl in non-sectarian Colleges; viele der sectarian Colleges führen eine sehr prekâre Existenz.
- Die Zahl der Professoren aller Colleges mit Ausnahme jener, die speziell fürs weibliche Geschlecht bestanden, betrug im genannten Jahre 7228.
- Bezüglich der Zeit, wann, respektive in welchem Zeitraume die Colleges begründet wurden, dürften folgende Daten von Interesse sein: Vom Jahre 1636 (Gründung der Harvard-Uni-versity) bis zum Jahre 1776 (demnach in einem Zeitraume von 140 J ah ren) wurden 11 solcher Institute ins Leben gerufen, in den folgenden 20 Jahren entstanden weitere 12, vom Jahre 1800 bis 1830 kam ein Zuwachs von 33, von 1831 bis 1865 entstanden 180 und von 1866 bis 1897, in der Zeit der stârksten Einwanderung, traten 236 solcher Institutionen ins Leben.
- Was über die amerikanischen Colleges noch von Interesse ist, wird im folgenden Kapitel gesagt werden.
- III. Amerikanische Universitâten.
- Es ist schwer, für das, was eine amerikanische Universitât ist, eine Définition zu geben, weil College und University einer-seits miteinander zu verquickt sind, und es anderseits Hochschulen gibt, — der Titel ist Nebensache — in welchen Universitâts-studien gepflegt werden und die nahezu den Charakter von Universitâten haben. Bis zum Jahre 1888 war es überhaupt nicht môglich, für diese Schulen eine Définition zu geben; erst nach dem genannten Jahre begann eine bessere Scheidung, indem wichtige Verànderungen in der Organisation sowie Administration eintraten, die dem deutschen Titel dieser Hochschulen allmàhlich entsprechen. Indessen sind die Titel «College» und «University» vollstândig wertlos zur Bezeichnung des Charakters dieser Institution. In den ôstlichen Staaten ist der Titel University weniger gebrâuchlich, hier wurden die «hôheren» Lehrinstitutionen in der Kolonialepoche unter englischem Einflusse und unter englischer Autoritât begründet und die Institution bekam auch die speziell englische Bezeichnung «College». In den neueren Staaten
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- war man anspruchsvoller und beachtete die nicht englisch-europàischen Lânder, insbesondere Deutschland, wo die Uni-versitâten mit Beginn des XIX. Jahrhunderts den hôchsten Rang auf dem Gebiete der Forschung einzunehmen begannen; es schien also auch eine hôhere Würde zu bezeichnen, wenn die Staaten den Titel «University» wâhlten.
- Die Universitâten Amerikas sind in ihrer Organisation so verschieden, dafi kaum zwei dieser Institutionen einander gleichen, aber nichtsdestoweniger ist heute die Linie zwischen College und University schon schârfer gezogen, denn jede dieser Institutionen hat andere Funktionen und verlangt demnach eine andere Organisation. Eine vollstândige Trennung ist ausge-schlossen, da die jeweiligen Umstânde bei der Gründung und die damaligen Bedürfnisse diese beiden Institutionen nahezu unzertrennlich machten.
- Man mufite vorerst praktische Wissenschaft pflegen, die Bedürfnisse des Augenblicks mufiten in erster Linie befriedigt werden; an Kunst und Wissenschaft in hôherem Sinne konnte man nicht denken, weshalb die Institute auf solcher Basis geschaffen werden mufiten, wie sie der Augenblick erheischte.
- Agrikultur, Technik, Medizin und Gesetzkunde waren Ge-genstânde, die den momentanen, dringendsten und daher prak-tischesten Bedürfnissèn genügten. Nur sukzessive konnte eine Erweiterung erfolgen. Im Jahre 1860—1861 erscheint das erste-mal in den Vereinigten Staaten der Grad «Doktor der Philosophie». Daher war der Begriff «Universitât» im Vergleiche mit europâischen Universitâten vor etwas mehr als einem Menschen-alter noch fragmentarisch. Gegenwârtig bestehen aber zwei Uni-versitàten, die mit keinem College zusammenhângen, sich jedoch noch von europâischen Universitâten wesentlich unterscheiden. Diese zwei Universitâten sind: Die Clark University of Wor-cester in Massachusetts und die catholic University of America in Washington.
- Die heutigen Universitâten Amerikas verfolgen das Ziel das gesamte Gebiet des Wissens und Forschens zu kultivieren, und das ist ein so hoher Standpunkt, dafi für solche Institutionen der Name Universitât begründet ist. Auf europâischer Basis allerdings kônnen in Amerika diese Institutionen nicht organisiert sein, weil in Amerika nicht die Zentral-regierung die Gründerin ist, sondern die einzelnen Staaten und die Privatkorporationen. In Europa bezahlt und erhâlt der Staat, respektive die Zentralregierung aile Lehrinstitutionen ; Organi-
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- sation und Lehrplan ist für aile diese Institutionen gleich. In Amerika leistet die Zentralregierung materielle Unterstützung und hat nur das Recht der Kontrolle, dafi die betreffenden Schulen nach dem Plan, den sie sich selbst gegeben haben, auch geleitet werden.
- Das amerikanische Volk ist streng konservativ und Neue-rungen schwer zugânglich; dieser Konservatismus wurde von England mit verpflanzt und durch Generationen eingeimpft. Nur bei neuen Gründungen eignet man sich gerne das Bessere an und bricht rasch mit ait en Traditionen. Aile hôheren Schulen, ob sie heute College, University, professional oder technical School etc. heifien, aile waren einmal «Colleges» und aile haben heute noch College-Arbeiten zu leisten, weil aile aus dem Be-dürfnis entsprungen sind und sich' mit dem Fortschritte der Kultur und des Wohlstandes erweitert, ergânzt und ausgebreitet haben.
- Es sollen nun einzelne Universitâten Revue passieren.
- 1. Die Clark University in Worcester, Massachusetts.
- Diese Anstalt wurde im Jahre 1887 durch die Generositât von Mr. Jonas G. Clark begründet. Der Unterricht begann 1889, ist also noch jungen Datums. Im vorhinein wurde bestimmt, dafi dieses Institut den Rang einer Universitât einnehme, kein College und keine technische Hochschule enthalte.
- Aufgenommen werden nur jene Studenten, die an einem College oder an einer sonst anerkannten Hochschule ein Diplom erlangt haben; bevorzugt werden insbesondere solche, welche hohes Talent für irgend ein spezielles wissenschaftliches Forschungsgebiet bekunden. Im Anfange wurden einige Ab-teilungen (Departements) organisiert, aber es war im Plan der Gründung ausdrücklich bestimmt, dafi die Scheidungslinie zwischen Professoren und Studenten môglichst ausgelôscht werde, so dafi Professoren und Instruktoren sich selbst als altéré Studenten fühlen sollten. Es war auch die Einrichtung getroffen, dafi Studenten gelegentlich selbst über Themen Vorlesungen halten, welche mit ihrem selbst gewâhlten Fach zusammenhângen. Man wollte aber keine grofie Anzahl von Studenten heranziehen. Alsbald wurde für eine annehmbare Dissertation auf natur-wissenschaftlichem Gebiete der Grad des Doktors der Philosophie angeboten. Dann war eine Anzahl von Stipendien, teils für ein Jahr, teils für die ganze Universitâtsdauer bestimmt, um es be-gabten und unbemittelten Studenten zu ermôglichen, ihren Studien
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- und Forschungen obzuliegen, ohne es nôtig zu haben, aufier-halb der Universitât eine eintrâgliche Beschâftigung zu suchen.
- Die Zahl der Studenten war niemals grofi ; sie variierte von 1893 bis 1899 zwischen 48 und 53, die Zahl der Instruktoren blieb nahezu konstant und betrug 1899 zehn. In diesem Jahre waren folgende Abteilungen organisiert: Mathematik, Biologie, Philosophie, Physik, Pâdagogik, Psychologie und Anthropologie ; es ist beabsichtigt, von Zeit zu Zeit andere Teile anzugliedern. Méthode und Charakter der Leistung der Clark University gleichen angeblich den Universitâten der alten Welt.
- 2. Die catholic University of America in Washington. Diese Anstalt entstand im Jahre 1884, nachdem auf dem rômisch-katholischen KongreÔ in Baltimore der Beschlufi zu dieser Gründung gefafit worden war. Die Erôffnung erfolgte im Jahre 1889 mit der theologischen Fakultât.
- Gegenwârtig bestehen auôer dieser die Fakultât für Philosophie, die für soziale Wissenschaften (Soziologie, Ôkonomie), politische Wissenschaften und Gesetzeskunde und die für Technologie.
- Der Eintritt in die philosophische Fakultât setzt voraus, dafi der Kandidat das Baccalaureat bereits erlangt hat, oder er unterwirft sich einer Prüfung, von deren Ausfall seine Aufnahme abhângt. Die Universitât erteilt zwei Grade: Master of Phil. und Dr. of Phil.; ersteren Grad erlangt man nach zweijàhrigem Stu-dium und einer Prüfung über ein Haupt- und ein Nebenthema. Der Doktorgrad erfordert ein dreijâhriges Studium und eine Prüfung, in welcher eine vollstândige befriedigende Dissertation über einen Haupt- und zwei Nebengegenstànde verlangt werden.
- In den anderen Fakultâten ist keine Zeitdauer vorge-schrieben ; volîstândig befriedigende Abhandlungen und Prüfungen sind zur Erreichung des Diploms notwendig.
- Weder zur Clark University noch zur rômisch-katholischen Universitât hat das weibliche Geschlecht Zutritt.
- IV. Vereinigung von College und Universitât.
- Die Vereinigung von College und University ist die amerika-nische Type in der Organisation des hôheren Studiums. Gewerbe-und technische Schulen (professional and technological colleges) erlangten innerhalb dieser Schulkategorie eine grofie Unab-hângigkeit, da sie zumeist ihr eigenes Budget haben. In manchen
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- Fâllen aber werden sie sogar als eigene Schule verwaltet, wo nâmlich die Professoren die von den Studenten bezahlten Ge-bühren unter sich teilen. Die gesamten Lehreinrichtungen einer solchen College- und University-Vereinigung bilden einen solchen Komplex, daô sie der deutschen Universitàt, der technischen und landwirtschaftlichen Hochschule, ferner der Handelsakademie und dem Realgymnasium zusammen entsprechen. Der Komplex einer solchen Institution ist zu umfangreich, uni eine detaillierte Beschreibung aller Kurse zu liefem; eine so kolossale Vereini-gung mag auch manche Nachteile haben und insbesondere dem Professorenkôrper eine harte Arbeit aufbürden, da er für sich und seine Forschung wenig oder keine Zeit erübrigt, sondem sich ganz und vol! seinen Studenten widmen mufi.
- Es soll hier eine Reihe soîcher Institutionen und deren Organisation besprochen werden, um ein Bild dieser Schul-kategorie zu geben.
- I. John Hopkins University.
- Diese berühmte Anstalt, deren EinfluO auf die Entwicklung hôherer wissenschaftlicher Bildung in den Vereinigten Staaten unberechenbar grofi war, wurde aus der Hinterlassenschaft von John Hopkins, Bürger von Baltimore, gegründet. Dieser Phi-lanthrop hinterliefi nahezu sein ganzes Vermôgen von mehr als 31/, Millionen Dollar zur Grundung einer Universitàt und eines Hospitals. Die Anstalt wurde im Jahre 1867 gegründet und nach durchgeführter Organisation begann sie im Jahre 1876 ihre regelrechte Tâtigkeit. Der Hauptzweck war vorerst die Entwicklung des Unterrichtes in den Methoden wissenschaftlicher Forschung; ein College-Curs wurde zu dem alleinigen Zwecke errichtet, dafi in demselben für hôhere Wissenschaft vorbereitet wurde. In der Universitàt wurde zuerst die Fakultât für Philosophie organisiert, wâhrend die für Medizin bis zur Fertigstellung des Hospitals verschoben wurde. És war im Jahre 1889 vollendet und vier Jahre spâter wurde die medizinische Fakultât erôffnet
- Eine sehr wichtige Einrichtung an der John Hopkins University war der Stipendienfonds für Kandidaten, die besondere Fàhigkeiten hatten und sich speziell der wissenschaftlichen Lauf-bahn und nicht einem praktischen Berufe, wie Advokatur, Medizin oder Théologie widmen wollten. Jâhrlich wurden und werden 20 Stipendien zu 500 Dollar verliehen, durch welche die jungen Leute in ihren Studien vollstândig unabhàngig werden.
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- Aber die mit Stipendien beglückten Studenten waren und sind von den Schulgebühren nicht befreit.
- In der John Hopkins University finden solche Kandidaten Aufnahme, die ein College absolviert haben und in ihren Studien so weit fortgeschritten sind, um sich hier weiter in Philosophie, Literatur oder den sonstigen Wissenschaften auszubilden; es steht daher folgenden Personen frei, für kürzere oder lângere Zeit in dem Fach oder den Fâchern ihrer Wahl zu bleiben, nâmlich solchen, die ein Diplom erlangen wollen, ferner Kandidaten für das Doktorat der Medizin, Doktoren der Medizin selbst, welche gewisse Spezialkurse nachtrâglich fortzusetzen wünschen, und endiich Studenten, welche weder ein Diplom haben, noch eines anstreben, sondern lediglich von der sich bietenden Ge-legenheit der hôheren Ausbildung für eine kurze Période Gebrauch machen wollen.
- II. Bryn Mawr College.
- Diese vorzügliche Anstalt für das weibliche Geschlecht wurde nach dem Muster der John Hopkins University ein-gerichtet. Sie liegt in Biyn Mawr in der Umgebung von Philadelphia und wurde von den grofien Spenden des Dr. Jos. W. Taylor und anderer Mitglieder der «Society of Friends» («Quaker») begründet und 1885 erôffnet. Aufgenommen werden weibliche Studenten, die die nôtigen Vorstudien erlangt haben, aber auch aufierordentliche Hôrerinnen werden ohne besondere Formalitâten zu allen Kursen zugelassen, wenn die Instruktoren es bewilligen. Unterrichtsgegenstânde sind: Philosophie, Logik und Psychologie, politische und soziale Wissenschaften, Sprachen, Geschichte und Mathematik.
- Dieses Institut nimmt eine sehr hohe Stellung ein und hat sich einen vorzüglichen Lehrkôrper gesichert.
- Die von diesem Instîtute erteilten Diplôme sind gleich-wertig mit anderen in den Vereinigten Staaten.
- III. University of Pennsylvania.
- Dieses Institut ging aus einer kleinen Schule hervor, die im Jahre 1740 als «charitable school» (Wohltâtigkeitsschule) ge-gründet war und 1751 in eine Akademie umgewandelt wurde, in der aufier den regulâren Schulfâchern auch englische Literatur, Latein und Mathematik gepflegt wurden. Einige Jahre spâter erteilte der Gouverneur von Pennsylvania den Freibrief für ein
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- College und von 1755 ab lautete der Titel : «The college and academy of Philadelphia in the province of Pennsylvania».
- Erst im Jahre 1891 nach langen Verhandlungen entstand die neue University, die mit dem alten College vereinigt wurde.
- Die Universitât ist eine vollstândige Privatanstalt. Nur hat der Gouverneur des Staates in der Verwaltung den Vorsitz.
- Die Institution ist auberordentlich reichhaltig* und enthâlt folgende Kurse für :
- 1. Semitische Sprachen, 2. amerikanische Archàologie und Sprachen, 3. indo-europàische Philologie, 4. klassische Sprachen, 5. deutsche Sprachen, 6. romanische Sprachen, 7. Englisch, 8. Philosophie, 9. Geschichte, 10. Géographie, 11. Mathematik, 12. Astronomie, 13. Physik, 14. Chemie, 15. Botanik und Zoologie.
- Bezüglich der Zulassung von Studenten und Erteilung von Diplomen gelten dieselben Normen wie bei den vorgenannten Universitâten.
- IV. Harvard University.
- Diese âlteste Gründung und ehrwürdigste Institution, der grôbte und berühmteste Sitz der Gelehrsamkeit in den Ver-einigten Staaten, stammt aus dem Jahre 1636, als der Gerichtshof der Kolonie von Massachusetts eine Gabe von 400 Pfund Sterling zur Gründung einer Schule oder eines College bewilligte. Der Unterricht begann im Jahre 1638, in dem die Verlassenschaft von John Harvard, welcher zu Charlestown starb, für diese Institution flüssig wurde. Die erhaltene Summe reichte hin, um das College zu erôffnen, und die Schule erhielt den Namen des Testators. Der Lehrkôrper war sofort gebildet und die Revisoren für eine lange Période von der Legislatur Massachusetts gewàhlt, wàhrend gegenwàrtig diese Wahl durch die vom Harvard College Diplomierten erfolgt.
- Als im Jahre 1782 eine Schule für Medizin begründet wurde, begann man die gesamte Anstalt mit dem Titel «University» zu bezeichnen.
- Erst in den letzten zwanzig Jahren erfuhren die verschie-denen Abteilungen, die von Zeit zu Zeit geschaffen worden waren, eine grobe Réorganisation.
- Die gegenwârtige Organisation ist kurz die folgende : 1. bis
- 3. Fakultâten for Art and Science (für Kunst und Wissenschaft),
- 4. Théologie, 5. Jurisprudenz, 6. Medizin, 7. Zahntechnik, 8. Tier-arzneikunde, 9. Landwirtschaft.
- Um Zutritt zur Harvard University zu erlangen, sind selbst-
- * Sogar für kommerzielle Ausbildung ist durch das Wharton College vorgesorgt.
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- redend die gemachten Vorstudien in einem durch die Leitung anerkannten College erforderlich ; die Bewerber müssen voll-kommen vorbereitet sein und hâufig widmen sie, auch wenn sie ein College absolviert haben, ein Jahr Spezialstudien, um vollstândig für die Harvard University reif zu werden.
- V. Yale University New Haven Con.
- Im Jahre 1701 wurde zu Saybrook die Collegiate school of Connecticut begründet, die im Jahre 1716 nach New Haven ver-legt und in Anerkennung der seitens Elihu Yale von London der jungen Institution gemachten generôsen Spende «Yale College» genannt wurde.
- Der Titel «University» ist erst anderthalb Jahrhunderte spâter angenommen worden.
- Oegenwârtig sind an derselben vier Abteilungen: I. Philosophie, IL Théologie, III. Medizin, IV. Jurisprudenz.
- Das Departement I enthâlt Abteilungen für Psychologie, Ôkonomie, Mathematik, Technologie, Geschichte etc. und Zutritt zu dieser Fakultât haben Studenten, die ein College absolviert haben, aber auch solche, die genügend wissenschaftliche Vor-bildung mitbringen und zumindest 18 Jahre ait sind. Um in den Abteilungen II und IV Aufnahme zu finden, ist kein Diplom einer anderen Anstalt vorgeschrieben.
- VI. Columbia'Uni versity of New York.
- Im Jahre 1754 wurde in New York mittels Freibriefes des Kônigs Georg II. eine Anstalt für hôhere Bildung junger Leute unter dem Namen «Kings College» begründet; das College be-stand unter diesem Namen bis 1784. Wàhrend der Révolution war die Tâtigkeit teilweise und auch ganz suspendiert. Im Jahre 1784 wurde eine Vereinigung unter dem Titel «University» ge-bildet und der Besitz des Kings-College ging in derselben auf, aber drei Jahre spâter wurde der Titel widerrufen und die neue Vereinigung fixierte den Titel «Columbia College of the city of New York»; dies blieb die Bezeichnung bis zum Jahre 1896, wo der board of trustées (Verwaltungskôrper) in allen offiziellen Publikationen die Bezeichnung «Columbia University» sanktionierte.
- Der Name Columbia College blieb indes auch weiter be-stehen für das «College» allein mit Ausschlufî der übrigen Abteilungen der Universitât. Die Abteilungen enthalten die Schule für Medizin (gegründet 1807), für Jurisprudenz (1858), für Berg-bau (1864), für Chemie, Technologie und Architektur (1896).
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- Vereinigt mit der Columbia-Universitât wurde auch noch das Barnard College (gegründet 1889), und das Teachers College war und bleibt auch weiters eine Stàtte zur Heranbildung von Lehrern (mânnlich und weiblich). An der Columbia University ist dem weib-lichen Geschlecht der Zutritt für die meisten Abteilungen gestattet.
- Die gegenwàrtige Organisation der Columbia University ist die folgende:
- I. Columbia College.
- II. Die Universitât. Diese enthâlt folgende Fakultàten:
- 1. Philosophie, welche Kurse für Philosophie, Psychologie, Griechisch, Latein, Englisch, Literatur, Musik und die germanischen, romanischen und orientalischen Sprachen enthâlt.
- 2. Fakultât für politische Wissenschaft.
- 3. Fakultât für Naturwissenschaften und Mathematik.
- 4. Fakultât für Bergbau, Technik, Architektur und Chemie.
- 5. Fakultât für Medizin.
- 6. Fakultât für Jurisprudenz.
- Folgende Daten dürften von Interesse sein:
- Die Universitât beschâftigt 585 Lehrer und zâhlte im Jahre 1903 4557 Studenten. In 26 Prachtgebâuden, die eine Bodenflâche von 34 Acres einnehmen, sind die diversen Abteilungen untergebracht. Die Bauten allein haben zirka 9 Millionen Dollar gekostet. Der Wert des Grundes, auf dem sie erbaut wurden, ist nicht berechnet. Die Einrichtung erforderte 3V2 Millionen Dollar. Die jâhrlichen Auslagen der Anstalt betragen
- I x/a Millionen Dollar. Die Gebühr für Erreichung eines Diploms betrâgt für Architekten 200 Dollar, für Kandidaten der Medizin 250 Dollar, für Kandidaten aller anderen Fakultàten 150 Dollar. Die Matrikelgebühr ist 5 Dollar, die jâhrliche Gebühr für Gym-nastik (Turnen) 7 Dollar.
- Die Stipendien belaufen sich jâhrlich auf 70.000 Dollar.
- Es besteht auch ein wohlorganisiertes Komitee, welches lohnende Beschâftigung für Studenten besorgt und diplomierten Absolventen gute Positionen verschafft.* Dieses hebt keine Ge-bühren ein.
- Die Universitâtsbibliothek, ein Prachtkuppelbau von Seth Low sen. gespendet, enthâlt 350.000 Bânde und ist allen ohne Formalitâten zugânglich von Uhr morgens bis
- II Uhr nachts. Die Schwimmschule ist 100 Fufi lang, 50 Fufi breit und 4—10 Fufi tief und fafit nahezu */4 Million Gallonen Wasser. Turnen und Schwimmen stehen unter Leitung eines Direktors und fungieren Spezialisten als Instruktoren.
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- Die Laboratorien sind durchwegs minutiôs ausgestattet und aile Behelfe für Studierende sind reichlich vorhanden.
- Die meisten Abteilungen bedingen einen vierjàhrigen Kurs zur Erlangung eines Diploms für das betreffende Fach.
- Die Universitât unterhâlt auch Sommerkurse in mehreren Abteilungen für beide Geschlechter und die Teilnahme daran be-darf keiner besonderen Aufnahmsbedingungen, das ist weder eines Diploms noch einer Prüfung. Dagegen steht es Kandidaten des Sommerkurses frei, sich um ein Diplom der Universitât zu bewerben; sie haben sich dann einer Prüfung zu unterwerfen und die entsprechenden Gebühren zu bezahlen. Im Jahre 1903 wurden 77 solcher Kurse abgehalten, die durch 44 Lehrer geleitet waren.
- Es erübrigen noch einige Worte über das erwâhnte Teachers College (Pâdagogium) ; dieses bildet Lehrer und Lehrerinnen für Kindergarten, Elementar-, Normal- und Secondschulen. Die Kandidaten dieses College kônnen unter einem die Fakultâten der Universitât frequentieren, was die Qualifikation erhôht.
- Dem Stellenvermittlungs - Komitee gingen im Jahre 1903 787 Verlangen nach Lehrern und Lehrerinnen zu und war das Komitee imstande, 235 von der Liste der am College Dïplo-mierten unterzubringen.
- Trotz der schon vorhandenen kolossalen Ausdehnung plant man die Organisation weiterer Abteilungen, so eine Schule für Journalisten, also eine Fakultât für Publizistik, für die Pullitzer, der Inhaber der grofien Zeitung «World» in New-York, ein Ôsterreicher von Geburt, über eine Million Dollar spendete.
- VIL Cornell University Ithaca N. Y.
- Diese Universitât nimmt eine Mittelstellung zwischen einer Privatgründung mit unabhângiger Existenz und staat-lichen Universitât ein. Ihre Gründung verdankt sie der Ge-nerositàt und den Anstrengungen von Ezra Cornell. Sie ist eine unabhângige Kôrperschaft, jedoch ist das Gouvernement des Staates von New York in der Verwaltung durch offi-zielle Mitglieder vertreten. Der Fonds der Schule wurde durch Mr. Cornell und andere Wohltâter und durch den Verkauf von Grundstücken geschaffen, welche der Staat New-York schenkte, wozu er durch einen Akt (Morrill Act)*) des Nationalkongresses
- * The Morrill-Act vom Jahre 1862 und ergânzt im Jahre 1866. Die Zentral-Regierung gab dén Anstofi zur Gründung der Staatsuniversitâten und durch dieses Gesetz wurden den einzelnen Staaten grofie Landschenkungen gemacht, tun aus deren Realisierung die Mittei zu erlangen, in der ganzen Union «Colleges» zu begründen, in welchen über Agrikultur, Industrie und Gewerbe aller Art sowie über andere Gegenstânde, einschliefilich Literatur und Wissenschaft Unterricht erteilt werden sollte. In der Schenkung wurde ausdrücklich bedungen, dafi in den Instituten auch militârischer Drill und «Disziplin» geübt werden.
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- im Jahre 1862 ermâchtigt wurde. Mr. Cornells Absicht bei der Gründung war, dafi jede Person zu irgend einem Studium Ge-legenheit finden solle. Lange Zeit war die Ausführung nicht môglich, aber die Sympathie für die Schaffung der Anstalt führte schliefilich zur Gründung eines Institutes von ungewôhnlicher Breite und Stârke.
- Es enthâlt aile Abteilungen, die irgend eine andere ameri-kanische Universitât besitzt, und verwaltet gleichzeitig das tier-àrztliche College und das College für Waldbau (Forstakademie)) die beide in New York bestehen und staatliche Gründungen sind. Das College of Medizin, gegründet im Jahre 1897/1898, besteht in New York, obwohl die Arbeit der ersten zwei Jahre y in Ithaca getan wurde.
- Bezüglich der Aufnahme gelten zumeist dieselben Prinzipien wie an der Columbia-Universitât.
- VIII. Die Universitât von Chicago.
- Die Geschichte dieser Universitât ist noch sehr jung und beginnt erst mit dem Jahre 1886, als Rockefeller die Idee fafite, eine neue Schule in Chicago zu gründen. Durch seine mehr-fachen, aufierordentlich groôen Spenden, die durch andere Mànner noch vermehrt wurden, war die neue Institution gesichert. Die ersten Gebâude waren 1891 fertig und ein Jahr spâter begann die Tâtigkeit. Die Organisation ist ziemlich kompliziert und invieler Hinsicht von allen anderen Universitâten Amerikas verschieden-
- Wâhrend bei den meisten Universitâten das akademische Jahr in zwei oder drei Termine von 18, respektive 12 Wochen geteilt wird, besteht bei der Universitât von Chicago die Teilung in vier Quartale von je 12 Wochen und der Unterricht wâhrt das ganze Jahr mit einem Intervall von je einer Woche nach jedem Quartal; die Studenten bleiben für ein oder mehrere Quartale je nach ihrer Wahl. Die Lehrer sind auf ein Jahr zu lehren verpflichtet mit der Begünstigung einer besonderen Vergütung für extra gewünschte Tâtigkeit über diese Zeit hinaus.
- Ein vierjâhriger Kurs ist notwendig, um die hôchsten Grade zu erlangen. Die Aufnahme erfolgt, wenn das an einem anerkannten College erreichte Baccalaureat nachgewiesen wird. Gegenwârtig hat die Universitât eine theologische und eine philosophische Fakultât und eine für Kunst und Wissenschaft.
- Aufîer den geschilderten Privatuniversitâten gibt es noch andere bedeutende Kôrperschaften, welche Universitâtsunterricht in ihre Tâtigkeit aufgenommen haben, wie:
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- die Brown University in Providence, Rhode Island, die Princeton University in New Jersey, die Leland Stanford jr. Univ. in Palo Alto, Calif. die Tulane-Uni vers itàt in Louisiana, die Vanderbilt-Universitât in Nashville, Tennesse, die University of New-York in New-York, das Dartmouth College in Hanover, New-Hampshire. die Washington University in St. Louis Mo. das Normal College in New-York, eine grofîe Institution zur Heranbildung von Lehrerinnen etc. etc. und andere.
- Aile diese Universitâten enthalten ein College und ver-schiedene wissenschaftliche Schulen.
- V. Staatsuniversltâten.
- Gegenwârtig besteht in jedem der folgenden 29 Staaten der Union je eine Staatsuniversitàt, die aus ôffentlichen Fonds gegründet und erhalten wird und mehr oder weniger unter der Kontrolle der Legislatur und der Verwaltungsbeamten des be-treffenden Staates steht. In einzelnen FâTlen fliefien diesen Universitâten Spenden von Privaten zu, aber im allgemeinen hângt deren Erhaltung von den Einkünften des jeweiligen Staates ab. Diese 29 Staaten sind:
- Alabama, California, Colorado, Georgia, Illinois, Indiana, Jowa, Kansas, Louisiana, Maine, Michigan, Minnesota, Mississippi, Missouri, Nebraska, Nevada, North Carolina, North Dakota, Ohio, Oregon, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Virginia, Washington, West Virginia, Wisconsin, Wyoming.
- Obwohl die Organisation dieser Schule zumeist denen autonomer Korporationen âhnlich ist, unterscheiden sie sich doch einigermafien von ihnen; die grôBeren haben vollstândig gut eingerichtete technische und gewerbliche Schulen; die juri-dischen und medizinischen Fakultâten werden meistens durch die Gebühren der Studierenden erhalten und stehen in Wahrheit noch nicht auf einer Universitàtsbasis. Eine theologische Fakultàt gibt es bei den Staatsuniversitâten nicht.
- Die Gründungsfonds und Einkommen dieser Universitâten setzen sich wie folgt zusammen:
- 1. Aus Landschenkungen in Übereinstimmung mit dem «Morrill Act» vom Jahre 1862.
- 2. Staatstaxen, die entweder jâhrlich festgesetzt werden und variabel sind, oder permanenten Spezialtaxen.
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- 3. Studentengebühren, jedoch nur in einigen Universitâten, da in vielen diese Zahlung eine freiwillige ist.
- 4. Privatdotationen, welch letztere unbedeutend sind und nur einen kleinen Bruchteil jener Dotationen bilden, die den Privatuniversitâten in reichem Mafie zufliefîen.
- Nach dem Urteile der ôffentlichen Meinung sollen solche Anstalten, zu denen jeder im Staate ohne Ausnahme durch die Taxe beitragen mufô, für jeden ohne Unterschied des Geschlechtes, der Farbe oder Religion offen sein.
- Kontrolle wird durch ôffentliche Beamte geübt, die «Regents» genannt werden; eine «Board of regents» besteht aus dem Governor des Staates, dem Oberaufseher (Superintendent) der ôffentlichen Schulen, dem Prâsidenten der Universitàt und 7 Per-sonen, die durch den Governor ernannt und vom Senate bestàtigt werden; in manchen Staaten werden die «Regents» gewâhlt.
- Von den Staatsuniversitàten sind die bedeutendsten und erfolgreichsten die von Michigan, Minnesota, Wisconsin und California. Die von Michigan ist die âlteste, gegründet im Jahre 1837; sie ist unter Leitung sehr befâhigter Personen mehr und mehr gewachsen und nimmt heute eine bevorzugte Stellung unter den gleichen Institutionen ein.
- Es seien hier die jüngsten dieser Institutionen detailliert vorgeführt.
- The University of Wisconsin, Madison Wis.
- Mit der Organisation dieses Staates im Jahre 1848 wurde gleichzeitig im Gesetze bestimmt, dafi Vorsorge getroffen werde zur Etablierung einer freien Schule, in welcher Gelegenheit geboten ist, Kenntnisse in den verschiedenen Zweigen der Wissen-schaften, der Industrie und des Gewerbes zu erlangen. 1850 begann der ers te Unterricht, aber die Anstalt führte bis 1866 eine sehr schwache, prekâre Existenz, da sie eines grofien Teiles ihres Vermôgens beraubt worden war. Erst im Jahre 1866, als durch den seinem Ende nahen Bürgerkrieg ein hôherer und intelligenterer Patriotismus erstand, erlangte dieses Institut durch erneute Landschenkungen die entsprechenden Mittel, um seiner wichtigen Funktion zu entsprechen. Es erhielt den Charakter einer Universitàt und die Fonds wurden auf eine sichere Basis gestellt. Von dieser Zeit an ging die Arbeit in raschem Tempo vorwârts und die Anstalt behauptet heute einen ersten Platz unter den Hochschulen Amerikas.
- Die Réorganisation begann mit der Berufung eines neuen
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- Stabes von Professoren, von denen jeder ein Spezialist in seinem Fâche war.
- Die Fakultàten wurden sukzessive erôffnet, bis auf jene für Medizin, auf welche man vorerst verzichtete, weil in einer so kleinen Stadt das klinische Material fehlte, das in den grofien Stâdten durch die Spitâler geboten ist. Man beschlofi daher: «Besser keine Schule für Medizin, als eine, die doch inferior bliebe». Immerhin war noch ein weites Tâtigkeitsgebiet vorhanden:Technische und industrielle Kurse,Naturwissenschaften, Philosophie, Literatur, fremde Sprachen, sowohl lebende als tote.
- Der Zutritt zur Universitât durfte und konnte nicht er-schwert werden durch Verlangen bedeutender Vorstudien, wie etwa klassische oder fremde Sprachen. Weil die Bewohner des Staates es so heischten, mufite man darauf bedacht sein, die praktischen Studien zu pflegen. Es wurden Vorbereitungskurse erôffnet, die die Aufgabe hatten, Studenten für die hôheren Kurse zu erzielen. Es war und ist niemand gezwungen, Griechisch und Latein zu lernen. Ebenso hait man es mit den fremden modernen Sprachen. Nur auf die «deutsche» wurde grofîes Gewicht gelegt, da in diesem Staate die stârkste Einwanderung die der «Teutonen» war. Eine besondere Fakultât wurde für «Pharmazie» errichtet mit einem vierjâhrigen Kurs für diejenigen, welche selbstândig ein Geschâft zu leiten beabsichtigten.
- Es besteht ferner ein Kurs für den Handelstand (Handels-akademie) mit allen für einen gebildeten Kaufmann und den Handel der Neuzeit notwendigen Fâchera, in dem auf die gründliche Erlernung fremder Sprachen besonderes Gewicht gelegt wird.
- Bei der letzten Réorganisation der Anstalt wurde seitens des Staates gewünscht, dafi auf «Agrikultur» spezielle Sorgfalt verwendet werde, da dies im Interesse der «Farmer» wâre; allein das «College» für «Agrikultur» war trotzdem von 1866 bis 1885 das schwâchstbesuchte. War es Indifferenz oder Opposition; kurz das College fand nicht den rechten Anklang und die Farmer hielten die Universitât «ohne Wert für sie» («of no use»). Nun kam die Leitung auf eine gute Idee, um die Opposition der Farmer zu besiegen.
- Man sandte Beamte unter die Farmer, um dieselben über den Wert des Studiums in einem College für Agrikultur aufzu-klâren, und gleichzeitig erôffnete man einen Winterkurs für « Farmer’s boys», mit Schlufî der Ernte beginnend und im Früh-jahr endigend, und dieser Kurs fand bald grofien Anklang. Wenige Tage nach Beginn des Unterrichtes erwachte in diesen
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- Boys die Lernlust; man stellte absolut keine Ansprüche an Vor-studien, es war die einzige Bedingung, daS der «Boy» 16 Jahre ait sei. In den ersten Tagen wurden die Boys für das hôhere Studium vorbereitet und dieses genügte, um Eifer und Wissens-durst zu wecken. Diese «kurzen Studentenkurse» erlangten unter den Farmern Popularitât und damit auch die Universitàt und so mufîten ’bald die Hôrsâle erweitert werden, da der Zuspruch zu diesen «kurzen» Kursen wuchs. Man ging in der praktischen Handhabung weiter und erôffnete «Molkereikurse» für die Dauer von zwei Wochen in der Winterzeit und für Personen über 25 Jahre. Es fanden diese Kurse solchen Anklang, dafi sich zum ersten Kurs neben jüngeren Leuten auch 170 Personen zurTeil-nahme meldeten, die ein Alter von über 40 Jahren hatten.
- Der Erfolg des Institutes für Agrikultur steigerte sich zu-sehends und Farmers sandten ihre Boys zur Universitàt, um die lângeren Agrikulturkurse durchzumachen und «auch sonst was» zu lernen. Farmers wurden in der Folge auch «parla-mentarisch» geschult und im «ôffentlichen Sprechen» geübt.
- Viele, die lângere Kurse absolvierten und auch an anderen teilnahmen, widmeten sich dem Lehrfach der Agrikultur; viele wurden mit der Leitung und Bewirtschaftung grofier Farmen betraut; doch bleibt die Teilnahme an den langen Agrikultur-kursen noch immér eine schwache.
- Das technische Institut zur Heranbildung tüchtiger In-genieure erfordert zumindest ein Studium von vier Jahren und viele Studenten nehmen sich fünf oder sechs Jahre Zeit, um auch auf anderen Gebieten die heute erforderliche Bildung zu erlangen. Freilich, nur wenige junge Leute wollen oder kônnen so viel Zeit widmen.
- Der Erfolg des «Short Farmers cours» bestimmte die Leiter der Universitàt, einen Sommerkurs für jene zu erôffnen, welche auf technischem Gebiete bereits praktisch tâtig waren, die aber keine hôhere Schulung genossen haben. Insbesondere für Elek-trizitât und Mechanik, die fortwâhrend mehr und mehr ins prak-tische Leben eingreifen, wurden wàhrend der Sommerferien solche Kurse ins Leben gerufen und die Idee war eine glückliche. Zahl-reiche Studenten nahmen mit Eifer teil und sind am Schlusse eines solchen Kurses voiler Dank. Die Zahl der Teilnehmer an diesen Kursen wàchst fortwâhrend und so entspricht diese Uni-versitât allen Notwendigkeiten und bildet ein bedeutendes Kultur-medium des Staates.
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- Die Law-School (Jurisprudenz) hat einen dreijâhrigen Kurs und nimmt einen exklusiven Platz an der Universitât ein, insofern als sie nahezu auf eigene Mittel angewiesen ist; der Jahresbeitrag für die Studierenden betrâgt in dieser Fakultàt 75 Dollar, wâhrend an den anderen Fakultâten nur 20 bis 30 Dollar jâhrlich zu zahlen sind.
- Die Universitât hat auch eine Schule für Musik und die Hâlfte der Abiturienten dieser Schule betreiben nach Absolvierung ihrer Studien die Musik als Beruf. Viele setzen die Studien in Europa behufs hôherer Ausbildung fort.
- Das Leben an der Universitât in Wisconsin ist nicht teuer; die Gebühren an der Universitât betragen für Juristen 75, für die anderen Fakultâten 20 bis 30 Dollar, ferner sind in gewissen Kursen Laboratoriengebühren zu entrichten. Kom-fortable Wohnung und Kost sind in Wisconsin für 4 bis 5 Dollar in einer Woche erhâltlich. Für 250 Dollar im Jahre kônnen aile Kosten eines Studenten bestritten werden ; selbstredend gibt es viele, die mehr verausgaben, aber viele brauchen auch weniger. Eine grofie Anzahl von Studenten verdient auf verschiedene Weise ihren Bedarf, vom Mitwirken in einer Musikbande bis zum Geschirrwaschen, vom Zeitungskorrespondenten bis zum Haarkünstler, keine Arbeit wird als entehrend gehalten.
- Endlich erteilt auch die Universitât Stipendien für ein Jahr, dann auch solche für die ganze Universitâtsdauer.
- Für kôrperliche Übungen und anregende Zerstreuung ist bestens gesorgt; Handball, Football, Baseball, Gymnastik bis zur Athletik werden gehandhabt und schliefilich sind viele Studenten auch literarisch tâtig. Die Studenten selbst publizieren eine tàg-liche Zeitung und eine Monatsschrift mit kurzen Erzâhlungen und Versen. Auch eine humoristische Ausgabe geht aus dieser Werkstatt hervor. Endlich bildet ein Teil der Studenten eine Debatting-Society.
- Trotzdem Religion in keiner Abteilung als Lehrgegen-stand vorgetragen wird, bilden die mânnlichen und weib-lichen Studenten doch konfessionelle Vereinigungen. Es gibt «Youg men’s and Young women’s Christian Associations». Auch an dem religiôsen Leben in den Kirchen der Stadt beteiligen sich die Studenten.
- University of California Bejkeley and San Francisco.
- Diese Universitât bildet einen wesentlichen Bestandteil der staatlichen Fürsorge. Sie wurde im Jahre 1868 gegründet, als das
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- seit 1855 bestandene College of California mit seinem Besitz und seinen Studenten in die Universitât überging. 1869 begann die Anstalt ihre Tâtigkeit. ïm Jahre 1888 ward das Licksche astronomische Observatorium zu Hamilton ein Teil dieser Universitât.
- Die kontrollierende Kôrperschaft der Universitât ist unge-wôhnlich gro8 und besteht aus dem Governor und Leutnant-Oovernor des Staates, dem Prâsidenten der gesetzgebenden Versammlung, dem staatlichen Oberaufseher der ôffentlichen Lehrtâtigkeit, den Prâsidenten der staatlichen Agrikulturgesell-schaft und der mechanischen Institute von San Francisco, dem Prâsidenten der Universitât und 16 «regents», welche vom Governor ernannt und vom Staatssenate bestâtigt werden müssen.
- Die Anstalt wird aus verschiedenen Staatsfonds erhalten; die juridische Fakultât hat ihre besondere Schenkung, die anderen Fakultâten sind t e i 1 w e i s e auf die Studentengebühren an-gewiesen.
- Im Jahre 1898 machte eine wohltâtige Dame, Mrs. Phoebe Hearst, dem Institute eine Schenkung von mehjeren Millionen Dollar, die es ermôglichen, der Anstalt die hôchste Erweiterung zu geben.
- Fakultâten bestehen für Art and Science (Kunst und Wissenschaft), für Handel, für Astronomie (Lick), für Jurisprudenz, für Tierarzneikunde.
- Aufnahmsbedingungen und Grade sind dieselben wie bei den anderen Universitâten.
- VI. Der Einflufi Deutschlands auf die Universitâten.
- Aus den angeführten Details erhellt klar der Kontrast zu europâischen und insbesondere deutschen Universitâten, welche zumeist vier Fakultâten haben: Medizin, Philosophie, Jus und Théologie. Ist die letztere Fakultât an den meisten Universitâten Europas eine der wichtigsten, so finden wir sie in Amerika nur bei einigen Privatuniversitâten, aber nie bei staatlichen Gründungen.
- Wir begegnen obigen Fakultâten mehr oder weniger auch an den amerikanischen Universitâten, aber an fast allen sind auch die technischen Fâcher besonders kultiviert (Polytechnik), ferner gibt es eine Veterinârschule (Tierarznei), wo auch keine medi-zinische Fakultât besteht, eine Spezialschule für Agrikultur, eine
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- kommerzielle Abteilung, eine für Musik etc., wâhrend ail diese Abteilungen auf europâischen und insbesondere deutschen Uni-versitâten nicht zu finden sind. Auch die Aufnahme, respektive die Inskription ist wesentlich verschieden. Um an deutschen Universitâten Aufnahme zu finden, sind die Absolvierung einer achtklassigen Mittelschule und das Maturitâtszeugnis Kardinal-bedingungen; in Amerika wird der Besuch eines College und das dort erlangte Baccalaureat gefordert, oder man unterzieht sich einer Aufnahmsprüfung. Da die Colleges in Amerika die deutschen Mittelschulen zumeist ersetzen und mit den Universitâten unzertrennlich verbunden sind, ist der Übertritt vom College zu Universitâtsstudien wesentlich erleichtert und vereinfacht.
- Indes lugten die Amerikaner stets nach Deutschîand aus, um von dessen Fakultâten môglichst zu gewinnen und eventuell nach deutschem Muster Einrichtungen zu treffen.
- Im Beginn des XIX. Jahrhunderts waren die amerikanischen Schulen, namentlich hôheren Grades, noch in den Kinderschuhen und es fehlten auch die entsprechenden Lehrkrâfte. Wer Uni-versitàtsbildung erlangen wollte, ging nach Europa und speziell nach Deutschîand. Der erste Amerikaner, der an einer deutschen Universitàt ein Diplom erlangte, war Edward Everett; dieser ward Doktor der Philosophie in Gôttingen im Jahre 1817; ihm folgte Josef Green Capwell 1819 und Georg Bancroft 1820. Der Geist, den diese aufgenommen, wurde im Heimatlande weiter getragen ; die Saat, die die Genannten streuten, sproô auf und trug reich-liche Früchte. Bancroft wollte ganz nach deutschem Muster wissenschaftliche Kurse errichten, um so die Umwandlung der «Colleges» in Universitâten herbeizuführen, aber er konnte nicht durchdringen, da es nicht leicht ist, eine Organisation zu verândern, die in der Gewohnheit des Landes wurzelt. Von 1821 bis 1848 scheint kein Diplom aus Deutschîand geholt worden zu sein, aber nach 1848 wuchs die Zahl amerikanischer Studenten in Deutschîand, und Gôttingen war es insbesondere, das von den Amerikanern bevorzugt wurde, obwohl sie auch an anderen deutschen Universitâten den Studien oblagen und ihre Diplôme holten. Die Folge dieses geistigen Imports war, dafi von 1866 aile amerikanischen Hochschulen einen Aufschwung nahmen, die Teilnahme an hôherer Bildung wuchs und In-struktoren herangebildet werden. Und wenn auch die amerikanische Organisation geblieben ist, so ist doch viel von deutschem Geist und deutscher Méthode in die Fakultâten übergegangen.
- Eine vollstândige Umwandlung nach dem Muster deutscher
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- Universitâten ist unmôglich, denn das deutsche 8- bis 9jâhrige Gymnasium macht die deutsche Universitât; das lange Vorbilden an den Gymnasien ist ein unberechenbarer Vorteil. Das ist eben nur in einem Lande môglich, in welchem die Zentralregierung den Schulplan nach ihrem Willen regelt und für aile Schulen die gleiche Organisation und den gleichen Plan durchgeführt hat, was eben in Amerika infolge ganz anderer Verhâltnisse nicht der Fall ist und nicht sein kann.
- Es war ohnehin ein Vorteil für die amerikanischen An-stalten, dafi man das Gute aus Deutschland dem amerikanischen College als Ergânzung zuführte und nicht ersetzte.
- Behelfe zum Studium sind überall reichlich vorhanden, wie: Laboratorien, Museen und Bibliotheken. Was die letz-teren betrifft, so sind sie, wenn auch nicht phânomenal, so doch jedem Bedarf genügend und, was die Hauptsache, die Administration der Bibliotheken ist von dem liberalsten und praktischesten Geiste geleitet; beschwerliche Methoden und stôrende Beschrân-kungen der Benützung wie in Europa findet man in den United States nicht.
- Bezüglich der «Stipendien» gibt es wohl kaum eine nennenswerte Anstalt, die nicht reichlich nach dieser Richtung ausgestattet ist; bei den staatlichen Anstalten werden Stipendien aus den ôffentlichen Fonds bestritten, wâhrend sie bei den privaten durch Schenkungen besorgt werden. Sie sind zumeist sehr umfangreich, wie überhaupt der Amerikaner vom Staate unabhângige Institutionen seiner Sympathie würdiger erachtet.
- Diese Stipendien werden für ein und für mehrere Jahre, respektive für die ganze Studienzeit und auch für bestimmte Zwecke, wie für Reisen ins Ausland, für spezielle Forschungen etc., erteilt und variieren von 120 Dollar bis an 1000 Dollar pro Jahr.
- Viele der grofien Spenden stammen von Personen, die kein College besuchten, die aber J die Notwendigkeit erkannten, dafi die folgenden Generationen mit Wissen ausgestattet werden. Im Jahre 1891 spendete ein Mr. Fayerweather, Kaufmann in New York, mehr als vier Millionen Dollar für Colleges und Uni-versities und es ist für die Zukunft der Lehrinstitutionen der United States ermutigend, dafi so manche der Millionâre Amerikas bereitwilligst und freiwillig einen grofien Teil ihres Vermôgens für Lehrzwecke spenden. ^
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- VII. Selbstândige polytechnische Institute.
- Nachdem die vorausgeschickten Schilderungen ein Bild der amerikanischen Colleges und Universitâten gegeben haben, er-übrigt es noch, über andere Lehrinstitutionen| zu sprechen, die nicht mit den vorgenannten zusammenhângen. Es sind dies die selbstândigen polytechnischen Institute.
- Trotzdem in den vorerwâhnten hôheren Lehranstalten tech-nische Wissenschaften eine Hauptsache sind, gibt es doch noch eine grôfiere Anzahl selbstândiger polytechnischer Institute nach dem Muster europâischer, respektive deutscher Polytechniken, wo lediglich nach dem Programm und Lehrplan gleichnamiger europâischer Institute vorgegangen wird.
- Aufier solchen polytechnischen Instituten gibt es ferner selbstândige Agrikulturinstitute, wo zwei und drei dieser Kate-gorien gelehrt werden.
- Es soll hier eines der bedeutenderen polytechnischen Institute vorgeführt werden, die Rensellaer Polytechnik in Troy, N. Y. Im Jahre 1824 hat der Honorable Stefan van Rensellaer testiert, dafî aus seiner Verlassenschaft eine «School of theoretical and practical science» gegründet werde. Sie trat schon im Jahre 1829 ins Leben, wurde aber im Jahre 1849 auf Basis eines allgemeinen polytechnischen Institutes reorganisiert. Seit dieser Zeit ist aus diesem Institute eine groôe Zahl Diplo-mierter hervorgegangen, die als Professoren und Lehrer der mathematischen und physikalischen Wissenschaften, als Chemiker und Geologen und aïs Ingenieure der verschiedensten Art mit Erfolg tâtig waren und sind. Das Institut blickt stolz auf seine Wirksamkeit.
- Die Verwaltung ist einer zumeist gewâhlten Kôrperschaft von 24 Personen anvertraut, die aus Kaufleuten und Fabrikanten von Troy und Umgebung sich rekrutiert. Die Lage dieses Institutes in Troy war die denkbar praktischeste, denn die Stadt, die ungefâhr 75.000 Einwohner hat, ist an und fur sich eine Fabriks-stadt par excellence und liegt im Zentrum aller môglichen Manu-fakturen und Gewerkschaften von kolossaler Ausdehnung; in einem Umkreis von wenigen Meilen liegen die Stâdte Albany, Waterviliet, Green Island und Cohoes, welche sâmtliche durch StraÔenbahnen verbunden sind, und die Studierenden aller Branchen haben Gelegenheit, ailes, was sie an der Technik theoretisch erfahren haben, praktisch veranschaulicht vorzufinden; derZutritt in die Fabriken und Gewerkschaften stôfit auf keine Schwierig-keiten und bedarf keiner Formalitâten. Gelehrt wird: theoretische
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- und praktische Mathematik, Geometrie (Zeichnen), Chemie, Strafien- und Bahnbau, Mathematik und Astronomie, Elektrizitât und Physik, Maschinenbau, Géologie und Minéralogie, franzôsische Sprache und Literatur, englische Literatur etc.
- Der Lehrkôrper besteht aus dem Prâsidenten und Direktor, 10 Professoren und ebensovielen Assistenten.
- Aufnahme ins Institut. Der Beginn des Schuljahres ist im September, in dem auch die Aufnahme stattfindet. Doch macht man den spâter oder wâhrend des Jahres Eintretenden keine Schwierigkeiten, wenn sie genügend vorbereitet sind oder wâhrend der noch laufenden Frist des Jahres Versâumtes nach-zuholen imstande sind.
- Aufnahmsprüfungen sind im juni und September ; Studenten, die nur bestimmte Kurse machen wollen, werden speziell hierfür geprüft.
- Das Alter der Eintretenden ist mit dem Minimum des voll-endeten 16. Lebensjahres fixiert.
- Von den Aufnahmsprüfungen befreit sind jene Personen, die ein College mit Diplom absolviert oder bereits in mechanischen oder technischen Unternehmungen tâtig sind und an dem In-stitute nur in einem Spezialfache weitere Ausbildung wünschen; aile Vorteile des Instituts stehen diesen Kandidaten offen.
- Die Gebühr für den Unterricht und den Gebrauch aller Instrumente betrâgt halbjâhrig 100 Dollar, und für solche, die blofi ein Spezialfach nehmen, wird die Gebühr im Verhâltnis zur Zeit ihres Studiums berechnet. Eine Summe von 15 Dollar wird für éventuelle Schâden im Laboratorium erlegt und 8 Dollar betrâgt die Gebühr für die Erteilung eines Grades und des Diploms.
- Das Leben in Troy ist nicht teuer; je nach Behaglichkeit und den gestellten Ansprüchen findet man Kost und Wohnung für 4Va bis 9Vj Dollar pro Woche. Die Gesamtausgaben eines Studenten inklusive Wâsche, Heizung und Beleuchtung variieren zwischen 190 und 370 Dollar pro Jahr.
- Das Schuljahr ist in zwei Termine von je 19 Wochen ge-stellt, nach dem ersten Termine ist eine Woche Ferien, wâhrend nach dem zweiten Termin 13 Wochen Ferien gehalten werden. Im Jahre 1903 waren an diesem Institute 375 Studenten. Der Unterricht ruht in den besten Hânden und sind die Laboratorien, physikalischen Instrumente, elektrischen Apparate, astronomischen Behelfe etc. mit allen Fortschritten der neuesten technischen Er-findungen ausgestattet und geben die mannigfachsten Industrien
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- und Oewerkschaften in Troy und den benachbarten Stâdten Ge-legenheit, ailes gleich praktisch zu beobachten.
- Einer der meist frequentierten Kurse ist der der Ingenieure, der eines vierjâhrigen Studiums bedarf, um das Diplom als Ingénieur zu erlangen; der nâchst bedeutende in bezug auf die Frequenz ist der für Chemie. Der Studierende ist hier gleich-falls einem Studium von vier Jahren unterworfen, um als «ana-lytical und technical Chemist» die praktische Tâtigkeit aufnehmen zu kônnen.
- In den Fâchern für Ingenieurkunde und Chemie sind auch Spezialkurse für jene, welche nicht die Zeit haben, um regulâre Kurse durchzumachen. Diese Spezialkurse wâhren zwei Jahre. Es hângt lediglich von der Fâhigkeit der betreffenden Studenten ab, das Material in diesem Zeitraume in sich aufzunehmen.
- Bezüglich der Erlangung eines Diploms gilt dasselbe wie bei den Universitâten; die Kandidaten haben Thesen auszu-arbeiten und müssen eine Prüfung ablegen; sie müssen voll-stândig ausgerüstet sein mit dem erforderlichen Wissen, um des Diploms teilhaftig zu werden. Mit diesem ausgerüstet, erlangen sie eine gute Position.
- Das Institut hat auch Sommerkurse in mehreren Spezial-fâchern für Personen, die bereits praktisch arbeiten und in einem besonderen Fâche hôhere Ausbildung wünschen. Die Gebühren für diese Kurse sind verschieden und variieren zwischen 15 und 45 Dollar.
- Nachstehend gebe ich eine Liste der aufier dem geschilderten Rensellaer polytechnischen Institute im Lande bestehenden In-stitute für Polytechnik, Agrikultur, Bergbau und der von der Nation gegründeten Militârakademien.
- Polytechn iken:
- Jahreszahl der Gründung Studenten 1902/03 mànnl. weibl.
- Auburn-Alabama, Alabama polytechnic.
- Institute 1872 426 9
- Atlanta-Georgia, Georgia school of Technology Chicago-Illinois Armour Institute of Tech- 1888 483 —
- nology Terre Haute-Indiana, Rose polytechnic. 1893 828 6
- Institute Boston-Massachusetts, Mass. Institute of 1883 206 —
- Technology 1865 1545 63
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- Jahreszahl der Oründung
- Worcester-Massachusetts, Worcester Po-
- lytechnic Institute................ . 1868
- Hoboken New Jersey Stevens Institute of
- Technology............................ 1871
- Potsdam New York Clarkson School of Technology .............................. 1896
- In Verbindung mit Agri k u 11 u r :
- Ame-Jowa State College of Agricultur and Mechanic arts 1868 1411 194
- Mississippi State College of Agricultur and Mechanic arts 1880 645 3
- Westside, Mass. Alcorn Agricultur and Mechanical College 1871 439 95
- Bozeman, Montana, Montana State College of Agricultur and Mechanic arts 1893 161 144
- Durham, New Hampshire, New Hampshire College of Agricultur and Mech. arts 1868 118 3
- Mesilla Park, New Mexiko, New Mexico College of Agricultur and Mech. arts 1891 162 60
- West-Raleigh, North-Carolina, N. C. State College of Agricultur and Mech. arts 1889 505 _
- Stillwater, Oklahoma, Oklahoma Agricult. and Mechanical College 1891 269 66
- Kingston, Rhode Island, R. I. College of Agricultur and Mechanic arts .... 1890 73 29
- College Station, Texas, Agricultural and Mechanical College of Texas .... 1876 396
- Blacksburg, Virginia, Virginia Agricultur and Mech. College and Polytechnic Institute. 1872 627
- Agrikultur allein: Fort Collins, Colorado, Colorado Agricultural College 1879 369 124
- Storrs, Connecticut, Connecticut Agricultural College x-> . . . 1881 62 55
- Manhattan, Kansas, Kansas State Agricultural College 1863 1109 465
- Amherst, Massachusetts, Mass. State Agricultural College 1867 179 5
- Sludenten
- 1902/03
- mânnl. weibl.
- 275 —
- 565 —
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- jahreszahl der Gründung
- Michigan, Michigan State Agricultural -
- College............................. 1857
- North Dakota, N. D. Agricultural College 1891 Cornvallis, Oregon, Oregon Agricultural
- College............................. 1870
- Clemson, South Carolina, Clemson Agricultural College ...................... 1893
- Brookings, South Dakota, South Dakota
- Agricultural College................ 1884
- Logan, Utah, Agricultur College of Utah 1890 Pullmann, Washington, Washington Agricultur College......................... 1892
- Mines (für Bergbau):
- Golden Colorado, Colorado school of
- mines...................... .... 1. 1874
- Hougthon Michigan, Michigan College
- of mines......................... 1886
- Butte, Montana, Montana State school of
- mines. . . ......... 1900
- Socorro, New Mexiko, New Mexico
- school of mines.................. 1893
- Rapid City, South Dakota, State school of mines............................ 1886
- Von der Nation für das Militâr gegründet: Annapolis-Maryland, United States Naval
- Academy.......................... 1845 652 —
- West Point N. Y. United States Military Academy . ...................... 1802 436 —
- Von Staaten für das Militâr gegründet: Charleston S. C., South Carolina Military
- Academy.......................... 1843 130 —
- Lexington Va., Virginia Military Academy 1839 274 —
- Die Gesamtzahl aller Anstalten, die als «hôhere Schulen» zu verzeichnen sind, betrâgt 627, wovon 129 für das weibliche Geschlecht berechnet sind.
- Die Zahl sâmtlicher Studenten (mânnlich und weiblich) in den Hochschulen der Vereinigten Staaten im Schuljahre 1902/03 betrug 114.130 gegen 84.955 im Jahre 1897, ein Plus von 29.175 in fünf Jahren; die Sommerschulen (wàhrend der regu-
- Studenten
- 1902/03 mannl. weibl.
- 667 187
- 540 160
- 373 168
- 539 —
- 363 124
- 385 160
- 439 136
- 213 1
- 221 —
- 66 4
- 43 37
- 81 44
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- lâren Ferienzeit) wurden von 10.836 Studenten beiderlei Ge-schlechtes frequentiert. Die Spenden seitens Privater für Colleges und Universities im Schuljahre 1902/03 beliefen sich auf die Summe
- von 14,750.500 Dollar.
- Rückblick.
- Die Zukunft der amerikanischen Nation.
- Blickt man auf die kolossale Leistung in dem jungen Lande in einem so verhâltnismâfiig kurzen Zeitraume, so mufi man in Bewunderung und Staunen geraten ob des Aufschwunges, der nirgends seinesgleichen hat, ausgenommen in Japan, welches in einem halben Jahrhundert mehr oder zumindest so viel ge-leistet, als die hochkultivierten Staaten Europas in einem halben Millennium.
- Es gibt Europâer, die einen Abstecher nach den United States machen, im Fluge ailes sehen und studieren wollen und über manche Dinge die Nase rümpfen, weil sie sie nicht wie in Europa fanden und sie die europâischen Verhàltnisse «hôher» bewerten. Um indes ein Urteil zu fâllen, mufi man tiefer schauen und die Verhàltnisse in Betracht ziehen, die speziell auf dem Gebiete der Lehrtâtigkeit âufierst wichtig sind. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben einen Flâchenraum von 9,212.300 km% mit zirka 70 Millionen Einwohner, wogegen Europa auf 9,732.000 km2 mehr als fünfmal soviel Einwohner zâhlt. Das amerikanische Territorium mufite erst urbar, wohnlich und ertragfâhig gemacht werden. In erster Linie war also rohe Arbeit zu leisten. Die praktische Anschauung des Amerikaners hat nach dem Rechten geschaut und es auch gefunden ; man baute diese Staatenvereinigung auf freiester Basis, wo dem Individuum in keiner Weise Schranken gesetzt wurden, wo kein Bureaukratismus Fufi fassen konnte und durfte, wo ailes, was den Anschein des Nützlichen hat, sofort geschaffen wird. Nur in einem solchen Lande war es môglich, in so kurzer Zeit ein Lehrsystem von der Elementar- bis zur Hochschule von solchem Umfange und solcher Qualitât, wie es das gegenwârtige ist, zu schaffen. Wir sehen, dafi in erster Linie dem Bedürfnisse Rechnung ge-tragen wird. Deshalb ist bei sâmtlichen Institutionen auf die Technik das grôfite Gewicht gelegt und es sind aufier den verhâltnismâfiig vielen selbstândigen polytechnischen Instituten auch in den meisten Colleges und nahezu in sâmtlichen Universitàten
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- technische Kurse angegliedert ; unmittelbar darnach kommt die Agrikultur zu Worte, dann folgen Medizîn und Jurisprudenz; die schônen Künste und Wissenschaften konnten erst gepflegt werden, als das Land einigermaBen kultiviert war und der Wohl-stand seinen Aufschwung nahm. Auch im Altertum haben groBe, mâchtige Reîche bestanden, wie das alte Griechenland und das rômische Reich; wir stehen ja zum Teil noch heute unter Hellas geistigem EinfluB, aber die Hellenen hatten es leicht. Ihre Sklaven bewirtschafteten die Felder, sie verrichteten jede hàusliche Arbeit. Der Hellene führte ein sorgloses Dasein und pflegte Kunst und Wissenschaft. Nur die Sorglosigkeit betreffs materieller Güter konnte das Zeitalter eines Perikles der Welt schenken. Und doch konnte Griechenland sich nicht als groBes Reich befestigen, weil die verschiedenen Republiken uneinig und aufeinander eifersüchtig waren. Die erste Bedingung für ein groBes, mâchtig entstehendes Reich ist nâmlich Einigkeit und Harmonie seiner Bevôlkerung. Diese Bedingung fehlte; das Reich ging in Trümmer, aber seine groBe geistige Verlassenschaft ist der Welt zum ewigen Ruhme der Hellenen geblieben. Rom hat die damalige Welt erobert und zerfiel durch Fâulnis des Càsarismus,
- Der grofie Washington, der Vater des Vaterlandes, wie ihn die Amerikanerbezeichnen, erklârte, diese Republik müsse immer demokratisch bleiben, wenn sie grofi und mâchtig werden will. Von vornherein muBte die Môglich-keit von Uneinigkeiten und Streitigkeiten benommen werden. Die United States of America sollten auf solide, teste Basis gestellt werden und nach den freiesten Grundsâtzen ^ich ent-wickeln; die Begründer dieser Staatenrepublik hatten gesunden Menschenverstand und die Erfahrungen aus der Geschichte zu Hilfe genommen.
- Die Begründer der amerikanischen Republik wollten, daB ein freies Volk dieses Territorium bewohne und bewirtschafte, ein eigenes Gebilde entstehe und das freie Denken môglichst gefôrdert werde. Es bestand aber die Gefahr, daB die Geld-mâchte die Herrschaft an sich rissen. Die Demokratie und Vaterlandsliebe haben indes so teste Wurzel gefafit, daB auch die groBen Geldmâchte in diesem Lande ailes aufbieten, um die Bildung zu fôrdern; der Menschenfreund fürchtet Bildung nicht, denn nur Bildung macht frei, nur Bildung veredelt den Menschen, macht wahrhaft moralisch und sittlich, und wenn der Mensch theoretische und praktische Bildung harmonisch vereint, dann wird auch jeder auf friedlichem Wege sich seinen Platz unter
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- der Sonne und seinen Anteil in dieser Welt verschaffen und sichem kônnen.
- Deshalb wurde in den United States schon auf dieVolks-schule die grôôte Sorgfalt verwendet; es herrschen für diese Schulzwang und Kostenlosigkeit. In der Volksschule mu8 der Grund gelegt werden fürs ganze Leben, aus dieser heraus müssen die Kinder mit praktischen und freien Anschauungen treten, denn viele sind nicht in der angenehmen Lage, weitere Studien zu pflegen, weil sie sich frühzeitig einem Erwerbe wid-men müssen; aber die Grundsâtze und Anschauungen, die der kleine Junge eingesogen hat, dauern an. Und so sehen wir in den United States eine Jugend, die selbst nach kurzer Schulzeit mit praktischerem Blick ins Leben tritt al s bei uns solche, die 12 bis 15 Jahre bei den Büchern und in den Lehrsâlen ge-sessen.
- Damit ailes klappe und die Einigkeit dieser fortwâhrend noch im Werden und Wachsen sich befindlichen Nation fest geschmiedet werde, mufite eine Staatssprache gesetzlich fest-gelegt werden. Da ohne Unterbrechung ein Strom aller Nationali-tâten und Sprachen sich ins Land ergofi und ergiefit, so kônnte es leicht geschehen, dafi die verschiedenen Nationalitàten sich nach ihren Besonderheiten gruppieren, jede sich an be-stimmte Territorien festsiedelt und die eine oder andere nicht nur ihre Nationalitât und Sprache beibehâlt, sondern wegen dieser leicht in Kampf mit einem oder mehreren nachbarlichen Territorien gérât, wie dies in vielsprachigen Lândern Europas der Fall ist, was leicht zu Reibungen und Bürgerkriegen führt; um dem von vorneherein die Spitze zu benehmen, hat die Staatsregierung auf allen Plâtzen, in allen Stâdten und Ortschaften, wo sich die Einwanderer einsiedeln, freie Abendschulen errichtet, in denen jeder in seiner Mutter-sprache Unterricht in der englischen Sprache findet; diese Schulen beginnen die Kurse im Oktober und wâhren bis Ende Mârz. Sie haben sich aufîerordentlich bewâhrt. Die Staatssprache fôrdert es selbstredend, da8 aus dem Teig aller Nationen ein Ganzes geknetet und eine einige amerikanische Nation geschaffen wird, die sich fortwâhrend weiter bildet und sich im Laufe der Zeit zur bedeutendsten der Welt emporschwingen dürfte.
- Niemand, der auf diesem Boden das Bürgerrecht erîangt, ist beengt in seiner Bewegung, in seiner Tâtigkeit, in seiner Ansicht, in seinem Glauben, deshalb der imponierende Auf-schwung, deshalb die wachsende Grô8e!
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- Dieses junge Reich, welches sein hauptsâchliches Menschen-material aus dem alten Europa geholt hat, welches aus diesem alten Weltteile auch die Grundbegriffe des Wissens schôpfte, dieses demokratische Land wird auch für die zukünftige Gestal-tung Europas und vielleicht der Welt Lehrer und Leiter sein, wie das Menschengesch lecht zur Eintracht und Grôfîe, daher zum Glück und Wohlergehen heran-gebildet werde!
- Literatur.
- Advance sheets. United states bureau of éducation. Chapter from the Report of the commissioner of éducation for 1903.
- Chapter XV: Foreign universities and other foreign institutions of higher éducation in 1903.
- Chapter XIX: Manual, industrial, and technical éducation in the united states.
- Chapter XXXIII: Universities, colleges, and technological schools.
- Monographs on éducation in the United states edited by Nicholas Murray Butler. Universal Exposition, St. Louis, 1904.
- Nr. 5: The american College. By Andrew Fleming West.
- Nr. 6: The american University. By Edward Delavan Perry.
- Nr. 13: Commercial éducation. By Edmund J. James.
- Nr. 14: Art and industrial éducation. By Isaac Edwards Clarke.
- Nr. 16: Summer Schools and university extension. By George E. Vincent.
- Columbia University.
- a) Bulletin of Information;
- b) Chemistry Announcement, 1904—1906.
- Published by Columbia University in the City of New York.
- Rensellaer Polytechnic Institute Bulletin. Catalogue. Troy N. Y. 1904.
- The university of Wisconsin. A Study of higher éducation by the State. By Henry Burrowes Lathrop. For distribution at the Louisiana Purchase Exposition, 1904.
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- Sachregister.
- Abendschulen 44 Abiturienten 33 Ackerbau 6, 14, 19, 22, 24, 31, 32, 34, 43 Aller 13, 14, 25, 32, 38 Anthropologie 21 Archâologie 24 Architektur 25, 26 Assistent 16 Astronomie 24, 33, 38 Athletik 15, 33 Aufnahme 15, 20, 21, 23, 24, 25, 27, 28, 34, 35, 38
- Baccalaureat 13, 15, 21, 28, 35
- Ballspiele 15, 33 Bergbau 25, 26 Bibliothek 11, 14, 26, 36 Biologie 21 Blinde 12 Botanik 24
- Chemie 14, 24, 25, 26
- Debattierklub 33 Deutsch 13, 24, 26, 31, 35 Diplom 14, 16, 17, 20, 23, 24, 25, 26, 27, 35, 38 Doktor 19, 21, 35
- Einkünfte 16, 27, 29 Elektrizitât 32, 38 Elementarschule 9, 27 Englisch 6, 24, 26, 38, 44
- Fakultât 16, 24, 25, 26, 28, 31, 34 Farmer 31 Ferien 15, 38
- Forstakademie 28 Franzôsisch 13, 38 Frauen 21, 23
- Gebühren 17, 22, 23, 26, 27, 29, 33, 34, 38 Gehalte 16, 17 Géographie 24 Géologie 38 Geometrie 38 Geschichte 13, 14, 23, 24, 25
- Gewerbeschulen 10, 11, 29 Grammar school 10 Griechisch 13, 26, 31
- Handelsschule 14, 22, 24, 31, 34, 35
- Handfertigkeiten 10, 11
- Indianerschulen 12 Indogermanisch 24 Ingénieur 14, 32, 38 Instruktor 13, 16, 20, 23, 26, 35
- Jurisprudenz 19, 21, 22, 24, 25, 26, 29, 33, 34, 43
- Kindergarten 9, 27 Korpsgeist 15 Kosten 17, 38 Kunstschulen 10, 11,24,34 Kurze Studentenkurse 32
- Laboratorium 14, 27,36,38 Latein 13, 23, 26, 31 Literatur 23, 26, 31 Logik 23
- Maschinenbau 38 | Master of Philosophie 21
- Mathematik 13, 21, 23, 24, 26, 29, 38 Matura 35 Mechanik 32
- Medizin 19, 22, 23,24, 25, 26, 29, 31, 34, 43 Minéralogie 38 Molkereikurse 32 Moralphilosophie 13 Museen 10, 11, 36 Musik 15, 26, 33, 34, 35
- Naturwissenschaften 13,
- 20, 26, 31
- Non Sectarian colleges 18
- Ôkonomie, politische 13,
- 21, 25, 26
- Organisation 16, 18, 19, 28, 29, 35, 36
- Pâdagogik 21 Pâdagogium 26, 27 Pharmazie 31 Philosophie 14, 19, 20, 21,
- 22, 23, 24, 25, 26, 28,31, 34
- Physik 21, 24, 38 Pràsident 16, 29 Privilegien 16 Professional school 20, 21 Professor 13,16,20, 22, 30 Psychologie 21, 23, 25, 26 Public school 9, 10 Publizistik 27, 33
- Realgymnasium 22 Regenten 16, 29, 34 Religion 9, 17, 29, 33 Rômisch-katholisch 18, 21 Romanistik 24, 26
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- Schwachsinnige 12 Schwimmen 26 Secondary school 13,15,27 Sectarian colleges 18 Selbsthilfe 17, 33 Semitologie 24, 26 Sommerschulen 41, 42 Spesen 17, 33 Spezialkurse 14, 27, 31, 32, 38
- Stellenvermittlung 26, 27 Stipendien 17, 20, 22, 26, 33, 36
- StraSenbau 38
- Taubstumme 12 Technical school 20, 21 Technologie 14, 19, 21, 22, 25, 26, 29, 31, 34 Termine 28, 38 Théologie 21, 22, 24, 25, 28, 29
- Tierarzneikunde 24, 28, 34 Turnen 26
- Verwaltung 16, 18, 24, 25, 27, 29, 34
- Vorbereitungskurse 31
- Zahl der Professoren 18, 26, 38
- Zahl der Schulen 10, 11, 12, 18, 41
- Zahl der Studenten 17, 18, 21, 26, 32, 41 Zahntechnik 24 Zeichnen 10, 11, 38 Zentralregierung 17,19,20, 36
- Zerstreuungen 15, 33 Zoologie 24
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